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Spanische Gastfreundschaft

Spanische Gastfreundschaft

Camino de Levante

Am vorletzten Tag unser Wanderung kamen wir nach Villalazán. Der Ort wirkt wie ausgestorben, bis wir ein Restaurant entdecken, das rappelvoll ist. Während Marie Louise in der Bar wartet, führt mich die Herbergsmutter in die Herberge. Es ist ein umgebauter Kindergarten, da es nur noch drei kleine Kinder im Ort gibt, wie mir die Frau erzählt. Auch erklärt sie, dass sich am Abend eine Gruppe Frauen im Nebenraum treffen würde um zu Häkeln. Wir könnten gerne auf eine Tasse Kaffee vorbeikommen. Nachdem wir in der Bar einherrliches Essen genossen hatten, gingen wir in die Herberge um uns auszuruhen. Am Abend gingen dann, wie von der Herbergsmutter angekündigt, gegen 19 Uhr immer mehr Frauen in den Raum neben der Herberge. Es war ein ständiges Kommen und Gehen, manche schauten nur kurz vorbei, andere blieben. Nachdem wir draußen zunächst unserer Schaukel-Leidenschaft nachgegangen waren, schauten wir einmal vorsichtig in den Raum, aus dem die ganze Zeit ein fröhliches Schnattern und Lachen kam. Auf unser vorsichtiges Hallo winkten die Damen uns herzlich herein und boten uns gleich Kaffee und Kuchen an. Dann wurden Stühle gerückt und wir befanden uns mitten in ihrem Kreis. Sie erklärten uns, dass sie sich den ganzen Winter über hier treffen und miteinander häkeln. Die Ergebnisse – kleine und größere Taschen, Blumen und Pullover – verwenden sie dann selbst oder verkaufen sie. Als Marie Louise fragte, ob sie ein kleines rotes Portemonnaie kaufen könne, zögerten sie erst. Dann ging eine nach Hause und brachte noch mehr wunderschöne Portemonnaies mit. Jede von uns bekommt zwei geschenkt! Wir bedanken uns ganz herzlich für diese großzügige Geste. 

Die Portemonnaies sind wunderschön – je eins werden wir wohl unseren Enkeltöchtern vermachen, das andere werden wir für uns behalten mit der schönen Erinnerung an die Spontanität und Freundlichkeit dieser Damen. Nachdem wir uns noch ein Weilchen mit spanischen Brocken, Übersetzungsapp und Handybildern verständigt haben, gingen wir glücklich in unsere Herberge zurück.

Dies ist ein Beispiel für die spanische Großzügigkeit, la generosidad. Viele Reisende, aus welcher Kultur sie auch kommen mochten, waren von der Geberlaune der Einheimischen beeindruckt. Der amerikanische Schriftsteller William Gaddis nannte diese Eigenschaft generosity of spirit, womit Geist, Gesinnung und Charakter gemeint waren. Die Formulierung enthält sowohl die Gesten der Gastfreundschaft als auch die Fähigkeit zu geben und zu teilen.

Auch solche Erlebnisse machen den Camino aus und sind eine der vielen Erinnerungen, an die man auch Jahre später noch denkt und sich daran freut. Es sind diese kleinen Gesten – und ich könnte allein aus meiner Erfahrung viele davon aufzählen – , die  das Herz berühren und einen glücklich machen.

Doch es besteht auch die Gefahr, dass durch die Massenbewegung u.a. auf dem camino francés diese generosidad ausgenutzt wird. Immer öfter hört man in den letzten Jahren die Klagen der Spanier über die Unverfrorenheit der Pilger, die ohne Aufforderung in ihren Privatbereich eindringen. Es wäre fatal, wenn wir Pilger durch unser Verhalten diese Offenheit und Freundlichkeit uns gegenüber zerstören würden.

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“Es grün so grün, wenn Spaniens Blüten blühen”

„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen!“

Camino de Levante

Die Überschrift stammt aus dem Musical „My Fair Lady“ und ist die deutsche Fassung des englischen Originalliedes „The Rain in Spain“. Die deutsche Übersetzung trifft es allerdings in unserem Fall besser, denn auf dem Camino de Levante waren wir von der Blütenpracht am Wegesrand fasziniert, während wir auf unserer 16tägigen Reise nur an einem Tag Regen hatten.

