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“Leeres Land” – Die Geisterdörfer Spaniens

"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens

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Die Landflucht in Spanien

Die Disparitäten in der Bevölkerungsdichte zwischen den einzelnen Autonomen Gemeinschaften bilden ein traditionelles Schlüsselproblem Spaniens. Hohe Konzentration der Bevölkerung in bestimmten Ballungsgebieten und dünne Besiedlung und weite Entfernungen zu Agglomerationsräumen, bei ungünstigen naturräumlichen Standortfaktoren und einer monostrukturellen Landwirtschaft bestimmen diesen Gegensatz.

Die Bevölkerung Spaniens ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Davon kann man sich bei einem Besuch der Großstädte und Ballungsräume vorwiegend an den Küsten leicht überzeugen. Die ländlichen Gegenden waren nie dicht besiedelt. Doch zwischen 1950 und 1970 vollzog sich ein regelrechter Exodus. Das ist nicht zuletzt der rücksichtlosen Industrialisierung unter Franco zu verdanken. Während sich die Einwohnerzahl vieler Städte verdoppelte und verdreifachte, entleerten sich die ländlichen Regionen fast vollständig. Rund 75% der Menschen leben heute im Großraum Madrid und in den urbanen Zentren entlang der Küsten. So hat Spanien eine Bevölkerungsdichte, die in Europa nur von Lappland und Teilen Finnlands unterschritten wird. Auch wenn die regionalen Disparitäten nicht allein ein Thema von Spanien sind, sondern in vielen europäischen Länder Realität sind, so ist der Unterschied in Spanien jedoch besonders eklatant.

Schon Cees Nooteboom erzählt in den 1970er Jahren in seinem Buch “Umwege nach Santiago” von dieser Landflucht und den vielen ländlichen Dörfer, in denen er wenn überhaupt nur noch wenige alte Menschen trifft. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Ambivalenz, die in solchen Entwicklungen steckt. Denn er ist auch fasziniert von dieser Weite und Leere des Landes, die für ihn seinen besonderen Charakter ausmacht. Er spricht davon, dass die Einöde des Landes seine eigene Majestät besitztn

Bevölkerungsdichte 2018 E/qkm hell gelb unter 10 tief violett 10.000 Von dieghernan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83349211

Vor allem seit Beginn der 1960er Jahre begann ein Massenexodus von arbeitssuchenden jungen Menschen. Diese gingen entweder als Emigranten in andere europäische Länder oder aber sie zogen in Form der internen Migration in die Industriezentren (v.a. Bilbao, Barcelona, Madrid, Valencia). Bei der Abwanderung aus dem ländlichen Raum handelte es sich de facto um eine Landflucht. Sie begann häufig als temporäre Wanderung einzelner Familienmitglieder, die in den städtischen Zentren des Landes bessere Verdienstmöglichkeiten suchten. Aus der temporären Abwanderung wurde in aller Regel recht bald eine definitive Familienwanderung. Die Binnenwanderungsbewegung begann in der Regel als Etappenwanderung, d.h. die abwanderungswillige Bevölkerung wanderte zunächst in die eigene Provinzhauptstadt und von dort aus dann in entfernter gelegene industrielle Ballungszentren. Häufig zogen dann diesen ersten Migranten weitere Abwanderungswillige aus dem gleichen Herkunftsgebiet nach sich, so dass sich in den Großstädten ganze Stadtviertel gleicher Herkunftsgebiete bildeten, wie wir es ja in Deutschland aus vielen Großstädten mit der Konzentration ausländischer Zuwanderer kennen.

Die Selektivität der Migration

Die Selektivität der Migrationsprozesse d.h. die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen mit oft besserem Ausbildungsniveau hat für die Abwanderungsräume neben dem Verlust an Menschen weitere gravierenden Strukturprobleme zur Folge wie Überalterung, Verfall der Landwirtschaft in Kombination mit wachsender Bodenerosion und Desertifikation und einem allgemeinen ökonomischen Niedergang der Gemeinden.

Am stärksten trifft der Bevölkerungsschwund die weitläufigen ländlichen Regionen in Kastilien-León, Kastilien-La Mancha, Extremadura oder Aragonien, aber auch Teile von Andalusien, Kantabrien, Galicien und Asturien. Sie machen 62 Prozent der Fläche Spaniens aus, dort wohnt mit 11,5 Millionen Personen aber nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung. So sind hier zum Teil ganze Dörfer nur noch partiell bewohnt, kleinere Weiler sind vollständig aufgegeben worden (sogenannte Ortswüsten).

Die Entwicklung wirft eine Reihe von gravierenden Fragen aus:

Wie sollen unter solchen Rahmenbedingungen die schulische Bildung und berufliche Ausbildung garantiert werden?

Wie könnte eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Gebieten initiiert werden?

Wer trägt die Kosten für eine zeitgemäße infrastrukturelle Ausstattung mit Straßen, Elektrizitäts- und Kommunikationsnetzen, Ver- und Entsorgungsdiensten usw. in nur punktuell besiedelten Räumen?

Wer garantiert die Kontrolle von Umweltschutzbestimmungen?

Wer sorgt für die Einhaltung eines mitunter sehr fragilen ökologischen Gleichgewichts in kaum besiedelten, aber von der Freizeitgesellschaft und dem Tourismus genutzten (Gebirgs-)Räumen.

Es ist ein Teufelskreis. Viele Menschen verließen und verlassen ihre Heimatdörfer. Andere zeihen gar nicht erst dorthin – wegen der mangelnden Grundversorgung an öffentlichem Nahverkehr, Internetverbindungen, Schulen, Gesundheitszentren etc. Doch je weniger Menschen in den dünn besiedelten Gebieten leben, desto geringer ist der Anreiz für die Politik und die Privatwirtschaft dort zu investieren.

https://www.spotblue.com/de/news/spains-abandoned-villages/

Das Schlagwort „Leeres Land“

Der Begriff „leeres Spanien“ ist u.a. durch das Buch des Journalisten Sergio del Molino zu einem politischen Schlagwort geworden und hat zu zahlreichen Diskussionen und Initiativen in Spanien geführt. Del Molinos Buch hat in Spanien eine kaum vorstellbare Wirkung entfaltet, Parlamentsdebatten, Gegenbücher, sogar die Gründung einer Partei angeregt. 

Das Thema Landflucht lässt sich mittlerweile keine spanische Partei mehr entgehen, die drohende Entvölkerung ganzer Regionen zählt heute zu den bedeutenden Herausforderungen der Regierung. Es wurden inzwischen zahlreiche Programme aufgelegt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber wie erfolgreich diese wirklich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Die Verantwortung liegt aber nicht nur bei der spanischen Regierung, auch die Autonomen Gemeinschaften und lokalen Gebietskörperschaften müssen Vorschläge und Maßnahmen ergreifen, um dem Trend der Entvölkerung, der lange Zeit als unumkehrbar galt, entgegenzutreten.

España Vaciada ist eine politische Plattform und soziale Bewegung, die sich aus einer großen Anzahl von Bürgergruppen und Vereinigungen zusammensetzt. Diese existieren zum Teil schon seit zwei Jahrzehnten, sie treten in vielen Provinzen unter unterschiedlichen Namen an. Die Bewegung versucht, die Interessen des leerer werdenden ländlichen Spaniens zu vertreten.

