Categories
Camino Portugues Geographisches Geographisches

Der Pombalinik – eine bemerkenswerte städtebauliche und architektonische Planungsleistung

Der Pombalinik - eine bemerkenswerte städtebaulichen und architektonischen Planungsleistung

vor allem in Lissabon

Ausgangspunkt

Am 1. November 1755 wurde die Unterstadt Lissabons, eine Stadt mittelalterlichen Charakters, durch ein heftiges Erdbeben, gefolgt von einem Tsunami und verheerenden Bränden, schwer zerstört. Nach dem Erdbeben waren 85 Prozent der Hauptstadt mit seinen manuelinischen Bauten zerstört und der König fortan klaustrophobisch. Während er dem Marquês de Pombal, ab 1756 Erster Minister Portugals, den Wiederaufbau der Innenstadt im Schachbrettmuster befahl, wohnte er zeitlebens in einer Zeltstadt vor der Stadtgrenze Lissabons. Im Gegensatz zu den 30.000 bis 100.000 Todesopfern hatte er überlebt. Aus der Katastrophe ging eine der bemerkenswertesten städtebaulichen Unternehmungen des modernen Europas hervor — und ein Stil, der den Namen des Ministers trägt, der sie leitete, Sebastião José de Carvalho e Melo, des Marquis von Pombal.

Por Barao78, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1475249

Konzeption

Wiederaufbauen, nicht restaurieren – diese politische Entscheidung war radikal:
Statt die mittelalterliche Stadt in ihrem Gassengeflecht wiederaufzubauen, schleifte man, was von der Unterstadt (Baixa) übrig war, und entwarf einen völlig neuen Plan. Unter der Leitung von Manuel da Maia und der Militäringenieure Eugénio dos Santos und Carlos Mardel wurde ein orthogonales Netz aus breiten Straßen und regelmäßigen Häuserblocks entworfen, das zwei Plätze verband — den Rossio und den wiederaufgebauten Terreiro do Paço (Praça do Comércio). Das weitläufige Areal zeichnet sich durch einen stimmigen Stil aus und ist von immensem kulturellem Wert. Die Baixa Pombalina ist vielleicht das erste europäische Beispiel einer Stadt, die im Maßstab des Stadtviertels als integriertes System geplant wurde — Struktur, Fassade, Straße und Platz gemeinsam ersonnen.

Hauptplatz Por Deensel - Lisbon main square, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62192653

Was ist der Pombalino-Plan?

Der Pombalino-Plan von Lissabon ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Bauleistung, geprägt vom Gedankengut der Aufklärung. Aber Pombalino“ ist mehr als nur ein Baustil: Es bezeichnet ein ganzes System aus Stadtplanung, Gebäudetypologie, Normierung, Konstruktion und staatlicher Regulierung.
Mit der Umsetzung des wegweisenden Plans, der Einheitlichkeit, Ordnung, Zurückhaltung und Standardisierung förderte, wurde das Zentrum Lissabons nach einem rationalen und innovativen Modell umgestaltet. Trotz ihres rationalen und regelmäßigen Grundrisses bewahrt und integriert das Viertel bestehende Merkmale in baulicher Hinsicht, etwa durch seine Hauptplätze, die Wiederherstellung der Straßen aus dem 16. Jahrhundert und die Einbindung architektonischer Elemente von besonderem baulichem oder künstlerischem Wert, wie insbesondere beim Bau neuer Kirchen.
Der bemerkenswert zurückhaltende neoklassizistische Stil war teils den begrenzten Mitteln und der Dringlichkeit des Bauvorhabens geschuldet, teils aber auch dem von Pombal vertretenen Aufklärungsgedanken architektonischer Rationalität. Sowohl innen als auch außen wurde ein standardisiertes Dekorationssystem angewendet, wobei Azulejo- Fliesen nur sparsam eingesetzt wurden.

Typische Gebäude im Baixa Lissabon By xiquinhosilva from Cacau - 33852-Lisbon, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81357679

Typisch Merkmale des Pombalino-Stils sind:

• ein regelmäßiges, geometrisches Straßennetz– besonders in der Baixa von Lissabon
• schlichte, klassizistische Fassaden
• Gebäude mit meist 3–4 Geschossen und einheitlicher Gestaltung.
Im Erdgeschoss häufig Arkaden, die Platz für Geschäfte boten und darüber Wohnungen mit Balkonen im ersten und obersten Stockwerk
• Das Fertigbausystem war völlig neu. Das Gebäude wurde vollständig außerhalb der Stadt gefertigt, in Einzelteilen    transportiert und dann vor Ort montiert.
• erdbebensichere Holztragkonstruktion, den sogenannten Pombalinischen Käfig („Gaiola Pombalina“). Ziel war es, die seismische Energie durch das geringere Gewicht und die Elastizität des Holzes, die Flexibilität der Verbindungen zwischen den Elementen und sogar durch die Reduzierung des Gewichts der massiven Bauteile zu verteilen. So konnte die vollständige Zerstörung der Gebäude im Falle eines Erdbebens verhindert und ein intakter Innenraum geschaffen werden, der den Bewohnern als Zufluchtsort dienen konnte.
Der Pombalinische Käfig erwies sich in vergleichenden Studien als das fortschrittlichste Erdbebenschutzsystem des 18. Jahrhunderts, spielte eine bedeutende Rolle in der Ingenieurgeschichte und gilt als einer der Ausgangspunkte des Erdbebeningenieurwesens in Europa.
• Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Bränden, etwa größere Abstände und bestimmte Bauweisen, in dem z.B. die Gebäude durch Mauern voneinander abgetrennt sind
• Pfahlgründungen und der Bau neuer Uferbefestigungen entlang des Flusses
• Abwasseranlagen und Maßnahmen zur öffentlichen Hygiene

Die Pombalinik blieb nicht in Lissabon, sondern beeinflusste den Wiederaufbau von Kleinstädten im ganzen Königreich, insbesondere von Vila Real de Santo António. Außerdem beeinflusste diese neugestaltete Stadtstruktur den Bau vieler neuer Städte in Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika.

Terreiro do Paço Por Berthold Werner - Obra do próprio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81847399
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino Portugues Geographisches Geographisches

Der Camino Portugués und seine Varianten

Der Camino Portugués und seine Varianten

von Porto nach Santiago de Compostela

Sehr häufig spricht man vom portugiesischen Weg, dem Caminho Portugués. Aber DEN portugiesischen Weg gibt es eigentlich nicht.
Zum einen ist es so, dass der sogenannte portugiesische Weg im ersten Abschnitt mit ca. 130 km durch den Norden Portugals führt, der zweite Teil mit ca. 116 km aber bereits durch Galicien in Spanien verläuft (Route Central). Zum anderen gibt es sowohl im portugiesischen als auch im spanischen Teil verschiedene Routenvarianten, zwischen denen man sich entscheiden muss.

Der Camino Portugués hat also mehrere Varianten. Die wichtigsten unterscheiden sich vor allem durch die Landschaft, die Länge und die kulturellen Sehenswürdigkeiten. Auf der Karte sind verschiedenen Varianten aufgezeichnet.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Varianten. Wie aus der Karte ersichtlich ist, gibt es weitere Varianten und auch an verschiedenen Orten die Möglichkeit von einer Variante zur anderen zu wechseln. Auf diese Möglichkeiten gehe ich hier nicht ein, sie ermöglichen aber eine sehr individuelle, den eigenen Bedürfnissen angepasste Routenwahl.

Route

Typischer Start

Charakter & wichtigste Sehenswürdigkeiten

 Central

Von Lissabon

Ca. 855

Von Porto 240 km

Die klassische Variante. Von Lissabon über Santarém, Tomar, Coimbra, Porto, Barcelos, Ponte de Lima, Valença, Redondela, Pontevedra und Padron nach Santiago. Alternativ nur ab Porto –

die (noch) meist gegangene Route

Highlights: Kloster von Tomar (Templer), Coimbra, historische Altstadt von Porto, Barcelos, die Römerbrücke von Ponte de Lima, die Festung von Valença, Pontevedra.

Caminho da Costa / Küstenweg

Porto

Ca.270 km

Deutlich mehr Atlantik, wird immer stärker nachgefragt: Porto – Vila do Conde – Póvoa de Varzim – Esposende – Viana do Castelo – Caminha – Valença -Tui (Spanien) – Redondela – Pontevedra – Santiago.

Besonders schön sind die Küstenlandschaften, Strände, Viana do Castelo, die Mündung des Minho und später Pontevedra sowie die zahlreichen Klöster auf diesem Weg.

Eine zusätzliche Variante verläuft unmittelbar an der Küste entlang – Senda da Orla Litoral-  der Küstenpfad.  Der Küstenpfad ersetzt nicht den Küstenweg, sondern er ist eine alternative Route noch näher am Meer.

Küstenweg

über A Guarda

Porto

Ca.285 km

Alternative Küstenroute: Nach Caminha mit der Fähre über den Minho nach Spanien, dann A Guarda – Oia – Baiona – Vigo – Redondela.

Sehr reizvoll Variante wegen der galicischen Atlantikküste und des Klosters von Oia sowie Baiona,

Spiritueller Küstenweg

über

Pontevedra nach Padron

Porto

Ca.318 km

Ca.257 km

Küstenweg von Pontevedra an der Küste entlang Poio über nach Padron

Weniger frequentiert, landschaftlich sehr schön mit Bootsfahrt

318 km Porto – A Guarda – Pontevedra – Poio – Armenteira – Vilanova de Arousa – Padron -Sanitago 

257 km Porto – Barcelos – Ponte de Lima – Redondela – Poio -Armenteira – Vilanova de Arousa – Padron

Sehr beeindruckend: die Fahrt mit dem Pilgerboot über die Ría de Arousa und den Río Ulla (der Traslatio) und das Kloster in Armenteira sowie die Mischung aus Klöstern, Weinbergen, Flusstälern und Küste.

Via de Braga / Geira e Arrieiros

Porto über Braga

Ca. 270 km

Weniger frequentierte, historisch interessante Variante über Braga, teilweise alte römische Wege und Brücken, Agrar- und Waldgebiete, zahlreiche Kapellen und ländliche Zentren.

Mehr Natur und ursprünglicher Charakter; dafür anspruchsvoller und weniger „klassisch“ als Central/Costa, weniger Herbergen

Lissabon–Porto (Central)

Lissabon

Ca. 615 km

Wenn du viel Portugal erleben möchtest: Lissabon – Santarém – Tomar – Coimbra – Porto. Ab Porto über Central oder Costa weiter nach Santiago

Besonders interessant sind Lissabons Altstadt, Santarém, Tomars Burg und Kloster ,(Fatima) und Coimbra, Universitätsstadt.

www.caminador.es

 

Mögliche Etappen der beiden Hauptwege von Porto aus ohne Varianten

 Die traditionellen Variante – der Camino Portugues Central Etappen:

Diese traditionelle Route ist reich an kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten und bietet eine beeindruckende Mischung aus städtischem Flair und ländlicher Idylle.

Etappen Nr.

Start

Ziel

Kilometer

1

Porto

Matosinhos

10 km

2

Matosinhos

Vila do Conde

24 km

3

Vila do Conde

Barcelos

25 km

4

Barcelos

Ponte de Lima

34 km

5

Ponte de Lima

Rubiães

18 km

6

Rubiães

Tui

19 km

7

Tui

Porriño

16 km

8

Porriño

Redondela

16 km

9

Redondela

Pontevedra

20 km

10

Pontevedra

Caldas de Reis

21 km

11

Caldas de Reis

Padrón

18 km

12

Padrón

Santiago de Compostela

25 km

Der Küstenweg – der Camino Portugues de la Costa Etappen:

Der Küstenweg ist besonders beliebt bei denjenigen, die die Nähe zum Meer, nette Fischerdörfer und Spiritualität mit kulturellen Erlebnissen und atemberaubenden Landschaften schätzen.