Auf unserem Weg von Toledo nach Zamora im Mai hat uns neben den kulturellen Sehenswürdigkeiten Kirchen, Burgen/Schlösser, Stadtmauern vor allem auch die abwechslungsreiche Landschaft tief beeindruckt. Es ging durch Wiesen, entlang großer Getreidefelder und Weinanbauflächen, durch Pinienwälder und Kiefernwälder, über karge Berghänge, entlang großer Flussufer (Tajo und Duero) und stets fanden wir am Wegesrand ein buntes Meer von Blumen. Welch ein Vergnügen auf so gesäumten Wegen zu gehen. Wir erfreuten uns an roten und weißen Mohnblumen, weißen Margeriten, bunten Bellardies, weißen Ackerkamille, violetten Schopflavendel, blauen Ochsenzungen, gelbem Ginster, blauen Kornblumen, violetten Disteln, gelbem Raps, gelben Sandröschen, weißen Zistrosen, violetten Wicken, verschiedensten Gräserarten, roten Pfingstrosen, blauen Bergsandglöckchen, rotem Bergklee, weißem Milchstern. Eine solche Blumenpracht ist uns auf keinem der fünf schon gegangenen Caminos begegnet. (Dank KI waren die Blumen auch bestimmbar!) Die Vielfalt der Blumen lag zum einen sicher an der Jahreszeit (Mai), zum anderen aber sicher auch an den geologischen und klimatischen Bedingungen der Meseta aber vielleicht auf an einen geringeren Einsatz von Düngemitteln.
In uns kamen auf jeden Fall Kindheitserinnerungen auf mit Bildern von blühenden Wiesen und dicken Frühlingssträußen in den Händen. Leider ist in vielen Regionen nichts mehr von der einstigen Pracht zu finden, die Düngung und Überdüngung hat leider ganze Arbeit geleistet!
Anbei eine kleine Auswahl von Fotos.

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Der Blick nach vorne, der Blick zurück – beides ein Glück!

Der Blick nach vorne, der Blick zurück - beides ein Glück!

Geschichten

Nachdem ich früher viel in den Bergen unterwegs war, kannte ich beim Wandern eigentlich immer nur den Blick nach vorne, d.h. nach oben. Dort war ja das Ziel – der Gipfel. Erst wenn ich oben war, habe ich bewusst zurückgeschaut.
Durch meine Freundin Marie Louise habe ich erfahren, wie wichtig zwischendurch der Blick zurück ist. Wenn wir auf dem Jakobsweg Pause machen oder nur einmal kurz verschnaufen, dann schaut sie oft auf das gerade zurückgelegte Wegstück und ich mit ihr. Daraus ergeben sich schöne emotionale Momente. Zum einen sind wir stolz über den Streckenabschnitt, den wir gerade geschafft haben. Zum anderen ist es faszinierend, die Landschaft, die Natur, die Orte aus dieser zurückwärtigen Perspektive zu sehen. Die Bäume, die Sträucher, die Felsen, der Weg, die Häuser, das Licht – sie alle zeigen uns ein anderes, ein vermeintlich zweites Gesicht. Dinge, an denen man vielleicht achtlos vorbei gegangen ist, wecken unsere Aufmerksamkeit, faszinieren auf einmal. Vielleicht geht man sogar ein paar Schritte zurück, um sie genauer zu betrachten.

Gleichzeitig hält man so bewusst einen Augenblick inne. Man genießt diesen Moment Ruhe und des In-sich-gehens. Mit dem Blick zurück sage ich „Danke“, wie schön ist die Welt und wie schön ist es, dass ich es bis hier her schon geschafft habe. Mit dem Blick nach vorne sage ich „Ja“. Ich bin bereit, mir diesen Weg weiter zu erobern und ich freue mich darauf (selbst wenn ich manchmal recht müde bin).

Diese Überlegungen sind auch übertragbar auf unser Leben. Gerade der Jakobsweg regt uns zum Nachdenken über unser Leben an. Viele nutzen ihn, um zu erkennen, wie es war und wie es weiter gehen soll. Man ist am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft und steht doch mitten im Leben. Wichtig, es sollte kein „Blick zurück im Zorn“ sein, sondern ein Blick, um das Vergangene zu verstehen und manchmal um sich zu verzeihen. So kann man positiv nach vorne blicken.

“In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst Euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und Ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein.”  (Unbekannter Autor)

“Verstehen kann man das Leben zur rückwärts. Leben aber muss man es vorwärts.” (Sören Kierkegaard)”

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Wie bereichernd ist es, wenn sich verschiedene Erfahrungen verknüpfen lassen!