In ihrem Programm betont die Plattform, das fehlerhafte, unfaire und asymmetrische territoriale Entwicklungsmodell korrigieren zu wollen. Ihr Ziel ist es, die Abwanderung aus ländlichen Regionen, den Rückbau von Infrastruktur und die daraus folgende Gefahr von Verödung auf die politische Agenda zu setzen. Der Vormarsch des „leeren Spaniens“ in die spanische Politik gestaltet sich bislang regional sehr unterschiedlich und hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Die Hoffnung bei den Nationalwahlen ein größeres politisches Gewicht im Parlament bilden zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Bei den Nationalwahlen im Juli 2023 hat sie keinen Sitz erringen können und nur knapp über 3000 Stimmen erhalten.

Die verlassenen Dörfer u.a. in Galicien und Asturien

Die wirtschaftliche Armut in bestimmten ländlichen Regionen, die Überalterung der Bevölkerung und die massive Landflucht der jungen Menschen hatte zur Folge, dass vielen Dörfern das Aussterben droht. Heute sind sogar schon ganze Dörfer verlassen und dem Verfall überlassen worden. Cees Nooteboom hat in seinem Buch “Umwege nach Santiago” sehr treffend beschrieben, dass die Dörfer früher durch ihre exponierte Lage in den Bergen geschützt waren, aber genau dadurch sind sie heute von der Entwicklung abgeschnitten. Und er beschreibt sehr eindringlich, wie es ist ein solches leeres Dorf aufzusuchen (S. 380). Der Fluch oder Segen Spaniens besteht darin, dass es endlose Küsten besitzt, die von Industrie und Tourismus gleichermaßen hoch geschätzt werden. 

Was für uns gerade die Schönheit und Attraktivität der Jakobswege ausmacht – die ländliche Idylle, die weiträumige Landschaft, die Leere, die Ruhe, die Stille und Einsamkeit -, ist auf der anderen Seite auch eine Konsequenz der Landflucht und des wirtschaftlichen Niedergangs dieser Regionen. 

Vor allem auf dem camino primitivo kann man die Abwanderung aus den abgelegenen Dörfern Asturiens und Galiciens unmittelbar beobachten, geht man doch an verlassenen verfallenen Häuser und Dörfern vorbei. Allein im Osten Galiciens finden sich angeblich ca. 400 aufgegebene Dörfer. Nun versucht man, diesen Geisterdörfer wieder Leben einzuhauchen, indem man überlegt, sie im Ganzen zu verkaufen. Heute sind es vor allem Ausländer, die Interesse zeigen, ganze Weiler zu kaufen. Vielleicht tragen ja die Digitalisierung und der überhitzte Wohnungsmarkt in den Verdichtungsräumen dazu bei, dass ein oder andere Dorf vor dem Verfall gerettet wird. Dazu ist es allerdings notwendig, gerade die Infrastruktur zu erhalten bzw. auszubauen, um den Anforderungen eines heutigen digitalen Lebens gerecht zu werden.

Neben diesen Beispielen gibt es einige – von den regionalen Regierungen allerdings nur teilweise tolerierte – Versuche der Wiederbesiedlung verlassener Dörfer durch junge Besetzer*innen. Neben der rechtlichen Grauzone, in der diese neuen Bewohner agieren, wird oft auf die Vorteile solcher Aktivitäten hingewiesen. Durch ökologische Landwirtschaft wird Biodiversität geschaffen. Die Agroforstwirtschaft reduziert das Brandrisiko und den ökologischen Fußabdruck. Wirtschaftlich wird das lokale Gefüge durch die Präsenz neuer Bewohner gestärkt; sie produzieren, konsumieren und schaffen oft Aktivitäten, die es bisher noch nicht gab. Kulturell geht es um die Schaffung von experimentellen Freiräumen, in denen sich Menschen von verschiedenen Horizonten treffen und in unterschiedlichsten Bereichen einbringen können.

All diese Beispiele und Versuche werden aber nicht ausreichen, um dem Problem der Landflucht zumindest teilweise entgegenzuwirken. Hierzu sind sicher intensivere Bemühungen und Aktivitäten der staatlichen und regionalen Behörden notwendig. Aber die gesamte Entwicklung lässt sich wohl nicht zurückdrehen, dazu fehlen sowohl die ökonomische Basis als auch die ökologische Voraussetzungen, gerade wenn auch man an den Klimawandel denkt.

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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Transhumanz – traditionelle Weideform und wichtiger Beitrag zur Biodiversität

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Via de la Plata

Begriff

 

Transhumanz ist eine Form der Weidewirtschaft, bei der das Vieh (i.d.R. Schafe und Ziegen, aber auch Kühe und Pferde) im Sommer auf Höhenzügen und im Winter in schneefreien Niederungen steht. Im Gegensatz zum Nomadismus gehören die Herden einer sesshaften Bevölkerung und werden von Hirten zu den Weideplätzen, die sich im jahreszeitlichen Klimarhythmus ergänzen, begleitet. Bei der Transhumanz wird das Vieh im Unterschied zur Almwirtschaft in der Regel nicht eingestallt, da es klimatisch nicht notwendig ist. Die Eigentümer selbst betreiben Ackerbau oder gehen anderen Berufen nach.

Hauptverbreitungsgebiet der Transhumanz ist der Mittelmeerraum.

Von Ökologix - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32403478

Transhumanz in Spanien

 

In Spanien ist die saisonale Wanderschäferei über weite Strecken seit Jahrhunderten eine Tradition. Hier hat die regelmäßige saisonale Beweidung durch die Schafe eine einzigartige Kulturlandschaft mitgeschaffen.

Im Frühsommer, wenn weite Landschaften Zentral- und Südspaniens anfangen auszutrocknen, beginnt die Transhumanz in Spanien. Über Hunderte von Kilometern wurde/wird das Vieh aus Andalusien und der Extremadura in die gebirgigen, feuchteren Regionen der Provinzen León und Palencia getrieben. 

Bereits im zwölften Jahrhundert standen Wanderhirten unter dem besonderen Schutz der Könige. Für sie wurden eigens bis zu 75 Meter breite Viehwege mit Schutzhütten und Tränkestellen festgelegt. Auf den sogenannten Cañadas konnten Forscher mehr als vierzig Pflanzenarten pro Quadratmeter und mehr als hundert Schmetterlings- und andere Insektenarten nachweisen.

In Spanien trieben die Hirten noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr als vier Millionen Schafe,Rinder, Ziegen, Esel und Pferde in den Norden Spaniens und zurück. Damit schufen sie ein Wegenetz von mehr als 124.000 Kilometern durch das Land. Eine uralte und die Landschaft prägende Tradition, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft in Spanien in den 1960er-Jahren fast in Vergessenheit geriet.

Diese Wende kam mit dem Eintritt Spaniens in die Europäische Gemeinschaft und der damit verbundenen EG-Supermarkt-Agrarpolitik, gegen die die spanischen Wanderhirten mit ihrer überlieferten, extensiven Viehzucht keine Chance hatten. Die Entkopplung der EU-Beihilfen und die Konkurrenz durch Importe aus dem Ausland haben zu einer massiven Aufgabe kleiner, extensiv arbeitender Betriebe geführt. Diese Schließung von Betrieben führt bei den großen Betrieben zu einer weiteren Intensivierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. So befindet sich die extensive Weidewirtschaft mit Schafen und Ziegen, die zum Artenerhalt und für die Landschaftspflege in ganz Spanien von fundamentaler Bedeutung ist, an einem Scheideweg, der über die Zukunft der Natur und des ökologischen Gleichgewichts entscheidet. Gerade unter dem Eindruck der Klimakrise, der stärkeren Dürrperioden, der Austrocknung und Auslaugung der Böden sowie der gängigen Probleme einer intensiven Landwirtschaft ist hier ein Umdenken gefragt.