Etappen Nr.

Start

Ziel

Kilometer

1

Porto

Matosinhos

10,5 km

2

Matosinhos

Vila do Conde

24 km

3

Vila do Conde

Esposende

23,8 km

4

Esposende

Viana do Castelo

22,3 km

5

Viana do Castelo

Vila Praia de Ancora

19,4 km

6

Vila Praia de Ancora

Caminha

14,4 km

7

Caminha

Guarda

11,5 km

8

Guarda

Mougas

17,9 km

9

Mougas

Ramallosa

20,9 km

10

Ramallosa

Vigo

19,7 km

11

Vigo

Redondela

15,5 km

12

Redondela

Pontevedra

18 km

13

Pontevedra

Caldas de Reis

23 km

14

Caldas de Reis

Padrón

19 km

15

Padrón

Santiago de Compostela

25 km

https://www.pilgrim.es/de/portugiesischer-weg/

Der Portugiesische Binnen- oder Inlandsweg

Der Portugiesische Binnenweg nach Santiago ist die Jakobsroute, die das nördliche Landesinnere Portugals durchquert und Viseu mit der Kathedrale von Santiago de Compostela in Galicien verbindet. Er hebt sich von den Küstenrouten dadurch ab, dass er durch das Hochland der Beira Alta und von Trás-os-Montes ansteigt und das Dourotal überquert, auf einer gebirgigeren und weniger begangenen Strecke.
Streckenverlauf und Etappen
Die Route geht von Viseu aus und erstreckt sich über acht portugiesische Gemeinden bis sie die Grenze bei Vilarelho da Raia erreicht. Auf portugiesischer Seite legt der Weg etwa 205 bis 214 Kilometer zurück. Er ist üblicherweise auf neun Etappen verteilt sind und verbindet Viseu, Mões, Magueija, São Gonçalo de Lobrigos, Vila Real, Zimão, Oura und Chaves vor der Grenze. Nach der Grenzüberquerung führt die Route über Verín nach Galicien und geht hier auf der Vía de la Plata rund 180 Kilometer weiter bis Compostela. Insgesamt beläuft sich die Strecke zwischen Viseu und Santiago auf etwa 385 bis 390 Kilometer und durchquert Gebirgslandschaften, die Weinberge des Douro und alte Wege römischen Ursprungs.

1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Camino Primitivo Geographisches Geographisches Geographisches Geographisches Via de la Plata

Die Kastanie – der frühere Brotbaum

Die Kastanie – der frühere Brotbaum

Camino del Norte, Camino primitivo, Via de la Plata

Von Darkone (Diskussion · Beiträge) - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=312833

Unterscheidung zwischen Edelkastanie und Rosskastanie

Am Anfang muss eine wichtige Unterscheidung  zwischen den Edelkastanien und den Rosskastanien stehen:

Die Edelkastanie/Esskastanie (castanea sativa) ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Kastanien (Castanea) aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Edelkastanie oder Esskastanie  ist eine einheimische Pflanze. Einheimisch bedeutet, dass sie in verschiedenen Regionen vorkommt, sie hat sich aber ohne direkte menschliche Eingriffe entwickelt und im gesamten Gebiet verbreitet. Einheimische Arten sind ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts jedes Ökosystems und entwickeln Beziehungen zur lokalen Fauna, zum Boden und zum Klima. In Spanien kommt die Edelkastanie vorwiegend im Norden der Halbinsel vor. Die Provinz Ourense zum Beispiel gehört zu den größten Maronenproduktionsgebieten Spaniens, da die galicische Marone, einen guten Geschmack hat, nicht mehlig und leicht zu schalen ist.

Demgegenüber gehört die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) – oft auch nur Kastanie genannt – zur Familie der Seifenbaumgewächsen. In Europa ist die Rosskastanie als Park- und Alleebaum verbreitet. In Deutschland, besonders in Bayern, sind sie auch charakteristisch für die berühmten Biergärten. In Spanien kommt sie weniger häufig vor wie die Edelkastanie. Sie ist keine einheimische Pflanze, sondern sie wurde im 16. Jh. aus dem Balkan importiert.
Die teilweise Namensübereinstimmung beruht auf der oberflächlichen Ähnlichkeit der Früchte mit dem Fruchtstand der Kastanien (brauner Kern in stacheliger Hülle) und nicht auf botanischer Verwandtschaft

Edelkastanie Von Dominicus Johannes Bergsma - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=111761349
Edelkastanie (Castanea sativa), Illustration

Unterscheidungsmerkmale:
Kastanie (Rosskastanie)
• Nicht essbar (sogar leicht giftig)
• Wächst oft in Parks und Alleen und Biergärten
• Die Frucht hat eine grüne Schale mit wenigen, dicken Stacheln
• Meist eine große, runde Nuss
• Blätter: handförmig, wie gespreizte Finger
• Nutzung: Deko, Basteln, früher auch Waschmittel-Ersatz

Esskastanie (Marone / Edelkastanie)
• Essbar und sehr lecker
• Wächst vor allem in warmen Regionen (z. B. Süddeutschland, Frankreich, Italien, Spanien)
• Schale mit sehr vielen feinen, spitzen Stacheln
• 2–3 eher flache Nüsse pro Hülle
• Blätter: lang, schmal, gezackt
• Nutzung: Küche (Maroni, Kastanienpüree, Suppe)

Natürliches (grau) und künstliches (schraffiert) Verbreitungsgebiet von Castanea sativa. Einzelvorkommen sind als Punkte dargestellt. https://www.uni-goettingen.de/de/vorkommen+und+geschichte/546313.html (Abbildung: A. Bottacci 1998)

Bedeutung der Edelkastanie

Lange glaubte man, dass die Römer dafür verantwortlich waren, diese Bäume nach Spanien gebracht zu haben. Aber neuere Forschungen zeigen, dass sie sich vor über 20.000 Jahren im Nordosten der Iberischen Halbinsel verbreiteten, also eine einheimische Pflanze sind. Aber die Römer waren es, die ihr Wachstum förderten und sie sich so in Spanien verbreitete. Mit der Anpflanzung von Kastanienbäumen in ganz Europa legte das römische Reich die Grundlage für die mittelalterliche Kastanienkultur. In den Wäldern gibt es einige wilde Kastanienbäume, aber die größten Kastanienhaine sind Plantagen, meist direkt außerhalb der Dörfer, wo sie u.a. wegen ihrer Früchte gefragt waren. Jahrhundertelang waren Kastanien ein wichtiger Bestandteil der Ernährung in den ländlichen (Berg-)Regionen, da sie anspruchsloser ist als Weizen. Sie wurde auch als Brotbaum bezeichnet. Tatsächlich wurde die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa gebracht wurde, in Galizien mit Spitznamen Erdkastanie genannt. Außerdem sind Esskastanienbäume langlebig und können mehrere hundert Jahre alt werden. Wegen ihres widerstandsfähigen Holzes waren sie auch für die Holzwirtschaft interessant. Bei der Edelkastanie hielten sich von Anfang an Holz- und Nahrungsmittelgewinnung die Waage.

https://www.marcelpaa.com/rezepte/kastanien-brot/

Warum wird die Edelkastanie auch als Brotbaum bezeichnet?

Sie diente über Jahrhunderte hinweg für viele Menschen als wichtiges Grundnahrungsmittel. Kastanien wurden das Brot der Armen.
Sie war ein Mehlersatz, denn aus getrockneten Kastanien wurde Kastanienmehl hergestellt, das man zum Backen von Brot, Fladen oder Brei nutzte – besonders auch in Bergregionen, wo Getreideanbau schwierig war. Außerdem wiesen sie eine gute Lagerfähigkeit auf, getrocknete Kastanien hielten sich lange und sicherten die Ernährung über den Winter. Hinzu kommt, dass die Edelkastanie einen hoher Nährwert hat. Esskastanien enthalten viele Kohlenhydrate, dazu Eiweiß, Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Sie liefern ähnlich viel Energie wie Getreide.So waren sie in früheren Zeiten eine wichtige Nahrungsquelle für viele Regionen. Sie spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in der lokalen Wirtschaft. Sie ist in Spanien stark in der Küche, Tradition und regionalen Wirtschaft verankert.

Die Esskastanie wurde zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Weil sie sehr anpassungsfähig ist und gut mit Wärme und trockenen Böden zurechtkommt, gilt sie mit Blick auf den Klimawandel seit einiger Zeit als ein Baum der Zukunft.

Entwicklung der Kastanienbäume in Spanien

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ging die mit Kastanienbäumen bewachsene Fläche drastisch zurück. Mehrere Gründe waren dafür verantwortlich:
Erstens die Schädlinge und Krankheiten des Baums, wie der Kastanienrindenkrebs oder die Tintenkrankheit; zweitens die Tatsache, dass die Edelkastanien verdrängt wurden von leicht anzubauenden Gewächsen aus Amerika, die ab ihrer Einführung im 16. Jahrhundert sehr beliebt wurden, wie beispielsweise Kartoffeln; drittens die Anpflanzung von schnell wachsenden Bäumen wie dem aus Australien stammenden Eukalyptus; viertens die Waldbrände, und schließlich die Bevölkerungsabwanderung aus dem ländlichen Raum. Das sind Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass Esskastanien allmählich aus der Alltagskost verschwunden sind.
In der Gegenwart wird der Anbau von Kastanien in Spanien gefördert, und es gibt zahlreiche Initiativen, die diese Entwicklung unterstützen. Die Gebiete, in denen der Anbau wieder zunimmt, sind im Wesentlichen Galicien, El Bierzo in León, die Sierra de Aracena in Huelva, die Serrania de Ronda in Malaga und einige Gegenden in La Rioja und Asturien.
Hilfreich für diese Entwicklung ist, dass es heute eine größere Nachfrage nach Bioprodukten gibt. Allein der natürliche Anbau, das Sammeln von Hand und die fast handwerkliche Weiterverarbeitung sind hier gute Indikatoren. Außerdem wird auch in der modernen Küche verstärkt auf solche Produkte zurückgegriffen. So sind in den letzten Jahren viele neue Rezepte rund um die Marone entstanden. So erfreut sie sich wieder einer weltweiten Beliebtheit. Neben dem Hauptimportland Frankreich werden die Kastanien nach Japan, USA und viele europäische Länder exportiert.

In welcher Form wird die Kastanie heute in Spanien genutzt?

Erntemengen Kastanien 2022
Land                                                                              Tonnen
Volksrepublik China (Castanea mollissima       1.703.653
Spanien (Edelkastanie)                                               187.680
Bolivien * (Edelkastanie)                                             81.327
Türkei (Castanea crenata)                                           77.792
Südkorea (Edelkastanie)                                             54.973
Italien (Castanea crenata)                                           43.000
Portugal (Edelkastanie)                                               37.150
Griechenland (Castanea crenata)                             32.900
Japan (Castanea crenata)                                             15.700
Nordkorea                                                                       12.469

Neben der Nutzung als Tierfutter und als Holz in der Landwirtschaft wird die Esskastanie als Lebensmittel genutzt. In Spanien spielen Esskastanien (castañas) vor allem in Herbst- und Wintergerichten eine Rolle, besonders im Norden und Westen (Galicien, Asturien, Extremadura, Kastilien).