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Camino Aragonés

Auf unsere Rückreise haben wir Station in Saragossa gemacht. Natürlich gehörte zur Stadtbesichtigung auch ein Besuch des Goya-Museums dazu. Francisco de Goya (1747-1828) war ein berühmter spanischer Maler und Graphiker des Barock. In einem seiner Aquatinto-Zeichnungen stoßen wir auf  Bilder von Äsop.
Wer war Äsop? Äsop war ein antiker griechischer Dichter von Fabeln und Gleichnissen, der wahrscheinlich im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte. Die Fabeln sind von aufgrund der von ihnen vermittelten Lebensweisheiten bis in die heutige Zeit ein allgemein beliebter Lesestoff geblieben.
Für Goya hatte dieser Dichter anscheinend eine besondere Bedeutung, sonst hätte er ihn wohl kaum gezeichnet. Normalerweise wären wir wohl achtlos an dem Bild vorbeigegangen. Doch einige Tage zuvor ist mir eine Fabel von Äsop eingefallen, die viele von uns schon einmal gehört haben und die – so finde ich – noch immer  sehr aktuell ist. Fairer Weise muss ich zugeben, dass ich damals auch erst googeln musste, von wem diese Fabel, die ich im Kopf hatte, stammte.

By Francisco de Goya after Diego Velázquez - This file was donated to Wikimedia Commons as part of a project by the National Gallery of Art. Please see the Gallery's Open Access Policy., CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81978750

Hier die Geschichte:
Wir kamen auf unserem Weg an einer hohen Steinmauer vorbei, an der sich ein Kletterwein mit Trauben hochrankte. Da die unteren Trauben schon geerntet waren, hingen nur noch ganz oben einige blaue Früchte. Leider waren wir zu klein, um sie zu erwischen. Bei unseren missglückten Versuchen fiel mir dann diese Fabel vom Fuchs und den Trauben ein.

Von John Rae - http://www.gutenberg.org/files/24108/24108-h/images/11,1.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10759200

Der Fuchs und die Trauben

(hier übernommen von Christiane Lochmann , https://www.zitronenbande.de/der-fuchs-und-die-trauben/)

An einem warmen Tag im Spätsommer streifte ein Fuchs stolz durch die Landschaft. Sein rotbrauner Pelz glänzte in der Sonne und ein leichter Wind wehte durch die umstehenden Büsche.

Links und rechts zwitscherten ein paar Vögel in den Bäumen und alles schien friedlich und ruhig. Der Fuchs war auf der Suche nach etwas Essbarem und ließ seinen Blick aufmerksam durch die Gegend schweifen.

Sein Magen grummelte fürchterlich, da er den ganzen Tag über noch nichts gegessen hatte. „Ich brauche unbedingt etwas zu Essen, sonst verhungere ich noch!“, dachte der Fuchs.

Plötzlich erblickte er eine prächtige Weinrebe, die am Dach des alten Bauernhofs wuchs. Die unzähligen Weintrauben daran funkelten in kräftigem Blau in der Sonne. „Oh ja – das ist jetzt genau das Richtige!“, jauchzte der Fuchs und rannte zum Bauernhof. 

Dort angekommen konnte er beobachten, wie die kleinen Meisen und Amseln eine Traube nach der anderen naschten. Die kleinen Vögel konnten überhaupt nicht genug von den Trauben bekommen – so gut schienen sie ihnen zu schmecken.

„Na warte – jetzt hole ich mir auch ein paar Trauben. Das ist doch eine Leichtigkeit für mich!“, dachte der Fuchs und nahm einige Schritte Anlauf. Mit einem großen Satz sprang er in die Höhe und griff mit seiner Pfote nach den Trauben. 

Doch der Fuchs sprang nicht hoch genug. Er verfehlte die leuchtend blauen Trauben und landete mit leeren Pfoten wieder auf dem Boden. 

„Da habe ich wohl zu wenig Anlauf genommen.“, dachte er. „Noch zwei, drei Schritte mehr und ich werde die ganze Weinrebe in meinen Pfoten halten“

Und so nahm der Fuchs erneut Anlauf und sprang in die Höhe. Doch auch beim nächsten Versuch griffen seine Pfoten wieder ins Leere. Erneut landete er ohne Weintrauben auf dem Boden. Verärgert versuchte es der Fuchs wieder und wieder. Doch jeder seiner Versuche ein paar Trauben von der Weinrebe zu pflücken missglückte. 

