Categories
Camino del Norte Geschichten Geschichten Uncategorized

Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Regentrommel auf dem Dach in Arnope

Von Zumaia sollte unsere Etappe heute bis Arnope gehen. Obwohl die Strecke von Deba nach Arnope relativ steil bergauf ging und es leicht regnete, wollten wir nach Arnope, damit die Strecke am nächsten Tag nicht zu lang werden sollte.

Am Spätnachmittag kamen wir in Arnope an, einem Dorf, das nur aus wenigen Häusern besteht. Die Herberge selbst besteht aus einer umgebauten landwirtschaftlichen Lagerhalle mit 32 Plätzen in 2 Schafsälen (für Männlein und Weiblein getrennt) sowie einem Aufenthaltsraum und einer kleinen Bar. So wirklich gemütlich war es nicht, aber wir hatte, da nur wenige Leute hier übernachteten, den Schlafsaal für uns allein. Nach einem gemütlichen Abendessen und netten Gesprächen mit drei weiteren Pilgern, gingen wir schlafen, in der Hoffnung, dass uns der nächste Tag besseres Wetter bringen würde.

Kaum lagen wir in unseren Betten, da trommelte der Regen schon auf das Dach der Lagerhalle. Was für ein Lärm!  Wie ein ganzes Orchester aus Schlagzeugern und Trommlern. Als das Trommeln endlich etwas leiser wurde, schlief ich ein, um – gefühlsmäßig – kurze Zeit später wieder durch einen weiteren Regentrommelwirbel aufzuwachen. Und so ging es die ganze Nacht: Trommeln auf dem Dach, Ruhe und die Hoffnung, dass der Regen aufgehört hat und dann wieder Trommeln und die Befürchtung, wie wohl der nächste Tag werden würde.

Nach dieser ungemütlichen Nacht schauten wir am Morgen als erstes nach draußen. Und zu unserer Überraschung hatte es aufgehört zu regnen. Zwar war der Weg matschig und teilweise rutschig, aber wir wurden wenigstens nicht noch von oben nass! Später erzählten uns andere Pilger, dass nach dem Regen der Weg hinauf nach Arnope sehr glitschig und anstrengend gewesen sei.

Als Ergänzung im Outdoor-Führer steht:

Wenn der Pächter stimmt, sicher ein gutes Projekt, aber gemessen an der Einfachheit der Ausstattung und dem Raumangebot erscheinen die Preise hier einigen Pilgern bisher doch etwas überhöht. Übernachtung 13.- €, Menü 12.- €, Frühstückspaket 5.- €

Ich würde noch ergänzen und wenn es in der Nacht nicht Stein und Bein regnet!

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Geschichten Geschichten Uncategorized

Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Auf Umwegen zu unserer Unterkunft in Pasaia

Wir waren schon ca. 16 km von Hondarribia in Richtung Pasaia unterwegs, da stießen wir auf eine Straße und der gelbe Pfeil wies den Weg entlang der Straße. Aber auf der anderen Seite der Straße war auch ein Schild nach Pasaia, das auf einen Pfad Richtung Meer verwies. Begeistert von den bisher schon entdeckten herrlichen Ausblicken auf das Meer wählten wir kurz entschlossen – ohne das Buch weiter zu konsultieren – diesen Weg. Er führt eine Zeitlang über grüne Wiesen, bis man endlich wieder an die Küstenfelsen stößt. Ca. eine Stunde lang folgten wir diesem Küstenkamm, der schroff ins Meer abbricht. Wir konnten uns nicht satt sehen am blauen Himmel, dem wilden blauen Meer, den steilen Felsen und den grünen Wiesen. Welch herrliche Landschaft! Spannend war auch zu beobachten, wie die Schiffe aus der Meeresenge von Pasaia auf das offene Meer fahren, denn sie müssen hier durch eine von Bergen umgebende Aus- bzw. Einfahrt, die sich erst später in Pasaia zum größten natürlichen Hafen des Baskenlandes weitet. Früher war dies ein perfekter Schutz gegen Überfälle.

 

Nach ca. einer Stunde wurde unser Weg immer schmaler. Er führte nun etwas unterhalb des

Felsenkammes entlang, rechts ging es steil bergauf, links recht steil bergab. Dann wurde der Weg so eng, dass wir Bedenken hatten, mit unseren Rucksäcken am Felsen hängen zu bleiben. Und auf der ganzen Strecke war uns kein einziger Wanderer begegnet. Also war guter Rat teuer! Weitergehen – wobei der weitere Weg nicht einsehbar war, da er um eine Felsenkante herumführte – oder umkehren – wieder eine Stunde zurück!

Nach langem Überlegen entschieden wir uns für das Umkehren. Es war der erste Tag unserer Wanderung auf dem Camino del Norte und wir wollten einfach kein Risiko eingehen. Einerseits ärgerten wir uns darüber, dass wir nicht mutig genug sind, anderseits sollte man in unserem Alter auch nicht übermütig werden .

Also liefen wir diesmal zügigen Schrittes den Weg bis zur Straße zurück. Trotz des flotten Tempos genossen wir wieder die faszinierenden Ausblicke auf das Meer und den Küstenstreifen. Ab der Straße folgten wir dann brav den gelben Pfeilen nach Pasaia.