Wir finden sie als
• Geröstete Maronen (klassisch auf Weihnachtsmärkten)
• Gekocht oder gebacken als Beilage
• Kastanienmehl
→ für Brot, Kuchen, Pfannkuchen, Pasta (z. B. Castagnaccio)
• Püree & Creme
→ Desserts, Füllungen, Eis
• Marrons glacés (kandierte Edelkastanien)
• Suppen & Eintöpfe, oft mit Wild oder Pilzen

Typische Gerichte sind:

Caldo de castañas (Galicien), eine Kastaniensuppe mit Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, oft mit Chorizo oder Speck
Castañas guisadas, geschmorte Kastanien mit Fleisch (Schwein, Wild, Lamm) oder Gemüse
Rellenos con castañas, ein Geflügel oder Schweinebraten mit Kastanienfüllung
Setas con castañas, ein Pilzgericht mit Kastanien

Typische Süßspeisen sind:

Castañas asadas – Geröstete Kastanien
Dulce de castañas – Kastanienpüree mit Zucker und Zimt als Füllung für Kuchen
Tarta de castañas – Kastanienkuchen, häufig mit Schokolade oder Mandeln kombiniert
Buñuelos de castaña – Frittierte Kastanienbällchen

https://costadelsol-online.es/kastanienfeste-in-andalusien/

„Castañadas“ – Kastanienfeste in Spanien

Rund um den 31. Oktober und den 1. November werden in einigen Teilen Spaniens „Castañadas“ veranstaltet. Der spanische Name für das Kastanienfest ist „castañada“, aber in Katalonien und Aragonien heißt es „castanyada“, in Kantabrien „magosto“, in Kastilien und León „sanabria“ oder „calbotada“, im Baskenland „gaztainerre“ und in anderen Regionen noch anders. Bei den „Castañadas“ geht es um das Rösten und Essen von auf dem Feuer erwärmten Kastanien, das Trinken von typischem Wein, das Essen von Süßkartoffeln und von kandierten Früchten.
Es ist schwierig, den Ursprung der Castañada-Tradition zurückzuverfolgen. Es wird jedoch behauptet, dass früher am Día de Todos los Santos oder Allerheiligen die Kirchenglocken die ganze Nacht hindurch läuteten, damit die Nachbarn wussten, dass sie für die Toten beten mussten. Allerdings war es oft so kalt oder die Menschen waren so müde, dass es schwierig war, wach zu bleiben.
Deshalb beschloss man, ein Feuer zu machen und die Kastanien, die es zu dieser Jahreszeit reichlich gab, auf dem Feuer zu wärmen und sie dann in geselliger Runde bei einem guten Wein oder einem anderen Getränk zu essen. Langsam ist dies in Teilen Spaniens zu einer Tradition geworden.

CASTIÑEIRO DA CAPELA

Geschichten zu Kastanienbäumen in Spanien

Der Kastanienbaum wurden zwar auch zur Holzgewinnung genutzt, doch einige alte Exemplare sind noch heute erhalten. Es gibt in Galicien Bäume, die mehr als 500 Jahre alt sind. Pilger finden in der Umgebung des Camino Primitivo, des Camino del Norte oder des Camino Inglés viele historische oder monumentale Kastanienbestände – meist in Galicien oder im angrenzenden Nordwesten.
Am Camino Francés finden die Pilger den Castiñeiro von Ramil (Triacastela, Galicien).
Das berühmte Exemplare ist ein mehr als 800 Jahre alter eindrucksvollen Kastanienbaum bei Ramil (kurz vor Triacastela) mit einem riesigen Stammumfang.
Auf dem weniger bekannten Camino Lebaniego – einem historischen Pilgerweg, der zum Kloster Santo Toribio führt – liegt ein malerischer Kastanienhain zwischen den Dörfern Cabañes und Pendes mit alten Bäumen und einem friedlichen Waldabschnitt.

In Baamonde (in der Gemeinde Begonte) am Camino del Norte steht ein Kastanienbaum, der „Castiñeiro da Capela“ mit einer einzigartigen Geschichte.
Es handelt sich um eine uralte Edelkastanie (Castanea sativa) mit einem hohlen Stamm. Vor etwa 50 Jahren sollte der Baum für eine Straßenverbreiterung gefällt werden. Der Bildhauer Víctor Corral versteckte sich im Inneren des Stammes, um die Fällung zu verhindern – ein spektakulärer Akt des zivilen Widerstands.
Corral schnitzte im Inneren eine kleine Kapelle mit einer Darstellung der Virgen del Rosario. Daher der Name „Castiñeiro da Capela“ („Kapellen-Kastanie“). Später fügte er weitere Holzschnitzereien hinzu. Heute ist der Baum ein echtes Wahrzeichen des Camino del Norte.
Viele Pilger ist es ein Ort der Ruhe, ein spiritueller Zwischenstopp und ein Symbol für den Schutz alter Kulturlandschaften geworden. Er verbindet Natur, Kunst, Glauben und Widerstand!

Wie schön wäre es, wenn diese Bäume uns ihre Geschichte erzählen könnten!

Einige Gedanken zu Bäumen

In literarischen Texten steht der Baum oft für:
• Zeit (Wachsen, Altern, Sterben)
• Leben spendend (Nahrung, Schatten)
• Verwurzelung und Heimat
• Orientierung in der Landschaft
• Beständigkeit (Jahrhunderte überdauernd)
• Spiegel des Menschen
• Schutz und Trost
• Verbindung von Himmel und Erde

Viele Dichter haben sich mit der Bedeutung von Bäumen auseinandergesetzt. Ich nenne hier als Beispiel Rainer Maria Rilke. Für ihn hat der Baum Berührung nicht nur mit dem Erdreich, sondern auch mit dem Wind bis hin zum Sturm, und er „kämpft“ sich durch das Leben und wächst in Ringen an den Hindernissen, die das Leben ihm entgegensetzt. In seinen „warmen Wurzeln“ vermittelt er dem Menschen Geborgenheit und Tiefe. Bei Rilke wird der Baum auch zum Symbol für das eigene Leben „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“.

Heute verstehen wir vor allem, dass Bäume „soziale Wesen“ sind, die in vielfältigen Beziehungen zu anderen Lebewesen stehen.
• Sie „kommunizieren“ untereinander und mit einem Pilznetzwerk tauschen sie Nährstoffe, Signale und Warnungen aus.
• Sie unterstützen sich gegenseitig. Starke Bäume versorgen schwächere, alte oder kranke Exemplare mit Zucker und Nährstoffen.
• Sie stehen aber auch teilweise in einem Konkurrenzkampf mit anderen Bäumen z.B. um Licht und Nährstoffe.
• Sie entwickeln sich evolutionär. Bäume können z.B. Erfahrungen speichern (z.B. Trockenstress) und ihr Verhalten daran anpassen und weitergeben.
• Bäume haben „Gefühle“ im biologischen Sinn. Das bedeutet, dass sie auf Stress, Verletzungen und Umweltveränderungen messbare biologische Reaktionen zeigen.

Und der Mensch ist ein Teil dieses größeren Netzwerkes, in dass wir allzu häufig störend oder auch vernichtend eingreifen. Die Problematik der Abholzung von Wäldern vor allem im Amazonasgebiet oder die Problematik der Monokulturen in der Landwirtschaft werden ja hinlänglich thematisiert.

1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Geographisches Geographisches

Die besonderen Schönheiten von Ribadeo

Die besonderen Schönheiten von Ribadeo

Camino del Norte

Geologischer Reichtum

Die Strände von Ribadeo
Die Strände von Ribadeo sind zusammen mit der beeindruckenden Küste einer der größten Schätze der Gemeinde. Obwohl As Catedrais der berühmteste ist, gibt es noch viel mehr zu entdecken. Die Küste vereint offene Sandstrände, geschützte Buchten, Klippen und Felsvorsprünge. Dadurch entsteht eine abwechslungsreiche Landschaft mit großem natürlichem und geologischem Reichtum. Viele Strände und Buchten liegen eingebettet zwischen den Falten der Küste und werden von Felsformationen geschützt, die ihren Charakter unterstreichen. Jeder hat seinen eigenen einzigartigen Charakter: As Catedrais ist der ikonischste; Esteiro und As Illas sind die familienfreundlichsten; Os Castros ist der breiteste und surffreundlichste und Rochas Brancas ist am windgeschütztesten. Alle sind gut zugänglich.
Naturdenkmal Praia das Catedrais
Dieses Gebiet wurde 2005 ausgewiesen. Es hat eine Fläche von 28,94 ha und liegt im äußersten Nordosten der Provinz Lugo, an der Küste zwischen den Städten Ribadeo und Foz.
Trotz des Namens Praia das Catedrais existiert der Strand nur bei Ebbe, da er bei Flut fast vollständig verschwindet. Die Küstenfront des Naturdenkmals Praia das Catedrais verläuft in Ost-West-Richtung entlang der Kantabrischen Tiefebene, hat eine Länge von 2,2 km und eine Höhe von 10 bis 20 m. Sie ist gekennzeichnet durch kleine Klippen und Sandstrände, die zwischen kleinen Landzungen und Inselchen von großem geomorphologischen und landschaftlichen Interesse verstreut sind. Innerhalb der Grenzen des Naturdenkmals Praia das Catedrais verlaufen zwei kleine Flussläufe: der Bach Perdón und der Rego de Esteiro.
Diese geomorphologische Enklave entstand durch die Meereserosion des Paläozoikums, die die Schiefer- und Quarzitschichten beeinflusste. Bögen und Tunnel sind die häufigsten geomorphologischen Formen und erreichen eine Höhe von bis zu 30 m. Es sind jedoch auch Höhlen (oder „Furnas“) und kleine Inseln („Stacks“) erhalten, die Überreste antiker Bögen darstellen, die durch die Erosion der Wellen entstanden sind. Die charakteristischen Höhlen und Furnas des Strandes Augasantas (der ihm seinen volkstümlichen Namen „As Catedrais“ gab) entstanden aus Kieselgestein. In den Kathedralen sind kleine Dünenformationen zu sehen, die sich bis zum Festland erstrecken, und der unterste Teil der Klippen ist mit Algen, Muscheln, Seepocken, Napfschnecken und Seeeicheln bedeckt. Die steinernen Bögen und Höhlen erstrecken sich über 30 Meter Höhe . Die natürlichen Bögen sind nur bei Ebbe sichtbar, wenn der Atlantische Ozean zurückweicht und Durchgänge zwischen Sandflächen freilegt. Das Kantabrische Meer formte diese geologischen Strukturen über Millionen von Jahren durch die Erosion der Schiefer- und Schieferfelsen.
Der Strand trägt zwei Namen: Praia de Augas Santas auf Galicisch, was Strand der Heiligen Wasser bedeutet, und Playa de las Catedrales auf Spanisch. Besucher benötigen im Sommer Vorabreservierungen über die Website der Xunta de Galicia und müssen die Gezeitenzeiten überprüfen.

