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Geographisches Geographisches Via Tolosana

Der Camino Aragonés – eine kurze Geschichte

Der Camino Aragonés – eine kurze Geschichte

Camino Aragonés

https://www.caminosperegrinos.com/en/guia/camino/aragonese-way/?cn-reloaded=1

Die Geschichte des Camino Aragonés ist nicht nur eine Geschichte des Pilgerns sondern auch eine Geschichte von Wirtschaft und des Militärs.

Die ersten Pilger, die aus Gegenden nördlich der Pyrenäen kamen, sind seit dem 10.Jh. belegt. Es waren vor allem Pilger aus Frankreich, aber auch aus Deutschland und Italien. Wenn sie die Pyrenäen überschritten, dann meist über den Somport-Pass bei Jaca.

Sie folgten dann durch Nordspanien eine alte Römerstraße. Dieser Weg durch Nordspanien war bis in die Spätantike wichtig gewesen, weil die Bodenschätze aus Ponferrada (Las Medulas, s. auch das Kapitel Las Medulas) in römischer Zeit in Richtung Gallien und Italien transportiert wurden. Danach, als sie nicht mehr intensiv genutzt wurden, verfielen die Straßen, bis Sancho der Große von Navarra (1004-1035) sie zu Beginn des 11. Jhs. wieder ausbessern ließ. Ziel war es, die militiärischen Züge gegen die Muslime besser durchführen zu können. Die dritte wichtige Funktion des Weges durch Nordspanien war der Handel, der über den Somport-Pass führte und durch Dokumente belegt, wie in Jaca Produkte mit Zoll belegt wurden. Interessant ist, was alles mit Zoll belegt wurde, zeigt es doch die Breite des Handelns zum Ende des 11. Jhs. Belegt sind Zölle auf Stoffe aus Brügge, Seide aus Konstantinopel, Purpur, Farben, Schwerter, Metalle, Gewürze und Goldmünzen, wohl muslimischer Herkunft oder gefangene Mauren. Pilger mussten keinen Zoll zahlen.

Juan de la Pena https://www.caminosperegrinos.com/en/guia/camino/aragonese-way/?cn-reloaded=1

Neben der römischen Traditon, der militärischen Funktion und der wirtschaftlichen Nutzung war den Pilger die vierte wichtige Größe, die diese Achse, den Camino Aragónes benutzte.

Der Camino Aragonés war im Mittelalter der am stärksten frequentierte Pilgerweg durch die Pyrenäen. Er wird im Jakobsbuch (lateinisch Liber Santi Jokobi) als Via Tolosana, einer der vier Jakobsweg-Zubringerwege von Frankreich kommend, beschrieben, bevor er in Somport in den spanischen Camino Aragonés übergeht. Im Mittelalter war der Weg, vom französischen Arles kommend als Via Tolosana, eines der Hauptrouten nach Santiago de Compostela. Viele Pilger aus Mitteleuropa wählten diese Route. Auch Französische Pilger nutzten diesen Pass um nach Navarra und Arragon zu gelangen. Dies auch, weil zwischen dem 11.Jh. bis zur Hälfte des 15.Jh. das Herzogtum Aquitanien und später das Territorium Guyenne unter englischer Herrschaft stand. Unter englischer Herrschaft stand auch St.Jean Pied de Port, dem heute am stärksten frequentierten Startort in Frankreich. Ab dem Ende des 12. Jhs. gewann aber der Übergang zwischen Saint-Jean-Pied-de-Port und Roncesvalles immer mehr an Bedeutung.

Von Txo (discusión) Mi discusión en castellano 18:27, 29 October 2007 (UTC) - fotografia propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2992279 Monasterio de Leyre

Seinen Namen verdankt der Camino Aragonés der alten fränkischen Grafschaft Aragón, die seit dem frühen 9. Jahrhundert als Amtsbezirke der spanischen Marken des fränkischen Reichs bestand. Die Grafschaft umfasste das Gebiet um den Hauptort Jaca und wurde nach dem sie durchfließenden Rio Aragón benannt.

Die Wegstrecke beträgt knapp 170 km und führt in ca. 6 Etappen von der Passhöhe Somport über die Orte Jaca, Arrés, Ruesta, Sanguesa, Monreal nach Puenta de la Reine. Er wird vor allem wegen seiner Einsamkeit und der eindrucksvollen Natur geschätzt. Immer wieder verläuft der Pilgerweg entlang des wunderschönen Rio Aragones, vorbei an mittelalterlichen Dörfern und mit Abstechern zu zwei der bedeutendsten Klöstern Spaniens, dem Kloster San Juan de la Pena und dem Kloster San Salvador de Leyre. Vom Somport-Pass aus sind es bis Santigao de Compostela etwa 858 Kilometer.

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Das Zisterzienserkloster Santa Maria de Oseira – „das galicische Escorial“

Das Zisterzienserkloster Santa Maria de Oseira – „das galicische Escorial“

Via de la Plata

Das in einem grünen Tal gelegene imposante Zisterzienserkloster Santa María de Oseira gehört zu den großen Denkmälern Galiciens und ist neben Sobrado dos Moxes das bedeutendste Zisterzienserkloster in Galicien. Manche nennen es aufgrund seiner Pracht „das galicische Escorial“, in Anlehnung an den königlichen Palast bei Madrid.

Dieses aus dem 12. Jahrhundert stammende Kloster liegt in der Provinz Ourense, in der Gemeinde Cea .Es war das erste Zisterzienser-Kloster in Galicien.

Zuvor gab es in Cea ein Kloster, das von einigen Einsiedlern gegründet wurde. Im Jahr 1141 beschlossen sie, dem Zisterzienserorden beizutreten. Zusätzlich kamen neue Mönche aus Clairvaux. Claivaux war die Primarabtei des Zisterzienserordens in Frankreich und die Klöster Oreira ebenso so wie Sobrado waren unmittelbare Tochterklöster der Heimatabtei.

So wird das Kloster Oseira zum Wahrzeichen des Zisterziensertums in den galicischen Ländern, ein Keim, der sich, wie wir wissen, an zahlreichen Orten in Galicien ausbreitete.

Auf das oben genannte Kloster Sobrado dos Monxes trifft man auf dem Camino Primitivo oder auf dem Camino Frances nicht weit von Santiago de Compostela (s. auch Kapitel Kloster Sobrado dos Monxes – spekatakuläres Kloster mitten in der Natur und das Kapitel “Die Klöster der Benediktiner und Zisterzienser in Spanien – eine kurze Darstellung ihrer Geschichte, ihrer Bedeutung und ihrer Architektur” )

 

Von Ramon Piñeiro - originally posted to Flickr as Mosteiro de OSEIRA - Ourense 04 Ene 09, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9788125

Die gleichermaßen in der Landwirtschaft wie in Wissenschaft und Theologie bewanderten Mönche brachten die Abtei Santa Maria de Oseira in den folgenden Jahrhunderten zur wirtschaftlichen und geistig-kulturellen Blüte, die sich in der prachtvollen Ausstattung des Klosters wiederspiegelt. Im 14. Jh. begann ein Verfall des Klosters, doch im 16. -18. Jh. kam es durch den Beitritt des Klosters zur Zisterzienserkongregation von Kastilien zu einer weiteren Blüte. Mit der Säkularisierung im 19. Jh. begann der fortschreitende Verfall seiner Architektur und die Plünderung seiner beweglichen Kunstwerke.

Im 20. Jahrhundert kehrten die Mönche nach Oseira zurück und es wurde eine gigantische und erfolgreiche originalbetreue Restaurierungs- und Wiederherstellungsarbeit an diesem Klosterkomplex durchgeführt. Es gelang den Glanz seines ursprünglichen Zustands wiederherzustellen und ihn zu einem der aufwendigsten Beispiele spanischer religiöser Architektur zu machen. Die Besichtigung des Klosters gleicht einem Rundgang durch die Zeit.

Dieses Kloster verfügt neben vielen anderen Gebäuden über eine außergewöhnliche romanische Übergangskirche, drei Kreuzgänge unterschiedlicher Epochen und Stile sowie einen sehr attraktiven Kapitelsaal.

Von HombreDHojalata - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32718018

Das älteste erhaltene Gebäude ist die Klosterkirche (Romanik, Übergang zur Gotik). Mitte des 12. Hh. Begonnen wurde sie 1230 geweiht. Die romanische Kirche hat einen lateinischen Kreuzgrundriss mit drei Schiffen und einem Querschiff. Die Schiffe sind durch Pfeiler mit eingelassenen Säulen getrennt. Sowohl das Gewölbe des Mittelschiffs als auch die der Seitenschiffe haben eine spitze Tonne mit Querbalken. Die halbrunden Fenster öffnen sich am Anfang des Gewölbes. Nach einem Brand wurden um das Jahr 1700 die Fassade der Kirche mit Zwillingstürmen, die Altäre und große Teile des Klosters. Wie in Zisterzienserkirchen üblich, ist die skulpturale Verzierung praktisch nicht vorhanden. Dieser Ziermangel scheint seine architektonische Monumentalität zu verstärken.

Der alte Kapitelsaal ist ein Werk aus dem 15. Jahrhundert und das malerischste Element des Klosters. Der nach spätgotischen Vorbildern erbaute Raum ist von komplizierten Sterngewölben überwölbt, deren Bögen von fantasievollen geriffelten Säulen ausgehen. Diese palmenähnlichen Stützen öffnen sich, als wären sie Palmenzweige. Sie erinnern an die Stützen des Marktes von Valencia, ebenfalls aus einem ähnlichen Datum.

Das Kloster hat drei Kreuzgänge! Claustro de las Pánculos (16. JH. Säulen mit zinnenartigem Abschluss), Claustro de los Medallones (16- Jh. mit Stein -Medaillons verziert) und Claustro de los Cuballeros (18. Jh.). Der letztere zeichnet sich durch die in den Bögen angebrachten Bildnisse aus, die Gesichter historischer Persönlichkeiten darstellen. Im alten Kreuzgang haben sich neun romansche Bögen mit 24 Kapitellen erhalten, deren Qualität außergewöhnlich ist. Sie werden als Arbeit aus der Wekstatt des Meisters Mateo angesehen. Santiago de Compostelas Kathedraleneingang Pórtico de la Gloria ist das romanische Werk von Meister Mateo. So berühmt seine genialen Figuren auch sind, über den Mann selbst wissen wir so gut wie nichts. Das Skulpturenwerk dagegen gilt als Highlight romanischer Kunst. 

Weiterhin gibt es im Kloster die prächtige Escalera de Honor (Ehrentreppe 17. Jh.) und das alte Refektorium mit der wunderschön wiederhergestellten gotischen Gewölbedecke.

(s. auch Geschichten, “Das Monesterio de Santa Maria de Ourense”)

Von Keuk in der Wikipedia auf Deutsch - Photo taken by Keuk (selbst fotografiert); Übertragen aus de.wikipedia nach Commons.; description page is/was here.., CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4295617
https://www.spanien-reisemagazin.de/kunst-und-kultur/baukunst/kloester-in-spanien-oseira.html

Quellen

Cordula Rabe, Via de la Plata, Rother Wanderführer, München 2011

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Foz de Lumbier/ Schlucht von Lumbier

Foz de Lumbier/ Schlucht von Lumbier

Camino Aragonés

Von Der ursprünglich hochladende Benutzer war Jsanchezes in der Wikipedia auf Spanisch - Übertragen aus es.wikipedia nach Commons., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1644704

Diese wunderbare und beeindruckende Schlucht, die durch Jahrhunderte der Erosion des Irati-Flusses entstanden ist, ist ein Ort, den Sie nicht verpassen sollten. Die Foz de Lumbier-Route ist einer der verborgenen Schätze der Pyrenäen Navarras. 