Als wir kurz vor der Herberge waren, kam uns ein Spanier, wohl ein Einheimischer, entgegen, der uns erklärte, dass die Herberge bereits voll belegt sei. Hatte uns der Umweg die Übernachtung in der Herberge gekostet? Aber wir wollten uns erst einmal selber ein Bild von der Lage machen. Er nickte und begleitete uns bis zur Herberge. Er sollte Recht behalten, die Herberge war bereits voll. Daraufhin fing unser Begleiter an, mit dem Herbergsvater zu diskutieren, und schließlich bekamen wir zwar kein Bett in der Herberge, aber nach einem Telefonanruf die Adresse einer Privatunterkunft, wo gerade noch zwei Betten frei waren.

Unser „Führer“ winkte uns und wir folgten ihm durch zahlreiche verwinkelte Gassen hinunter in den Ort. Ob wir den Weg zu der Unterkunft allein gefunden hätten? Wohl schon, aber sicher mit Mühen, zumal an der Türe nur ein Namensschild stand und kein Hinweis auf Übernachtungsmöglichkeiten. Nachdem sich unser Führer vergewissert hatte, dass wir hier wirklich übernachten konnten, verabschiedete er sich freundlich begleitet von unserem herzlichen Dankeschön.

Also auch Umwege führen mit Glück zum Ziel! Und ich darf sagen, wir haben auf den vielen Wegen, die wir gegangen sind, und trotz mancher Sprachbarriere fast nur hilfsbereite, freundliche Menschen getroffen. Immer wieder eine schöne Erfahrung!

Aber natürlich geisterte unsere Entscheidung umzukehren doch noch in unseren Köpfen herum. Also besuchten wir am Abend die Hafeneinfahrt und versuchten „unseren“ Weg oben am Felsen zu finden. Nach unserer Einschätzung hätten wir wohl noch einige hundert Meter weitergehen müssen, dann wäre der Abstieg nach Pasaia gekommen. Aber was soll´s. Wir hatten eine gute Entscheidung getroffen und dann soll man auch nicht anderen Möglichkeiten nachjammern!

 

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Historisches Historisches Uncategorized

Guernica – ein dunkles Kapitel deutsch-spanischer Geschichte

Guernica – ein dunkles Kapitel deutsch-spanischer Geschichte

Vorgeschichte

Zwischen 1936 und 1939 tobte in Spanien ein Bürgerkrieg zwischen den Truppen der demokratisch gewählten Regierung der Zweiten spanischen Republik und den nationalistischen Putschisten unter General Francisco Franco. Der Bürgerkrieg forderte mindestens 500.000 Todesopfer und verwüstete das Land. Schließlich siegten die Faschisten und marschierten am 28. März 1938 in Madrid ein. Von nun an herrschte ein faschistisches Regime unter General Franco in Spanien bis zu dessen Tod im Jahre 1975. Beide Seiten erhielten während des Bürgerkrieges Unterstützung durch ausländische Truppenverbände und Waffenlieferungen. So versorgte die stalinistische Sowjetunion die Republikaner, während das national-sozialistische Deutschland und das faschistische Italien auf der Seite der Nationalisten stand.

Luftangriff

Wissenschaftlich und politisch wird um den Luftangriff der deutschen Legion Condor im März 1937 bis heute gestritten. Allerdings nicht über die faktischen Ereignisse und Abläufe, sondern um die Absichten und Motive hinter dem Angriff.

Unstrittig ist, dass der Luftangriff auf die Stadt Guernica im Wesentlichen von den deutschen Flugzeugen der Legion Condor assistiert von einem italischen Verband geflogen wurde. Der eigentliche Luftangriff erfolgte in mehreren Wellen – von deutscher Seite waren Flugzeuge der Typen Do 17, Heinkel-He-51, He-111, Junkers Ju 52/3m und Messerschmidt 109 beteiligt. Am Nachmittag des 26. April 1937 legten die Bomber innerhalb von dreieinhalb Stunden das Zentrum des Städtchens mit damals etwa 5000 bis 6000 Einwohnern in Schutt und Asche. Etwa 200 bis 300 Menschen verloren dabei ihr Leben. Frühere Zahlen von 1600 Opfern erwiesen sich als übertrieben. Die exakte Bestimmung der Opferzahl war und ist auch deshalb nicht möglich, weil sich (unregistrierte) Flüchtlinge in Guernica aufhielten. Wenige Tage nach den Bombardements nahmen die Franco-Truppen über die Rentería-Brücke kommend die Gegend und auch die Stadt ein. Sie stießen auf keinerlei Widerstand mehr.