https://julia-pracht.com/galicien-praia-catedrais/

Kultureller Reichtum

1. Das indianische Erbe
Zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts wanderten viele Menschen aus Ribadeo auf der Suche nach einem besseren Leben nach Amerika aus. Einige kehrten nie zurück, andere blieben erfolglos, doch einige kehrten erfolgreich zurück und beschlossen, in ihrer Heimat Spuren zu hinterlassen. Um die Jahrhundertwende erlebte Ribadeo so dank der Rückkehr der Indianos, Auswanderer, die mit Reichtum und neuen Ideen aus Amerika zurückkehrten, eine glanzvolle Zeit. Diese illustren Bewohner investierten nicht nur in Unternehmen und Bauvorhaben, sondern förderten auch kulturelle und soziale Projekte. Sie trugen zur Umgestaltung der Stadt und zur Modernisierung bei.
Eine der sichtbarsten Formen war der Bau großer, eklektischer und markanter Häuser, die als „ Indianerhäuser “ bekannt waren. Viele Indianer demonstrierten damit nicht nur ihren neuen sozialen Status, sondern trugen auch zur Entwicklung der Gemeinde bei, indem sie Schulen, Brunnen, Friedhöfe, Straßen, Beleuchtung und Wasserversorgung finanzierten.
Ribadeo bewahrt ein bemerkenswertes indianisches Erbe mit zahlreichen Häusern und Einrichtungen. Diese Gebäude bereicherten nicht nur das Stadtbild, sondern legten auch den Grundstein für das moderne Ribadeo. Mehr als fünfzig Herrenhäuser mit kunstvollen Fassaden, tropischen Gärten und einzigartigen architektonischen Details stehen neben symbolträchtigen Gebäuden wie Schulen, einem Marktplatz, einem Wasserversorgungssystem und der Landwirtschaftsschule Pedro Murias.
Der Stadtteil San Roque ein typisches Indiano-Viertel
Viele der ersten Auswanderer, die in den 1870er Jahren nach Ribadeo zurückkehrten, bauten hier ihre Häuser. Damals galt es als Randbezirk der Stadt. Die Häuser waren viel größer als damals üblich. Sie hatten große Fenster und Formen, die mit der Schlichtheit der galizischen Architektur des 19. Jahrhunderts brachen. Die neuen Besitzer verzierten die Fassaden, umgaben die Häuser mit Gärten – keine Obstgärten – und installierten schmiedeeiserne Zäune und Tore. Auch in die Holztüren schnitzten sie ornamentale Details. Obwohl die Projekte von einheimischen Technikern geleitet wurden, brachten die Indianos ihren eigenen Geschmack ein. Sie kamen mit Einflüssen aus Buenos Aires, Havanna und sogar dem idealisierten Paris der damaligen Zeit. Auf beiden Seiten der San Roque Street stehen Häuser im indischen Stil in verschiedenen Stilen. Einige sind üppig. Andere sind schlichter. Alle spiegeln jedoch architektonische Modelle wider, die in Amerika erfolgreich waren.

https://www.mundiplus.com/de/blog/was-es-in-ribadeo-zu-sehen-gibt/

Der Moreno-Turm
Diese Residenz wurde zwischen 1914 und 1915 auf Initiative der Brüder Juan und Pedro Moreno Ulloa erbaut. Sie wurden beauftragt, dem Entwurf des argentinischen Architekten Julián García Núñez und des Ingenieurs Ángel Ardex zu folgen, einem Anhänger des katalanischen Modernismus und Mitglied des Kreises von Antoni Gaudí. Das Werk sorgte während seiner Bauzeit für große Aufregung. Nach seiner Fertigstellung erregte es Bewunderung für seinen innovativen Charakter. Es wurden für die damalige Zeit ungewöhnliche Materialien verwendet: Beton, Glas und Schmiedeeisen. Bemerkenswert ist auch die modernistische Ornamentik. Die Kuppel, die das Gebäude krönt, wird von vier Karyatiden getragen. Sie ist von verschiedenen Punkten der Stadt aus zu sehen, da sie sich auf dem höchsten Punkt von Ribadeo befindet, wo einst die Festung stand.
Im Laufe der Zeit ist der Torre dos Moreno zu einem wahren Wahrzeichen der Stadt geworden.

https://www.galiciacantabrica.com/ribadeo

2. Die Handelshäuser
Der Aufschwung des Leinenhandels ab dem 17. Jahrhundert machte Ribadeo zu einem der geschäftigsten Häfen im Kantabrischen Meer. Dieser Wohlstand zog einheimische und ausländische Kaufleute an, die nicht nur die Wirtschaft ankurbelten, sondern durch den Bau großer Herrenhäuser auch einen städtischen Wandel vorantrieben. Viele dieser Häuser sind in der Altstadt noch erhalten. Sie zeichnen sich durch ihre großzügigen Baukörper und die charakteristischen Gurugus aus, verglaste Aussichtsplattformen auf den Dächern, von denen aus man die im Hafen ankommenden Schiffe beobachten konnte.
Zwei der repräsentativsten Beispiele sind die Casa de Arriba und die Casa de Abajo , die mit zwei Schlüsselfiguren des Handels von Ribadeo in Verbindung stehen. Erstere gehörte Antonio Casas, einem galicischen Geschäftsmann, der mit dem Ostseehandel verbunden war und hier bis zu seinem Bankrott im Jahr 1933 seine Schifffahrtsgesellschaft und Bank betrieb. Letztere gehörte Francisco Antonio de Bengoechea, einem Reeder baskischer Herkunft und politischen Rivalen, der ebenfalls seine eigene Schifffahrtsgesellschaft gründete und nach seinem Tod im Jahr 1900 ein beträchtliches finanzielles Erbe hinterließ.

https://lugo-guia.blogspot.com/2022/07/barrio-de-san-roque.html
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Geographisches Geographisches

Die verschiedenen Küstenformen entlang des Camino del Norte

Die verschiedenen Küstenformen entlang des Camino del Norte

Camino del Norte

Die Küste Nordspaniens (die sogenannte „Costa Verde“, also die „Grüne Küste“) verläuft entlang des Kantabrischen Meeres und ist geprägt von sehr abwechslungsreichen Küstenformen. Diese sind das Ergebnis einer langen geologischen Entwicklung, in der tektonische Hebungen und Senkungen, Erosion durch das Meer und durch Flüsse sowie Klimafaktoren eine große Rolle spielen.
Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Küstenformen Nordspaniens und ihrer Entstehung.
Weiter unten sind dann konkrete Beispiele aus den vier Regionen aufgeführt, wobei auch die vermerkt sind, die unmittelbar am Camino del Norte liegen.

1. Kliffküsten (Steilküsten) steil aufragende Küsten, man nennt sie auch zerstörte Küsten

Vorkommen: Besonders häufig in Asturien, Kantabrien und im Baskenland.

Beschreibung: Hohe, steile Felsküsten mit senkrecht abfallenden Wänden ins Meer.
Entstehung:
• Durch Brandungserosion an harten Gesteinen (z. B. Kalkstein, Schiefer).
• Das Meer trägt den unteren Teil des Felsens ab → Brandungshöhlen, Brandungspfeiler und Abrisskanten entstehen.
• Durch ständige Erosion rückt die Küstenlinie landwärts zurück.
Beispiel: Die Klippen bei Llanes (Asturien) oder bei Zumaia (Baskenland) mit spektakulären „Flysch“-Formationen      (s. auch den Artikel: Die herrlichen Flysch-Klippen von Zumaia)

Diercke Weltatlas - Kartenansicht - Küstenformen - - 978-3-14-100700-8 ...
Die Flysch-Klippen von Zumaia

2. Rías (Tief eingeschnittene Meeresbuchten)
Eine Ría ist ein vom Meer überflutetes Flusstal – also ein geomorphologisches Relikt des Eiszeit-Tiefstands. Man nennt sie auch versunkene Küsten.
Vorkommen: Vor allem an der galicischen Küste (z. B. Rías Altas und Rías Baixas).
Beschreibung: Längliche, fjordähnliche Buchten, die tief ins Land hineinreichen.
Entstehung:
• Entstanden durch das Überfluten ehemaliger Flusstäler infolge des Meeresspiegelanstiegs nach der letzten Eiszeit (transgressive Küstenform).
• Die Flüsse hatten zuvor Täler in das Festland eingeschnitten, die dann vom Meer geflutet wurden.
Beispiel: In Galicien findet man die berühmtesten Rías Europas, die typisch „ertrunkene Flusstäler“ sind – Rias Baixas und Rias Altas. Diese Rais öffnen sich zum Atlantik hin.

By Rias_bajas_ES.svg: *Hidrogalicia_ES_color.svg: *Hidrogalicia_ES.svg: *Hidrogalicia_vertente_costa_da_morte.svg: Iagocasabiellderivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk)derivative work: Edoarado (talk) - Rias_bajas_ES.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11969891

3. Ästuare
• Ästuare sind fluvial geprägt Küsten, an denen sich durch Gezeiten (Ebene und Flut) ein starker Tidenhub ergibt. Es kommt es zu trichterförmigen Flussmündungen. Ein Ästuar ist eine dynamische Mischungszone von Süß- und Salzwasser – also ein hydrodynamisch aktives System. In der Alltagssprache werden sie auch als Rias bezeichnet. Man nennt sie auch aufgebaute Küsten.

Viele Rías (z. B. in Galicien) verhalten sich heute wie Ästuare, da sie Gezeiten und Süßwasserzufluss haben – aber ihre geologische Entstehung unterscheidet sie weiterhin.

Von user:Jbo166 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10063706

Unterschied zwischen Ria und Ästuar:

Merkmal

Ría

Ästuar

Definition

Überflutetes Flusstal – ein ehemals von einem Fluss eingeschnittenes Tal, das durch den Meeresspiegelanstieg ertrunken ist.

Mischzone zwischen Süßwasser aus einem Fluss und Salzwasser aus dem Meer – stark durch Gezeiten geprägt.

Entstehung

Durch Meeresspiegelanstieg nach   der letzten Eiszeit: das Meer dringt in ein ehemaliges Flusstal ein (Erosionstal wird „ertränkt“).

Durch hydrodynamische Prozesse an einer Flussmündung: Fließendes Süßwasser trifft auf eindringendes Salzwasser → Vermischung und Sedimentablagerung.

Form

Oft langgestreckt, verzweigt, tief eingeschnitten (folgt dem alten Flusslauf).

Meist trichterförmig, mit breiter Mündung, durch Gezeiten verbreitert.

Sedimente

Relativ wenig Sediment, oft klares Wasser, tiefe Becken.

Starke Sedimentumlagerung, Schlick

und Sand; Bildung von Watten und Deltas möglich.

Salzgehalt

Deutlich mariner Charakter, aber schwach geschichtet.

Starke Salzgradienten und vertikale Schichtung (je nach Gezeiten und Flusszufluss).