Eine halbe Stunde später hatte der Fuchs unzählige Versuche gewagt und war vollkommen außer Atem. Doch seine Pfoten blieben leer. Voller Wut und Trotz schnaubte er: „Pah! Wenn die Trauben wenigstens reif und süß wären, würde ich mich ja richtig anstrengen. Aber diese sauren Trauben sind meine Mühe überhaupt nicht wert!“

Die Meisen und Amseln waren die ganze Zeit über vollkommen unbeirrt vom Treiben des Fuchses und naschten eine Traube nach der anderen. Der stolze Fuchs wandte sich mit leeren Pfoten und grummelndem Magen ab und streifte weiter durch die Landschaft. 

die zitronenbande.de

Was ist die Moral der Fabel “Der Fuchs und die Trauben”?


Was ist also die belehrende Absicht dieser Fabel? Zum einen zeigt sie, dass es für uns ganz natürlich ist, etwas abzulehnen oder zu verachten, das nicht in unserer Reichweite ist oder sogar dass man oft das hasst, was man nicht haben kann. Manchmal muss man aber akzeptieren, dass Dinge außerhalb unserer Reichweite liegen.

Zum anderen wird verdeutlicht, dass manche Menschen ihr Scheitern im Nachhinein lieber auf die Umstände schieben, als die wahren Ursachen zu benennen.
Manchmal schieben wir viel zu schnell die Verantwortung für unseren Misserfolg auf andere, um nicht über unseren Anteil nachdenken zu müssen. Der Mechanismus hilft uns mit dem Gefühl des Scheiterns umzugehen. In der Psychologie wird ein solches Schönreden eines Versagens auch als Rationalisierung oder Kognitive-Dissonanz-Reduktion bezeichnet.

Die Geschichte betont somit die Bedeutung von Selbstreflexion und die Wichtigkeit, gegebenenfalls unsere Ziele zu überdenken. Sie ermutigt uns auch Misserfolge zu akzeptieren und daraus zu lernen, um so mit Enttäuschungen umzugehen. 

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Trauben

www.zitronenbande.de/der-fuchs-und-die-trauben/)

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Die „unheimlichen“ Margas oder wie unterschiedlich wir manchmal die Welt wahrnehmen!

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Camino Aragones

Marie Louise und ich kommen auf unserer Wanderung zu den Margas, jener bizarren Mondlandschaft aus grauen kegelförmig erodierten und verbackenen Steinen zwischen Arrés und Artieda.
Las Margas ist eine eigentümliche Landschaft aus grauen Erosionshügeln, auf denen nicht einmal ein Grashalm wächst. Die Erdhügel bestehen aus grauem, lehmigem Mergel aus dem Eozän. Die heutige Form entsteht dann aus Verwitterungsprozessen und Erosionserscheinungen, die zu einer flächenhaften Abtragung führten. Der Boden wurde somit unfruchtbar und eine reine feste Schotterstruktur ist übriggeblieben

Ich bin fasziniert von diesen geologischen Formen und den Prozessen, die eine solche Formation geschaffen haben. Teilweise sehen die vielen Erdhügel wie riesige Dinosaurierfüße aus. Ich betrete eines der Hügel und schlage vor, dort Pause zu machen. Aber Marie Louise weigert sich standhaft. Für sie strahlen diese Hügel etwas Unheimliches aus. Sie hat das Gefühl, wenn sie darauf treten würde, würde sie wie im Treibsand einsinken und verschwinden. Obwohl der Boden ganz hart ist und man definitiv nicht einsinkt, wollen wir es doch nicht riskieren ;)! Also setzen wir unsere Wanderung fort und eine von uns ist ganz froh, als wir die Karstformationen verlassen und sich die Landschaft wieder in grünen und braunen Farben zeigt.

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Arrés – eine Herberge mit besonderer Atmosphäre

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Camino Aragones

Da wir gestern neben dem Besuch des Klosters St. Jean de la Pena eine relative lange und anstrengende Wanderung hinter uns hatten, beschließen wir, es heute langsamer angehen zu lassen und nur eine kurze Strecke zu wandern. Dadurch erreichen wir unser Ziel – die Herberge in Arrés – schon um die Mittagszeit.