Die mangelnde Überlieferung von Generation zu Generation, die Modernisierung und die geringe Rentabilität der Verfahren und die heruntergekommenen Viehwege haben zu einem Niedergang der Transhumanz geführt, die sehr stark Gefahr läuft, in naher Zukunft völlig zu verschwinden. Zudem ist sie weiterhin eine wichtigste wirtschaftliche Tätigkeit in vielen ländlichen Bergregionen, wo die physischen Faktoren andere Arten der Landwirtschaft einschränken.

Mitunter geht es nicht nur auf Feldwegen, sondern auch Landstraßen zum nächsten Ziel der Transhumanz. Foto: Hilke Maunder "Mein Frankreich"

Bedeutung der Transhumanz für das ökologische Gleichgewicht

(u.a. am Beispiel der Dehesas)

  • Die Dehesas werden in der Trockenheitsphase nicht vertreten und bis zum letzten Halm abgefressen.
  • So wird eine Überweidung vermieden und der Lebensraum anderer Tiere (z.B. gefährdeter Steppenvögel) geschützt.
  • Immergrünen Weiden binden auch im Winter weiterhin Kohlendioxid (CO2) über die Pflanzen und speichern dies über die Wurzeln im Boden. 
  • Mehrschichtige und unbelastete Grünlandboden bindet zudem Schadstoffe wie übermäßigen Stickstoff und verhindert damit eine Nitratbelastung von Grundwasser, Flüssen und Seen.
  • Die Böden können im Herbst die Regenfälle besser aufnehmen.
  • So wird auch die Erosion der Böden verringert.
  • Das schützt wiederum die Artenvielfalt der Dehesas.
  • Der Arbeitsaufwand auf den Farmen wird durch die Abwesenheit der Schafe verringert.
  • Man spart sich das Kraftfutter für die Schafe, was zur Verminderung des CO2 -Fußabdruckes führt.
  • Auf den Bergweiden wird die Verbuschung vermieden und Weideflächen freigefressen.  indem die Weidetiere bestimmte Pflanzen immer wieder “verbeißen”, wo sonst mehrjährige Sträucher und Bäume bald alles zuwuchern würden. Dadurch sind in Europa einzigartige Kulturlandschaften entstanden.
  • So kann auch die Biodiversität (siehe Kapitel unten) gestärkt werden, da durch die Verbuschung bestimmte Tierarten wie der Braunbär, der Auerhahn oder der Bartgeier bedroht sind.
  • Untersuchungen aus Spanien haben aufgezeigt, dass mit dem Kot eines einzigen Schafes bis zu 6000 Samen am Tag ausgeschieden werden. Damit tragen Schafe nicht nur zur Artenvielfalt in der Landschaft bei, sie vernetzen auch wichtige Biotope untereinander. Auf manchen historischen Wanderwegen hat sich über die Jahrhunderte durch die Wanderschäferei eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt.
  • Außerdem wird die Waldbrandgefahr in den Bergen so reduziert.
  • Durch die Transhumanz werden außerdem viele Wanderwege, Canadas (bis zu 125.000 km Länge) erhalten, ein unschätzbares Natur- und Kulturerbe.

Politische und organisatorische Aktivitäten in Spanien

Seit den 1990ern bemühte sich eine Handvoll Hirten und Naturschützer um die Wiederbelebung der Transhumanz, und die Regierung stellte die Wege 1995 schließlich unter Schutz.

Als weiteres Ergebnis hat das Ministerium für die Umwelt, den ländlichen Raum und die Meeresumwelt (MARM) ein Förderprogramm für die Transhumanz über das nationale Netzwerk für ländliche Räume eingerichtet, das teilweise über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) mit 1,6 Millionen Euro gefördert wird. Das Programm unterstützt Hirten, die saisonal wandern, und sieht Maßnahmen vor, um der Öffentlichkeit die Bedeutung der Hirten bewusst zu machen. Dies umfasst u.a. Präsentationen, die Entwicklung von Unterrichtsmaterial für Schulen und den mittlerweile berühmten Schaftrieb durch Madrid.

Neben anderen Organisationen kümmert sich auch die Fundación Global Nature um die Biodiversität im ländlichen Raum. Um die Geschichte der Transhumanz lebendig zu halten, wurde die Fundación selbst zum Viehhalter und ging viele Jahre lang mit einer Herde von 2.200 Merinoschafen auf die Wanderreise. Im Moment arbeitet die Fundación Global Nature España im Wesentlichen daran, neue Möglichkeiten für die Transhumanz aufzuzeigen, um diese auch finanziell attraktiver zu machen. Dazu zählt die Haltung alter und gefährdeter Haustierrassen, die sich bestens an das Klima, die Sommerhitze und den kargen Boden anpassen und hervorragende Fleischprodukte aus ökologischer Viehzucht liefern können. Außderdem sollen neue Vermarktungsstrategien wie z.B. die Werbung für “Produkte aus der Transhumanz”  intensiver auszubauen werden.

Interessant zu wissen:

2026:   Ein Jahr im Zeichen der Transhumanz
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNGA) hat 2026 als Internationales Jahr der Weidelandschaften und Pastoralisten (= Hirten und andere) ausgerufen.

Das IYRP soll das weltweite Verständnis für die Bedeutung von Weideland und Pastoralisten für die Ernährungssicherheit, die Wirtschaft, die Umwelt und das kulturelle Erbe verbessern, Wissenslücken über Weideland und Pastoralisten schließen helfen und eine evidenzbasierte Politik und Gesetzgebung fördern, die eine nachhaltige Weidewirtschaft in den Weidelandschaften ermöglicht. 

By Jpmgir - Own work: appareil numérique bon marché, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8287487

Was bedeutet eigentlich Biodiversität und warum ist sie so wichtig?

 Als Biodiversität bezeichnet die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme auf dem Land, im Süßwasser, in den Ozeanen sowie in der Luft. Biodiversität beinhaltet

  • die Vielfalt unterschiedlicher Arten als auch innerhalb einer Art (taxonomische Diversität)
  • die genetische Vielfalt innerhalb einzelner Arten sowie die Diversität aller Organismen eines Lebensraums (genetische Diversität)
  • die Vielfalt an Biotopen und Ökosystemen sowie an Ökosystemfunktionen wie Bestäubung und Samenverbreitung (ökologische und funktionale Diversität)
  • die Vielfalt an Verhaltensweisen von Tieren (kulturelle Vielfalt)

Biodiversität ist das Rückgrat des Lebens. Sie ist für den Menschen ebenso wichtig wie für den Umwelt- und Klimaschutz. Sie versorgt uns mit Nahrung, Süßwasser und sauberer Luft und spielt eine wichtige Rolle bei der Wahrung des natürlichen Gleichgewichts. Sie trägt dazu bei, den Klimawandel aufzuhalten und verhindert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Nach Angaben des Weltwirtschaftsforums hängt knapp die Hälfte des weltweiten BIP (rund 40 Billionen €) von der natürlichen Umwelt und ihren Ressourcen ab. 

Menschliche Tätigkeiten, die Lebensräume verschmutzen und verändern, sowie der Klimawandel belasten Arten und Ökosysteme. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern sind derzeit weltweit eine Million Arten von Pflanzen, Insekten, Vögeln und Säugetieren vom Aussterben bedroht. Täglich sterben bis zu 200 Arten aus!

Die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 ist der Eckpfeiler des Naturschutzes in der EU und ein Schlüsselelement des europäischen Grünen Deals. Man kann nur hoffen, dass die europäischen Staaten diese Strategie ernst nehmen und umsetzen und es nicht nur schön bedrucktes Papier bleibt. Die Zeit drängt!eigentlich

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Die Korkeiche – Europäischer Baum des Jahres 2018

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Via de la Plata

Die Korkeiche (Quercus suber L.), auch Pantoffelholzbaum oder Pantoffelbaum, ist ein immergrüner Laubbaum des westlichen Mittelmeerraums aus der Gattung der Eichen (Quercus). Sie wurde 2018 zum Europäischen Baum des Jahres gewählt. Namensgebend sind die dicken Korkschichten des Stammes, die zur Korkgewinnung genutzt werden. Ein einzelner Baum kann während seines Lebens 100 bis 200 Kilogramm Kork liefern.