Beispiele

Ría de Vigo (Galicien, Spanien), Ría de Arousa

Ria de Ribadesella (Asturien), Ria de Villaviciosa, Ria de San Vicente de la Barquera

kevmrc.com Ria de Ribadesella

4. Buchten und Sandstrände (Küstensenken)
Vorkommen: Zwischen Felskaps und Klippen, z. B. bei Santander, Gijón oder San Sebastian
Beschreibung: Kleine Buchten mit sandigen Stränden.
Entstehung:
• Entstehen, wenn Brandung Material aus Felsen löst und es in windgeschützten Buchten ablagert.
• Auch Flüsse transportieren Sedimente, die sich an Mündungen ansammeln.
Beispiel: Playa de Rodiles (bei Villaviciosa, Asturien), Playa del Sardinero (Santander) oder La Concha (San Sebastian) und viele andere kleine Buchten entlang der Küste

Strand vor Laredo

5. Felskaps und Halbinseln
Vorkommen: Entlang der gesamten Nordküste.
Beschreibung: Vorspringende Landspitzen aus widerstandsfähigem Gestein.
Entstehung:
• Unterschiedliche Erosionsresistenz der Gesteine führt dazu, dass harte Gesteine stehen bleiben, während weichere Gesteine abgetragen werden.
• Diese Formen ragen als Kaps oder Landzungen ins Meer hinaus.
Beispiel: Cabo de Peñas (Asturien) – der nördlichste Punkt Asturiens bei Gijon, Leuchtturm von Ribadeo (Galicien), Halbinsel Castro Urdiales

Castro Urdiales

6. Abrasionsplattformen (Brandungsplattformen)      s. Bild oben bei Kliffküste
Vorkommen: Oft unterhalb der Kliffe sichtbar.
Beschreibung: Flache Felsflächen, die bei Ebbe freiliegen.
Entstehung:
• Durch ständige Brandungserosion wird der Fels am Fuß der Klippe abgetragen, wodurch eine ebene Fläche entsteht.
• Diese verlagert sich mit der rückschreitenden Kliffkante langsam landwärts.
Beispiel: Küste bei Castro Urdiales

Beispiele für die  Küstenformen in den verschiednen Regionen der spanischen Nordküste

Beispiele für Kliffküsten:

Galicien (Galicia)
1. Acantilados de Loiba (Ortigueira, A Coruña)
o Beeindruckende, wilde Klippen mit dem berühmten „Banco más bonito del mundo“ (die schönste Bank der Welt).
o Grandioser Ausblick auf den Atlantik.
2. Cabo Ortegal (Cariño, A Coruña)
o Einer der nördlichsten Punkte Spaniens.
o Die Felsen bestehen aus einigen der ältesten Gesteine Europas.
3. Acantilados de Vixía Herbeira (bei San Andrés de Teixido, A Coruña)
o Mit über 600 Metern Höhe die höchsten Klippen des europäischen Festlands.
o Absolut spektakulär
4. Praia das Catedrais („Strand der Kathedralen“) (Ribadeo, am Camino del Norte)
• eine stark erodierte Fels- bzw. Abrasionsküste
• Das Meer erodiert den Fels durch mechanische Kräfte (Wellen, Sand, Kies).
• Es entstehen steile Kliffs, Brandungshohlkehlen und Meeresgrotten,
Felsbögen („Kathedralenbögen“), Felsnadeln, Felsplattformen, die bei Ebbe sichtbar werde
Asturien (Asturias)
5. Cabo Vidio (Cudillero, nördlich von El Pito, hinter Avilés)
o Atemberaubende Aussichten, besonders bei Sonnenuntergang.
o Steile Felsen und eine kleine Kapelle auf der Spitze.
6. Cabo Peñas (zwischen Avilés und Gijón)
o Der nördlichste Punkt Asturiens.
o Eindrucksvolle, gut zugängliche Klippen mit Leuchtturm und Besucherzentrum.
7. Llanes (am Camino del Norte)
• Hohe scharfkantige Klippen sowie Einbuchtungen, Höhlen und Felsnadeln
• Die Bufones de Pría bei Llanes sind geologische Highlights: durch den Druck der Wellen wird Luft und Wasser durch Spalten im Fels nach oben gepresst – ähnlich wie Geysire.

Kantabrien (Cantabria)
8. Acantilados de Costa Quebrada (bei Liencres / Santander)
o Eine der schönsten Küstenlandschaften Spaniens.
o Felsformationen, Bögen und Klippen – perfekt zum Fotografieren.
9. Cabo Mayor (Santander am Camino del Norte)
o Nahe der Stadt, mit Leuchtturm und Spazierwegen über die Klippen.
o Blick auf das offene Meer und die Stadtbucht.

Baskenland (País Vasco)
10. Flysch-Klippen von Zumaia (Gipuzkoa) am Camino del Norte
o Geologisch spektakulär: die Flysch-Formationen zeigen Millionen Jahre Erdgeschichte.
o Teil des UNESCO-Geoparks Basque Coast.
11. San Juan de Gaztelugatxe (Bermeo, Bizkaia nördlich von Bilbao)
o Dramatische Klippeninsel mit einer kleinen Kapelle auf der Spitze.
o Bekannt aus Game of Thrones als „Drachenstein“.
12. Cabo Matxitxako (bei Bermeo nördlich von Bilbao)
• Höchster Punkt an der baskischen Küste mit einem Leuchtturm.
• Häufig Sichtungen von Delfinen und Walen.

Beispiele für Rias:

Westgalicien (Rías Baixas – „untere Rías“)
Diese Rías öffnen sich weit zum Atlantik hin und sind besonders tief.
• Ría de Vigo
• Ría de Pontevedra
• Ría de Arousa (größte und produktivste)
• Ría de Muros e Noia
Nordgalicien (Rías Altas – „obere Rías“)
Diese sind schmaler und kürzer, da die Küste hier steiler ist.
• Ría de Ferrol
• Ría de A Coruña
• Ría de Cedeira
• Ría de Ortigueira
• Ría de Viveiro
• Ría de Ribadeo (Grenze zu Asturien)
Baskenland
• Rai de Pasaia am Camino del Norte
Eine typische Talfordküste. Schmal und eng, der Zugang vom Meer ist eng, während sich die Bucht nach innen weit öffnet

Beispiele für Ästuare:

Asturien – kleinere Ästuare
Die Küste Asturiens ist steil und felsig, daher gibt es wenige, aber markante Flussmündungen mit Ästuar-Charakter.
• Ría de Ribadesella (Mündung des Río Sella) am Camino del Norte
• Ría de Villaviciosa (Río Valdediós) am Camino del Norte
• Ría de Avilés (stark industrialisiert)
• Ría del Nalón / San Esteban de Pravia am Camino del Norte
Charakter: Kleine, gezeitengeprägte Ästuare, oft verlandet oder durch Häfen verändert.

Kantabrien – trichterförmige Ästuare und Buchten
Hier dominieren klassische Ästuare, die durch Gezeiten geprägt sind.
• Ría de San Vicente de la Barquera am Camino del Norte
• Ría de Tina Menor und Tina Mayor am Camino del Norte
• Ría de Suances (zwischen Santander und Santillana)
• Ría de Santander (große Hafenbucht) am Camino del Norte
• Ría de Cubas (Miera-Fluss) bei Somo vor Santander
Charakter: Dynamische Ästuare mit Salz- und Süßwassermischung, oft Sandbänke, Wattflächen und Marschgebiete.

Baskenland – wenige, aber markante Ästuare
Die Küste ist schmal und steil, doch an einigen Flüssen bilden sich bedeutende Ästuare.
• Ría de Bilbao (Ría del Nervión), am Camino del Norte
stark urbanisiert, heute renaturiert
• Ría de Mundaka / Urdaibai nördlich von Bilbao
(UNESCO-Biosphärenreservat, Mündung des Oka-Flusses)
• Ría de Plentzia nördlich Von Bilbao
Charakter: Gezeiten-Ästuare, stark anthropogen verändert, aber ökologisch wertvoll

Beispiele für Felskaps und Halbinseln

Beispiele für Felsenkaps (Cabos / Capes)
In Galicien (Galicia)
• Cabo Ortegal (Cariño, A Coruña)
Mächtiges Felsenkap aus sehr altem Gestein, markiert den Übergang zwischen Atlantik und Kantabrischem Meer.
• Cabo Prior (bei Ferrol, A Coruña)
Klippen mit Leuchtturm, typische Abrasionsformen und Meereshöhlen.
• Cabo Estaca de Bares (nahe Ortigueira, A Coruna)
Nördlichster Punkt Spaniens; steile Felsen, wo Atlantik und Kantabrisches Meer aufeinandertreffen.

In Asturien (Asturias)
• Cabo Vidio (Cudillero, , nördlich von El Pito, hinter Avilés) )
Eindrucksvolles Felsenkap mit senkrechten Klippen, Aussichtspunkt und kleiner Kapelle.
• Cabo Peñas (bei Gozón, nördlich von Avilés)
Nördlichster Punkt Asturiens, 100 m hohe Kliffs, markanter Leuchtturm.
• Cabo de San Lorenzo (bei Gijón)
Geringere Höhe, aber typisches Beispiel einer erosiven Felsplattform mit Steilkante.
• Isla Pancha (Ribadeo, am Camino del Norte)
Ähnlich den Kaps, Insel vor Ribadeo über eine Brücke mit dem Ort verbunden, Leuchtturm

In Kantabrien (Cantabria)
• Cabo Mayor (Santander, am Camino de Norte)
Felsküste mit Leuchtturm, Brandungshöhlen, Spazierwege auf der Kliffkante.
• Cabo Menor (neben Cabo Mayor, Santander, am Camino del Norte)
Kleineres Kap, getrennt durch Buchten; klassische Doppelkapsituation.

Im Baskenland (País Vasco)
• Cabo Matxitxako (bei Bermeo, nördlich von Bilbao)
Höchster Punkt der baskischen Küste; felsiges Kap mit Leuchtturm und Aussicht auf Gaztelugatxe.
• Cabo Higuer (bei Hondarribia, Gipuzkoa, am Camino del Norte)
Östlichster Punkt der Nordküste Spaniens, Übergang nach Frankreich; Leuchtturm auf Felsen.

Beispiele für Halbinseln (Penínsulas)
• San Andrés de Teixido (Galicien)
Auf einer schmalen, felsigen Halbinsel oberhalb der höchsten Klippen Europas (Vixía Herbeira).
• Castro Urdiales (Kantabrien, am Camino del Norte)
Die Altstadt liegt auf einer kleinen Fels-Halbinsel mit Burg und Kirche (Castillo-Faro).
• San Juan de Gaztelugatxe (Baskenland, nördlich von Bilbao)
Eine Felsinsel mit Damm, wirkt wie eine Mini-Halbinsel; ikonisch durch die Kapelle auf dem Gipfel.
• Getaria (Baskenland zwischen Zarautz und Zumaia, am Camino del Norte)
Halbinsel mit Kegelberg „Monte de San Antón“, bekannt als „Raton de Getaria“ – über Landbrücke mit dem Festland verbunden (Tombolo).
• Isla de Mouro (vor Santander, am Camino del Norte)
Kleine vorgelagerte Felseninsel mit Leuchtturm – eigentlich Insel, aber geomorphologisch ähnlich einem isolierten Felsenkap.

Quellen

Juan A. Morales (Hrsg.), The Spanish Coastal Systems: Dynamic Processes, Sediments and Management, Springer 2018
Francisco Gutiérrez & Mateo Gutiérrez (Hrsg.), Landscapes and Landforms of Spain, Springer 2014

1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Geographisches Geographisches

Der Camino de Levante – ein weniger frequentierter aber faszinierender Jakobsweg

Der Camino de Levante – ein weniger frequentierter aber faszinierender Jakobsweg

Camino de Levante

Woher kommt der Name „Levante“? In Spanien bezeichnet der Begriff Levante (spanisch für die Himmelrichtung „Osten“, abgeleitet vom Sonnenaufgang, von levantarse, „aufgehen“) die Ostküste der Iberischen Halbinsel und ihr Hinterland, besonders die Küstenlandschaften der früheren Königreiche Valencia und Murcia. Ausschlaggebend für den Namen war wohl die Lage Valencias im östlichen Küstenabschnitt Spaniens, der ebenfalls als Levante bezeichnet wird. Allerdings führt der Camino de Levante über 1200 km (incl. des letzten Abschnitts der Via de la Plata) quer durch Spanien bis nach Santiago de Compostela.

Por Paulusburg - Trabajo propio, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=73876714

Schon Apostel Jakobus, so erzählt man sich, benutzte ein Stück der „Via Augusta“, die ein Teil des Camino de Levante ist, bei seiner Missionierung Spaniens. Auch heute gehört der alte Pilgerweg zu den attraktivsten und abwechslungsreichsten Wanderrouten Europas. Von Valencia am Mittelmeer führt er über 820 km durch das Herz Spaniens bis nach Zamora und trifft dort auf die von Sevilla kommende Vía de la Plata.