Arrés liegt wie die meisten Dörfer in dieser Region auf einem hier felsigen Bergrücken auf 632m Höhe. Es wurde als Wehrdorf angelegt. Die Kirche ist der heiligen Colomba geweiht.
Erstmalige Erwähnung findet er 850 in der Chronik des Klosters San Juan de la Pena. Ein Dokument vom 15. Mai 1090 berichtet vom Austausch einiger Besitzungen zwischen dem Kloster und König Sancho Ramírez, darunter Arrés. Es wechselte häufig den Besitzer. Für 1294 ist ein weiterer Wechsel bekannt: von Artal de Aragón ging es über an König Jaime II. von Aragon, Ende des 15. Jahrhunderts gehört es schließlich zum Kloster Nuestro Señorío de Rueda. Der nie große Ort zählte im 16. Jahrhundert drei Haushalte.
Im Lauf der 1990er Jahre bauten Freiwillige das ehemalige Dorfschullehrerhaus wieder auf und richteten dort eine Pilgerherberge ein. Der stete Durchstrom der Pilger seit Eröffnung der Herberge scheint dem Ort bei seiner Wiederbelebung zu helfen. Inzwischen wurden und werden auch andere Häuser wieder bewohnbar gemacht. Heute leben dort wieder ca. 35 Einwohner. Auf der Spitze des Hügels befindet sich die Bar-Restaurant El Granero del Conde.
Die Herberge hat 22 Betten, ist klein und einfach eingerichtet. Sie arbeiten hier auf Spendenbasis. Soviel zu den „nüchternen“ Daten.

Da wir schon zur Mittagszeit in Arrés ankommen, ist die Herberge noch geschlossen. So wandern wir hinauf zur Bar. Wir stellen einen Tisch der Bar auf ein kleines Plateau in die Sonne, holen uns Essen und Trinken in der Bar und genießen die Ruhe und die herrliche Aussicht über das unter uns liegende Tal und die Pyrenäen in der Ferne.
Nach und nach treffen weitere Pilger ein. So sind wir dann beim leckeren Abendessen fünf deutsche Pilger, ein Franzose, ein italienischer und ein spanischer Hospitalero. Es entwickelte sich in interessantes Gespräch mit einem Sprachengemisch aus deutsch, spanisch und französisch. Neben den üblichen Gesprächen über den Weg wird auch über die Geschichte Spaniens und über die Wunden, die der spanische Bürgerkrieg 1936-39 hinterlassen hat und die auch heute noch nachwirken. So wird auch in Spanien – wie auch in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg – ein wenig der Mantel des Schweigens über diese Zeit gelegt. Das gemütliche Beisammensein und die interessanten Gespräche in einer Herberge, das ist die Situation, die den Jakobsweg auch zu etwas Besonderem machen. Hier in Arrés haben wir sie gefunden. (Leider läuft es nicht in jeder Herberge so.) Anscheinend strömt diese Herberge eine besondere Atmosphäre aus, denn in den Forem finde ich aus 2023 u.a. folgende Bemerkung:
„A memorable evening with a wonderful dinner and companionship at the very welcoming Hospital de Peregrinos.“ Dem können wir uns nur anschließen!

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“Animo!” — “Nur Mut!” Angst lebt im Kopf, Mut im Herzen. Es kommt nur darauf an, von einem zum anderen zu kommen!

"Animo!" -- "Nur Mut"!

Camino Aragones

Bevor wir den Camino Aragones in Angriff nahmen, hatte ich versucht meine Spanischkenntnisse ein wenig aufzufrischen. Aber ehrlich gesagt, sie blieben ziemlich rudimentär. Also nahmen wir einen kleinen Sprachführer mit, der uns die nötigen Hilfestellungen geben sollte. Als ich am ersten Abend den Führer ganz willkürlich an einer Stelle aufschlug, sprang mir ein Wort ins Auge „Animo“ übersetzt mit „Nur Mut“. Überraschend, dass ein solches Wort in einem allgemeinen Sprachführer erwähnt wird. Doch es passte so gut zu unserer Wanderung, dass „Animo“ zum Leitspruch unseres Caminos wurde.

Bedingt durch unser Alter, die doch schwierigen persönlichen Veränderungen in unserem Leben, die im Gegensatz zu den anderen Caminos geringe körperliche Vorbereitung wurde auf dem Camino Aragones manchmal einiges an Konzentration, Anstrengung und auch Mut von uns abverlangt.
In den Pyrenäen war der Weg aufgrund des vielen Starkregens in den Tagen und Wochen zuvor zum Teil recht ausgewaschen, so dass schmale Wege, viele glitschige Steine und große Tritte nach unten schon eine rechte Herausforderung waren.
Auch der Abstieg vom Kloster St Jean de la Pena war nicht ohne! Da in den Foren schon auf die Schwierigkeit hingewiesen wurde, hatten wir zunächst vor, die Straße zu benutzen. Dies wäre aber ein großer Umweg gewesen also dachten wir: „Nur Mut“. So sind wir den kleinen Fußweg abwärts gegangen, der wirklich sehr steinig, schmal und an einigen Stellen vorsorglich mit Seilen gesichert war. Dank unserer Bergerfahrung war es nicht einfach aber doch gut zu meistern.