Eine Variante des Jakobsweges Camino Aragonés von Sanguesa nach Izco führt über die Foz de Lumbier. Sie liegt im Westteil Navarras in den Vorpyrenäen an der Grenze zu Aragon und ist eine der spektakulärsten Schluchten der Region. Die enge Schlucht, in die sich der Fluss Irati eingegraben hat, ist 1300 m lang. Die senkrecht aufragenden Wände aus Kalkstein erreichen eine Höhe von bis zu 150 m. Es gibt keinen natürlichen Zugang. Im Innern der Schlucht in den Spalten, Abbrüchen und Überhängen nisten viele Sing- und vom Aussterben bedrohte Greifvögel, z. B. der Alimoche/Sai Zuria baskisch (Schmutzgeier), aber auch der Gänsegeier (Buitre Leonado) oder die Alpenkrähe (La Chova). Die schönen Wälder bestehen aus Pappeln, Weiden und Eschen.

Vielleicht noch einige Bemerkungen zu den Geiern. Die Schmutzgeier (Neophron percnopterus) ist der kleineste europäishe Gier mit weißem Gefieder (Adulte) und gelbem Gesicht, der sich hauptsächlich von Aas ernährt, z.T. nutzt er dabei sogar Werkzeug  wie z.B. Steine zum Eierknacken. Er ist weltweit stark gefährdet, unter anderem durch Vergiftungen und Lebensraumverlust. Dabei erfüllen sie als “Gesundheitspolizist” eine wichtige Rolle. im Ökosystem.

Geier sind unterschätzte, aber unverzichtbare Arbeiter der Natur. Die Assoziation mit dem Tod und federlosen Gesichtern, die nur wenige als schön bezeichnen würden, hat Geier zu einer der unbeliebtesten Tiere der Welt gemacht. Doch Wissenschaftsuntersuchungen haben gezeigt, dass sie aus gesundheitlicher, klimatischen und finanziellen Gründen zu den wertvollsten Tieren gehören. Jedes Mal, wenn ein Wildtier stirbt, wird es nicht nur eine Ressource für andere Tiere sondern auch zu einer Gefahr. Denn tote Tiere können Krankheiten verbreiten sowohl für den Menschen als auch für andere Tiere, die sich von dem Kadaver ernähren. Geier hingegen sind schnell und sauber. Sie können einen Kadaver in einigen Stunden bis auf die Knochen abnagen und ihre Mägen enthalten einige der stärksten Säuren, die Keime wie Anthrax und Botulismus abtöten, bevor sie sich ausbreiten können. Außerdem sparen sie Kosten, denn sie ersparen aufwendige  Tierkörperverwertungsanlagen gerade in Entwicklungsländern, wo diese Infrastruktur teilweise fehlt. Zudem sind sie nach Aussagen der Wissenschaftler auch Verbündete des Klimas, da sie jedes Jahr zig Millionen Tonnen Treibhausgase von der Atmosphäre fern halten.  Zudem verhindern sie die Wasserverschmutzung durch verwesende Körper. Also sollten wir versuchen, mit diesen Tieren, die leider weltweit stark bedroht sind, in Harmonie zu leben.

https://www.bahntrassenradwege.de/
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Anfang des 20. Jhs. wurde die Schlucht durch den Bau der Bahnlinie Pamplona – Sanguesa erschlossen. Die Schalspurstrecke, die in den Jahren von 1911 -1955 in Betrieb war, ist 59 km lang. Sie war die erste elektrifizierte Bahnlinie Spaniens. Heute ist die Bahn komplett stillgelegt, die Gleise wurden demontiert und nur ein paar alte Signale und Infotafeln erinnern an diese Zeit. Der Weg durchquert einige enge aus dem Felsen gehauene Tunnel, führt an einigen herrlichen Aussichtspunkten vorbei und dann z.T. eng am Flusslauf entlang.

Der engste Durchbruch durch die Felswände wurde von einer im Unabhängigkeitskrieg (1812) zerstörten Brücke überspannt, der Puente del Diablo (oder auch Puente de Jesús!). Das Bauwerk mit nur einem 30 m langen Bogen und 15 m über dem Fluss stammt wahr-scheinlich aus dem 16. Jahrhundert. Das Betreten der Ruine ist allerdings gefährlich und daher verboten.

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Quellen

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Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur – San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca in der Gemeinde Villaviciosa

Zwei Juwele der präromanischen asturischen Architektur - San Salvador de Valdediós und San Salvador de Priesca in der Gemeinde Villaviciosa

Camino del Norte, Camino Primitivo

De Nachosan - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23240930

San Salvador de Valdediós

Die Kirche San Salvador de Valdediós – im Volksmund „el Conventín“ genannt – ist eine präromanische asturische Kirche in Villaviciosa. Die Kirche steht im Valdediós-Tal neben dem Kloster Santa Maria. Die Kirche San Salvador de Valdediós war ursprünglich die Kirche eines Sommerpalastkomplexes.

(s. Kapitel „Vorromanische asturische Archtektur“)

Einer der angenehmsten Aspekte dieses antiken Denkmals ist der Ort, an dem es steht. Es ist ein tiefes Tal östlich der Stadt Oviedo, ganz in der Nähe von Villaviciosa. Dieses grüne Tal ist von Wäldern umgeben, ohne Gebäude oder andere Hindernisse, wodurch eine ruhige Betrachtung aus allen Blickwinkeln möglich ist.

Ein paar Dutzend Meter südlich von San Salvador finden wir die romanische Kirche, den Kreuzgang und einige andere Räume des Zisterzienserklosters Santa María de Valdediós, das in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts errichtet wurde.

Die Herberge im Kloster ist wieder geöffnet und bietet Übernachtung, Frühstück und Abendessen an.

 Geschichte

Der Bau der Kirche San Salvador wird der Zeit der Herrschaft Alfons III. zu geschrieben. Sie wurde am 24. September 921 geweiht und lehnt sich architektonisch und dekorativ an das Vorbild der Kirche San Julián de los Prados an. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden mehrere Umbauten durchgeführt, wobei vor allem die an das Vestibül angrenzenden Strukturen durch die Verbindung mit den Seitenschiffen verändert wurden.

Im Jahr 2011 wurde die erste Phase eines umfassenden Sanierungsprojekts für die Kirche abgeschlossen. Dabei wurde das ursprüngliche Aussehen des Daches wiederhergestellt. Die zweite Phase der Restaurierung soll sich auf den Innenraum und die Wandmalereien konzentrieren.

De AdelosRM - Trabajo propio, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7498462

Architektur

Die Anordnung des Grundrisses entspricht dem Schema einer Basilika mit drei Schiffen, wobei das mittlere breiter ist, aus vier Abschnitten von Halbkreisbögen besteht und an ihren Enden von rechteckigen Apsidenkapellen gekrönt wird. Es verfügt über kein Querschiff, obwohl zwei angeschlossene Räume, einer auf jeder Seite, möglicherweise einen falschen Eindruck erwecken. Die Schiffe sind durch halbkreisförmige Querbögen getrennt, die die hohen Wände des Mittelschiffs tragen. Diese Bögen ruhen auf Säulen mit quadratischem Querschnitt. Da das Mittelschiff viel höher ist als die Seitenschiffe, konnten oben in den Wänden eine Reihe halbkreisförmiger Öffnungen geschaffen werden, die eine direkte Beleuchtung ermöglichen.

Zusätzlich zu den drei beschriebenen Apsiden verfügt der Kopfteil der Kirche über eine „Schatzkammer“, die sich zwischen der Hauptkapelle und dem Dach befindet. Die Wand der zentralen Apsis verfügt über ein dreiseitiges Fenster zur Beleuchtung und darüber erkennt man ein zweiseitiges Fenster für die Schatzkammer.

Am Westteil der Kirche befindet sich ein niedriger Portikus, der von umliegenden Räumen flankiert wird, die nicht mit den Kirchenschiffen verbunden sind. Darüber wurde eine hohe Galerie errichtet, die über eine an der Wand des Südschiffs befestigte Treppe mit der Veranda verbunden war. Diese Tribüne – im Stil des karolingischen Westwerks – war ein privilegierter und reservierter Ort für den König, um an den Liturgien teilzunehmen. Sie wird von einem zweibogigen Fenster beleuchtet, das drei Säulen, einem mit Schriftrollen verzierten Alfiz und darüber einem Fries mit einem perfekten Relief des Siegeskreuzes mit seinem entsprechenden Alpha und Omega aufweist. Dies sind Merkmale der maurischen Architektur, die wahrscheinlich von den Mozarabern mitgebracht wurden, die bereits in jenen Jahren begannen, aus dem Süden auszuwandern, um die zurückeroberten Gebiete zu besetzen und so soziale, wirtschaftliche und religiöse Unabhängigkeit zu erlangen.

Durch die Südtür gelangt man in das Innere des Tempels.

Die drei Schiffe der Kirche sind mit Tonnengewölben bedeckt, die auf den gestützten Außenwänden und auf den beiden Bögen ruhen, die die Schiffe in Längsrichtung trennen. Sie bestehen aus Halbkreisbögen, die von starken Säulen mit quadratischem Querschnitt getragen werden. Der seitliche Portikus weist ebenfalls ein Tonnengewölbe auf, in diesem Fall jedoch durch Querbögen verstärkt. Die Apsiden sind in einer niedrigeren Höhe gewölbt als das jeweilige Kirchenschiff. Die vollständige Einwölbung wird durch die geringe Breite der Kirchenschiffe erleichtert, insbesondere der Seitenschiffe, die sehr schmal sind.

Interessant ist auch die seitliche Veranda, die etwas später als die Kirche an der Südwand errichtet wurde. Diese Art von Portiken dienten u.a. zu Bestattungszwecken oder Bußfeiern. Jahrhunderte später nahm diese Art von Seitenvorbauten in vielen romanischen Kirchen Gestalt an und erweiterte ihre Funktionalität als Treffpunkt.

De Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Salvador de Valdediós, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17017705

Wandgemälde

Liebhaber mittelalterlicher spanischer Kunst kennen wahrscheinlich die berühmten Wandmalereien in der Oviedo-Kirche San Julián de los Prados. Im vorliegenden Fall sind in der Kirche San Salvador de Valdediós auch einige kleine Beispiele ähnlicher Fresken erhalten

Dabei handelt es sich um Gemälde, die mit der aus der römischen Welt übernommenen Freskentechnik angefertigt wurden. Die am häufigsten verwendeten Farben sind Rot, Schwarz, Ocker.

Die gemalten Motive unterliegen einem Anikonismus (d.h. keine figürlichen Darstellungen), der typisch für jene Zeiten ist, in denen noch über die Zweckmäßigkeit der Darstellung von Heiligen debattiert wurde (als die asturischen Kirchen gemalt wurden, befand sich das Byzantinische Reich mitten im Bildersturm oder war erst kürzlich daraus hervorgegangen).

Aus diesem Grund werden rhythmisch angeordnete geometrische Formen wie Rauten, Kreise oder längliche Sechsecke verwendet. In anderen Fällen werden Bögen nachgeahmt. Es gibt auch Pflanzen und, was sehr wichtig ist, christliche Symbole wie die drei Kreuze – Tritte – von Golgatha und Chrismons, die in konzentrischen Kreisen eingraviert sind, sowie ein Alpha und ein Omega an der Spitze.

Von Ángel M. Felicísimo from Mérida, España - San Salvador de Priesca, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17018315

San Salvador der Priesca

Die Kirche San Salvador liegt wenige Kilometer von der Gemeinde Villaviciosa entfernt im Ort La Quintana. Es ist eines der interessantesten Beispiele der letzten Aufbauphase der asturischen Monarchie. Die Kirche wurde am 24. Oktober 921 unter der Herrschaft von Ordoño II. (914-924) geweiht, zu einer Zeit, als die asturischen Könige bereits nach León gezogen waren.