Der Camino de Levante hat seinen Ursprung in der mittelalterlichen Epoche, als Pilger aus den Küstenregionen des Mittelmeers ihre Reise nach Santiago de Compostela antraten. Der Hafen von Valencia war ein wichtiger Ausgangspunkt für die Pilger. Die Route folgte quer durch Spanien alten römischen Straßen und Handelswegen, die bereits das Levante mit dem Inneren der Halbinsel verbanden.

Mit Mittelalter wurde sie sowohl von Pilgern als auch von Händlern genutzt, die in dieser Route eine sichere Verbindung durch Zentralspanien sahen. Im Laufe der Zeit gewann die Route an Popularität insbesondere unten den Bewohnern der Ostküste, die eine Alternative zu den stärker frequentierten Routen im Norden suchten. Die Route hatte allerdings mit Herausforderungen zu kämpfen, wie mit dem Mangel an Infrastruktur und der Konkurrenz der besser etablierten Wege.
Obwohl die Route in der Neuzeit an Popularität verlor, wurden in den letzten Jahrzehnten Anstrengungen unternommen, sie wieder zu beleben. Heute wird sie zunehmende von jenen gewählt, die eine weniger überlaufende aber faszinierende Alternative zu den klassischen Wegen suchen. Dabei muss man die Herausforderung des begrenzten Angebots an Herbergen und Dienstleistungen akzeptieren. Laut der „Associación Amigos del Camino de Santiago“ in Valencia pilgern ca. 700 Personen pro Jahr auf dem Weg.

Toledo Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16570610

Der Camino de Levante ist also eine der weniger bekannten Routen des Jakobswegs, birgt jedoch einen bedeutenden historischen und kulturellen Reichtum. Mit seinen Ursprüngen ist er tief verwurzelt in der Geschichte Spaniens und führt durch vielfältige Landschaften, historische Städte und wenig begangene Wege. Der moderne Verlauf führt durch die Städte wie Albacete, Toledo und Avila, von wo aus man natürlich auch starten kann. Er bietet die Möglichkeit ein authentisches und ländliches Spanien zu entdecken, abseits der üblichen Touristenpfade. Pilger können dabei einzigartige Landschaften genießen von den fruchtbaren valencianischen Gärten über die Ebenen von Kastilien-La Mancha mit seinen Windmühlen bis zu den imposanten Bergen von Kastilien und Leon. Diese landschaftliche Vielfalt ist einer der Hauptanziehungspunkt der Route. Ein weiteres herausragendes Merkmal ist der historische Reichtum der Städte, durch die sie führt. Orte wie die Hafenstadt Valencia, Albacete seiner Pasaje de Lodares, Toledo mit seinem beeindruckenden kulturellen Erbe und seiner Geschichte des Zusammenlebens der Kulturen oder Avila mit einer berühmten mittelalterlichen Stadtmauer bieten den Pilgern einen tiefen Einblick in die Geschichte Spaniens.

By Choniron - Own work, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21391963 Stadtmauer von Avila

Meine Freundin und ich sind den Weg  im Mai gegangen und ich würde jedem diese Zeit empfehlen. Zwar waren die Nächte manchmal noch sehr kalt, aber dafür wurden wir jeden Tag mit einer wahren Blumenpracht erfreut. Mit der Landschaft änderten sich auch die Blumen, aber jede neue Zusammenstellung an Blumen war wunderschön.

Außerdem konnten wir auf der ganzen Wanderung von Toledo bis Zamora die Störche mit ihren Jungtieren in den großen Nestern auf fast jedem Kirchturm bewundern.

Por almamía - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2405246
Por almamía - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2405246
Por almamía - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2405246
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Geographisches Geographisches

Kastilien-La Mancha

Kastilien-La Mancha

Camino de Levante

Von Lourdes Cardenal - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50667

Kastilien-La Mancha gehört zu der historischen zentralspanischen Landschaft Kastilien und ist auch als Neukastilien bekannt. Traditionell gehörte auch die Provinz Madrid zu Neukastilien, diese bildet aber seit 1983 die Autonome Gemeinschaft Madrid. Kastilien-La Mancha umfasst die Provinzen Albacete, Cuidad Real, Cuenca, Guadalajara und Toledo. Hauptstadt ist Toledo.
Mehreren Theorien zufolge stammt der Ortsname „Mancha“ aus dem Arabischen, so bedeutet Manxa oder Al-Mansha „Land ohne Wasser“ und Manya „Hochebene“ oder „erhöhter Ort“.

Von Tschubby - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123105098

Mit 79.463 km² Landfläche ist Kastilien-La Mancha etwa so groß wie Tschechien. Es erstreckt sich damit über 15,7 % der spanischen Landmasse. Mit einer geringen Bevölkerungsdichte von 26,5 Einwohnern pro Quadratkilometer beheimatet Kastilien-La Mancha allerdings nur ca. 4,3 % der Einwohner Spaniens. Wirtschaftlich steht die Gemeinschaft nicht sonderlich gut da. So belegt Kastilien-La Mancha beim „Spanischen Index der Entwicklung“ (Lebenserwartungsindex+Bildungsindex+Lebensstandard) unter den 17 autonomen Gemeinschaften (ohne die beiden autonomen Städte Ceuta und Melilla) den vorletzten Platz (Kastilien-León 7. Stelle). Die Arbeitslosenquote liegt im Jahr 2024 bei 28 %, obwohl die Quote für Spanien insgesamt in den letzten Jahren deutlich gesunken ist.

Geschichte seit dem Mittelalter

Innerhalb der muslimischen Verwaltungsgliederung gab es im Inneren von al-Andalus Coras (Gebietseinheiten) und in den Grenzregionen Marken mit größerer militärischer Macht, um den Einfällen der christlichen Königreiche entgegenzutreten. Die heutige Region Kastilien-La Mancha lag innerhalb der sogenannten Mittleren Mark (al-Targ al-awsat) mit Zentrum in Toledo, wo der Gouverneur mit militärischer Macht residierte.
Unter der muslimischen Herrschaft blieb die Region weitgehend dünn besiedelt. Allerdings wurden an den Ufern des damaligen Wadi-al-Hayara und heutigen Río Henares damals zahlreiche Burgenvo und einige Städte entwickelt, wie Toledo oder Alcaraz , die zu wichtigen Zentren der Textilindustrie wurden . Die Araber leisteten dank ihrer fortschrittlichen Bewässerungstechniken auch einen großen Beitrag zur Landwirtschaft der Region sowie zur Viehzucht durch die Einführung des Merinoschafs.

Taifas 1037 Von Tyk - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6452138

Nach einer langen und wohlhabenden Zeit, in der nur interne Konflikte das Zusammenleben zwischen Muslimen, Juden und Mozarabern (oder Christen) manchmal erschwerten, eroberte Alfons VI. Toledo im Jahr 1085 und es begann eine Zeit, in der fast das gesamte heutige Kastilien-La Mancha unter Kämpfen zwischen Christen und Muslimen litt, die die Kontrolle über das Gebiet anstrebten. Es kam zu nahezu ununterbrochenen Vorstößen und Rückzügen auf beiden Seiten, bis sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts das gesamte Gebiet endgültig in christlicher Hand befand.
Nach 1212 geriet fast ganz Kastilien-La Mancha sowie das Guadalquivir-Tal endgültig unter kastilische Kontrolle, wobei der Wiederbesiedlung in Kastilien-Leon Vorrang vor der von Kastilien-La Mancha eingeräumt wurde, da bei letzterem ein Großteil des Gebietes unter der Herrschaft der Militärorden stand. Hier sind vor allem der Orden von Callatrava, der Johanniterorden und der Orden von Santiago zu nennen. Die Militärorden (Santiago, Calatrava und San Juan) spielten eine sehr wichtige Rolle, da sich diese Soldatenmönche im Kampf gegen den Islam als sehr effizient erwiesen. Im Gegenzug erhielten sie große Besitztümer und waren aber auch diejenigen, die die einige Städte in La Mancha gründeten.

Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Als Teil der Königreiche Toledo und Murcia (in seinem südöstlichen Teil), die beide in die Krone von Kastilien integriert waren, war La Mancha Schauplatz der kastilischen Bürgerkriege der folgenden Jahrhunderte und litt unter deren Folgen. Als Grenzgebiet Kastiliens zur Krone von Aragon war es u.a Schauplatz des ersten kastilischen Bürgerkriegs zwischen 1351 und 1369. Zu den Auswirkungen der Kriege auf die Bevölkerung kommen noch die Pestepedemien dazu, die im 14. Jahrhundert fast ganz Europa heimsuchten.
Im 15. Jahrhundert kam es in Kastilien-La Mancha zu Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fraktionen des Königreichs, die 1475 im Kastilischen Erbfolgekrieg gipfelten. Der Krieg endete 1479 mit dem Vertrag von Alcácovas, der den Sieg von Isabel und Ferdinand markierte, die Jahre später die Katholischen Könige genannt wurden.
In Laufe des 15. Jh. kam es in Kastilien-La Mancha aber auch zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerung und der landwirtschaftlichen Produktion, was die Gründung von Städten und Gemeinden begünstigte. Mit dem 16. Jahrhundert änderte sich das. Obwohl Karl I. Toledo zur Hauptstadt seines Reiches machte (und die Stadt ein wichtiges politisches und kommerzielles Zentrum blieb), erlebte sie bald einen Niedergang, als Philipp II. die Hauptstadt nach Madrid verlegte. Auch die übrigen Gebiete des heutigen Kastilien-Mancha-Gebiets erleben keine guten Zeiten und es kommt zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang infolge der Vertreibung der Juden (zuvor 1492) und der Morisken (zum Christentum konvertierte Muslime 1609), der Epidemien und Kriege in Europa und damit des wirtschaftlichen Niedergangs, insbesondere der Landwirtschaft, am Ende des 16. und im Laufe des 17. Jahrhunderts.

Von diesem Erbe erholte sich die Region nicht mehr. Die große Trockenheit und extreme Temperaturen der weitgehend auf dem zentralen spanischen Hochplateau gelegenen Region macht gebietsweise den Weinbau und andere Landwirtschaft sehr schwierig. Die Landwirtschaft verliert an Bedeutung und viele Ländereien werden aufgegeben. Auch vor Kastilien-La Mancha machte die Reblausplage des 19. Jahrhunderts nicht halt, was dazu führte, dass nach einem großen Flächenverlust die weiße Airén in großem Stil angebaut wurde. Es bildet auch das weltgrößte zusammenhängende Weinanbaugebiet allerdings mit nicht sehr hochwertigem Wein. Wie in so vielen anderen Regionen begann erst in den 1990er Jahren eine Distanzierung von billigen Massenweinen. Viele dieser Faktoren führten zu einem  Bevölkerungsrückgang, da die Menschen in vielen ländlichen Gebieten ihre Dörfer verlassen, um in Industriegebieten anderer Regionen Arbeit zu suchen. Diese Entwicklung verstärkte sich noch einmal nach dem 2. Weltkrieg, wie die Karten unten aufzeigen. So erklärt sich auch die heutige schwierige Situation der Region, die zudem auf keine große Industrialisierung zurückgreifen kann.