Schon in der frühen Antike kannten die Assyrer, Ägypter und Griechen den Korken. Zum Teil wurden Korkpfropfen auch als Verschluss für Amphoren verwendet. Zumeist waren jedoch Stöpsel aus Terrakotta (Ton) in Gebrauch, die mit Bindfaden befestigt und dann mit Lack, Ton oder Pech abgedichtet wurden.

 

Beschreibung

Die Korkeiche wächst als immergrüner Baum, der eine durchschnittliche Wuchshöhe von 10 bis 20 Metern oder in seltenen Fällen bis 25 Meter und Stammdurchmesser von 50 bis 90 Zentimeter erreicht. 

Charakteristisch für die Korkeiche sind die dicken, längsrissigen Korkschichten der graubraunen Stammborke. Das Kambium der bei jungen Bäumen glatten Rinde bildet sehr früh eine Korkschicht, die drei bis fünf Zentimeter dick werden kann. Das leichte und schwammige Korkgewebe zeigt senkrechte Risse und ist an der Außenseite weiß, an der Innenseite rot bis rotbraun. Die Korkeiche ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), es treten sowohl weibliche als auch männliche Blüten an einem Exemplar auf. Die Fruchtstände werden 0,5 bis 4 Zentimeter lang und tragen zwei bis acht Eicheln.

Die Bäume werden über 400 Jahre alt, geerntete Exemplare werden 150 bis 200 Jahre alt.

 

geschälte Korkeiche Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17050001

Verbreitungsgebiete und Standortansprüche

Dehesa heißen in Spanien die Korkeichenwälder, die sich in den Regionen Andalusien und Extremadura auf einer Fläche von über 500.000 Hektar erstrecken.  In Portugal bedecken natürliche und angepflanzte Bestände ein Gebiet von 750.000 Hektar. Auch in Frankreich, Italien und Nordafrika finden sich meist kleinere Gebiete mit Korkeichen (s. Karte).

Die Art ist sehr lichtbedürftig und kann in dichten Beständen nicht überleben. Sie ist wärmeliebend und in Mitteleuropa nicht winterhart.  Sie erträgt Dürre und überdauert sommerliche Trockenperioden durch die Reduzierung des Stoffwechsels. Korkeichen stellen geringe Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit und wachsen auch auf mageren, trockenen oder felsigen Standorten. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Korkeiche#/media/Datei:Quercus_suber_range.svg

Ökologische Aspekte und Probleme

In natürlichen Umgebungen wächst die Korkeiche gemeinsam mit anderen Eichenarten z.B. der Steineiche. Die Korkeichenwälder dienen unter anderem als Weideland für die halbwild gehaltenen Ibérico-Schweine und stellen zudem wichtige Lebensräume für bedrohte Tier- und Vogelarten wie beispielsweise den Iberischen Luchs, den Spanischen Kaiseradler und den Mönchsgeier dar. (s. auch Artikel “Dehesas” und ” Das schwarze Ibero-Schwein”)

Die Korkeiche geht mit mehreren Pilzarten eine MykorrhizaSymbiose ein. Dabei ist das Feinwurzelsystem der Eiche in engem Kontakt mit dem Myzel des Pilzes. Die Eiche erhält vom Pilz Wasser und Nährsalze im Tausch für Produkte der Photosynthese.

Leider hat die Korkeiche auch mächtige Feinde. Mehrere Schmetterlingsarten, sprich ihre Raupen, schädigen die Korkeiche, die bedeutendste ist der Schwammspinner (Lymantria dispar). Wie bereits im Artikel „Dürre in der Extremadura“ ausgeführt breitet sich dieser Schädling gerade intensiv im Süden Andalusiens aus und bedroht auf Dauer auch die Korkeichen in der Extremadura und im angrenzenden Portugal.

(Foto: © APCOR / DKV).

Nutzung und Vorzüge

Die Korkeiche wird zur Gewinnung von Kork in mehreren Mittelmeerländern angebaut. Die Zentren der Korkproduktion liegen in Süd-Portugal und Süd-Spanien, wo auf weiten Flächen niedrige Bäume mit großen Kronen und starken Ästen angebaut werden, die den höchsten Ertrag an Kork liefern. Diese größtenteils extensiv bewirtschafteten Habitate werden in Spanien Dehesas und in Portugal Montandos genannt. Unter den Gesichtspunkten von Artenvielfalt und kulturellem Erbe werden sie als höchst wertvoll angesehen.

Die Korkeiche ist der einzige Baum, den man schälen kann, ohne dass er Schaden nimmt. Ehe es soweit ist, muss er mindestens zwanzig Jahre wachsen, um eine Höhe von 1,50 Metern und einen Mindestdurchmesser von siebzig Zentimetern zu erreichen. Im Folgenden kann die nachwachsende Rinde regelmäßig alle neun Jahre und bis zu einem Alter von etwa 150 Jahren frisch abgezogen werden. Je nach Alter des Baums liegt der Ertrag bei zwanzig bis sechzig Kilo Kork pro Schälung.

Korkeichen können nicht maschinell geerntet werden. Man benötigt dazu zwei spezialisierte Arbeiter, von denen einer fachkundig die Schnitte setzt und der andere die Schale von den Stämmen löst. Zurück bleibt ein nackter Baum, dessen Stamm dann rotbraun ausschaut. Er beginnt dann wieder, eine Rinde zu bilden. Erst ab der dritten Schälung – also etwa im Alter von vierzig Jahren – besitzt der Kork jedoch die Qualität, die zur Herstellung von Flaschenkorken erforderlich ist. Die Hälfte des weltweit vorrätigen Korks wird zu Korken verarbeitet. Die andere Hälfte wird u.a. in der Bauindustrie zu Isolierungszwecken und für Bodenbeläge oder in der Modebranche für die Herstellung von Schuhen und Taschen verwendet.

Der Herstellungsprozess zieht sich über mehrere Monate hin. Zunächst wird die Rinde zwischen 6 bis 24 Monate unter freiem Himmel zur Trocknung gelagert. Die Kork-schalen verlieren in diesem Bearbeitungsschritt ihre Wölbung und werden zu Platten. Nach weiteren Monaten der Lagerzeit wird der Kork zur Desinfektion in heißem Wasser für etwa eine Stunde gekocht. So gewinnt er auch eine höhere Elastizität, was für die Weiterverarbeitung von Nutzen ist. Nach nochmals dreimonatiger Trocknungszeit wird der Kork dann nach Qualität sortiert. Das beste Material wird für Korken verwendet. Allein Spanien produziert auf diese Weise jährlich rund 3 Milliarden Flaschenkorken; Portugal kommt im selben Zeitraum sogar auf die astronomisch klingende Zahl von 10 Milliarden Stück.

Natürlich gibt es die Diskussion über den Sinn der Verwendung von Flaschenkorken im Vergleich zu Drehverschlüssen.