Die Kirche ist neben Santiago de Gobiendes (Colunga) eines der letzten vorromanischen Bauwerke Asturiens, zumindest derjenigen, deren Datum wir bestimmen können. Obwohl es sich um ein späteres Baujahr handelt, wird es aufgrund der formalen und stilistischen Verwandtschaft mit anderen asturischen vorromanischen Kirchen normalerweise dem Typus der Kirchen zur Bauperiode unter Alfons III. (866-910) eingeordnet und hat viel Ähnlichkeit mit der Kirche San Julián de los Prados oder San Miguel de Lillo aus derselben Zeit sowie natürlich San Salvador de Valdedios.

 

Von Ramón - originally posted to Flickr as Iglesia de San Salvador (Priesca) - 105, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6912398

Architektur

Der Grundriss entspricht perfekt dem traditionellen Vorbild asturischer Kirchen. 

Darin sind die für das 10. Jahrhundert typischen neuen künstlerischen Strömungen zu sehen, wie die Hufeisenbögen der Kammer, die sich über der Apsis befindet, oder Reste einer Malerei mit geometrischen Formen. All dies ist jedoch in einer traditionellen Struktur vereint, die typisch für die asturische vorromanische Bautradition ist.

Bei der Kirche handelt es sich um ein etwa 17 Meter langes Gebäude mit einem dreischiffigen Basilika-Grundriss, wobei das Mittelschiff höher und breiter ist als die Seitenschiffe. Diese werden durch drei leicht geneigte Halbkreisbögen aus Backstein getrennt, die von vier Pfeilern mit quadratischem Querschnitt getragen werden. Die Säulen und Bögen sind verputzt und haben geformte Kapitelle, wie sie für die asturische Architektur charakteristisch sind.

Die drei Schiffe münden in ebenso viele Kapellen, die rechteckig angeordnet sind und außen eine gerade Kopfwand bilden. Die drei Apsiden sind mit Tonnengewölben bedeckt, und in der Mitte befindet sich ein blinder Torbogen, der entlang der Nord- und Südwand auf einer durchgehenden Steinbank verläuft und der auf der Ostseite in drei große Halbkreisbögen übergeht, ebenfalls blind, aber größer als die seitlichen.

Über der Mittelapsis befindet sich eine kleine Kammer, die nur von außen durch ein Fenster mit zwei kleinen Hufeisenbögen auf einem Pfosten zugänglich ist. Die Forscher sind sich nicht einig über seinen Ursprung oder seine Funktion. Sie könnte etwa als Aufbewahrungsort für Reliquien oder als Getreidelager gedient haben. Zusätzlich gibt es einige Anbauten aus späteren Jahrhunderten u.a. den Turm aus dem 17. oder 18. Jh.

Von Ramón - originally posted to Flickr as Iglesia de San Salvador (Priesca) - 105, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6912398

Skulpturen und Wandmalerei

Die Kapitelle der Säulen weisen sehr schöne skulpturale Pflanzenformen auf. Darin sieht man eine Verzierung mit speerförmigen Blättern mit fischgrätenförmigen Adern.

In der Apsis ist von allen Gitterwerken, die die Fenster der Kirche bedeckten, das einzige Original erhalten. Seine Form besteht aus drei Halbkreisbögen im unteren Teil, einem zentralen Rosettenfenster mit acht Lappen und darüber drei weiteren Halbkreisbögen. 

Im Inneren des Gebäudes sind einige Reste von Wandmalereien zu sehen, die stark verfallen sind. Ursprünglich waren in der gesamten Kirche Wandmalereien, die aber zum Teil durch einen Brand zerstört wurden.

Im Mittelschiff, im oberen Teil der Epistelseite, befindet sich ein länglicher Sockel, auf dem die Darstellung eines Palastes mit perspektivisch dargestelltem Innenhof platziert ist. In der Mitte ist ein Baum zu sehen, gekrönt von einer Vase, aus der ein weiteres Pflanzenmotiv hervorgeht. In einem anderen Feld erscheint eine sehr grob dargestellte männliche Figur, die auf einem Thron sitzt und nach links blickt. Im Südschiff sind bis zu sechs Gebäude dargestellt, die einen Palast mit einem von Säulen umgebenen Innenhof bilden. Die übrigen Gemälde stellen geometrische Motive dar.

Von Ramón - originally posted to Flickr as Iglesia de San Salvador (Priesca) - 037, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6912224
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Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Aquädukte – Meisterwerke der römischen Baukunst

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Podiensis, Camino Aragonés

Definition und Geschichte

Noch heute lassen sich vielerorts Bogenbrücken bewundern, die Teil der Wasserversorgung der alten Römer waren. Das Bauen von Aquädukten war hohe Ingenieurskunst – und zwar von der Quelle über Brücken bis hinein in die einzelnen Häuser der Stadt.

Die Römer bauten Wasserleitungen, die sie Aquädukte (lat. aquaeductus “Wasserleitung”) nannten. Das lateinische Wort aquaeductus setzt sich aus aqua “Wasser” und ducere “führen” zusammen. Im Lateinischen ist mit aquaeductus die ganze Wasserleitung bis in die Häuser gemeint, heute sind es allerdings nur die Brücken, die man mit dem Fremdwort Aquädukt bezeichnet.

Die ersten Aquädukte sollen um 1250 v.Chr. von Ramses dem Großen zur Wasserversorgung ägyptischer Städte angelegt worden sein. Aber auch im heutigen Iran, in Assyrien und in Griechenland entstanden antike Wasserleitungen die teilweise über große Strecken geführt wurden. Eine berühmte historische Wasserleitung lies der assyrische König Sanherib im 7. Jhd. v.Chr. im heutigen Irak bauen. Auf einer Länge von 55 km wurde ein ganzer Fluss umgeleitet, um die Stadt Ninive mit Wasser zu versorgen. Dabei war ein Wadi im Weg, das mit der ersten verbürgten Wasserleitungsbrücke gekreuzt wurde, dem ‘Aquädukt von Jerwan’.

Von McPolu - Image taken by the user from a balloon and uploaded to Flickr. The user changed its license to a commons-compatible one under request., CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1088132 Aquädukt von Segovia

Brückenbau in der römischen Zeit

Aber wie bei so vielen anderen technischen Errungenschaften stießen die Römer auch bei der Wasserversorgung in neue Dimensionen vor. Ausgerüstet mit einfachen Vermessungsgeräten wie dem Chorobat und der Groma bauten die Römer kilometerlange Wasserleitungen, deren Präzision noch heute in Erstaunen versetzt. Bei der Groma handelte es sich um eine Vorläuferin des Doppelpentagonprismas. Sie diente zum Ausfluchten auf eine Gerade und zum Abstecken rechter Winkel. Der Chorobat war eine frühe Form des Nivelliergerätes.

Das unverkennbare Merkmal jedes natürlichen oder künstlichen Wasserlaufs ist das Gefälle, das letztendlich die Fließrichtung bestimmt. In technischer Hinsicht handelt es sich bei allen hier besprochenen Kanälen daher um ‘Freispiegelleitungen’. Bei einem feststehenden Höhenunterschied zwischen Quelle und Versorgungsgebiet ist das zur Verfügung stehende Gefälle umso geringer, je länger die Wasserleitung wird. Das Gefälle einer solchen Leitung verlangte größte Präzision bei der Bauausführung, denn von ihm hing letztlich die Qualität und Zuverlässigkeit der Wasserversorgung ab.

Das Gefälle des Gerinnes beeinflusst vor allem die Fließgeschwindigkeit und damit die transportierte Wassermenge. Je größer das Gefälle, umso mehr Wasser fließt in der Rinne, was natürlich ein wünschenswerter Aspekt ist. Andererseits wurde aus ökonomischen Gründen durchaus eine kleinere Fließgeschwindigkeit angestrebt. Große Fließgeschwindigkeiten führen zu hohen Schleppspannungen, vermehrtem Abrieb in der Leitung und beim “Abbremsen” des Wassers am Ziel zu zerstörerischen Erosionen.

Da das Wasser stetig weiterfließen sollte, wurden die Aquädukte so gebaut, dass sie ein Gefälle von mindestens 0,5 Prozent aufwiesen. Dazu brauchte es bereits viel Fachwissen, damit das vom Quellhaus am Anfang des Aquädukts bis zum Ende es Wasserlaufs, dem sogenannten Wasserschloss (Castellum) funktionierte.

Von Benh LIEU SONG (Flickr) - Pont du Gard, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33474941 Pont du Gard bei Nimes

Um das gleichmäßige Gefälle der Leitung zu gewährleisten, führten Aquädukte über Täler, Schluchten und Abgründe. Oft verliefen sie am Boden oder unterirdisch, doch mitunter brauchte es imposante Bogenbrücken. Alles in allem war viel Fachwissen von Ingenieuren, Architekten oder Topographen notwendig, um solche Bauwerke wie ein Aquädukt zu realisieren. Und natürlich entsprechend viele Arbeitskräfte, die sich häufig aus der Armee rekrutierten.

Große Ingenieurskunst war auch der Bau von Bogenbrücken, mit deren Hilfe die Täler und Schluchten überwunden werden konnten. Um die Bögen errichten zu können, sind zunächst drei benachbarte Pfeiler zu errichten. Dafür braucht es immer drei Gerüste nebeneinander. Es ist davon auszugehen, dass die Rundung jedes Bogens zunächst auf dem Erdboden vorgezeichnet wurde. Nun wurden die Keilsteine behauen und zunächst am Boden probeweise zusammengefügt. Erst dann hievten sie die Bauarbeiter mit Hilfe eines Krans oder Flaschenzugs an ihre endgültige Position. Bei einigen Aquädukten wurde auch der römische Zement (opus caementitium) verwendet, wenn unterschiedliches Baumaterial verwendet wurde.

Noch heute sind zahlreiche dieser imposanten Bauwerke zu bewundern. So zum Beispiel die Pont du Gard bei Nimes in Südfrankreich, die Aqua Claudia zur Versorgung der Stadt Rom, der Aquädukt in Segovia oder auf der Via de la Plata der Aquädukt von Merida

Von Marlene VD. - Eigenes Werk., CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16683038 Acueducto de los Milagros Merida

Der Aquädukt von Merida

Der Aquädukt wurde etwa um die Zeitenwende, also unter Kaiser Augustus errichtet und ist somit schon über 2000 Jahre alt. Die zugehörige, teilweise auch unterirdisch verlaufende Wasserleitung brachte das Trinkwasser aus einem etwa 5 km entfernten Speichersee in die Stadt. Der Aquädukt von Merida ist im Opus Caementitium errichtet. Das ist auch der Grund, warum die drei übereinanderliegenden Bogenreihen nicht aus ein und demselben Material bestehen. Neben Natursteinen wurden auch gebrannte Ziegel und unbehauene Bruchsteine verwendet, wobei die roten Ziegelsteine das Bauwerk optisch gliedern. Das Bauwerk bestand ursprünglich aus über 100 Pfeilern, die an den Außenseiten durch leicht angeschrägte Strebepfeiler stabilisiert wurden. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Pfeilern beträgt 4,50 m und die größte Höhe der Wasserleitung über dem Gelände betrug ursprünglich 25 m. Insgesamt ist der Aquädukt 825 m lang. Die eigentliche Wasserleitung befand sich oberhalb der höchsten Bögen und hatte ein Gefälle von weniger als einem Prozent, welches durch eine perfekte Vermessungstechnik und die Verwendung von kleinen – auch unregelmäßig geformten – Steinen erreicht wurde, die als Unterlage für den etwa einen Meter breiten und aus größeren Granit- oder Sandsteinen zusammengefügten Wasserkanal dienten, von dem jedoch nichts erhalten ist.

Im 3. Jahrhundert wurden Reparaturen ausgeführt – trotzdem verfiel die Wasserleitung nach dem Abzug der Römer. Im Mittelalter – vielleicht auch schon früher – erhielt der Bau wegen seiner gleichermaßen gewagten wie eleganten Architektur den Namen Acueducto de los Milagros („Aquädukt der Wunder“).