De Creando por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España Image:Evolución Población Provincias España 1787 - 1900.pdf, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2461759
De Creado por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España [1], Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2608971

Sehenswürdigkeiten

Wer Kastilien-La Mancha besucht, kommt an den allgegenwärtigen Windmühlen nicht vorbei. Die berühmten „Riesen“, die Miguel de Cervantes in seinem mythischen Werk „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ in Bezug auf die Windmühlen erwähnt, sind zu einem der großen Symbole von Kastilien-La Mancha geworden, mehr noch als seine Kathedralen und Burgen. Sie sind in verschiedenen Gegenden zu finden: Alcázar de San Juan, Consuegra, Campo de Criptana …

Die Heimat des Don Quijote ist allerdings nicht nur landwirtschaftlich geprägt von sanften Hügeln mit den typischen Mühlensilhouetten und dem weltweit bekannten Manchego-Käse, sondern es warten auch urbane Weltkulturerbe-Städte wie Toledo und Cuenca mit architektonischen, kulturellen und historischen Highlights.
Das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt, die Festung Alcázar, und die Kathedrale von Toledo sowie die mutig in den Fels gebauten „Hängenden Häuser“ (die Casas Colgadas) von Cuenca im Nordosten der Region sind hier insbesondere zu nennen.
In Guadalajara kann der prachtvolle Mendoza-Palast, der Palacio del Infantado besichtigt werden. Im Osten von Kastilien-La Mancha wartet mit der im 14. Jahrhundert erbauten Burg von Albacete eine der schönsten Burgen der Region und auch das Flusstal des blaugrünen, in ausgewaschene Sandsteinfelsen eingebetteten Rio Jucar, insbesondere das pittoreske Örtchen Alcalá del Júcar, ist einen Abstecher wert.
Zahlreiche Naturparks wie der Parque Natural del Alto Tajo bei Guadalajara und der Parque Natural Lagunas de Ruidera auf halber Strecke zwischen Real und Albacete sowie der Parque Valle de Alcudia y Sierra Madrona und der Parque Serrania de Cuenca zeigen die Artenvielfalt des mediterranen Waldes der iberischen Halbinsel. Zudem kann man mehr als 160 Vogelarten u.a. den Iberischen Kaiseradler oder den Mönchsgeier entdecken.

1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Geographisches Geographisches

Kastilien-León

Kastilien-León

Camino de Levante, Via de la Plata

Von Tschubby - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127016311

Im nordwestlichen Landesinnern liegt die flächenmäßig größte Region Spaniens – Kastilien-León übertrifft sogar das Nachbarland Portugal an Größe – mit sage und schreibe neun Nachbarregionen: Galicien, Asturien, Kantabrien, Baskenland, La Rioja, Aragon, Kastilien-La Mancha, Madrid und die Extremadura sowie Portugal im Westen. Regierungssitz ist das zentral gelegene Valladolid, eine Hauptstadt im eigentlichen Sinne besitzt das ehemalige Königreich nicht.

Kastilien und León umfasst die Nordmeseta eine zwischen 600 und 800 m Höhe liegende, von Randgebirgen begrenzte Hochebene im Nordwesten Zentralspaniens, die vom Duero entwässert wird. Der westliche Teil mit den Provincen León, Zamora und Salamanca bildet die historische Landschaft León; der als Altkastilien bekannte zentrale und östliche Teil gehört zur historischen Landschaft Kastilien.

Kastilien-Léon ist die flächenmäßig größte autonome Region Spaniens und zugleich die am dünnsten besiedelte. Sie erstreckt sich mit 94.218 km² Landfläche über 18,6 % der spanischen Landmasse, stellt jedoch mit einer Bevölkerungsdichte von 25 Einw./km² (Spanien: 95 Einw./km²) nur 5,7 % der Einwohner Spaniens dar. Für diese Situation ist vor allem die Landflucht ab den 50iger Jahren verantwortlich. So spricht Sergio del Molino in seinem Buch auch von dem „leeren Land“. (s. dazu hier das Kapitel „Leeres Land“)
Vergleicht man die Karten von 1857 und die Bevölkerungsentwicklung zwischen 1950-81, so erkennt man, dass die bereits damals 1857 dünn besiedelten Gebiete später zusätzlich von einem bedeutenden Bevölkerungsrückgang betroffen waren.

De Creando por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España Image:Evolución Población Provincias España 1787 - 1900.pdf, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2461759
De Creado por Rodriguillo, tomando como mapa base Image:Provinces of Spain.svg, creado por Emilio Gómez Fernández - Instituto Nacional de Estadística de España [1], Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2608971

Geschichte bis zur Entstehung des Spanischen Königreiches

Mit dem Untergang Roms wurde iberische Halbinsel von den Westgoten besetzt. Bei der folgenden Eroberung durch die Mauren blieb der äußerte Norden des Landes unbesetzt. Im Berggebiet des heutigen Asturien entstand ein kleines christliches Königreich, das sich der islamischen Präsenz auf der Iberischen Halbinsel widersetzte. Sie erklärten sich selbst zu Erben der letzten westgotischen Könige, die wiederum stark romanisiert worden waren. Dieser Widerstand westgotisch-römischen Ursprungs, unterstützt vom Christentum, wurde immer stärker und dehnte sich Richtung Süden aus, wobei Ordono II. seine Hauptstadt in die Stadt León verlegte und den Grundstein zum Königreich Leon legte. Um die Wiederbevölkerung der neu eroberten Länder zu fördern, erteilten die Monarchen Fueros oder Urkunden zur Wiederbevölkerung (s. auch Kapitel „Repoblación“). Der König unterstützte u.a. auch die Wiederbevölkerung von Valladolid und Zamora.
Die Reconquista (Wiedereroberung) begann mit fortschreitenden territorialen Vorstößen und Rückzügen, bis die Teilung mit der islamischen Macht auf der Halbinsel entlang der Duero-Linie erfolgte.
Zur gleichen Zeit begann eine Grafschaft dieses christlichen Königreichs León, Autonomie zu erlangen und zu expandieren. Dies war die ursprüngliche Grafschaft Kastilien, die sich zum Königreich Kastilien mit großer Macht unter den christlichen Königreichen der Halbinsel entwickeln sollte. 1065 spaltete sich Kastilien vom Königreich León ab und wurde selbst ein Königreich. Zwischen 1072 und 1157 war das Königreich Kastilien wieder mit dem Königreich León vereinigt, danach wieder von ihm getrennt.1230 wurden die Königreiche von Kastilien und León endgültig unter Ferdinand II, dem Heiligen, vereinigt. Dieses vereinigte Reich wird als Krone von Kastilien bezeichnet. Seine Könige eroberten unterstützt von den Königreichen Navarra und Aragon und Portugal in der Reconquista schrittweise den Süden der Iberischen Halbinsel von den muslimischen Herrschern (s. ausführlicher das Kapitel „Reconquista“).
Zwischen 1212 bis 1516 dominierten dann drei Königreiche den christlichen Teil der Halbinsel. Im Westen war aus einer zu León gehörenden Grafschaft das Königreich Portugal entstanden. Im Osten dehnte Aragón, mittlerweile mit Katalonien verbunden, zunehmend zum Mittelmeer aus. 1282 akzeptiert Peter III., seit 1276 auf dem aragonischen Thron, die ihm von den Adeligen der Insel angetragene Krone Siziliens. 1442 erobert ein Nachfolger Peters das Königreich Neapel und damit ganz Süditalien. Zur größten iberischen Landmacht aber entwickelt sich Kastilien (seit 1230 mit León verbunden), das vom 11. Jahrhundert an nach und nach den größten Teil der früheren maurischen Herrschaftsgebiete annektiert.

Die Vereinigung der Krone von Kastilien und der Krone von Aragon begann 1469 als Personalunion durch die Heirat der katholischen Könige, Isabel von Kastilien und Ferdinand von Aragon. Sie wurde im Jahr 1516 vollendet, als der spätere Kaiser Karl V. durch Erbschaft König beider Reiche wurde und als Karl I. das Königreich Spanien begründete. Nach seinem Rückzug wurde das Reich Karls V. aufgeteilt. Sein Sohn Philipp erbte die Herrschaft in Spanien, sein Bruder Ferdinand trat die Nachfolge in Österreich an. Lange Zeit war die spanische Linie des Hauses Habsburg die mächtigere, denn Spanien war dank der überseeischen Besitzungen unermesslich reich.

Von Marnal (talk), based on the Spanish original Corona_de_Castilla_1400.svg by HansenBCN - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6055041

Klima und Weinbau

Generell ist das Klima in Kastilien und León durch heiße, trockene Sommer und lange, kalte Winter geprägt, weiterhin machen große Tag- und Nachtschwankungen der Temperatur der Landwirtschaft zu schaffen.

Der Weinbau liegt mit 450 bis 1.000 m meist in größerer Höhe als sonst in Spanien, wobei die niedriger gelegenen Gebiete sich meist rund um Flüsse und deren Niederungen wie das Duero-Becken oder den Miño-Nebenfluss Sil befinden und die höher gelegenen im bergigen Hinterland der Flussebenen.

Auch wenn man das trocken-heiße Klima in Kastilien und León guten Gewissens als kontinental bezeichnen kann, ist die weitläufige Region dennoch von unterschiedlichen Einflüssen geprägt. Die dem Atlantik näheren Weinbaugebiete im Nordwesten, vor allem das an Galicien grenzende Bierzo, sind beispielsweise durch maritimeres, gemäßigteres Klima mit mehr Niederschlägen geprägt und viele Bereiche weisen recht spezielles Mikroklima auf, was zu kleinen Inseln besonderer Rebkultur führt, die sich teilweise von einem Tal zum nächsten bereits unterscheiden. Die Böden weisen wenig überraschend eine große Varianz auf. Heute ist z.B. der Name Ribera del Duero international bekannt und zahlreiche Bodegas machen von sich reden, allen voran die weltbekannten Weine des renommierten Weingutes Vega Sicilia.

https://www.vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien/kastilien-und-leon/

Sehenswürdigkeiten

Auch wenn Kastilien und León aufgrund der fehlenden Küstenlandschaft wohl nicht zu den Top-Tourismusregionen Spaniens zählt, gibt es eine ganze Menge sehenswerte Highlights, die vor allem eine Genussreise in die Region der sanften Hügel und historischen Orte lohnenswert machen.
Die mittelalterlichen Städte reihen sich aneinander wie auf einer Perlenkette: Von den Templerhochburgen und Pilgerstädten Ponferrada und Astorga im Nordwesten nahe Bierzo über die historische Stadt Salamanca , die romanische Stadt Zamora und das pittoreske Rueda-Örtchen Medina del Campo bis zu den sehenswerten Städten Ávila und Segovia im Südwesten nahe Madrid. Auch der Regierungssitz Valladolid mit seinen zahlreichen grünen Plätzen und alten Kirchen ist sehenswert. Noch weiter östlich nahe des Weinbaugebietes Arlanza locken Burgos und das Kloster Santa Maria de Bujedo mit geschichtsträchtiger Natur in wunderschöner Landschaft.
Ein ebenfalls besonderes Erlebnis sind die römischen Goldminen Las Médulas bei Astorga, ein weiteres UNESCO-Weltkulturerbe in spektakulärer, teils von Menschenhand durch die Bergbautätigkeit erschaffener Felslandschaft. Die Goldminen und Teile des einst 100 km langen Bewässerungssystems können besichtigt werden (s. auch das Kapitel “Las Medulas”)

Jakobswege
Große Teile des Französischen Jakobsweges und des Camino de Madrid führen durch  Kastilien-León. Auch Teile des Camino de Levante und der Via de la Plata liegen in diesem Gebiet.

1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Camino de Levante Geographisches Geographisches Geographisches Via de la Plata

Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge

Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge

Camino de Levante

Als Iberisches Meseta wird das im Zentrum Spaniens gelegene, über 200.000 km² große kastilische Hochland bezeichnet, welches zugleich die größte Hochebene Europas bildet. Es liegt durchschnittlich 660 Meter über dem Meeresspiegel. Sie stellt die älteste und komplexeste geologische Formation der Halbinsel dar.