Und manchmal ist es auch die eigene Überschätzung, die einen nötigten mit animo weiterzugehen, um die letzten Kilometer bis zur Herberge zurückzulegen. Waren wir, was die Distanzen zwischen unseren Etappen betraf, am Anfang noch recht vorsichtig, trauten wir uns von Tag zu Tage mehr zu, zumal auch der Rucksack plötzlich viel leichter wurde, obwohl sich am Inhalt nichts geändert hatte! So dehnten wir die Länge unserer Etappen zwar aus, ohne allerdings genau das Höhenprofil anzuschauen. Kilometer ist halt leider nicht im gleich Kilometer, was die Anstrengungen und Herausforderungen betrifft!
Gerade diese Herausforderungen sind es, die den Weg ausmachen und ein fröhliches „Animo“, das wir uns dann zuriefen, ließ uns jede Anstrengung gut meistern.

Hier vielleicht noch eine Anmerkung: wenn ich manchmal die Fragen in den Foren lese und die Ängste und Unsicherheiten anschaue, die Menschen bei der Planung eines Camino bewegen, dann denke ich oft, „Nur Mut!“, ihr schafft das schon, aber ihr könnt nicht alles absichern und vorausplanen. Pilgern heißt doch auch das Vertraute zu verlassen und Veränderung zuzulassen. Jeder Weg hat seine Unwägsamkeiten – und das ist gut so, denn das macht den Weg aus. Es ist einfach Hunderten von Leuten hinterherzulaufen, aber es verlangt Mut, seinen eigenen Weg zu gehen und spontan mit Schwierigkeiten klar zu kommen. Je mehr einem das gelingt, um so stärker kommt man von diesem Weg zurück, umso mehr Zutrauen hat zu sich und dem Leben!
Ich habe in einem Buch folgenden Spruch gelesen, der mir aus dem Herzen spricht:

                                                                         Angst lebt im Kopf, Mut im Herzen.
                                            Es kommt nur darauf an, von einem zum anderen zu kommen!    

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Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Zwei Frauen auf dem Jakobsweg

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Via Tolosana, Via Podiensis

Als meine Freundin Marie Louise und ich zum ersten Mal den Jakobsweg gemeinsam gingen, wusste keine von uns, was sich daraus alles ergeben würde. Wir waren schon einige Zeit Nachbarinnen, als Marie Louise mir ihre Idee auf den Jakobsweg zu pilgern unterbreitete. Ich fühlte mich sofort von dem Gedanken mitgerissen, meinen lang gehegten Traum endlich wahr werden zu lassen. Unsere Männer, mit denen wir seit vier Jahrzehnten zuhause gut zurechtkommen, haben wir für diese Wanderung und für viele, die noch folgen sollten, daheim gelassen. Und es war eine richtige Entscheidung – nicht gegen unsere Männer, sondern für uns. Es war wie eine Pause im Konzert des Alltags, ein Zurücktreten aus den gewohnten Rollen. Einmal raus aus den alltäglichen Abläufen und Rollenmustern. Unser erster gemeinsamer Pfad führte uns auf die Via de la Plata von Sevilla nach Caceres. Dieser Weg versprach nicht nur eine Veränderung der Landschaft, sondern auch eine innere Reise zu uns selbst. Heute, nach einem Jahrzehnt und vielen Schritten wandern wir immer noch Schulter an Schulter auf den Spuren des Jakobsweges unsere Frauen-Konstellation hat sich aus vielen Gründen bewährt:

Wir meistern unsere Ängste gemeinsam

Beim ersten Mal und bei jeder Wanderung neu geht es um Ängste, die es zu überwinden gilt:

Kann man als Frauen ohne Bedenken allein auf diesem Jakobsweg gehen? Schaffen wir die Strecken, die wir uns vorgenommen haben? Wie gehen wir damit um, wenn es der einen nicht gut geht? Was machen wir, wenn wir uns verlaufen haben? Wie funktionieren öffentliche Verkehrsmittel wie Metro, Bus oder Bahn in Spanien und Frankreich? Was ist mit freilaufenden Hunden?

Diese oder ähnliche Fragen gehen einem durch den Kopf. Wie schön, sie offen mit einer Freundin besprechen zu können, ohne dass sie übertrieben lässig, zu mutig oder einfach unverständlich darauf reagiert. Wir haben unsere jeweiligen Ängste oder Bedenken stets ernst genommen. Und wir haben erfahren, dass unsere Ängste entweder unbegründet waren (bisher keine bösen freilaufenden Hunde) oder dass wir bei Problemen unkompliziert Lösungen gefunden haben. So sind wir auch aus schwierigen Situationen gestärkt vorausgegangen.