Gründe

Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, aus welchem militärischen Grund die Legion Condor die Stadt überhaupt bombardierte. In einer Umfrage unter den Überlebenden im Jahre 1992 äußerten 38 Prozent der Befragten, sie wüssten auch nach 45 Jahren noch nicht, warum man sie angegriffen habe. Wahrscheinlich wird dies nie ganz geklärt werden; bisher wurden fünf Gründe genannt:

  1. Von deutscher Seite wird in der Regel behauptet, das Hauptziel des Angriffs sei die 25 m lange und rund 10 Meter lange Brücke über den Fluss Oca am Stadtrand gewesen, die den Stadtkern mit dem Ortsteil Rentería verbindet, um so den Nachschub für die gegnerischen Fronttruppen zu unterbinden. Der Bombenmix mit einem hohen Anteil an leichten Brandbomben spricht allerdings dafür, dass Stadt und Bevölkerung von vorneherein als Ziel ausgewählt worden seien und nicht die steinerne Brücke, auf der die Brandsätze keine Wirkung hätten entfalten können.  Außerdem ist die Brücke beim Angriff gar nicht getroffen worden. Stattdessen wurde in Guernica fast alles zerstört. Am Abend haben deutschen Jäger sogar aus der Stadt Fliehende im Tiefflug mit ihren Bordwaffen beschossen – auch hier dürfte es keinen Zweifel gegeben haben, dass es sich um Zivilsten und nicht um Soldaten gehandelt hat. Da die republikanischen Truppen überall auf dem Rückzug waren, hätte zudem eine Zerstörung der Brücke nur die Absetzbewegungen unterbunden und so die Kämpfe entlang des Frontverlaufs eher verschärft.
  1. Das Ziel des Angriffs könnte auch die Waffenfabrik Unceta südlich der Brücke gewesen sein. Aber auch deren Gebäude wurden nicht beschädigt. Da Guernica wenige Tage nach dem Luftangriff von den faschistischen Bodentruppen – die über die Rentería-Brücke kamen – eingenommen wurde, wäre eine Zerstörung der Fabrik militärisch kontraproduktiv gewesen. So aber konnten die Nationalisten die Fabrik besetzen und die Waffenproduktion für die eigene Seite fortsetzen, zumal der Waffenfabrikant Rufino Unceta ein Franco-Anhänger war.
  1. Die dritte These lautet, Ziele des Angriffs seien das Parlamentsgebäude und der Eichenbaum gewesen. Die Eiche von Guernica war ja das Sinnbild für die baskische Identität. Aber auch sie wurden beim Angriff nicht getroffen. Eine Zerstörung der baskischen Nationalsymbole hätte den militärischen Widerstand im Baskenland anfachen können, das damals zu einem Großteil schon von den faschistischen Truppen besetzt war. Außerdem ist kaum anzunehmen, dass

dem deutschen Kommando die besondere Rolle Guernicas im Mittelalter als Symbol für die Unabhängigkeit der Basken überhaupt bekannt war.

  1. Möglicherweise wäre der Luftangriff eine Vergeltungsaktion für die Lynchjustiz der zivilen Bevölkerung an abgeschossenen Piloten der Legion Condor. Allerdings war in Guernica und seiner näheren Umgebung nie ein deutscher Flieger abgeschossen worden.
  1. So wird häufig die Ansicht vertreten, mit dem Angriff sei ein Konzept zur Terrorisierung der Zivilbevölkerung erprobt worden. Dies wäre die praktische Umsetzung der Strategie des “Totalen Krieges”, die 1935 von Ex-General Erich Ludendorff entworfen worden war. Die deutsche Luftwaffe, die seit 1935 in Deutschland neu aufgebaut wurde, sollte Kampferfahrung sammeln und die Entwicklung neuer Flugzeugtypen und Luftkampftaktiken sollte vorangetrieben werden.

Für die letzte Vermutung, dass es den Deutschen auf der iberischen Halbinsel vor allem darum ging, moderne Kriegstechnik und -taktik für eine künftige militärische Auseinandersetzung unter realistischen Bedingungen auszuprobieren, spricht auch der umfassende Munitionseinsatz und die Dauer des Angriffs sowie das Verhalten der Piloten, die im Tiefflug gezielt auf Frauen und Kinder erschossen haben sollen. Tatsächlich dürfte die Erprobung von Waffen und Angriffstechniken eine entscheidende Bedeutung bei der Planung gehabt habe, um die totale Zerstörung einer Stadt im Kleinformat zu testen und durchzuführen. So wurde auch davon gesprochen, dass die Gebäude im Baskenland denen der europäischen Nachbarn entspräche und man so die Wirkung der Bomben gut testen könne.

Wolfram von Richthofen, Stabschef der Legion Condor und nicht direkt mit dem “Roten Baron” Manfred von Richthofen verwandt, war verantwortlich für den Angriff. Bei ihm findet sich keine Reue über die Untaten. Er notierte in seinem Tagebuch: “Die 250er (Bomben) warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (..) Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.” 

Propaganda und Aufarbeitung (?)

Die deutsche Wehrmacht nutzte Spanien während der Intervention des deutschen Reiches zugunsten Francos als Übungsplatz unter realistischen Bedingungen. Nach dem Angriff setzten fieberhafte Propagandaaktivitäten ein, da ein britischer Journalist, der zufällig in Bilbao war und nach der Bombardierung nach Guernica reiste und zwei Tage später davon berichtete. Die Legion Condor und spanische Faschisten verbreiteten daraufhin die Lüge, die Republikaner bzw. „Bolschewisten“ hätten die Stadt auf ihrem Rückzug selbst eingeäschert. Die faschistische Putschregierung wies jede Verantwortung von sich. So konnte auch nie geklärt werden, ob auch spanische Piloten beim Angriff auf Guernica beteiligt gewesen waren. In Deutschland war der Einsatz der Legion Condor zunächst als “Geheime Reichssache” eingestuft worden. Auf Grund der britischen Nachrichten über die Bombardierung der Stadt wurde u.a. in der Wochenschau behauptet, keine Deutschen wären an dem Angriff beteiligt gewesen und die Bevölkerung selbst hätte auf der Flucht die Stadt selbst in Brand gesetzt.