In römischer Zeit verfügte Mérida über drei Aquädukte, von denen einer – die Aqua Augusta – völlig verschwunden ist. Vom zweiten sind nur einige Reste erhalten. Die drei erhaltenen Pfeiler des etwa 15 Meter hohen Acueducto de Rabo de Buey stammen ebenfalls aus römischer Zeit. 

Von I, Doalex, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2480834
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Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke)

Der Zauber alter Brücken (römische und mittelalterliche Bauwerke

Camino del Norte, Camino Primitivo, Camino Aragonés, Via de la Plata, Via Podiensis, Camino Francés

Immer wieder erliegen wir dem Zauber, der die alten Brücken umgibt, die wir auf unserem Weg queren und bewundern können. Es sind wunderschöne Bauwerke und gleichzeitig Meisterwerke der Baukunst. Ohne Zweifel haben sie einen großen architektonischen Wert (sie sind wahre Wunder der Ingenieurskunst), einen künstlerischen Wert (ihre anmutige Gestalt ist am schönsten, wenn wir sie in einer wunderschönen Landschaft finden) und einen historischen Wert (die Brücken waren für die kommerzielle und kulturelle Kommunikation von wesentlicher Bedeutung). Hier soll eine kleine Auswahl dargestellt werden, die wir z.T. auf unseren Wegen antreffen können. Man sollte an diesen Brücken ruhig kurz innehalten und ihre Schönheit und Einfachheit bewundern und genießen.

Brücken waren für Pilger schon immer von besonderer Bedeutung, da sie eine physische Verbindung des Jakobswegs zu anderen Orten darstellen. Dabei handelt es sich um Konstruktionen aus Stein, Ziegel, Holz, Eisen, Beton oder anderem Material, die über Flüsse, Wassergräben und andere Stellen gelegt werden, um eine problemlose Überquerung zu ermöglichen.

Im Folgenden möchte ich sowohl auf einige berühmte Brücken genauer eingehen als auch den Charme kleiner alter Brücken mit Fotos dokumentieren.

Von Piutus - panorámica puente romano de Alcántara, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6216065 Die römische Brücke von Alcántara über den Tajo in der Provinz Cáceres, Extremadura (Spanien)

Geschichte

Römische Bogenbrücken aus Stein

Die ersten Steinbrücken wurden von den Etruskern und Griechen gebaut, doch erst die Römer brachten die Technik des Steinbrückenbaus zu einer ungekannten Blüte und Perfektion.

Die römischen Brücken gehören zu den beeindruckendsten Zeugnissen der antiken Zivilisation; sie üben gerade durch die bestechende Verbindung von Funktionalität, Stabilität und Schönheit eine faszinierende Wirkung auf den Betrachter aus. Dabei muss der Bau der römischen Brücken natürlich immer im Zusammenhang mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur und Raumplanung der Römer gerade in den eroberten Gebieten gesehen werden.

Durch eine bahnbrechende neue technische Entdeckung entwickelten die Römer den Brückenbau weiter. Mit wasserfestem Mörtel konnten sie einen unter Wasser abbindenden Beton herstellen. Mit diesem „opus caementitium“ waren sie in der Lage, Widerlager oder Pfeiler im offenen Wasser zu gründen. In diesem Zusammenhang ist auch der römische Kastendamm zu nennen. Diese runden oder eckigen Kästen wurden wasserdicht gemacht und dort platziert, wo Pfeiler für den Brückenbau notwendig waren. Nach dem Abschöpfen des Wassers hatten sie eine trockene Baugrube.

Auf den Pfeilern errichteten die Römer häufig Steinbogenbrücken, darin waren sie echte Meister. Sie haben uns nicht nur 300 bis heute genutzten Straßenbrücken, sondern auch gewaltige Aquädukte hinterlassen. Die statische Besonderheit einer echten Bogenbrücke ist es, dass alle Kräfte, die über das Bauwerk abgetragen werden, als Druckkräfte auftreten. Um solch einen Bogen oder Gewölbe zu mauern, braucht es ein Lehrgerüst. Die Tragwirkung eines Steinbogens kann sich nämlich erst entfalten, wenn der letzte Stein gesetzt wurde. Die einzelnen Keilsteine halten sich dann untereinander und es braucht keinen Mörtel, damit der Bogen stehenbleibt. Sehr gut erhaltene römische Steinbogenbrücken finden wir heute z.B. noch in Alcantara, Salamanca, Cordoba und natürlich auch in Rom. 

Von Ardo Beltz - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=749476 Puente romano Merida

Römische Brücken an unserem Weg

Puente Romano, Merida / Spanien

Im Jahre 25 v.Chr. ließ Kaiser Augustus in der heutigen Region Extremadura die Stadt Emerita Augusta gründen. Die zunächst als Alterssitz für verdiente Legionäre gedachte Siedlung entwickelte sich schon bald zu einer der wichtigsten Römerstädte auf der iberischen Halbinsel. Heute hat Merida ca. 55.000 Einwohner und kann mit einer Reihe von gut erhaltenen römischen Bauwerken aufwarten.

Eines davon ist der Puente Romano, die “römische Brücke” über den Rio Guadiana. Dieses Bauwerk aus dem 1. Jahrhundert gilt heute als die längste erhaltene Brücke der Antike.Ihr Bau wurde durch eine Insel in der Strommitte erleichtert. Die Brücke ist heute 792 m lang und besteht aus insgesamt 60 Rundbögen, von denen noch 56 existieren. Sie haben eine Spannweite von 6,60 bis 10 m. Ihre Breite beträgt 8 m. Die Brücke hat einen Kern aus opus caementitium und ist mit Granit aus der Umgebung umkleidet. Die Brücke ist erst seit wenigen Jahren für den Straßenverkehr gesperrt und darf heute nur noch von Radfahrern und Fußgängern benutzt werden.

Brücke von Salamanca By Daniel Villafruela - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17725290

Die Brücke von Salamanca

Wandert man auf der Via de la Plata, so überquert man diese Brücke nach Salamanca.

Einige Historiker datieren den Bau der Brücke auf das 1. Jahrhundert n. Chr., zur Zeit des Kaisers Trajan. Die Brücke von Salimantica (heutiges Salamanca) führt über den Tormes und besitzt ebenfalls eine beachtliche Länge; sie hat 15 Bögen mit einer Spannweite von 9,5 – 9,7 m und ist insgesamt 178 m lang. Die Brücke gehörte zu der wichtigsten Straße zwischen der Augusta Emerita (Merida) und Asturica Augusta (Astorga), dem Zentrum des Bergbaugebietes in Nordwestspanien.

Ponte de Lima Von Mário José Martins - Flickr: Ponte de Lima 47, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18807951

Ponte de Lima

 Die Ponte Medieval ist eine alte Steinbrücke über den Lima und liegt am Camino Portugues.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine Gruppe, die aus zwei Brücken besteht: einem größeren mittelalterlichen Abschnitt mit 15 Bögen, der am linken Ufer beginnt und sich bis zur Kirche Santo António da Torre Velha erstreckt und diese ebenfalls in zwei Bögen durchquert und einem römischen Abschnitt mit fünf Bögen. Die Brücke ist 280 m lang und gilt als eine der schönsten mittelalterlichen Brücken Portugals.

Die römische Brücke stammt wahrscheinlich aus dem 1. Jahrhundert, da zu dieser Zeit die Trasse einer der Militärstraßen des ehemaligen „Conventus Bracaraugustanus“, die Braga mit Astorga verband, in diesem Fall der Via XIX, von Kaiser Augustus eröffnet wurde.

Der Bau des mittelalterliche Brückenteil mit gotischen Merkmalen wurde notwendig, da die Brücke aufgrund einer Änderung des Flusslaufs vergrößert werden musst. Der Brücke wurde ein integrierter Bestandteil der im Mittelalter errichteten Befestigungsanlage und 1370 fertiggestellt.

Im Mittelalter war die Brücke die einzige Möglichkeit, um den Lima auf der Pilgerroute von Braga nach Santiago de Compostela zu überqueren.

Zu den Römern gibt es eine nette Legende. Als die Römer im 2. Jh. v. Chr. bei ihren Vorstoß weiter in den Norden an den Rio Lima kamen, weigerten sich die Soldaten kategorisch, den Fluss zu überqueren. Sie hielten ihn für den Lethe, den Strom des Vergessens in der Unterwelt und sie waren überzeugt, wer ihn überquere, verliere jede Erinnerung. Die Legende erzählt, dass ihr Anführer Konsul Decimus, Junius Brutus, alleine vorangegangen sei und dass er dann vom anderen Ufer aus jeden seiner Soldaten beim Namen gerufen habe. Auf diese Weise von seinem tadellosen Gedächtnis überzeugt, folgen ihn seine Männer. Die lebensgroßen Römerfiguren beidseits der Lima erinnern an diese Begebenheit.

Einige Bilder, die die vielen  römischen Brücken mit ihrem eigenen Charme repräsentieren!

www-puentemania-com Bei Caparra Fotografie von Pedro Plasencia.
bei Moreruela
bei Jaca
Von Antramir - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14410128 Zamora

Geschichte

Mittelalterliche Brücken

Mit dem Zerfall des römischen Reiches entfiel zunächst der Bedarf an Verkehrswegen. Zahlreiche antike Brücken, die durch Hochwasser, Eis und laufende Belastung beschädigt wurden, verfielen, mit wenigen Ausnahmen in den maurischen Gebieten wie der Römerbrücke in Córdoba, die mit 16 Bögen den Gualdaquivir überspannt, und die Puente Romano über den Guadiana in Mérida. Man begnügte sich im frühen Mittelalter in der Regel mit Holzbrücken, die aber häufig durch Hochwasser zerstört wurden. Zu den wenigen neu gebauten Steinbrücken im frühen Mittelalter zählt die im 11. Jahrhundert über den Arga am Jakobsweg gebaute Puenta la Reina.

Nach dem Zerfall des weströmischen Reiches endete somit zunächst eine jahrhundertealte Tradition der Ingenieurskunst im Brückenbau

 Steinbogenbrücken wurden im größeren Maße erst wieder ab dem 12. Jh. errichtet. Große Pilgerströme, deren Menschenmassen den Brückenbau erforderlich machten, zogen durch Europa, teils auf dem Weg ins Heilige Land, teils auf dem Weg nach Santiago de Compostela und zu anderen Orten, an denen Reliquien aus dem Heiligen Land verehrt wurden.

Es gibt einige Gemeinsamkeiten der mittelalterlichen Brücken. Die meisten haben eine ungerade Anzahl von Bögen, sodass die seitlichen Bögen am kleinsten sind und im Durchmesser wachsen, bis der mittlere der größte ist und mit dem Punkt der größten Strömung des Flusses, den sie überqueren, zusammenfällt. Durch diese zur Mitte hin wachsende Bogenanordnung entsteht teilweise ein zweiseitiges Profil mit dem charakteristischen „Eselsrücken“. Häufig waren die Brücken mit einer Kapelle und mit einem oder zwei Brückentürmen zur Kontrolle der Passanten und zur Verteidigung versehen.

Ein wichtiger Aspekt in Betrachtung der großen Konstruktionen ist die Finanzierung dieser Projekte. Typisch für das Mittelalter war der Brückenbau einerseits weltlich-kommerziell und andererseits kirchlich geprägt. Durch sogenannte „Brückengelder“ oder auch Brückenzölle, die durch verschiedene Sammlungen, Spenden reicher Bürger und kirchlichen Ablässen erwirtschaftet wurden, konnten die Brücken realisiert werden.