Wir beiden gehen im gleichen Rhythmus

Marie Louise und ich wandern im Takt, was das Pilgern zu einem wahren Genuss macht. Kein lästiges aufeinander Warten, kein Hetzen. Während wir gehen, machen wir uns unmittelbar auf die Schönheiten oder Kuriositäten auf dem Weg aufmerksam, ohne den Fluss unterbrechen zu müssen. Es gibt nur zwei Situationen, in denen unser Gleichgewicht kurz ins Wanken gerät:

Wenn wir morgens losgehen, ist Marie Louise meist so voller Elan, dass sie ein ganz schönes Tempo vorlegt (wie ein junges Fohlen). Ich muss sie dann bremsen, wir haben doch noch den ganzen Tag vor uns! Wenn wir allerdings abends kurz vor der Herberge sind, dann beschleunige ich unbewusst das Tempo (wie ein (altes) Pferd, das den Stall wittert) und sie schimpft, dass wir die letzten Meter auch noch in einem vernünftigen Tempo zurücklegen könnten! 🙂

Wir genießen die unterschiedlichen Zeiten beim gemeinsamen Wandern.

Es gibt:

eine Zeit des Lachens – über viele lustige Erlebnisse und manch eigene Unzulänglichkeit

eine Zeit des Erzählens – über uns persönlich, über unser Leben

eine Zeit des Schweigens – um über Dinge nachzudenken und um zu träumen

eine Zeit des Mutmachens – um schwierige Situationen auf dem Weg zu meistern

eine Zeit des Lernens – z.B. Botanik von Marie Louise, Kultur/Geschichte von mir

eine Zeit sich Umzuschauen – um die Schönheiten des Weges bewusst wahrzunehmen

eine Zeit der Besinnung und Stille – um Klarheit und Mut für die Zukunft zu schaffen

eine Zeit der Freundlichkeit – um Kontakt zu anderen Pilger*innen aufzunehmen

und nie fühlen sich diese Zeiten unangenehm an, sie sind für uns jeweils stimmig.

Wir haben uns gemeinsam zum Positiven verändert!

Unser gemeinsames Wandern hat unseren Horizont erweitert und dabei wird klar, wie selten es nach über vier Jahrzehnten Ehe ist, außerhalb dieser vertrauten Zweisamkeit intensive Erlebnisse und Erinnerungen mit einem anderen Menschen zu schaffen. In solchen Momenten verschwinden manche eingeschliffenen Rollenmuster und wir beginnen uns zu fragen, wer wir wirklich sind. Und die Gespräche von Frau zu Frau sind dabei sehr hilfreich, gerade wenn man unterschiedliche Verhaltensmuster hat, über die man sich austauscht.

Zudem entdeckt man die ein oder andere Fähigkeit, die im Alltag verschüttet war, die nun geweckt und gefragt ist, wie z.B. unserem Orientierungssinn zu vertrauen oder Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern freundschaftlich auszudiskutieren. Das Erstaunliche daran ist, wie diese wieder erwachten Fähigkeiten auch eine Bereicherung für den „ganz normalen“ Alltag darstellen. Dabei ist die Veränderung für andere oft gar nicht sichtbar und bemerkbar und sie muss es auch nicht sein. Man spürt sie ganz tief in sich drin.

 

Für mich persönlich war es ein Gefühl der Gewissheit, dass ich meine innere Mitte wiedergefunden habe, eine angenehme Ruhe und Gelassenheit, die mich befähigt, den Dingen mit Mut und Neugier zu begegnen und mich auf Neues einzulassen. Wie hat es Nelson Mandela einmal so schön ausgedrückt:

„Es gibt nichts Schöneres, als an einen Ort zurückzukehren, der unverändert geblieben ist, um festzustellen, wie sehr man sich selbst verändert hat.

 

 

Der erste gemeinsame Jakobsweg hat Marie Louise und mich zusammengeschweißt.