Der Luftangriff auf Guernica war während der Franco-Diktatur ein Tabu-Thema. Erst im Jahre 1970 wurde vom Franco-Regime erstmals eingestanden, dass es in Guernica tatsächlich einen Luftangriff gegeben hatte. Aber auch nach dem Tod Francos und der Installierung der neuen Demokratie in Spanien wurde das Thema des spanischen Bürgerkrieges und auch die Bombardierung Guernicas mehr oder minder todgeschwiegen.

Ab Mitte der siebziger Jahre erschienen in der BRD die ersten Bücher, die die historischen Fakten des Luftangriffs auf Guernica darstellten. Aber auch danach wurde die deutsche Beteiligung und Schuld immer wieder geleugnet. Diese Politik des Leugnens war so vorherrschend, dass ausgerechnet diejenigen, die die historischen Fakten darlegten, sich dem Vorwurf ausgesetzt sahen, sie würden die geschichtlichen Tatsachen verfälschen.

Noch am 24. April 1997 lehnte der Deutsche Bundestag es ab, für die Zerstörung von Guernica ein Schuldeingeständnis abzulegen, wie der Historiker Michael Kasper berichtet. In dieser Situation wurde an den Bundespräsidenten die Bitte herangetragen, zur Verständigung beizutragen. Aus Anlass des sechzigsten Jahrestages der Bombardierung richtete Roman Herzog am 27. April 1997 ein Grußwort an die Einwohner von Guernica: “Ich möchte mich der Vergangenheit stellen und mich zur schuldhaften Verstrickung deutscher Flieger ausdrücklich bekennen. An Sie als Überlebende des Angriffs, als Zeugen des erlittenen Grauens richte ich meine Botschaft des Gedenkens, des Mitgefühls und der Trauer. (..) Ihnen, die die Wunden der Vergangenheit noch in sich tragen, biete ich meine Hand mit der Bitte um Versöhnung.” Eine finanzielle Wiedergutmachung gab es nicht.

Anzumerken ist vielleicht noch, dass Deutsche in Guernica heute gern gesehene Gäste sind. In der Stadt Guernica existierte das, was die Friedensforscher “Versöhnungshorizont” nennen, d.h. der ehrliche Wille zur Versöhnung mit dem ehemaligen Gegner. Insofern ist es keine bloße Fremdenverkehrswerbung, dass sich Guernica heute als Stadt der Kultur und des Friedens darstellt. So berichtete es Michael Kasper, der als Lehrer und Journalist 10 Jahre in Guernica lebt.

 

 

Von Bundesarchiv, Bild 183-H25224 / Autor/-in unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5434009

https://de.wikipedia.org/wiki/Gernika#/media/Datei:Mural_del_Gernika.jpg

 

Das Bild „Guernica“ von Pablo Picasso

Der Angriff auf Guernica war keineswegs der erste Luftangriff auf zivile Ziele. Bereits am 31. März 1937, also knapp einen Monat vor Guernica, wurde die etwa 20 Kilometer entfernte Kleinstadt Durango von deutschen Flugzeugen bombardiert. Bei den Angriffen starben über 330 Menschen. Das Bombardement erlangte kaum Bekanntheit. Heute wird gemeinhin angenommen, dass die Deutschen in Durango ihre Flugzeuge und Waffensysteme für den anstehenden Luftangriff auf Guernica testen wollten.

Dass uns Guernica im Gedächtnis geblieben ist und weniger die anderen Luftangriffe der deutschen Wehrmacht im spanischen Bürgerkrieg, liegt wohl vor allem am Bild von Pablo Picasso. Ohne diese Mahnung wäre womöglich der Luftangriff auf Guernica auch in Vergessenheit geraten. Der spanische Maler Pablo Picasso, der vor den Faschisten nach Frankreich geflohen war, erhielt von der offiziell noch amtierenden Regierung den Auftrag, für den spanischen (! ) Pavillon der Pariser Weltausstellung 1937 ein Gemälde zu schaffen. Picasso hatte schon mit Vorarbeiten zu dem Gemälde „Maler und Modell“ begonnen, als eine Woche später der Luftangriff auf Guernica erfolgte. Unter dem Eindruck der aktuellen Berichterstattung änderte er sein Konzept und schuf mit “Guernica” ein surrealistisches Anti-Kriegsgemälde.