Puente Orbigo Von Jule_Berlin from Berlin, Germany - Hospital de Orbigo, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4748757

Puente Orbigo, Hospital de Orbigo / Spanien

Diese mittelalterliche Steinbogenbrücke über den Rio Orbigo im Ort Hospital de Orbigo auf dem Camino Frances stammt bereits aus dem 13. Jhd. Sie spielt seit vielen Jahrhunderten eine zentrale Rolle für die Jakobspilger aus Frankreich und Nordeuropa auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Den Ort Hospital de Orbigo hatten einst die Ritter vom Malteserorden gegründet, um die Pilger zu unterstützen.

Der Orbigo hat hier eine beachtliche Breite, sodass 19 Bögen und eine Gesamtlänge von 204 m erforderlich waren, um das Flussbett zu überwinden. Im Frühjahr kann der Orbigo ein reisender Fluss werden, über den im Mittelalter weit und breit nur diese eine Brücke führte. Alle Pilger auf dem Camino frances waren gezwungen, diesen Weg zu nehmen. Für viele war sie auch eine Art Etappenziel, sodass sich rund um die Brücke viele Herbergen und Schenken ansiedelten.

Die meisten Bögen haben eine spitze Form aber es sind auch halbkreisförmige Rundbögen vorhanden. Die einzelnen Spannweiten sind sehr unterschiedlich und variieren zwischen 3,60 bis 15 m. Die Brücke ist in einem sehr guten, restaurierten Zustand und wird auch heute noch täglich von Pilgern benutzt.

Von aherrero - originally posted to Flickr as Puente la Reina, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10372650

Die Puenta la Reina

 Die Puente la Reina (Brücke der Königin) ist eine heute als Fußgängerbrücke dienende Bogenbrücke über den Fluss Arga in dem Ort Puenta la Reina in der autonomen Gemeinschaft Navarra. Hier treffen der Camino Frances und der Camino Aragonese zusammen. Im Ort wird die Brücke Puente Románico (romanische Brücke) genannt.

Sie wurde in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts von einer Königin gestiftet, um den Pilgern auf dem Jakobsweg eine sichere Überquerung des Flusses zu ermöglichen. Es ist nicht sicher, welche Königin gemeint ist, möglicherweise Muniadona, die Frau des Königs von Navarra, Sancho III., oder ihre Schwiegertochter Estefanía, die Frau von Garcia III.

Die Puenta la Reina ist eine der ersten romanischen Brücken Spaniens. Die 110 m lange und 4 m breite Bodenbrücke besteht aus grob rechtwinklig behauenem Naturstein und beginnt in einem großen Torbauwerk am Ende der Calle Mayor (Hauptstraße). Wie die meisten mittelalterlichen Brücken steigt sie zur Flussmitte hin an. Ihre sechs Rundbögen stützen sich auf rund 5 m starke Pfeiler mit keilförmigen Wellenbrechern an beiden Seiten. Über den Pfeilern befinden sich hohe Durchlässe mit kleinen Rundbögen, um den Wasserdruck bei einem Hochwasser zu verringern. Der mittlere, größte Bogen hat eine Stützweite von etwa 22 m. Ein früherer siebter Bogen ist unter der Straße am westlichen Ufer verschwunden.

Das Zusammentreffen des Gewölbes mit der größten Spannweite mit der Mitte des Flussbetts, die geringe Breite seiner Pfeiler im Verhältnis zur Spannweite seiner Bögen und die Blitzbögen verleihen der Brücke ein Erscheinungsbild von Ausgewogenheit, Symmetrie und Leichtigkeit.

 

Pont Valentré

Pont Valentré, Cahors / Frankreich

Im Mittelalter waren mächtige Steinbogenbrücken auch häufig Teile der städtischen Befestigungsanlagen. Ein besonders schönes und gut erhaltenes Beispiel dafür ist der Pont Valentré im südfranzösischen Cahors. Die Stadt am Fluss Lot war im Mittelalter Sitz der Bischöfe und eine wichtige Station auf dem südfranzösischen Jakobsweg.

Mit den Bauarbeiten an der Brücke wurde 1308 begonnen. Etwa 1350 war sie so weit fertig gestellt, dass sie für die Benutzung freigegeben werden konnte. Es dauerte aber noch bis ca. 1380, bis die drei 40 m hohen Wehrtürme fertig gestellt waren.

Die Brücke besteht aus 6 Spitzbögen mit Spannweiten von knapp 17 m. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 138 m und ihre Breite ca. 5 m. Im 19. Jhd. wurde sie von Grund auf saniert und wieder Instand gesetzt. Seit 1998 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes “Jakobsweg in Frankreich”. (s. Kapitel „Ponte Valentré, eine der schönsten mittelalterlichen Brücken“ Via Podiensis)

Einige Bilder von typischen mittelalterlichen Brücken

San Vicente de la Barquera
Estaing
Besalú-Brücke Fotografie von Jose Carlos Gómez. www-puentemania-com
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Mazarbische vorromanische Architektur

Mazarbische (vorromanische) Architektur

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Neben der westgotischen und der asturischen zählt auch die mazarabische Architektur zu den Präromanischen Architekturstilen. Besonders interessant und bedeutsam ist dabei, dass die mozarabische Architektur ein positives Beispiel für die fruchtbare Symbiose von islamischer und christlicher Kultur ist und und uns dadurch wunderbare Bauwerke schenkte.

Geschichtlicher Hintergrund

Nach der maurischen Eroberung der iberischen Halbinsel im Jahr 711 und dem Zusammenbruch des Westgotenreiches wurde das Zusammenleben der Christen, die anfangs die Mehrzahl der Bewohner darstellten, mit den islamischen Herrschern durch Verträge geregelt. Diese sicherten den Christen die persönliche Freiheit und den Erhalt ihrer materiellen Güter zu. Sie konnten ihre Gotteshäuser bewahren und ihre Religion ausüben, wenn sie nicht den Islam beleidigten oder versuchten, Muslime zum Christentum zu bekehren. Wie die Juden unterlagen sie einer eigenen Rechtsprechung und waren von den wichtigsten öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Ihnen waren höhere Steuern auferlegt als den Muslimen. Vor allem im Umfeld der Bischofsstädte Toledo, Córdoba, Sevilla und Merida blieb der Anteil der christlichen Bevölkerung hoch. Noch im 11. Jahrhundert gab es Dörfer mit fast ausschließlich christlichen Einwohnern.

Allerdings erhöhte sich ab Mitte des 9. Jh. der Druck auf die Christen kontinuierlich. Gleichzeitig erweiterten die christlichen Königreiche ihr Gebiet weiter nach Süden.

Das christliche Spanien bestand im 10./11. Jahrhundert aus dem Königreich Leon (910–1027), in dem unter Ramiro II. (931–951) das asturische Königreich aufgegangen war, dem Königreich Navarra (905–1035), der Grafschaft Kastilien (930–1022) und der Grafschaft Barcelona (898–1018).

Unter dem asturischen König Alfons III. (866–910), der seine Hauptstadt von Oviedo nach Léon verlegt hatte, wurden Gebiete entlang des Río Duero wiederbesiedelt. In diesem Niemandsland, das als Pufferzone zu den islamischen Gebieten dienen sollte, war zuvor die Bevölkerung vertrieben worden. Bereits 893 wurden in den Städten Simancas, Toro und Zamora Christen aus Toledo wieder angesiedelt. Anfang des 10. Jahrhunderts wurden Christen aus Córdoba in der Gegend um León ansässig.  Viele dieser Christen waren aus al Andalus geflohen, da sich das friedliche und tolerante Zusammenleben, deutlich verschlechterte. Infolgedessen begann ein Exodus christlicher Menschen aus al- Andalus nach Nordspanien. Darunter waren auch viele Mönche, die sich in den aufgegebenen westgotischen Klöstern niederließen oder neue Klöster bauten, in denen sie auch maurische Stilelemente einbrachten.

(s. Kapitel Arabisierung Spaniens und Reconquista),

gelb: Königreich León, orange: Königreich Navarra (Pamplona) mit der Grafschaft Kastilien, rosa: Grafschaft Barcelona, grün: al-Andalus; um 1030 Von Crates - File:Leon 1030.png that comes from this liberated to the public domain by the University of Texas at Austin., CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5736381

Der Begriff mozarabische Kunst

Die Bezeichnung Mozaraber wurde erst ab dem frühen 12. Jahrhundert verwendet. Er bezieht sich auf die christlichen Bewohner von al-Andalus, die sich die Kultur der Mauren angeeignet hatten, jedoch ihren christlichen Glauben bewahrten.

Der Begriff „ mozarabische Kunst “ ist relativ neu. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Historiker Manuel Gómez Moreno in der Überzeugung geprägt, dass die Kunst des 10. und frühen 11. Jahrhunderts in Kastilien und León, in Katalonien und in Aragon im Wesentlichen von den angesiedelten Mazarbern geprägt ist. Allerdings stören sich einige Forscher an dem Begriff aber anderen Begriffe wie z.B. Wiederbesiedlungskunst (Arte de Repoblación) haben sich nicht durchgesetzt. Der Begriff umfasst die Zeit zwischen dem Ende des 9. bis zum Anfang des 11. Jh., bezieht sich also auf den Zeitraum zwischen dem Ende der asturischen Architektur und dem Beginn der Romanik. Es entstand eine Architektur, die westgotische mit maurischen Elementen verband.

Von MiguelAlanCS, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=64872043 San Miguel de Escalada
Von David Perez - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28297390

Typische Stilelemente

Diese von außen schlichten Kirchen haben meist einen sehr schönen Innenraum mit orientalischen Elementen, mit Hufeisenbögen, Säulen mit korinthischen Kapitellen der Cordoba-Tradition und in einigen Fällen skulpturalen Schnitzereien von großem fantasievollem Schematismus.

 Es gibt ein paar typische Stilelemente, die diesen Stil ausmachen. Allerdings darf man nicht davon ausgehen, in jeder Kirche alle diese Elemente zu finden sind.

  • Sehr vielfältige Grundrisse, aber mit einer Tendenz zu einer stark unterteilten räumlichen Anordnung, wie in der hispano-westgotischen Architektur.
  • Kirchenschiffe meist mit flachen Holzdecken, kleinere Raumteile sind mit Kreuzgratgewölben oder Rippengewölben gedeckt. Die Apsiden besitzen Tonnengewölbe aus Stein oder Kuppeln. Teilweise Schirmkuppeln als Neuerung gegenüber den anderen Stilen.
  • Hufeisenbogen im islamischen Stil, sehr geschlossen, mit einer Überhöhung von zwei Dritteln des Radius. Der Hufeisenbogen wurde bereits in der westgotischen Architektur verwendet. Im Unterschied ist, dass der mozarabische Bogen enger geschlossen ist und er besitzt meist einen Schlussstein.
  • Alfiz (architektonisches Schmuckelement in Form eines rechteckigen oder quadratischen Rahmens um eine gewölbte Fenster-, Tür- oder Arkadenöffnung) rahmt die Bögen ein.
  • Verbundpfeiler (Viertel-, Halb- oder Dreiviertelsäule, die einem tragenden Element vorgebaut ist und sich in die Rippen des Gewölbes hinein fortsetzt) und Säulen.
  • Korinthisches Kapitell mit Seilkragen.
  • Skulpturen mit geometrischen Motiven (Kreuze, Schriftrollen, Blatt und Rankenornamente usw.)
Iglesia Santa Maria de Lebena Von Image detailsCasio EX ZR1000Orikrin1998CC-BY-3.0 - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30866574a
Hufeisenbögen auf Pfeilern und Säulen, korinthische Kapitelle und Kämpfer CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=176134

Einige Mozarabische Kirchen entlang der Jakobswege

 

San Juan de la Pena                (Camino Aragonés)

Santa Maria de Lebana          (Camino Lebaniego von San Vicente de la Barquera 

                                                      zum Kloster San Toribio)

Santa Maria in Tabara            (Via de la Plata)

San Millan de Suso                 (Camino Frances)

San Miguel de Escalada          (12 km vom Camino Frances entfernt)

Santa Maria de Wamba         (Camino de Madrid)

Santiago de Penalba               (Camino Frances bei Ponferrada))

San Tomás de la Olla              (Camino Frances bei Valladolid))

San Xes de Francelos              (Camino Portugues)

Von Julio Prieto - Original, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=761913 San Baudelio Pfeiler
San Xes de Francelos Fenster mit Transenna Von Jose Antonio Gil Martínez. FREECAT aus Vigo - Flickr, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3207336
Von Zarateman - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4097941 Santiago de Peñalba, mozarabischer Hufeisenbogen mit Alfiz

Eine Sonderform der mozarabischen Architektur – die Serrablo – Kirchen in der Provinz Huesca

Die Serrablo-Kirchen sind eine Gruppe von Kirchen mit sehr homogenen Merkmalen, die zwischen der Mitte des 10. und dem 11. Jahrhundert in einem sehr begrenzten geografischen Raum im Norden der Provinz Huesca erbaut wurden. Sie waren lange Zeit kaum bekannt, bis die Freunde der Serrablo-Vereinigung begannen die Kirchen und Ruinen zu restaurieren. Nicht alle Wissenschaftler rechnen sie dem mozarabischen Stil zu, sondern eher der Frühromanik oder von einem eigenen vorromanischen aragonesischen Stil zu.