Die einen plädieren für die Ganzstückkorken, also Korken, die aus einem Stück gefertigt werden, gerade bei Weinen mit einer langen Lagerzeit mit der Begründung, dass er sich in seiner Elastizität jeden Unebenheiten im Flaschenhals anpasst und dass seine Zellwände  immer noch einen minimalen Luftaustausch erlauben, der zur optimalen Reifung lang lagernder Weine wichtig ist. Ein luftdichter Schraubverschluss kann diesen Vorzug nicht bieten, auch wenn andere Meinungen sagen, ein Drehverschluss wäre genauso gut, da sich Luft bereits in der Flasche befinde. Außerdem würde man so der Gefahr es Ausschusses entgehen, was allerdings nur bedingt zutrifft, denn auch bei anderen Verschlussarten kommt es zu den sogenannten Weinfehltönen. Schraubverschlüsse sind aber (leider) deutlich billiger, aber ökologisch bedenklicher. Wahrscheinlich ist das Ganze auch eine Glaubens- und Stilfrage. Die spanischen Winzer bevorzugen auf jeden Fall noch den Korken.

Kork hat aber noch andere Vorzüge. Kork ist der einzige ökologisch unbedenkliche Verschluss und ein recycelbares Naturprodukt. Darum gibt es viele Initiativen, die Kork recyceln. Alte Korken werden gemahlen und beispielsweise als ökologischer Dämmstoff für die Isolierung von Außenwänden oder Dächern angeboten.

 

Zudem ist zu bedenken, dass nicht zuletzt die Verwendung von Naturkorken den Erhalt der artenreichen Ökosysteme und der einzigartigen Kulturlandschaft der Korkeichenwälder auf der iberischen Halbinsel unterstützen. Ohne ökonomischen Nutzen würden Dehesa und Montado möglicherweise verschwinden und ihre Flächen beispielsweise zu Olivenhainen umgewandelt werden. 

(Foto: © APCOR / DKV).
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Dürre in der Extremadura – ein ernstes Problem

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Die andauernde Trockenheit in Spanien macht sich besonders in der Region Extremadura bemerkbar. 

So sind zum einen die Ibérico-Schweine – und damit die Produktion des beliebten Iberischen Schinkens – in Gefahr. Durch die hohen Temperaturen und die Wasserknappheit tragen die Steineichen bis zu 25 Prozent weniger Früchte – allerdings sind die Eicheln zur Mast der Schweine für den sogenannten “Bellota-Schinken” ein Muss (s. auch den Artikel Das berühmte Ibero-Schein).

Eine Prognose des “Verbands der iberischen Schweine” geht davon aus, dass im Vergleich zum Vorjahr 20 Prozent weniger von den mit Eicheln gemästeten Schweinen geschlachtet werden können. Anders ausgedrückt: es wird rund 150.000 Tiere weniger geben, die die Qualitätsanforderungen für den beliebten Schinken erfüllen. In vier Jahren wird der Schinken wohl teurer und seltener werden.

 

Außerdem drohen bei der Getreideernte massive Ausfälle auf Grund der Dürre.

„Den Leuten ist nicht wirklich klar, wie schlimm die Lage ist. Alte Bauern erzählen mir von üblen Dürreperioden, in den 1930er Jahren zum Beispiel. Aber sie sagen, selbst damals gab es noch irgendetwas zu ernten. Dieses Jahr könnte das erste sein, in dem sie absolut gar nichts vom Feld holen“. Daniel Trenado ist Jungbauer und Biologe unweit von Badajoz in der Extremadura im Südwesten Spaniens. „Ich baue Gerste, Roggen, Erbsen an, das meiste ist als Viehfutter gedacht. Doch die Triebe sind fast alle vertrocknet, ich brauche die Erntemaschine nicht mal aus der Garage zu holen“. Die Getreideernte in Spanien scheint 2023 großenteils verloren, in der Extremadura, in Andalusien und in Castilla-La Mancha, in drei weiteren Regionen wird sie stark beeinträchtigt sein. Und das just in einem Jahr, da viele Landwirte wegen der Ukraine-Krise wieder auf Getreide und Sonnenblumen umstellten, weil sich da ein Markt auftat.

Eine weitere Gefahr, die momentan intensiv im Süden Andalusiens auftritt, aber wohl auch bald die Extremadura erreichen könnte, ist eine Raupe. Die chronische Dürre macht die Korkeichen anfälliger für Plagen und in Andalusien werden die Korkeichen gerade von einem Schmetterling – heimgesucht, dessen Raupen die Bäume zerfressen und absterben lassen. Der Übeltäter heißt lymantria dispar auf Latein, auf Spanisch lagarta peluda (behaarte Eidechse), auf Deutsch Schwammspinner. Er hat sich über Asien und Nordafrika schon vor Jahrzehnten auch in Südeuropa ausgebreitet, Trockenheit und höhere Temperaturen halfen ihm dabei. Die Raupen des Schwammspinners stürzen sich auf jeden Trieb und jedes Blatt, dadurch stellen die Korkeichen aus Notwehr das Wachstum der Rinde ein, es gibt dann auch keine Eicheln mehr. Der Baum stirbt. Momentan ist vor allem der Naturpark Los Alcornocales 40 km in der Region Cadiz betroffen rund 40 km in westlicher Richtung von der Casta del Sol entfernt. Man befürchtet, dass nur mit einer chemischen Keule die Ausbreitung der Raupe verhindert werden kann, was weitere Auswirkungen auf andere Insekten, sprich ihre Vernichtung, zur Folge haben könnte.

 

Foto: Entomologie (WSL)
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Dürre in Spanien – ein großes Problem heute und in Zukunft!

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Jakobswege in Spanien

Die Situation 2023

Der staatliche meteorologische Dienst hat gerade die Daten für Spanien für den vergangenen Monat veröffentlicht: Der April 2023 war der heißeste April, seitdem seit 1961 in Spanien darüber Buch geführt wird. Der Spitzenwert wurde am 27. April in Córdoba gemessen: 38,8 Grad. Das sind August-Temperaturen. Und die Niederschlagsmenge lag bei weniger als einem Viertel eines gewöhnlichen Aprils. Seit Februar regnete es in ganz Spanien kaum noch, mit einigen wenigen Ausnahmen wie Galicien und den östlichen Kanarischen Inseln. Die Klimakrise ist ganz akut zu spüren.

Akkumulierte Niederschläge in Spanien vom 1. Januar bis 8. Mai 2023 in Prozent zum Mittel der vergangenen 20 Jahre. © Aemethttps://www.costanachrichten.com/spanien/politik-wirtschaft/duerre-spanien-wassermangel-investitionen-hilfen-landwirtschaft-bauern-hitze-sommer-2023-92270351.html

Wenn es nur ein trockenes Frühjahr gewesen wäre! Das Problem ist, dass die Trockenheit schon auf ein Jahr mit sehr wenig Regen und hohen Temperaturen folgt.

Andalusien ist nicht die einzige von der Dürre geplagte Region in Spanien: Katalonien, Teile Aragóns, Murcia, die Extremadura, fast die gesamte Mancha sowie Teile beider Kastiliens, ländliche Bereiche der Hauptstadtregion Madrid, sogar der Süden von Asturien und Kantabrien sowie der Süden und das Hinterland der Region Valencia gehören auch dazu, über die Hälfte des Territorium des Landes. Das gleiche gilt übrigens auch für den Nachbarn Portugal, wo gerade für 40 Prozent des Landes der Dürre-Notstand ausgerufen wurde.

Die Wasserspeicher in Spanien, Stauseen und für Trinkwasser geeignete Flüsse sind nur zu 48 Prozent gefüllt, nochmals mehrere Punkte unter dem Stand des Vorjahres und der nasse Norden dabei bereits eingeschlossen. Der größte Stausee Spaniens, La Serena im Süden der westspanischen Extremadura, ist zu 17 Prozent gefüllt, der zweitgrößte, Alcántara im Norden derselben Region, noch zu 77 Prozent.