Picasso äußerte sich zu seiner künstlerischen Haltung folgendermaßen:

„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, dass ein Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“

– Picasso: Dezember 1937

Die bis zum heutigen Tag anhaltende Ausstrahlung des 3,49 mal 7,77 Meter großen, allein in Schwarzweißschattierungen gehaltenen Tableaus gründet auf einem komplexen symbolischen Geflecht. Es ist kein provokantes Bild. Es fließt z.B. kein Blut. Stattdessen legt sich der Terror wie ein Leichentuch über das Bild. Der Angriff von oben selbst ist spürbar – alle Bewegung richtet sich gen Himmel, von wo aus der Feind massiv attackiert, aber er bleibt unsichtbar und abstrakt. Wir sehen nur das Leid seiner Opfer, den Schmerz der Kreaturen, den Krieger mit zerbrochenem Schwert, das verwundete Pferd, weinende Frauen, die Frau mit dem toten Kind, Feuer. Eine Szene der Verheerung und der Unentrinnbarkeit. Einzelne Szenen sind zu einem komplexen Bild des Grauens zusammengestellt, das sich als eine allgemeine intensive Klage gegen Krieg und Zerstörung darstellt. Das Bild ist zunächst ein Symbol für den Schreckens des Faschismus und später für Schrecken der Bombenkriege generell.

Picasso, der nie mehr nach Spanien zurückkehrte, hatte verfügt, dass das Werk erst nach der Demokratisierung Spaniens in seinem Heimatland ausgestellt werden sollte. Am 11. September 1981 wurde das riesige Bild von New York nach Madrid überführt, wo es unter Polizeischutz im Museo Nacional Reina Sofia präsentiert wurde. Nachdem das Gemälde jahrelang dazu beigetragen hatte, dass der Luftangriff auf Guernica nicht in Vergessenheit geriet, ist das Bild heute möglicherweise bekannter als das historische Ereignis, auf das es sich bezieht.

Sehenswürdigkeiten von Guernica

Wer heute nach Guernica kommt, für den könnten u.a. folgende Sehenswürdigkeiten von Interesse sein:

  • Das Friedensmuseum – Museo de la Paz. Es thematisiert allgemeine Aspekte von Konflikten und Frieden, die Geschichte der Bombardierung von Guernica und den baskischen Konflikt.
  • Das baskische Museum. Es gibt einen Einblick in die Geschichte, Kunst und Kultur des Baskenlandes.
  • Die als Denkmal geschützte Eiche von Guernica. Hier versammelten sich schon im Mittelalter die Volksvertreter der Provinz, der sogenannte Ältestenrat, zur Beratung aller anstehenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Fragen. Die Eiche wird als historischer Sammelpunkt der baskischen Identität verstanden.
  • Park der Völker Europas (Europako Herrien Parkea)mit Statuen von Henry Moore und Eduardo Chillida.
  • die gotische Kirche Santa Maria
Von Shaury (Shaury Nash) aus (optional) - Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1552551 Denkmal der alten Eiche von Guernica
12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino Primitivo Geographisches Geographisches Uncategorized

Der Salime Stausee

Der Salime Stausee

Der Salime-Stausee (span.: Embalse de Salime) ist eine Talsperre des Río Navia im Westen Asturiens, die teilweise die Grenze zur galicischen Provinz Lugo bildet. Die Stauanlage wurde im Jahr 1954 eingeweiht und hat einen Stauraum von 265,60 Millionen Kubikmeter.

Nach Arbón und Doiras ist Salime die dritte Talsperre am Río Navia. Die Staumauer ist eine Gewichtsstaumauer mit einer Höhe von 128 m. Der Stausee nimmt eine Fläche von 685 ha ein, genutzt wird die Anlage hauptsächlich zur Energieerzeugung. Unter dem Stausee befinden sich die Stadt Salime, die ehemalige Hauptstadt der Region und zahlreiche Dörfer und Bauernhöfe.

Geschichte

Das Projekt wurde von Saltos del Navia en Comunidad initiiert, einer Gesellschaft, die 1945 gegründet zu gleichen Teilen drei Unternehmen. gehörte. Finanziellen Rückhalt bot die Banco Urquijo, die außerdem das Projekt und die technischen Studien ausarbeitete.

Als Architekt wurde Joaquín Vaquero Palacios engagiert, der das Projekt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg plante. 1946 begannen die Vorarbeiten, zwischen 1948 und 1953 wurden die Staumauer und das Kraftwerk gebaut, die Einweihung erfolgte 1954. Während einiger Zeit war Salime die größte Talsperre Spaniens und die Zweitgrößte Europas. Sie gilt als eines der ersten Projekte des Gigantismus der Franco-Ära, der Pate für viele ähnliche Projekte stand.

 

Für den Bau mussten enorme Schwierigkeiten überwunden werden: Spaniens Wirtschaft lag darnieder und litt außerdem unter dem Wirtschaftsembargo der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Das Projekt schien quasi unmöglich und nur durch größte Anstrengung konnte man der Mittelknappheit Herr werden. Die Turbinen lieferte England heimlich und unter Umgehung des UN-Embargos gegen Franco. Die vorbereitenden und flankierenden Maßnahmen hatten einen außerordentlichen Umfang: Es wurden Tunnel zur Umleitung des Flusses gebaut, Spundwände, Lager, Straßen, schräge Ebenen, Zementmühlen, eine 36 km lange Seilbahn zum Transport von Zementklinkern aus dem Hafen von Navia etc. 3500 Arbeiter aus anderen spanischen Regionen – hauptsächlich Andalusien – wurden angeworben. Für sie und ihre Familien wurden mehrere Arbeitersiedlungen angelegt. Ein Teil dieser Einrichtungen sind heute noch am Hang des Berges zu sehen und können auch besichtigt werden. Auch die Lebensmittelversorgung der Arbeiter war ein Problem in diesen Jahren des Mangels. Ungefähr 100 Arbeiter verloren ihr Leben in Arbeitsunfällen während des Talsperrenbaus.