Auf jeden Fall ist die Anwesenheit der mozarabischen Bevölkerung in der Gegend von Serrablo belegt, als nach dem Fall des Westgotenreichs muslimische Herrscher die Kontrolle über den damals als ländlicher Yilliq (Gállego) bekannten Bezirk übernahmen. Mit der Rückeroberung des Gebietes und der Wiederbesiedlung Mitte des 10. Jh. siedelten sich hauptsächlich Mozaraber dort an. 

Typische Merkmale

Die Serrablo-Kirchen zeichnen sich durch ihre große Homogenität in Bezug auf Konstruktion  und Dekoration aus. Die meisten Kirchen besitzen ein einziges Kirchenschiff mit einem Giebeldach aus Holz, und einer dazu entsprechenden halbkreisförmigen Apsis.  Die Wände bestehen praktisch ausnahmslos aus rechteckigen Quadersteinen.

Eines der Elemente, die diese Serrablo-Kirchen, sofern sie intakt erhalten sind, unverwechselbar machen, sind ihre Glockentürme. Sie weisen wegen ihrer Schlankheit im Verhältnis zum Rest des Gebäudes und durch ihre Höhe eine latente Ähnlichkeit zu einigen islamischen Minaretten auf. Diese Türme, die sich entweder auf der Nord- oder Südseite der Kirche befinden, weisen in der Regel Öffnungen mit einer leichten Hufeisenform auf. Das letzte Geschoss ist allen vier Seiten von Drillingsfenstern durchbrochen, die von einem Alfiz eingerahmt werden. Vermutlich wurde ein Teil der Türme gleichzeitig als Wachtürme genutzt.

Die Zugangstüren, die sich normalerweise an der Südseite der Gebäude befinden, haben im Allgemeinen hufeisenförmige Öffnungen, die von kleinen rechteckigen Kassetten eingerahmt sind. Die Fenster weisen hufeisenförmige Öffnungen – einfach oder zweiseitig – eingerahmt mit den bereits erwähnten rechteckigen Kassetten.

Die Kirchen der Ruta Serrablo sind:

San Pedro de Lárrede                         San Pedro de Lasieso                        

San Juan de Busa                                 San Miguel de Latre

Santa Eulalia de Susín                        San Martín de Ordovés

San Martín de Oliván                         San Miguel de Orna

San Martín de Arto                             Santa Eulalia de Orós Bajo
San Bartolomé de Gavín                   San Juan de Orús
Santa María de Isún de Basa            San Andrés de Satué
Iglesia de Javierrelatre

Von Willtron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=336574 Kirche San Pedro in Lárrede

Mozarabische Bauwerke in Spanien nach Wikipedia „Mozarabische Architektur“ plus eigenen Ergänzungen:

Die genaue Zuordnung zu den präromanischen Architekturstilen ist nicht immer einheitlich.

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Die Treidlerinnen von Bilbao

Die Treidlerinnen von Bilbao

Camino del Norte, Camino Primitivo

Der Begriff „Treideln“

Kennt Ihr das Wort treideln? Treideln (von lat. tragulare), auch Schiffziehen, Halferei, schweizerisch Recken, ist das Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Menschen oder Zugtiere, seltener auch durch Zugmaschinen oder Treidelloks.

Den Begriff kennt man nicht mehr überall, am ehesten in Regionen, die eine Fluss- oder Meereskultur aufweisen. An manchen Uferwegen großer Flüsse finden sich bis heute Bezeichnungen wie “alter Treidelpfad” oder “Leinpfad”. Sie erinnern an die archaische Arbeit der TreidlerInnen, mit der wir heute allerdings nur noch wenig verbinden können. Dabei hat es bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt an fast allen großen Flüssen Europas Treidler oder Schiffszieher gegeben – je nach Flusslauf, Flussabschnitt, wirtschaftlicher Nutzung und Saison in unterschiedlicher Anzahl. Die TreidlerInnen (in der Mehrheit Männer, in Bilbao ausschließlich Frauen) galten als Randgestalten der Gesellschaft.

In den Habsburgischen Erblanden wurde von 1783 bis 1790 Schiffziehen sogar als Strafe verhängt, nachdem Joseph II. die Todesstrafe so gut wie abgeschafft hatte. Von den 1173 Sträflingen, die zwischen 1784 und 1789 zum Treideln verurteilt worden waren, starben 721 bis zum Jahr 1790, was ein guter Hinweise auf die Härte der Arbeit ist.

Diese Frauen von Bilbao (baskisch “Zirgariak“, spanisch “Sirgueras“) zogen die Schiffe vom Ufer aus mit Hilfe eines dicken Schlepptaus von der Flussmündung in Getxo in den 14 Kilometer entfernten Hafen

Titelbild: Makeip – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=105658641

Ochsen durch Frauen ersetzt

Der Hafen von Bilbao war im 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Handelsenklaven im Norden der iberischen Halbinsel, viele Waren wurden über ihn abgewickelt. Vor allem der Abbau von hochwertigem Eisenerz und dessen Verschiffung verlieh der Hauptstadt von Bizkaia Macht und Reichtum. Die Handelsschiffe jedoch stießen auf Höhe des heutigen Stadtteils Bilbao-Olabeaga auf eine unüberwindbare Barriere. Dort sammelte sich der Sand und die großen Überseeschiffe konnten sich nicht weiter Richtung Altstadt-Hafen bewegen.

Das bedeutete, dass die Waren auf Lastkähne umgeladen werden mussten, die wiederum mit Hilfe des Schleppseils vom Ufer aus in den Hafen gezogen wurden. Diese Arbeit wurde anfangs aufgrund der Schwere der Tätigkeit von Lasttieren, vornehmlich von Ochsen ausgeführt. Dabei ergab sich ein finanzielles Problem. Lasttiere wurden zu teuer, sie brauchten Nahrung, mussten untergebracht und gepflegt werden. Und wenn viele Schiffe gleichzeitig ankamen, mussten mehrere Ochsenpaare zur Verfügung stehen. Auch Männer hätten für diese schwere körperliche Arbeit in Frage kommen können, allerdings war ihre Verfügbarkeit durch die vielen Kriege im Laufe des 19. Jahrhunderts stark eingeschränkt (Napoleonische Kriege, Karlistenkriege). So kamen die Reeder auf die Idee, Frauen mit der Schlepp-Arbeit zu beauftragen und dabei höhere Profite zu machen. Denn Frauen wurden (wie bis heute und fast überall) geringere Löhne bezahlt.

Treidlerinnen in Bilbao

Der Treidelpfad

 Die Schiffe mussten an der Mündung auf Höhe der Stadt Portugalete zunächst eine breite Sandbank passieren, um flussaufwärts die verschiedenen Anleger anzulaufen und schließlich den Hafen von Bilbao zu erreichen. Diese Sandbank, “la barra de Portugalete“ genannt, war nicht die einzige Schwierigkeit, die es zu überwinden galt. Auf einer Strecke von 14 Kilometern von Portugalete bis zum Hafen vor der Brücke San Antón musste stets auf die Höhe des Wasserspiegels geachtet werden, besonders bei Ebbe, denn der Fluss wies mehrere flache Stellen auf, auch mehrere kleinere Sandbänke, die sich auf unberechenbare Weise bewegten. Teilweise gab es auch Marschland und Erhebungen am Grund, auf denen sich Sand oder Schlamm ansammelten.

Flussabwärts wurden von Bilbao bis zur Mündung alle Boote entlang des gesamten linken Ufers vertäut, um das rechte Ufer freizulassen, an dem die Kähne und Boote am Schlepptau gezogen wurden. Dafür gab es auf der gesamten Länge des rechten Flussufers einen ununterbrochenen Weg, von Areeta / Las Arenas (Getxo) bis Bilbao. Dieser Weg wurde Treidelpfad genannt. Der Schleppdienst war vom Hafeningenieur abhängig und wurde per Auktion vergeben, wobei Kähne und kleine Boote den gleichen Service genossen wie Segelschiffe.

 

Ende der Treidlerei in Bilbao

 Unter diesen naturgegebenen Bedingungen der Flussmündung des Nervión war die Zuhilfenahme des Schleppseils bis Ende des 19.Jahrhunderts unabdingbar. Die zunehmende Bedeutung des Hafens von Bilbao im Zusammenhang mit dem wachsenden Eisenerzabbau und der Industrialisierung der gesamten Region führte dazu, dass sich immer mehr und immer größere Schiffe einfanden. Der Fluss wurde zum entscheidenden Handelsweg und das starke Verkehrsaufkommen drängte nach einer Lösung.

Im Jahr 1877 wurde der für Straßen, Kanäle und Häfen zuständige Bauingenieur Evaristo de Churruca y Brunet (1841-1917), mit dem Bau einer Kaimauer beauftragt, die die Mündung vom Problem der Sandbank befreien sollte. Nach mehrjähriger Bautätigkeit wurden im Jahr 1887 gleich zwei Kaimauern eingeweiht.

Mit diesem Bau wurde das Problem der Schiffbarkeit des Hafens von Bilbao weitgehend gelöst, nachdem eine etwa achtzig Meter breite Passage mit einer Mindesttiefe von 4,58 Metern bei Ebbe geschaffen wurde. Damit gehörte das Schleppseil der Vergangenheit an

Canal de Midi Treidelpfade Von Peter Gugerell, Vienna, Austria - Own Photopraph, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2868903

Verächtlich betrachtete Tagelöhnerinnen

Jene Frauen, die diese knüppelharte Arbeit in der Not auf sich nahmen, waren dazu gezwungen, um ihr täglich Brot zu verdienen. Deshalb wurden sie verächtlich auch als “ganapanes” (Brot-Verdienerinnen) bezeichnet. Dieser abwertende Spitzname kam zustande, weil sie nach einem arbeitsreichen Tag gerade mal die allernötigsten Lebensmittel erwerben konnten. Not und Spott fielen wieder einmal zusammen. Die Treidlerinnen waren von der Gunst der Reeder abhängig. Sie mussten sich an Ort und Stelle präsentieren, wurden jedoch nicht immer ausgewählt und beauftragt, weshalb sie bisweilen unverrichteter Dinge heimkehrten mussten und keine Tageseinnahme hatten. Dieses Prinzip spiegelt sich im Begriff “Tagelöhner“ wider. Sie verdingten sich für einen Tag, ohne zu wissen, was am Folgetag geschehen würde.