Die Zentral-Meseta ist von Bergen umgeben, die dieses geografische Gebiet bilden und es vom Rest des Landes trennen. Sie wird im Norden vom Kantabrischen Gebirge, im Osten vom Iberischen Randgebirge und im Süden von der Sierra Morena begrenzt. Im Südwesten geht sie in die Extremadura über, mit der sie in geologischer Hinsicht eine Einheit bildet.
Das Plateau ist leicht nach Westen geneigt, was bedeutet, dass die Wasserwege, die es durchqueren, größtenteils in den Atlantischen Ozean münden. Die Flüsse, die durch die Meseta fließen, sind folgenden: Duero, Guadiana und Tajo sowie die Nebenflüsse der drei.

Die Kastilische Gebirge im Zentrum der Halbinsel unterteilen die Meseta Central in das Hochbecken der nördlichen Meseta (Kastilien-Léon) und die niedrigeren Hochebenen der südlichen Meseta (Kastilien-La Mancha und Extremadura). Die durchschnittliche Höhe des nördlichen Plateaus beträgt über 700 Meter und umfasst auch das Duero-Becken, die Höhe des südlichen Plateaus beträgt 600 Meter und wird durch die Montes de Toledo (zwischen den Becken der Flüsse Tajo und Guadiana) in zwei Teile geteilt.

Es gibt Unterschiede in der Vegetation und der Wirtschaft zwischen den westlichen Ausläufern kristalliner Gesteine mit kargen Böden und den östlichen Ebenen aus Kalkstein und Mergel, die die wichtigsten landwirtschaftlichen Zonen bilden.
Aufgrund der Höhenlage dieser Reliefeinheit herrscht ein mediterranes Klima.
Die Merkmale dieses Klimatyps sind: strenge Winter, heiße Sommer, unregelmäßige und geringe Niederschläge im Sommer und Dürren. Die Höchsttemperaturen reichen von etwa 39 °C in den wärmsten Monaten bis zu minus 12 °C in den Wintermonaten, wobei die Durchschnittstemperatur bei knapp 12 °C liegt. All dies ist das Ergebnis einer Reihe geografischer und dynamischer Faktoren (Breitengrad, Lage der Region, Geländegestaltung und Höhenlage). Niederschläge fallen hauptsächlich im Frühjahr und Herbst. Im Sommer sind sie selten und wenn, dann oft in Form von Stürmen. Das Meseta-Gebiet wird auch „Trockenes Spanien“ genannt. Das früher wegen der geringen Niederschläge, der Baumarmut und der dünnen Besiedlung größtenteils ungenutzte Land wird durch den Bau von Stauseen stärker landwirtschaftlich genutzt. Besonders fruchtbare Gebiete sind die Getreideebenen Leóns bei Palencia, Valladolid und Zamora sowie in Nordkastilien die Mesa de Ocana.

RELIEF OF SPAIN.jpg

Nordmeseta
Die etwa 650 bis 900 m hohe „Nordmeseta“ (Meseta Norte) entspricht in etwa der autonomen Gemeinschaft Kastilien-Leon und umfasst die historischen Landschaften Altkastilien und Léon. In ihrem inneren Teil befindet sich auf einer Höhe zwischen 800 und 850 Metern das Duero Becken. In der nördlichen Meseta wird auf großen Flächen Getreide angebaut, aber auch Weinbau – z. B. im Anbaugebiet Ribera del Duero – und Schafzucht spielen eine Rolle.
Größte Städte sind Burgos, Léon, Valladolid und Palencia..

Südmeseta
Die etwa 500 bis 700 m hohe „Südmeseta“ (Meseta Sur) ist durch einzelne Gebirgszüge zergliedert und gibt ein weniger einheitliches Bild ab als die Nordmeseta. Hier liegen auch die Becken des Tajo und des Guadiana auf einer Höhe zwischen 500 und 700 Metern.
Die südliche Meseta entspricht der historischen Landschaft Neukastilien und verteilt sich auf die autonomen Gemeinschaften Kastilien-La Macha und Madrid.
In ihrem westlichen Teil sind beweidete Steineichenwälder (dehesas) zu finden, ansonsten wird das Land vorwiegend für Wein- und Olivenanbau, aber auch für Getreide und Schafzucht genutzt.
Größte Städte sind Madrid, Toledo, Albacete und Cuidad Real.


Das Kastilische Gebirge
Historisch gesehen ist das Gebirge die Grenze zwischen Altkastilien im Norden und Neukastilien im Süden und teilt die Meseta in zwei Teile. Damit trennt das Iberische Scheidegebirge auch die Einzugsgebiete der Flüsse Duero und Tajo. Es besteht aus einer Reihe von Gebirgsketten, die sich über etwa 400 km von West nach Ost erstrecken und zwischen 35 und 40 km breit sind.
Hervorzuheben sind die Gebirgskette Gata, die Gebirgskette Gredos, die Gebirgskette Peña de Francia, die Gebirgskette Ayllón, die Gebirgskette Guadarrama und die Gebirgskette Somosierra. Die Höhe ist unterschiedlich und einige Gipfel liegen über 1.500 m. Die höchste Erhebung der Bergkette ist der Berg Pico Almancor mit 2592 m Höhe, der sich in der Sierre de Gredos befindet.

 

The+Meseta+Central+is+the+major+landform+on+the+Iberian+Peninsula.jpg

Jakobswege

Das Herbe, oft Karge der spanischen Landschaften findet man gerade auf diesen Wegen intensiv. Es hat gleichzeitig etwas Kraftvolles, das schon von vielen Reisenden beschrieben wurde. Wer dafür empfänglich ist, der verliebt sich in Spanien rettungs- und bedingungslos. Es ist ein Puzzleteil des Phänomens “Camino”, das uns nicht mehr losläßt und immer wieder in dieses Land zieht.

Durch den nördlichen Teil der Nordmeseta verläuft in Ost-West-Richtung ein längerer Teil des Camino Frances
Von Süden nach Norden durch die Mesetas und das kastilische Gebirge verlaufen u.a. die Ruta de Lana (Alicante – Burgos), der Camino de Levante (Valencia – Zamora), der Camino de Madrid (Madrid – Sahagun) und die Via de la Plata (Sevilla – Santiago).

Auf dem Camino de Levante ist das Gebirge über den Pass Puerto de El Boquerón (1315 m) zu überwinden, um nach Avila zu gelangen.
Auf dem Camino de Madrid ist das Gebirge über den Pass Puerto de la Fuenfria (1796 m) zu meistern, um Segovia zu erreichen. Er ist der höchste Pass auf allen Jakobswegen.

 

1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Categories
Geographisches Geographisches Via Tolosana

Der Camino Aragonés – eine kurze Geschichte

Der Camino Aragonés – eine kurze Geschichte

Camino Aragonés

https://www.caminosperegrinos.com/en/guia/camino/aragonese-way/?cn-reloaded=1

Die Geschichte des Camino Aragonés ist nicht nur eine Geschichte des Pilgerns sondern auch eine Geschichte von Wirtschaft und des Militärs.

Die ersten Pilger, die aus Gegenden nördlich der Pyrenäen kamen, sind seit dem 10.Jh. belegt. Es waren vor allem Pilger aus Frankreich, aber auch aus Deutschland und Italien. Wenn sie die Pyrenäen überschritten, dann meist über den Somport-Pass bei Jaca.

Sie folgten dann durch Nordspanien eine alte Römerstraße. Dieser Weg durch Nordspanien war bis in die Spätantike wichtig gewesen, weil die Bodenschätze aus Ponferrada (Las Medulas, s. auch das Kapitel Las Medulas) in römischer Zeit in Richtung Gallien und Italien transportiert wurden. Danach, als sie nicht mehr intensiv genutzt wurden, verfielen die Straßen, bis Sancho der Große von Navarra (1004-1035) sie zu Beginn des 11. Jhs. wieder ausbessern ließ. Ziel war es, die militiärischen Züge gegen die Muslime besser durchführen zu können. Die dritte wichtige Funktion des Weges durch Nordspanien war der Handel, der über den Somport-Pass führte und durch Dokumente belegt, wie in Jaca Produkte mit Zoll belegt wurden. Interessant ist, was alles mit Zoll belegt wurde, zeigt es doch die Breite des Handelns zum Ende des 11. Jhs. Belegt sind Zölle auf Stoffe aus Brügge, Seide aus Konstantinopel, Purpur, Farben, Schwerter, Metalle, Gewürze und Goldmünzen, wohl muslimischer Herkunft oder gefangene Mauren. Pilger mussten keinen Zoll zahlen.

Juan de la Pena https://www.caminosperegrinos.com/en/guia/camino/aragonese-way/?cn-reloaded=1

Neben der römischen Traditon, der militärischen Funktion und der wirtschaftlichen Nutzung war den Pilger die vierte wichtige Größe, die diese Achse, den Camino Aragónes benutzte.

Der Camino Aragonés war im Mittelalter der am stärksten frequentierte Pilgerweg durch die Pyrenäen. Er wird im Jakobsbuch (lateinisch Liber Santi Jokobi) als Via Tolosana, einer der vier Jakobsweg-Zubringerwege von Frankreich kommend, beschrieben, bevor er in Somport in den spanischen Camino Aragonés übergeht. Im Mittelalter war der Weg, vom französischen Arles kommend als Via Tolosana, eines der Hauptrouten nach Santiago de Compostela. Viele Pilger aus Mitteleuropa wählten diese Route. Auch Französische Pilger nutzten diesen Pass um nach Navarra und Arragon zu gelangen. Dies auch, weil zwischen dem 11.Jh. bis zur Hälfte des 15.Jh. das Herzogtum Aquitanien und später das Territorium Guyenne unter englischer Herrschaft stand. Unter englischer Herrschaft stand auch St.Jean Pied de Port, dem heute am stärksten frequentierten Startort in Frankreich. Ab dem Ende des 12. Jhs. gewann aber der Übergang zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port und Roncesvalles immer mehr an Bedeutung.

Von Txo (discusión) Mi discusión en castellano 18:27, 29 October 2007 (UTC) - fotografia propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2992279 Monasterio de Leyre

Seinen Namen verdankt der Camino Aragonés der alten fränkischen Grafschaft Aragón, die seit dem frühen 9. Jahrhundert als Amtsbezirke der spanischen Marken des fränkischen Reichs bestand. Die Grafschaft umfasste das Gebiet um den Hauptort Jaca und wurde nach dem sie durchfließenden Rio Aragón benannt.

Die Wegstrecke beträgt knapp 170 km und führt in ca. 6 Etappen von der Passhöhe Somport über die Orte Jaca, Arrés, Ruesta, Sanguesa, Monreal nach Puenta de la Reine. Er wird vor allem wegen seiner Einsamkeit und der eindrucksvollen Natur geschätzt. Immer wieder verläuft der Pilgerweg entlang des wunderschönen Rio Aragones, vorbei an mittelalterlichen Dörfern und mit Abstechern zu zwei der bedeutendsten Klöstern Spaniens, dem Kloster San Juan de la Pena und dem Kloster San Salvador de Leyre. Vom Somport-Pass aus sind es bis Santigao de Compostela etwa 858 Kilometer.

1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Reliefkarte_Galicien_2022
Bäume in Galicien – Espana Verde
Bäume in Galicien – Espana Verde Camino del Norte,...
weiter lesen
Reconquista-es
Die Reconquista
Die Reconquista Die Reconquista in Spanien (718 – 1492)...
weiter lesen
Translate »