 

Wasserkraftwerk Salime

Das Wasserkraftwerk (central hidroeléctrica) Salime befindet sich unter der Staumauer. Es verfügt über vier Generatorengruppen mit je 32 Megawatt, die zwischen 1953 und 1956 in Betrieb genommen wurden. Die Gesamtleistung beträgt 128 MW, im Jahresdurchschnitt erzeugt das Kraftwerk 350 Gigawatt. Die eingesetzten Francis-Turbinen haben einen Durchsatz von 152 m²/s, die erzeugte Energie wird über 132-Kilovolt-Netz abgeführt.

 

Etwas oberhalb des Stausees befindet sich ein Hotel, von dessen Terrasse man einen guten Überblick über die Anlage und den Stausee hat.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Kultur Kultur Uncategorized Via Tolosana

Francisco de Goya, der berühmte Maler aus Aragon

Francisco de Goya, der berühmte Maler aus Aragon

Neben Dali, Picasso, Miro und Velasques gehört Francisco de Goya y Lucientes zu den besten und berühmtesten Malern Spaniens. Er wurde am 30.08.1746 in Fuendetodos in Aragon geboren. Der Ort, der heute 154 Einwohner hat, liegt etwa 44 Kilometer von Saragossa entfernt. Das Geburtshaus des spanischen Malers aus dem 18. Jahrhundert kann immer noch besichtigt werden. Er starb am 16.04.1828 in Bordeaux. Seine Schaffenszeit fällt somit in die Zeit der französischen Revolution und in die Zeit Napoleons, die sein Schaffen stark beeinflusste.

Kunsthistoriker nennen seine Arbeiten „einen universellen Wert spanischer Kunst“. Er schuf Vorlagen für Wandteppiche, malte Königsporträts und Kriegsbilder, fliegende Hexen, nackte Frauen und den Klerus als Esel. Goya arbeitete u.a. mit neuen Techniken, vor allem der Aquatinta Drucktechnik. Er war zeitlebens so stur wie ein Aragonese nur sein kann. Und seine Kunst wirkt bis heute erstaunlich zeitlos aber auch zum Teil sehr drastisch.

 

Sein Werdegang ist zumindest zu Anfang von einigen Aufs und Abs gekennzeichnet. Er konnte nicht in der Werkstatt seines Vaters, der ein angesehener Vergolder war, arbeiten, da sein älterer Bruder später die Werkstatt übernehmen sollte. Mit 14 Jahren begann Goya daher eine Lehre bei dem Barockmaler José Luzán (1710 bis 1785) in Saragossa. Hier blieb Goya vier Jahre. Über die Zeit bei José Luzan hieß es später, dass dieser ihm die Grundlagen des Zeichnens lehrte und wie man feinste Gavierungen kopierte. Mit 16 Jahren malte er zum Ende seiner Ausbildung einige Heilige in der Kuppel der einstigen Pfarrkirche von Fundetodos, die allerdings im spanischen Bürgerkrieg zerstört wurde.

Anschließend ging er nach Madrid – angeblich nicht ganz freiwillig nach einer Schlägerei.

In Madrid bewarb er sich bei der angesehenen Real Academie de Belles Artes de San Fernando. Allerdings fiel er zweimal durch Aufnahmeprüfung. Paradoxer Weise wurde er später sogar selbst Leiter dieser Akademie. Nach dem Misserfolg 1766 reiste er nach Rom. Italien galt damals als das Zentrum der Kunst, viele Künstler aus allen Herren Ländern zog es dementsprechend auch dorthin. In Italien gewann er 1771 den zweiten Preis bei einem Gemäldewettbewerb, den die Stadt von Parma organisiert hatte.

Ab 1771 ist er wieder in Spanien, zunächst in Saragossa. Hier bekam er als selbständig arbeitender Künstler den Auftrag für Gemälde in der Catedral-Basilica de Nuestra Senora de Pilar, der größten Barockkirche Spaniens. Und hiermit begann dann auch sein künstlerischer Aufstieg. So malte er in der Folge viele Bilder in Kapellen und Klöstern. Bevor er dann Hofmaler in Madrid wurde, arbeitete er zunächst für die königliche Teppichmanifaktur mit Entwürfen über volkstümliche spanische Szenen, die in der damaligen Zeit sehr beliebt waren. 1780 verliert Goya die Arbeit in der Tapetenmanufaktur, da der Krieg zwischen Spanien und England die finanziellen Mittel des spanischen Königshauses an anderen Stellen banden. Es folgt eine Zeit als Porträtmaler, in der er sehr erfolgreich war und viele Kunden hatte. 1785 erfolgt die Beförderung zum Stellvertretenden Direktor für Gemälde der Königlichen Akademie. Das war eine lukrative Position, die Goya finanzielle Sicherheit bot. 1786 erfolgte dann die Ernennung zum Hofmaler des Königs durch Carlos III. Er behielt diese Position auch ab 1788 unter dessen Nachfolger Carlos IV. Die Position war nicht nur mit Prestige verbunden, sondern sicherte Goya finanziell weiter ab.