Die Abwärtstendenz bei den Regenmengen, zunehmende Verdunstung durch erhöhte Temperaturen, gleichbleibende Verschwendung und mehr Bedarf für Landwirtschaft und Tourismus – die zusammen rund 80 Prozent des Wassers verbrauchen – bringen Spaniens Trinkwasser-Kreislauf an den Rand eines Infarkts. Kompetenzwirrwarr und Investitionsstau verschlimmern die Lage. Das ist u.a. dem Umstand geschuldet, dass z.B. die Andalusier über die Jahre hunderte Millionen Euro Investitionsabgaben über ihre Wasserrechnungen angespart haben, die aber nicht zweckbestimmt eingesetzt wurden. Den Problemen der Klimakrise muss schnellst möglich entgegengetreten werden.

 

Durchschnittliche Sonnenstunden in Spanien, April der letzten 40 Jahre. © Aemet/Eumetsathttps://www.costanachrichten.com/spanien/politik-wirtschaft/duerre-spanien-wassermangel-investitionen-hilfen-landwirtschaft-bauern-hitze-sommer-2023-92270351.html
Situation im Jahr 2023 An vielen Orten in Spanien sind Stauseen fast oder ganz ausgetrocknet, in manchen Regionen müssen Dörfer aus Tanklastern mit Trinkwasser versorgt werden. © JORGE GUERRERO / AFP

Die Situation im Sommer 2025

Spanien stöhnt nach der Hitzewelle im Juni unter der zweiten Hitzewelle des Sommers. Die Temperaturen klettern zum Teil deutlich über 40 Grad.

Die neue Hitzewelle trifft Spanien mit voller Wucht: Bereits am Montag wurden in vielen Teilen des Zentrums, Südens und Westens des Landes Temperaturen über 40 Grad erreicht. In 12 der insgesamt 17 sogenannten Autonomen Gemeinschaften rief AEMET Warnstufen aus. In Andalusien, Madrid, Kastilien-La Mancha, Extremadura und Galicien galt die zweithöchste Alarmstufe Orange.

Eine offizielle Hitzewelle des staatlichen, spanischen Wetterdienstes wird dann verhängt, wenn die Temperaturen mehr als drei Tage deutlich über dem langjährigen Mittel liegen, gesundheitsgefährdende Spitzenwerte erreicht werden und mehr als nur eine Region betroffen ist. Gewarnt wird nicht, um „Panik zu verbreiten“ oder einer „Klimaagenda“ zu folgen, sondern um Kinder, ältere und kranke Menschen vor Hitzeschlägen und anderen Gesundheitsrisiken zu schützen, aber auch, um Veranstaltungen, Exkursionen etc. sicher planen zu können. Nicht zuletzt werden bei Hitzewellen auch gewisse Protokolle in Gang gesetzt, wie „Kühlinseln“ in Städten eröffnet oder die Waldbrandwarnstufe erhöht.

August 2025 Situation noch nicht ganz unter Kontrolle

Der Einfluss des Klimawandels auf die Dürrevorhersage
Der Klimawandel dominiert weiterhin die Agenda bei Dürreprognosen.Der globale Trend deutet auf eine Zunahme extremer Ereignisse hin, darunter intensivere und länger anhaltende Dürren sowie Hitzewellen, die jedes Jahr neue Temperaturrekorde brechen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich die Häufigkeit sogenannter „planetarer Wellen“ – atmosphärischer Muster, die Regenfälle wochenlang blockieren können – seit den 50er Jahren verdreifacht hat. Dies trägt dazu bei, dass in manchen Regionen Sommer mit anhaltend geringen Niederschlägen auftreten, während andere in kurzen Zeiträumen intensive Niederschläge verzeichnen, was das Überschwemmungsrisiko erhöht. Die Flutkatastrophe in Valencia, Andalusien und Murcia im Oktober 2024 sind uns noch gut in Erinnerung!

Die Schwierigkeit, diese Phänomene vorherzusagen, bleibt eine Herausforderung für Meteorologen, da Faktoren wie atmosphärische Instabilität oder der Einfluss globaler Phänomene wie El Niño können die erwarteten Muster völlig verändern.Eine kontinuierliche Überwachung und laufende Modellaktualisierungen sind unerlässlich, um unerwünschte Ereignisse vorherzusehen und sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Lösungsansätze

Weitere 1,6 Milliarden Euro will Sánchez bis 2026 an die Autonomen Gemeinschaften (Länder) überweisen, für den Ausbau und die Verfeinerung der Aufbereitung von Trinkwasser, das Auffangen von Regenwasser, Projekte der Effizienz, Digitalisierung, Reparatur von Leitungsnetzen sowie den Bau sogenannter „Wasserautobahnen“ von einem Stausee zum anderen, um Defizite untereinander ausgleichen zu können. Außerdem sind Maßnahmen wie die Meerwasserentsalzung und die vermehrte Nutzung von geklärtem Brauchwasser geplant. Zusätzliche 2,15 Milliarden Euro verspricht Sánchez für die Modernisierung der Bewässerungssysteme und Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft, wobei hier auch Know How aus Kalifornien, Israel und von der Arabischen Halbinsel eingesetzt werden soll, die schon lange gute Anbauergebnisse unter widrigen klimatischen Bedingungen erzielen, – allerdings auch mit den richtigen Pflanzen.

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Die Jakobswege und Regionen in Spaniens

Die Jakobswege und Regionen in Spanien

Hier sind die Jakobswege in Spanien mit ihrer Länge eingezeichnet. Man kann die langen Weg natürlich auch in Etappen gehen. Wir haben zum Beispiel die Via de la Plata aus Zeitgründen in drei Etappen eingeteilt: Sevilla bis Caceres, Caceres bis Zamora, Zamora bis Santiago de Compostela. Da das Eisenbahn- und Busnetz in Spanien sehr gut ausgebaut ist, kommt man auch  leicht wieder zum jeweiligen Ausgangspunkt

https://jakobsweg-lebensweg.de/jakobsweg-laenge/
https://jakobsweg-kuestenweg.com/laenge/spanien/

Als autonome Gemeinschaften werden 17 Gebietskörperschaften bezeichnet, die die Regionen Spaniens verkörpern

https://de.wikipedia.org/wiki/Spanien#/media/Datei:Gemeinden_Spanien_2023.png
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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Das schwarze Ibero-Schwein und sein berühmter Schinken

Das schwarze Ibero-Schwein und sein berühmter Schinken

Geographisches auf dem Via de la Plata

Das Iberische Schwein (spanisch Cerdo Ibéricoportugiesisch Porco ibérico) ist eine in Südwestspanien (besonders Andalusien und Extremadura) sowie in der Provinz Teruel (Aragón) und in Portugal (besonders im Alentejo) heimische, schwarzfarbige, pflegelos gehaltene Schweinerasse. Iberische Schweine wurden bereits von römischen Legionären gezüchtet, die sich in der Extremadura niedergelassen hatten. Das iberische Schwein lebt in der Extremadura in den Dehesas mit seinen Stein- und Korkeichenwäldern und ernährt sich von den Gräsern und Kräutern und was besonders wichtig ist von den Eicheln. Im Herbst beginnt für die mindestens 12 Monate alten Schweine die Mastform der „Montanera“. Die Tiere ernähren sich nun hauptsächlich von auf den Boden gefallenen Eicheln und müssen dazu große Strecken zurücklegen, denn das auch Pata Negra genannte Schwein frisst bis zu 10 kg Eicheln pro Tag, hinzu kommen nochmals bis zu 3 kg Kräuter und Gräser. Da aber die Kork- und Steineichen maximal 25 kg Eicheln tagen, müssen die Schweine pro Tag bis zu 12 km weit umherstreifen, um ausreichend Nahrung zu finden. Diese Kombination aus Ernährung und Bewegung macht den unverwechselbaren Geschmack und die hohe Qualität des Jambon Iberico aus. Außerdem ist das iberische Schwein eine einzigartige Spezies mit Eigenschaften, die es von anderen Tieren der gleichen Spezies unterscheiden, wie die Fähigkeit, Fett in den Muskel zu infiltrieren. Bei unseren Hausschweinen lagert sich das Fett ja nur in der Schwachte ab, auch bedingt durch die deutlich kürze Mästzeit.