Die Frauen waren mit einem dicken Schleppseil, das ihnen um Brust und Schulter gelegt war, miteinander verbunden. So bildeten sie eine Kette und zogen in gebeugter Haltung unter größtmöglicher körperlicher Anstrengung die Schiffe vom Ufer aus. Wenn das Seil versagte, kam es vor, dass die Frauen aufgrund ihrer nach vorn gebeugten Haltung mit dem Gesicht voran auf den Boden fielen. Teilweise hatten sie auch ein Messer oder Beil dabei, um bei Gefahr das Seil zu kappen.

Erinnerung an die Treidlerinnen in Bilbao

Dieses Stigma schloss sie aus der offiziellen Geschichtsschreibung Bizkaias aus. Tatsache ist, dass ihre Geschichte praktisch unbekannt war, bis ihnen vor wenigen Jahren Imanol Barbería eine Forschungsarbeit mit anschließender Buchveröffentlichung widmete.

Die Treidlerinnen von Bilbao sind seit dem 1. Mai 2021 mit einer Skulptur an der Uferpromenade in der Nähe des Guggenheim Museums verewigt (s. Bild oben). Die Künstlerin Dora Salazar war mit der Aufgabe betraut worden, eine Skulptur in Erinnerung an die Treidlerinnen zu errichten. Diese besteht aus vier Frauen von 2,5 Metern Höhe, die mit einem dicken Seil miteinander verbunden sind. Sie würdigt den schweren und zermürbenden Arbeitseinsatz dieser Frauen.

Bereits im Dezember 2016 war ein Fußweg im Bilbao-Stadtteil Olabeaga nach ihnen benannt worden: “Muelle Sirgueras“ (Mole der Treidlerinnen).

Die Wolgatreidler, Gemälde von Ilja Repin

Das Schicksal der TreidlerInnen in anderen Ländern

Es hat bis zum Aufkommen der Dampfschifffahrt an fast allen großen Flüssen Europas Treidler gegeben – je nach Flusslauf, Flussabschnitt, wirtschaftlicher Nutzung und Saison in unterschiedlicher Anzahl.

So ist z.B. das Treideln am Rhein seit dem 8. Jahrhundert belegt und auf der Weser wurden seit dem Mittelalter Weserkähne gegen die Strömung getreidelt. Vor allem in Frankreich, wo ab dem 17. Jahrhundert zahlreiche schiffbare Kanäle entstanden, wurden vielfach Schiffe getreidelt. Kanäle wie der 1694 fertiggestellte Canal de Midi, wo mit Menschen und Pferden getreidelt wurde, weisen nach wie vor beidseitig Leinpfade auf.

Tatsächlich waren die Arbeitsbedingungen für Tier und Mensch überaus hart und mühevoll und alles andere als beschaulich. Oft aber ist das Wissen und die Erinnerung an die TreidlerInnen verloren gegangen. Denn die TreidlerInnen galten als Randgestalten, die selbst für die Künstler uninteressant waren. So haben sie kaum die Vorstellungen vom Arbeitslebens an den Flüssen geprägt.

Auch von den Treidlern an der Wolga wissen wir bis heute wenig. Die Schiffszieher an der Wolga, auf Russisch Burlaki, waren im Handel zwischen Moskau und dem Kaspischen Meer eine nicht wegzudenkende Größe. Fernab der großen Städte führten sie ein beschwerliches, manchmal auch freies Leben. Treideln an der Wolga war eine saisonale Tätigkeit, die vor allem von jungen Männern aus dem Bauernstand ausgeübt wurde. Sie versprach zusätzliche Einkünfte in einer Zeit, in der nicht nur der Handel zunahm, sondern sich auch die Leibeigenschaft verschärfte. Der Lohn ging größtenteils an den Gutsbesitzer, ein kleinerer Teil blieb bei der Familie. Sie waren viele und ihre Lieder, die in Russland sehr beliebt waren, erinnern noch an ihre mühevolle Arbeit.

Dass sie berühmt geworden sind, verdanken wir einem Gemälde. Der ukrainisch-russische Maler Ilja Repin (1844-1930) malte 1873 das Bild “Die Wolgatreidler“, das ihn selbst fast über Nacht berühmt machte. 

Die Wolgatreidler, Gemälde von Ilja Repin
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Zwei Kleinode der präromanischen asturischen Architektur – Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo bei Oviedo

Zwei Kleinode der präromanischen asturischen Architektur – Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo bei Oviedo

Camino Primitivo, Camino del Norte

Im Allgemeinen weisen die erhaltenen Tempel der asturischen Architektur große Ähnlichkeiten untereinander auf, mit Ausnahme derjenigen, die zur „ Ramirense-Zeit “ gezählt werden.

Tatsächlich wurde während der kurzen Regierungszeit von Ramiro II. (842-850) eine Reihe von Gebäuden errichtet (mindestens drei sind erhalten geblieben), deren Qualität die davor und danach errichteten Gebäude deutlich übertraf. Diese Gebäude sind:

  • Santa María del Naranco.
  • San Miguel de Lillo.
  • Heilige Christina von Lena.

Die Bedeutung dieser drei Denkmäler ist so groß, dass dieser Gruppe ein spezifischer Name gegeben wurde: „Ramirense-Architektur“.

(s. Kapitel  Asturische  vorromanische Architektur)

Ramirense-Architektur

In den Gebäuden der Ramirense-Architektur ist eine hochwertigere Bauweise zu erkennen als in den Gebäuden vor und nach Ramira. Beispielsweise wurden die Mauern aus besser geschnittenen Quadern und in einigen Fällen auch aus hochwertigen Material errichtet. Von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass die drei Ramirense-Gebäude vollständig von Halbtonnengewölben auf Querbögen bedeckt waren und nicht nur ein Teil, wie es bis dahin üblich war. Schließlich besteht einer der großen Unterschiede zwischen den Ramirez-Kirchen und denen, die nicht zu dieser ausgewählten Gruppe gehören, darin, dass in den Ramirez-Kirchen monumentale Skulpturen in Kapitellen und Wandreliefs vorkommen.

Von Willyman - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39385146 Nordfassade Santa Maria del Naranco

Santa María del Naranco

Ein kurzer Blick auf das Gebäude zeigt, dass seine Morphologie nichts mit denen der damaligen Kirchen zu tun hat und eher einem römischen Tempel als einer christlichen Kirche ähnelt. Tatsächlich geht man davon aus, dass es sich ursprünglich um einen königlichen Palast oder Palatinsaal  (Aula regia) handelte, der von Monarch Ramiro I. in Auftrag gegeben wurde. Er wurde im Jahr 842 fertiggestellt. Im 12. Jahrhundert wurde der Saal dann in die Kirche Santa María umgewidmet.

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=157240

Architektur

 Santa María del Naranco ist ein rechteckiges Gebäude mit zwei Stockwerken, obwohl es aufgrund des optischen Effekts, den der Architekt geschickt durch das Öffnen der oberen Fenster an den Vorderfronten erzeugt hat, den Anschein erweckt, als hätte es drei Stockwerke. Sein unbekannter Architekt entwarf mit großem technischem und ästhetischem Wissen ein schlankes, leichtes und elegantes Gebäude. Das Untergeschoss dient als Stütze für das Obergeschoss mit einem Gewölbe, das niedriger und stärker ist als das des oberen Gegenstücks.

Der Bau war nicht groß, er wies nur einen repräsentativen Saal, ein Bad und ein Raum für Dienstboten auf. Das Obergeschoss hat einen rechteckigen Grundriss, der an den Enden von zwei Aussichtspunkten oder Balkonen gekrönt wird. Die zwei Aussichtspunkte oder Balkone stellen die schönsten Teile der architektonischen Struktur darstellen. Sie sind sehr offen, mit drei Bögen vorne und zwei Seitenbögen. Später wurde dort ein Altar aufgestellt, der nicht dem ursprünglichen Platz entspricht. In den oberen Teilen wurden dreibogige Fenster eingesetzt, die zum Teil für die optische Wirkung der drei Stockwerke verantwortlich sind, aus praktischen Gründen jedoch nur für die Intensivierung der Beleuchtung dieser Balkone verantwortlich sind. Von diesen hoch oben gelegenen Balkonen aus konnte das Volk den König gut sehen. Es ist klar, dass dadurch die Bedeutung und Legitimität der Monarchie herausgestellt werden sollte. Im Obergeschoss sind die Seitenwände durch Blindbögen gegliedert, die auf schrägen Halbkreisbögen basieren, zwei typische Merkmale der Ramirense-Zeit. Das Obergeschoss kann nur über eine Treppe an der Nordseite erreicht werden.

Das Untergeschoss ist mit einem Tonnengewölbe versehen, das wiederholt sich im Obergeschoss. Dass auch im Obergeschoss dank der Querbögen ein Gewölbe errichtet werden konnte, wird von den Chroniken der Zeit zu Recht hervorgehoben. Damit stehen diese Bauten im damaligen christlichen Europa einzigartig und fortschrittlich da. Trotz des aufwendigen Quadermauerwerks muss man sich den Bau geschlämmt, teils verputzt und farbig gefasst vorstellen!

Im Untergeschoss gibt es keine Belvedere, nur einige Öffnungen an den kleineren Enden, die den Zugang zum Innenraum ermöglichen. Parallel zum Eingang zum Obergeschoss mit seiner Treppe und der Einfriedung als Kapelle gibt es im Untergeschoss zwei Einfriedungen, eine als Eingang und eine andere, in der sich ein kleines Ritualbecken befand.

Von Enric - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72658585 Innenraum des Obergeschosses
Von Enric - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72658584 Untergeschoss

Skulpturale Reliefs

Aber nicht nur die architektonische Qualität des oberen Teils des Palatin-Zimmers von Santa María del Naranco ist großartig, sondern der Baumeister hat ihm auch eine gewisse skulpturale Dekoration verliehen. Tatsächlich endet jeder der oben erwähnten Querbögen in Zierleisten oder Pfostenlinien, wie es zwei Jahrhunderte später in der Romanik üblich war. Anschließend werden die Querbögen durch kleine Bänder verlängert, die in rechteckigen Reliefs und Medaillons mit skulpturalem Dekor enden.

Dabei handelt es sich um sehr flache Reliefs mit großer Schematisierung und Geometrisierung, während ihre Ikonographie und ihr Stil mit der angelsächsischen und keltischen Welt, aber auch mit der östlichen Welt (persische und byzantinische Kunst) in Zusammenhang stehen. Konkret wurden in den Zwickeln der Bögen Scheiben aus Doppelseilen, ein Gewirr aus Stängeln und Tierfiguren angebracht. Darüber wurden vertikal ausgerichtete rechteckige Friese angeordnet, deren Reliefs Bögen zeigen, die Krieger zu Pferd in akklamierender Haltung schützen.

Von Ecelan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5241008
Von Ecelan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5240948

Funktionen von Santa María del Naranco als Palatin-Saal


Höchstwahrscheinlich wurde der Palatin-Saal als königliche Residenz (Sommerpalast) genutzt und als Raum für Audienzen und Treffen des Königs mit den hohen Würdenträgern des Königreichs. Bei diesen Palatinsitzungen waren die Belvederes mit Holztüren verschlossen und so vom Audienzzimmer getrennt. Dadurch blieb ein kleiner Palatinraum übrig, der jedoch von der Außenwelt isoliert war.

Eine weitere Funktion von Santa María del Naranco war die Durchführung von Ritualen zur Kriegererhöhung in militärischen Feldzügen. Aus dem Text „Ordo Visigothorum“ wissen wir, dass im Frühling, als der König mit seinen Heeren in den Krieg zog, im Palatinsaal eine Hofzeremonie mit religiösem Charakter abgehalten wurde.

Bei dieser Zeremonie betraten der König und der Bischof die untere Etage des Gebäudes, wo der Prälat den König in das rituelle Becken mit gesegnetem Wasser tauchte, damit er das liturgische Bad empfangen konnte. Anschließend wurde er getrocknet und ihm wurde eine weiße Tunika übergezogen. Später betraten der Bischof, der König und ihre Ministranten das Obergeschoss.