1792 erkrankte Goya schwer und als Folge seiner Krankheit litt er an Gehörlosigkeit. Wie stark diese Krankheit war, ist nicht genau bekannt. Aber er konnte sich mit dem König gut in Zeichensprache verständigen. 1800 begann Goya eines seiner berühmtesten Gemälde, das ein Porträt der Familie Karls IV. darstellte. Es hängt heute im Prado. Auf dem Gemälde selbst hat sich Goya im Hintergrund im Schatten selbst verewigt. Das Gemälde ist u.a. deshalb so berühmt, weil eine so realistische Darstellung der spanischen Königsfamilie dazu führte, dass ein zeitgenössischer Kritiker äußerste, das Königspaar sähe aus, wie ein Bäcker und seine Gemahlin nach einem Lotteriegewinn. Goya malte das Bild als subjektiver Beobachter der Familie des Königs am Hof. Darin ließ er sich von seinem Vorgänger Diego Velázquez beeinflussen, der als Hofmaler ähnlich vorging. Diese doch sehr realistische Darstellung, die die Königsfamilie nicht unbedingt im besten Licht darstellte – reich aber nicht sehr attraktiv, war schon auch eine mutige Arbeit, die aber ohne Folgen blieb. Es gibt Hinweise, dass die Dargestellten mit ihren Porträts sehr zufrieden waren. Dennoch lässt der Realismus im Blick des Hofmalers Goya vermuten, dass die Direktheit und ungeschönte Nüchternheit – man kann es teilweise Hässlichkeit nennen –, wie das Personal des Hofes dargestellt ist, nicht versehentlich geschah und eine gewisse Distanz Goyas zum Königshaus ausdrückte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Francisco_de_Goya#/media/Datei:La_familia_de_Carlos_IV,_por_Francisco_de_Goya.jpg

Wie vielfältig seine Kunst danach noch wurde, liegt nicht nur am Genie Goya, sondern auch an der turbulenten Zeit, in der er lebte: Mitten in die Idylle am Hof platzte die Besatzung durch französische Truppen. Joseph Bonaparte, der Bruder Napoleons Bonaparte wird, gestützt von französischen Militärkräften, zum spanischen König ernannt. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1808 erschossen französische Soldaten mehrere spanische Rebellen. Goya erstellte daraufhin sein Gemälde „Die Erschießung der Aufständischen“, das eine schreiende Anklage an den Krieg ist.

1814 kehrt dann König Ferdinand VII. auf den spanischen Thron zurück und Goya wurde wieder Hofmaler. Ein Bild von Francisco Goya sorgte dann 1815 für einen Skandal, für den er sich vor der Inquisition verantworten musste. Goya schuf zwischen 1801 und 1802 die bekleidete und nackte Maja, wobei „Die nackte Maya“ das erste Aktbild der spanischen Kunst ist, auf dem weibliche Schamhaare zu sehen waren. Ursprünglich waren die nackte und die bekleidete Maya mit Scharnieren verbunden, so dass die nackte Version mit der bekleideten Darstellung verdeckt werden konnte. Bei der „Maya“ handelt es sich um die Herzogin von Alba, die er mehrfach porträtierte.

https://www.wikiart.org/de/francisco-de-goya/die-nackte-maja-1800

Aber nicht nur das freizügige Werk erregte das Missfallen, auch die Bilderreihen „Caprichos“,und „Desastres“. Zwischen 1810 und 1820 entstanden die “Desastres de la Guerra”, die “Schrecken des Krieges”. Schonungslos zeigen die Bilder, mit welchen Gräueltaten Napoleon in Spanien vorging und welche Folgen die französische Fremdherrschaft hatte. “Los Caprichos” (“die Launen”) entstanden zwischen 1793 und 1799. Ganz aktuelle Probleme der Gesellschaft wurden auf rund 80 Blättern gezeigt: Armut, Aberglaube oder wie Adel und Klerus ihre Macht auch mit brutalen Mitteln zu erhalten versuchten. Es ist ein Horrorkabinett der Dummheit, der Willkür und des religiösen Wahnsinns. Goya hat die Welt nicht einfach dargestellt, er hat sie seziert und die Spannungen zwischen Vernunft und Wahnsinn, Gerechtigkeit und Grausamkeit, Hoffnung und Verzweiflung offengelegt. Und leider ist Goya hochgradig aktuell und hält uns einen Spiegel vor, von dem wir uns gewünscht hätten, dass wir ihn nie wieder aus der Schublade ziehen müssten.

Die Bilder erregten großen Anstoß, insbesondere bei Vertretern der Kirche. Nur das Eingreifen des spanischen Königs verhinderte eine Verurteilung Goyas durch die Inquisition.

Für die Bilderreihen verwendete er eine neue Technik, die erst in den 1760er Jahren erfunden worden war: Aquatinta. Dabei wird von einer Druckplatte mehrfach eine Schicht weggeätzt (mit einer scharfen Flüssigkeit abgetragen), sodass nachher beim Drucken verschiedene Grautöne entstehen. Mit dieser Technik konnte er dann auch die sehr düstere Stimmung der Bilder erzeugen.