Der Schinken der Extremadura gehört zu den besten der Welt und hat alle wichtigen Auszeichnungen gewonnen. In Deutschland wird er oft als Pata Negra angeboten. Die Regierung der Extremadura hat sich die Marke „Dehesa de Extremadura“ von der Europäischen Union schützen lassen, um die hohen Qualitätsstandards zu kontrollieren und billige Nachahmer zu enttarnen. Den Schinken gibt es seither in unterschiedlich hohen Qualitäten. Zur Königsklasse zählen die Stücke von Schweinen, die ausschließlich im Freien leben, und sich von Eicheln und Gräsern in der Dehesa ernähren. Die Eicheln geben dem Schinken eine nussige Würze und die öligen Eicheln sind fett und mästen die Tiere auf langsame aber sichere Art. Die Schinken werden nie geräuchert, nur eingesalzen und später langsam an Balken hängend luftgetrocknet, im teuersten Fall sogar zwei oder drei Jahre gereift. 

Nach den Rechtsvorschriften für die Herstellung von iberischem Schinken umfasst die Bezeichnung “iberisches Schwein” alle Schweine, deren Mutter 100% iberisch ist. Das ist im Herdbuch der iberischen Schweinerasse eingetragen. Die Nachkommen dieses Schweins und damit die daraus hergestellten Produkte können unterschiedliche Reinheitsgrade aufweisen: 50% d.h. die Mutter zu 100% ein iberisches Schwein und Vater nicht, 75% d.h. die Mutter zu 100% Vater zu 50% oder 100% d.h. beide zu 100% iberisches Schwein. Die Produkte, die wir von iberischen Schweinen erhalten können, müssen immer den Reinheitsgrad der Schweinerasse angeben, und wenn es um Schinken und Vorderschinken geht, müssen diese mit farbigen Banderolen entsprechend ihrer Ernährung identifiziert werden:

Das weiße Etikett bedeutet, dass das Schwein iberischer Rasse ist, aber in Gefangenschaft aufgezogen und mit Getreide gemästet wurde. Das grüne Etikett wird für iberische Schweine vergeben, die frei auf der Dehesa geweidet haben und sich ausschließlich von der natürlichen Weide ernährt haben. Das rote Etikett zeichnet die Schinken gemischtrassiger Schweine aus, die mit Eichelmast aufgezogen wurden. Das schwarze Etikett ist den Produkten der besten Qualität vorbehalten, den so genannten »Pata Negra«-Schinken, die von 100 % reinrassigen iberischen Schweinen aus Eichelmast stammen.

Kein anderes Fleisch hat in den vergangenen Jahren einen solchen Siegeszug durch deutsche und internationale Küchen erlebt wie das Schwarze Spanische Schwein. Pata-Negra-Schinken werden nie geräuchert, nur eingesalzen und langsam luftgetrocknet. Quelle: picture-alliance / dpa / Stockfo/stockfood und https://www.welt.de/lifestyle/article7146689/Ein-Schwein-wie-man-es-noch-nie-gegessen-hat.html

Schinken ist in Spanien allgegenwärtig. Die charakteristischen Schweinebeine incl. Schweinefuß hängen entweder in den Bars und Geschäften zum Teil zu Hunderten von der Decke oder warten in speziellen Spannvorrichtungen – so genannte „Jamoneros“ – darauf, von Hand in hauchdünne Scheiben geschnitten zu werden. Je dünner um so besser.

Ibérico-Schinken verschiedener Qualitätsstufen (sowie andere spanische Schinkenarten) bei einem Verkaufsstand in den La Boqueria-Markthallen in Barcelona Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Iberischer_Schinken

Neben dem „Jamon Iberico“ kennen wir vor allem den sogenannten „Jamon Serrano“. Der Serrano-Schinken ist nichts anderes als ein Bergschinken. Der Begriff kommt von „Sierra“, dem spanischen Wort für Berge. Denn in den Bergen Spaniens werden seit dem 1. Jh.v.Chr. Schweineschinken luftgetrocknet. Heute gibt natürlich spezielle industrielle Verfahren. Für Serrano-Schinken wird das Fleisch hellhäutiger Hausschweine verwendet, weshalb er in Spanien auch jamón de pata blanca („Schinken von der weißen Klaue“) genannt wird. 

 

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Geographisches Geographisches Via de la Plata

Dehesas – beweidete Eichenwälder in der Extremadura

Dehesas - beweidete Eichenwälder in der Extremadura

Geographisches auf dem Via de la Plata

Dehesa ist die spanische Bezeichnung für beweidete Eichenhaine (Hutewälder), die vor allem im Südwesten Spaniens (Autonomie Gemeinschaften Extremadura und Andalusien) und in Portugal ausgedehnte Flächen einnehmen.

Die Dehesas in der Extremadura umfassen heute 1,03 Millionen Hektor (0,53 Millionen Hektar in der Region Caceres, 0,50 Millionen Hektar in der Region Badajoz). Auch die Hälfte aller spanischen Kork- und Steineichen wächst in der Extremadura.

Entstehung der Dehesas

Dehesas werden erstmals im 7. Jh. urkundlich erwähnt. Dehesa ist vom altkastilischen Wort defesa abgeleitet und bedeutet Schutz bzw. Verteidigung. Die ursprünglich mit Steinwällen abgegrenzten Weideflächen standen ausschließlich der örtlichen Bevölkerung zur Verfügung. So schützte man sie vor der Überweidung freier Viehherden. Freie Hirten zogen mit Tausenden von Tieren auch durch die Extremadura.

Man nimmt an, dass die Iberer vor über 4000 Jahren begonnen haben, Wälder zu roden und in parkartige Stein- und Korkeichenlandschaften umzuwandeln. Entscheidend für die Entstehung und Verbreitung der Dehesas waren eine Zunahme der Entwaldung in der Römerzeit und die Entwicklung nach der Reconquista. Nach dem Sieg über die Mauren teilte die spanische Krone das wiedereroberte Land unter dem Hochadel, der Kirche und den Ritterorden auf, die extensive Viehhaltung betrieben. Damit war auch der bis heute prägende Großgrundbesitz in der Extremadura angelegt, der einer der Gründe für – nicht unbedingt positive -Veränderungen in der Region in der heutigen Zeit ist. (vgl. dazu auch die Ausführungen über die Arabisierung und Reconquista auf der Via Tolosana)

Dehesas sind entstanden, indem die ursprünglichen Stein- und Korkeichenwälder durch Schafe und Ziegen, später auch von Rindern, beweidet wurden. Durch ihre extensive Bestockung mit Eichen ermöglicht die Dehesa auch die Nutzung als Weidefläche für das Iberische Schwein, das sich in freier Natur von Gräsern, Wurzeln, Pilzen, Baumrinden, Beeren, Eicheln sowie von Insekten und Kleintieren ernährt. Auf den flachgründigen nährstoffarmen Böden waren die Voraussetzungen für Ackerbau schlecht, hier lohnte sich vor allem die Weidewirtschaft. So entstanden parkartige Baumbestände. Die Bäume schützen den Boden vor Erosion, spenden den Weidetieren Schatten und liefern die für die Mast (in erster Linie der iberischen Schweine) geschätzten Eicheln.