So gehen wir nun seit 10 Jahren zusammen. Im Laufe der Zeit haben wir die gesamte Via de la Plata, den Camino Primitivo, den Camino del Norte, die Via Podiensis, den Franziskusweg und den Jakobsweg in Kärnten/ Südtirol gemeistert. Aber wir genießen nicht nur das gemeinsame Gehen, wenn wir uns treffen, schwelgen wir gerne in Erinnerungen, lachen über lustige Erlebnisse und durchleben nochmals schwierige Zeiten. Wir hoffen natürlich, dass wir noch weitere Jakobswege entdecken dürfen. Wie hat doch ein Herbergsvater am Telefon zum anderen mit einem Lächeln gesagt, als dieser fragte, ob wir auch die oberen Betten in einem Stockbett nehmen würden, „Die Damen, sie sind zwar schon älter aber noch ganz fit!“

 

An unserem letzten Tag auf dem Camino del Norte kamen wir am Bahnhof mit einem großen kräftigen spanischen Pilger ins Gespräch. Wir waren uns schon mehrmals in den Herbergen auf dem Camino begegnet, aber es kam nie zu einer Unterhaltung. Erst jetzt merkten wir, dass wir uns auf Englisch hätten verständigen können. Schade, das hätten interessante Gespräche werden können. So sind es die letzten gefühlvollen Worte dieses Mannes, die uns aber auf unserem Weg begleiten: „Have a good life and be happy!“

 

Am Ende dieser Reisen steht die Erkenntnis: Beim Pilgern zählt weniger das Erreichen des Ziels, sondern vielmehr das Eintauchen in die Momente, das Offenbleiben für neue Eindrücke, die Bereitschaft zur Selbstreflexion und die Freundschaft und die „Komplizenschaft“, die seitdem zwischen uns besteht.

 

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Wir waren nach einem längeren Marsch gut in der Herberge in Ministrol d´Allier angekommen. Am Eingang der Herberge stand ein Tisch mit herrlichen selbstgemachten Kuchen, die uns natürlich verlockten. Nachdem wir geduscht und unsere Betten belegt hatten und obwohl es nicht mehr sehr lange bis zum Abendessen war, konnten wir der Versuch nicht wiederstehen. Jede bestellte sich ein Stück dieser leckeren Kuchen. Hmmm, welch ein Genuss!

Da wir feststellten, dass die Herbergen auf dem Weg immer recht belegt waren, baten wir dann einen der beiden Wirte, doch für uns in der nächsten Herberge in La Clauze zwei Betten zu reservieren. Mein Französisch ist zwar so lala, aber telefonieren ist doch noch einmal etwas anderes. Also rief unser Wirt für uns an. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass nur noch zwei Betten frei wären. Das seien aber die oberen Betten in zwei Stockbetten, die wir dann nehmen müssten. Wir nickten eifrig, Hauptsache wir hatten eine Übernachtung. Daraufhin musterte uns unser Wirt einen Moment, um dann zum anderen Wirt in La Clauze zu sagen: „Das geht schon. Es sind zwar zwei ältere Damen, aber sie sind noch ganz fit!“ Danke für die nette Einschätzung!

Sein Satz wurde für uns zum running Gag. Immer wenn es auf dem Weg einmal anstrengend wurde, dann lachten wir: „Wir sind zwar schon älter, aber noch ganz fit!“ und schon ging es schwungvoller weiter.

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Als wir in Air sur l´Adour ankamen, war die Herberge bereits belegt. Da wir – wie meist – nicht vorgebucht hatten, musste eine andere Lösung her. Die Dame im Tourismusbüro bot uns mehrere Unterkünfte an u.a. eine auf dem Campingplatz. Marielouise war sofort begeistert. Sie wollte schon immer einmal auf einem Campingplatz übernachten. Ich war eher skeptisch. Was für eine verrückte Idee! Aber ich ließ mich überreden.

 

 

Also ging es ab zum Campingplatz Les Ombrages de l´Adour, der wunderschön direkt am Ufer des Flusses l´Adour gelegen war. Das war doch schon immerhin etwas! Dann inspizierten wir den Campingwagen, der uns angeboten wurde. Als der Campingplatzbesitzer unsere skeptischen Blicke auf das schmale Bett sah, bot er uns an, noch einen weiteren Campingwagen dazu zu nehmen. Das lehnten wir aber dankend ab.

Nach einem leckeren Abendessen im Ort und einem Glas Wein vor unserem Campingwagen starteten wir unser Abenteuer Schlafen im Wohnwagenbett.

 

 

Noch lachend und bester Laune legten wir uns in das schmale Bett. Allerdings zweifelten wir daran, dass wir gut schlafen würden. Aber oh Wunder, wir schliefen wie die Murmeltiere, besser als in den Herbergen zuvor! Als der Wecker klingelte, wollten wir erst gar nicht aufstehen. Aber es lag eine lange Strecke bei sehr warmem Wetter vor uns. Aber wir können sagen, eine Übernachtung im Campingwagen ist durchaus empfehlenswert.

Ausgeschlafen und nach einem guten Frühstück im Freien ging unsere Wanderung weiter nach Arzacq-Arraziguet.

 

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