Im Jahre 1819 zog sich der doch liberale Goya aufgrund der politischen Unruhen zwischen Monarchisten und Liberalen in sein Landhaus Quinta del Sordo, das Haus des tauben Mannes, zurück. Er widmete sich vier Jahren der Bemalung der Wände seines Landhauses. Diese Bemalungen gingen als „Pinturas Negras“ (schwarze Bilder) in die Werkgeschichte Goyas ein. In ihnen scheinen sich düstere Phantasien des Malers mit den bedrückenden Zeitumständen vermischt zu haben. Sie wurden inzwischen abgenommen, auf Leinwand übertragen und dem Prado übergeben.

Die Situation in Spanien wurde für Goya aber immer prekärer. Er war liberal eingestellt, bezog Positionen gegen die Folter, Inquisition aber auch gegen den Absolutismus. Um politischen Verfolgungen zu entgehen, reiste er nach Frankreich, wo er ab 1824 in Bordeaux lebte. Dort arbeitete er an seinen letzten Radierungen, die verschiedene Stierkampfszenen zeigen. Sein letztes Bild ist “La Lechera de Burdeos“ (Das Milchmädchen von Bordeaux), das Ölgemälde einer schönen, entspannten jungen Französin, das im Gegensatz zu vielen seiner anderen Bilder eine ruhigen freundlichen Eindruck hinterlässt. Es gilt als ein Vorläufer des Impressionismus. 

Goya starb schließlich, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hat, am 16. April 1828 in Bordeaux, wo er auch begraben wurde. Es dauerte bis 1901 bis sein Leichnam nach Spanien zurückkehrte. 1919 wird er in der Ermita de San Antonio de la Florida in Madrid beigesetzt.

Francisco Goya wird einerseits zu den letzten der alten Meister aber auch als erster der modernen betrachte. Francisco Goya beeinflusste mit seinen Werken spätere Generationen von Künstlern, darunter Delacroix, Edouard Manet und auch Pablo Picasso. Vieles, was Goya malte, ist auf den ersten Blick schwer erträglich und noch schwerer interpretierbar, aber leider auch heute noch sehr real.

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Uncategorized

BLOG TEMPLATE

Hier kommt dein Titel

Hier kommt die Zuordnung

Text 1

Text 2

 

Text 3

Quellen

(Bücher beispiele:)

12044
Die Problematik der Eukalyptusplantagen
Die Problematik der Eukalyptusplantagen Camino del...
weiter lesen
1026px-Burgos_Kathedrale_Außen_April_2003_ShiftN
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien
Die Architektur der Gotik und ihre Geschichte in Spanien –...
weiter lesen
RELIEF OF SPAIN
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge
Die Iberische Meseta und das Kastilische Gebirge Camino...
weiter lesen
Spain-abandoned-village
"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens
“Leeres Land” – Die Geisterdörfer...
weiter lesen
Cimborrio_Mudéjar_Catedral_de_Teruel
Der Mudéjar-Stil- ein einzigartiger spanischer Architekturstil
Der Mudéjar-Stil – ein einzigartiger spanischer...
weiter lesen
Historisch1
Ritterorden in Spanien
Ritterorden in Spanien Historisches auf dem Via de...
weiter lesen
Categories
Camino del Norte Geschichten Geschichten Uncategorized

Be happy

Be happy !

Geschichten auf dem Camino del Norte

Jakobsweg Hintergrundwissen Smiley

Er gibt diese Begegnungen auf dem Jakobsweg, die manchmal nur ganz kurz sein mögen, die aber einen tiefen Eindruck hinterlassen und die einem soviel geben, von dem man auch später noch zehrt. So geht es uns mit der Begegnung mit einem  spanischen Pilger.

Wir waren jenem großen kräftigen Spanier schon mehrmals in den Herbergen auf unserer Wanderung begegnet. Wir hatten uns stets mit einem freundlichen Lächeln begrüßt aber sonst kein Wort miteinander gewechselt. Unser Spanisch war für eine Konversation zu schlecht und wir hörten ihn auch nur mit Spaniern reden. Am letzten Tag seiner Reise trafen wir ihn in Santander. Wir gingen gemeinsam aus der Herberge und so kamen wir – auf Englisch – ins Gespräch. Er sagte, dass er nun nach Hause fahre und zeigte uns noch ein Café in Bahnhofsnähe, dass sehr guten Kaffee habe. Dann trennten sich unsere Wege. Da dieses Café aber gerade an diesem Tag zu hatte, suchten wir weiter und fanden schließlich ein kleines Café. Wir setzten uns an einen kleinen Tisch und dann entdeckten wir „unseren“ Spanier an der Bar, dem wir freundlich zuwinkten. Kurze Zeit später kam er an unseren Tisch, sagte sein Zug ginge gleich und dann fielen jene Worte, die uns noch heute mit Freude erfüllen. „I wish you bien camino, a good life and be happy!“ Da stand dieser fast 2 m große kräftige Mann vor uns und sagte so zarte berührende Worte! Schade, dass wir nicht schon früher miteinander gesprochen haben, es wären sicher interesssante Gespräche geworden. Aber schön, dass diese kurze Begegnung stattgefunden hat!

Translate »