Ökologische Bedeutung

Dehesas sind ein Beispiel für eine naturnahe Kulturlandschaft, die in dieser Form von besonderer Bedeutung ist. Die Bäume schützen den Boden, liefern Brennstoff oder Kork und Futter für die Weidetiere (Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen). Die Dehesa beheimatet jedoch nicht nur Korkeichen, Stiere und die berühmte iberische Schweinerasse sondern eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. 

Die traditionelle Dehesa-Bewirtschaftung brachte ein feinmaschiges Netz an stand- örtlichen Einheiten hervor. Unterschiede in Dichte und Alter der Bäume sowie der Wechsel zwischen offenen und von Eichen beschatteten Standorten ergibt eine große Biodiversität und dient als Lebensraum von Insekten-, Pilz-, Moos- und Flechtenarten.

Den Dehesas kommt außerdem eine wichtige Bedeutung zu als großräumiges Brut- und Nahrungsgebiet für europa- und weltweit gefährdete Tierarten. Sie weisen eine hohe Vielfalt an Vogel -und Säugetierarten auf. Insgesamt weiß man von 42 Vogelarten, deren Überleben in hohem Maße von den Dehesas abhängig ist. Zu nennen ist hier u.a. der spanische Kaiseradler und die Mönchsgeier.

Es gibt noch andere Faktoren, die den Wert der Dehesas ausmachen. Hier ist zu nennen:

  • ein geringeres Risiko von Waldbränden
  • der Bodenschutz und Schutz der Wasservorräte
  • die Vorbeugung vor Desertifikation (Wüstenbildung/ Verschlechterung des Bodens) in Risikobereichen
  • die Funktion als CO2-Speicher
  • die Funktion als Freizeitgebiet und die Bedeutung für den Ökotourismus
  • die Funktion als Quelle von gesunden Qualitätsprodukten
  • die Bewahrung der Kulturlandschaft (Weidewirtschaft, Wanderschäferei etc.)

Entwicklungstendenzen

Es ist jedoch in verschiedenen Studien dokumentiert, dass die Bewirtschaftungs-tendenzen der letzten Jahre zu einem Verlust des Naturschutzwertes in den Dehesas führen und auf lange Sicht damit nicht nur die ökologischen sondern auch die ökonomische Nachhaltigkeit gefährden. So fand ein gewaltiger Umbruch im Nutzungssystem statt.

Verantwortlich dafür waren vor allem:

  • der Verfall der Preise für Wolle als klassisches Produkt der Dehesas
  • die Aufgabe der Nutzungsvielfalt
  • die intensivere Viehhaltung auch mit anderen Rinderrassen
  • die Umwandlung in Aufforstungsgebiete
  • die Ausweitung des Bewässerungsfeldbaus
  • die Ausweitung der jagdlichen Nutzung durch spezielle Betriebe
  • die Landflucht

Die Folgen sind unter anderem eine Verbuschung der Landschaft, keine ausgeglichene Altersstruktur bei den Bäumen mehr und eine einseitige Nutzung in den verschiedenen Bereichen und somit eine Verringerung der Biodiversität.

Inzwischen gibt es zahlreiche Initiativen, um die Dehesas und ihre ökologische Bedeutung zu erhalten. Aber es gibt natürlich auch unterschiedliche, z.T. gegensätzliche Einstellungen. Viele sehen in den Dehesas ein Parademodell eines differenzierten Landnutzungssystems, das gleichzeitig die Interessen des Naturschutzes und die Ressourcennutzung zu befriedigen mag. Andere sehen es als Anachronismus an, die Dehesas zu erhalten angesichts der modernen Prozesse der Produktionsintensivierung und der sozialen Missstände, die in diesen Gebieten herrschen u.a. mit einem großen Anteil an Großgrundbesitzern.

Die Dehesa ist aber eines der land- und forstwirtschaftlichen Systeme von hohem Naturschutzwert, dessen Bedeutung in vielen Veröffentlichungen beschrieben wurde. Ebenso wurden auch die Gefahren, die durch die aktuellen Bewirtschaftungstendenzen entstehen, aufgezeigt. Ich hoffe, dass durch Initiativen und Fördermaßnahmen der EU und Spaniens ein Weg gefunden wird, Ökologie und Ökonomie in einen vernünftigen Einklang zu bringen. Vielleicht haben solche Regionen im Rahmen des „Green Deal“ der EU wieder eine bessere Chance erhalten zu werden.

Wie so oft, wenn man sich mit Themen intensiver beschäftigt, entdeckt man plötzlich neue Dinge, die man sonst einfach übergangen oder übersehen hätte. So viel mir gerade u.a. ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf, der auf die ökologischen Vorteile von Agroforsten – und das sind die Dehesas ja – eingeht.

Es geht darum, dass man festgestellt hat, dass Gehölzstreifen nachweislich das Mikroklima des Bodens verbessern und somit  auch gerade für die durch den Klimawandel stärker betroffenen Böden Norddeutschlands von Interesse sein könnten. Bei Evaporation (Verdunstung von Wasser auf freien Land- und Wasserflächen) verdunstet das Wasser an der Bodenoberfläche, bei der Transpiration verdunstet es an der Blattunterseite. Die Hauptursache für Evaporation sind hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und Wind. Stehen Bäume mit auf der Fläche, so werden Temperatur und Wind so weit gesenkt, dass die geringere Bodenverdunstung den zusätzlichen Wasserverbrauch durch die Gehölze übersteigt. Somit haben die Pflanzen deutlich mehr Wasser zur Verfügung. Im Bereich um die Bäume ist im Winter die Temperatur um 2° wärmer und im Sommer um 2° kühler als in der weiteren Umgebung. Als weitere Vorteile haben Forscher eine Steigerung der Humusbildung festgestellt ebenso wie eine bessere Nährstoffversorgung und mehr Feuchtigkeit in Boden. Dies sind alles Faktoren, die langfristig die Bodenqualität und somit auch den Ertrag pro Fläche erhöhen. Zudem ist eine geringere Nitratbelastung des Grundwassers nachzuweisen. Zusätzlich binden Agroforste mehr Kohlendioxid und schaffen Lebensraum für Insekten und Vögel. Dies sind alles Erscheinungen, die wir ja oben bei den Dehesas bereits angesprochen haben. In Deutschland werden im Gegensatz zu einigen anderen Europäischen Ländern bislang aber nur 1000 ha mit Agroforsten bewirtschaftet.

In wieweit sich die Idee der Agroforste allerdings durchsetzen wird, ist abzuwarten.

Denn jeder landwirtschaftliche Betrieb bekommt momentan flächenbezogene Direktzahlungen. Bei einem Großteil der Agroforstsysteme werden die Gehölzkulturen jedoch herausgerechnet. Zusätzlich ist zu bedenken, dass – wie bei vielen neuen guten Innovationen – erst einmal eine Durststrecke zu überbrücken ist. Denn derartige Anlagen stellen in den ersten Jahren eine finanzielle Belastung für die Landwirte dar. Durch die verkleinerte Ackerfläche verringert sich zunächst die Ernte, Pflanzung und Pflege der Bäume verursachen Kosten und durch die langfristige Bindung von Fläche und Kapital kann der Betrieb weniger flexibel agieren. Der Erfolg der Maßnahme kommt logischerweise erst in ein paar Jahren voll zum Tragen. Es sind also jetzt gezielte Maßnahmen notwendig, um langfristig einen Wandel herbeizuführen und auch den Klimaveränderungen adäquat entgegen zu treten. Aber leider zeigt die Bundesregierung momentan leider keinerlei Interesse an einer Förderung von Agroforsten.

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