Hier angekommen wurde der König gesalbt, ihm wurde ein Umhang angelegt und ihm wurde das Labarum, die Hauptheeresfahne verliehen, die er im Kampf zur Schau stellen musste und die das Symbol für den Vorsitz über die Armeen war. Anschließend segnete der Bischof die edlen Ritter vom Obergeschoss aus. Alle diese Zeremonien wurden vor den Augen der Armee durchgeführt. Schließlich ging der König von einem Aussichtspunkt zum anderen, um den Beifall des Volkes entgegenzunehmen.

Bewertung

Was die Chronisten viele Jahrhunderte lang an Santa Maria de Naranco bewunderten, waren die Proportionen und schlanken Formen, die reiche und vielfältige Verzierung und die Einführung von länglichen Tonnengewölben dank der Querbögen, die eine Stützung ermöglichten und Holzdecken überflüssig machten. Santa María del Naranco ist ein prächtiges, in seiner Zeit und seinem Stil einzigartiges Gebäude, das vielen Elementen der romanischen Architektur mehrere Jahrhunderte voraus war.

Man kann es aber auch viel poetischer ausdrücken:

Nooteboom schreibt dazu, das Bauwerk ist aus Stein aber doch Licht und Luft durchflutet und diese Atmosphäre mache ihn meditativ aber auch ausgelassen, froh und erfreut über Dinge, die erhalten blieben.

Welch schöne Beschreibung eines Bauwerkes abseits der eher fachlichen Darstellung, aber gut nachvollziehbar, allein wenn man die Fotos betrachtet!

San Miguel de Lillo

San Miguel de Lillo, nur wenige Gehminuten von Santa Maria del Naranco entfernt, wurde ebenfalls von Ramiro I. erbaut. Es ist eines der bemerkenswertesten Gebäude der asturischen vorromanischen Architektur in ihrer als Ramirense bekannten Phase (Mitte des 9. Jahrhunderts). Es handelte sich um die Kirche des Palatin-Komplexes, den Ramiro I. auf dem Berg Naranco errichten ließ. War das heutige Gebäude von Santa María del Naranco der Palast selbst (später als Kirche geweiht), war San Miguel de Lillo die Palatinkapelle.

Von Alonso de Mendoza - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75465575

Architektur

Was wir heute sehen, ist ein kleiner Teil des ursprünglichen Gebäudes, da ein Großteil davon Jahrhunderte später einstürzte. Allerdings kennen wir seine ursprüngliche Form.

Ursprünglich handelte es sich um ein außergewöhnlich langgestrecktes und hohes, vollständig gewölbtes Gebäude mit drei Schiffen, das in einer dreifachen Apsis mit einer durchgehenden geraden Wand an der Spitze endete. Zwei Kapellen ragten aus dem Umfangsrechteck der Kirche hervor, als ob sie ein nicht existierendes Querschiff repräsentierten. Es gab einen westlichen Vorbau mit einem hohen Obergeschoss, das als königliche Tribüne diente, damit der Monarch an der Feier der Messen teilnehmen konnte.

Der Wunsch des Architekten nach Vertikalität, die neuartigen Lösungen gegenüberliegender Gewölbe und wahrscheinlich die Verschiebung des Bodens führten dazu, dass mehrere Teile der Kirche eingestürzten. Derzeit sind nur noch das Westmassiv und der erste Abschnitt der Kirche übrig. Der Rest ist das Ergebnis einer romanischen Umgestaltung.

Chroniken des 9. Jahrhunderts betonten die Schönheit und Vollkommenheit der Kirche, der keine andere in ganz Spanien gleichkäme. Als architektonische Neuheit erwähnten sie, dass anstelle von Pfeilern Säulen verwendet wurden und dass die Räume keine Holzdecken besaßen, sondern eingewölbt waren und zwar mit Stein und nicht mit Ziegeln.

https://www.arteguias.com/iglesia/sanmiguellillo.htm

Fenster und Portal

Auffällig sind die zahlreichen Fensteröffnungen, von denen noch vier originale Transennen (ornamental durchbrochene Steinplatten) erhalten sind.

Sehr elegant sind die Fenster mit Stein- oder Stuckgittern, die Doppel- oder Dreifachbögen kombinieren, auf Säulen mit betonter Entasis oder zentraler Verdickung der tonnenförmigen Schäfte, korinthischen Kapitellen, die eine Struktur aus sicherlich spektakulären geometrischen Netzwerken tragen. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein 1,80 Meter hohes und 90 Zentimeter breites Rundbogenfenster, dessen Füllung monolithisch aus Kalkstein gearbeitet ist.

Die skulpierten Kapitelle und Pfeiler greifen als Vorbild auf spätantike und frühbyzantinische Elfenbeinschnitzereien zurück. 

Die beiden 1,80 Meter hohen Reliefplatten aus Kalkstein an den Portallaibungen des Eingangs stammen aus der Entstehungszeit der Kirche. Sie sind in drei Felder eingeteilt und von einem Rahmen aus Tauband und Blütenblättern umgeben. Die obere und untere Szene stellt einen sitzenden römischen Konsul dar, der von zwei Hofbeamten begleitet wird. Er hält in der linken Hand ein Zepter und in der rechten Hand eine mappa, ein Tuch, das zum Zeichen der Eröffnung der Zirkusspiele in die Arena geworfen wurde. Die mittlere Szene zeigt einen Akrobaten, der mit den Händen auf einem Stab balanciert, einen Löwen und einen Mann mit einer Peitsche. 

Für Bango Torviso wurde diese Darstellung im Zusammenhang mit römischen und byzantinischen kaiserlichen Bräuchen geschaffen, um dem asturischen Monarchen Prestige zu verleihen und dem jungen asturischen Königreich maximale Legitimität in seinem Wunsch zu verleihen, das verlorene Territorium des alten westgotischen Königreichs  zurückzuerobern

https://www.arteguias.com/iglesia/sanmiguellillo.htm
Von Zarateman - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 es, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16775828
CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=135771
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Avilés – ein Stadt auf der Suche nach einem neuen Image

Avilés - ein Stadt auf der Suche nach einem neuen Image

Camino del Norte

Avilés ist nach Gijon und Oviedo mit knapp 76.000 Einwohner die drittgrößte Stadt Asturiens. Die Stadt, bis heute ein wichtiger Fischereihafen, verfügt zwar über eine beschauliche Altstadt, aber sie verlor infolge des Booms der Metallindustrie in den 50er Jahren viel von ihren Reizen. Stahlfabriken, Aluminium- und Zinkwerke brachten Avilés zeitweise den Ruf ein, eine der am stärksten verschmutzten Städte in Spanien zu sein.

https://pensionlospinos.wordpress.com/tag/aviles/

Geschichte

Das älteste bekannteste Schriftstück ist eine Urkunde aus dem Jahre 905, in der der asturische König Alfons III. bestätigt, dass er die Stadt Abilies (= Avilés) samt zweier Kirchen dem Dom zu Oviedo schenkt. Oviedo war im 9. Und 10. Jh. die Residenz der asturischen Könige.

Im Mittelalter befand sich in Avilés einer der wichtigsten Häfen im Golf von Biscaya, der hauptsächlich dem Handel mit Frankreich diente. Während dieser Zeit gab es hier zwei Stadtteile: Ein Fischerviertel mit dem Namen Sabugo sowie ein aristokratisches Zentrum mit dem Namen La Villa. Die Stadtteile waren durch den Fluss  Alvares voneinander getrennt.

Ein Teil der Flussmündung wurde im 19. Jahrhundert begradigt, um die Verbindung beider Stadtteile zu ermöglichen. Danach expandierte die Stadt auch außerhalb der Stadtmauer, die mittlerweile abgerissen worden war. Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich in Avilés alles, denn hier begann ebenso wie im Baskenland und in Katalonien die Industrialisierung Spaniens. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gewann die Stadt immer mehr an Bedeutung, was auch an der Förderung der autarken industriellen Produktion des faschistischen Franco-Regimes lag, welches die große Stahlfabrik aufbaute und so für eine Verdopplung der Bevölkerungszahl im Zeitraum von 1950 bis 1970 auf 80.000 Einwohner sorgte.

(In der ersten Phase nach dem Bürgerkrieg strebte das Franco-Regime einerseits die Industrialisierung Spaniens an und versuchte andererseits, eine möglichst weitgehende Autarkie herbeizuführen. Neben der ideologischen Ansicht, dass die Wirtschaft sich in den Dienst am Vaterland zu stellen habe, war die Autarkiepolitik angesichts der politischen und wirtschaftlichen Isolation des Landes (Spanien wurde vom Marshall-Plan ausgeschlossen) in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auch aus der Not geboren.)

Das rasche Bevölkerungswachstum lässt sich auch am Stadtbild erkennen, denn das Franco-Regime ließ die Immobilien nach Ranghöhe der Fabrikarbeiter errichten; so waren für einfache Arbeiter Wohnungen, für Ingenieure oder höhere Mitarbeiter große Appartements oder kleine Einfamilienhäuser und für die Firmenbosse Villen errichtet worden. Doch verbrachten die Fabrikarbeiter angeblich kaum Zeit zuhause, da die Fabrik von Schulungs- bis hin zu Sportangeboten alles bereitstellte.

Diese Idylle währte jedoch nicht lange, denn die 70er-Jahre brachten zwei große Schocks mit sich: zum einen zog die Industriekrise in Spanien ein und sorgte für einen Einbruch der Stahlproduktion, zum anderen starb auch der Avilés-Förderer Francisco Franco im Jahre 1975. Die neue demokratische Regierung Spaniens war aufgrund der Krise dazu gezwungen, die Stahlfabrik an den indischen Konzern Tata Steel zu verkaufen. Wenige Jahre später war die Industrieperle Avilés Geschichte und man begann sich Gedanken zu machen, wie man dieser Stadt aus der Krise helfen und ein neues Gesicht verleihen könnte.

Der erste Schritt lag darin, neue Industrie anzusiedeln. Hierfür wurde durch Bundes-, Landes- und Stadtmittel (ab 1986 auch EU-Mittel) der neue P.E.P.A.-Industriepark auf den Ruinen der ehemaligen glorreichen Stahlfabrik gebaut. Hier sollten sich auch kleine Industriebetriebe ansiedeln. Doch bis heute sind die meisten Flächen des riesigen Areals allerdings ungenutzt und P.E.P.A erweist sich mehr und mehr als Millionengrab und Schaden für das Stadtbild.

Durch den geringen Erfolg dieser ersten Maßnahme entschied man sich in einem zweiten Schritt auf Service- Dienstleistungen zu setzen. Hohe Investitionen flossen ab den 1980ern in das Stadtzentrum, dessen Fassaden aufwändig restauriert wurden. Neue kleinen Parkanlagen entstanden.

Von Xareu bs - foto tomada por Jose Luis Blanco, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3423181

Sehenwürdigkeiten in der Altstadt

Neben dem schönen Hauptplatz Plaza de España gibt es gleich mehrere echte Hingucker in Avilés: Die Franziskanerkirche Iglesia de los Padres Franciscanos (13. Jh.) mit der Kapelle der los Alas genauso wie die Grünanlage Parque del Muelle mit einer Statue von Pedro Menéndez de Avilés (1519-1575), dem ersten Gouverneur von Florida in den USA.

Neben der Kirche San Nicolás de Bari aus dem 14. Jahrhundert, eine der ältesten Kirchen der Stadt mit einem schönen Kreuzgang, kann man schöne Brunnen, eine Keramikschule erster Güte, das angesehene Theater Palacio Valdés im neobaroocken Stil, alte Herrenhäuser zurückgekommener Cuba-Emigranten sowie ein schönes Beispiel für die alten Stadtpaläste in Avilés, der Palacio de Camposagrado (17. Jh.) im Stil der Renaissance besichtigen. Zudem gibt es zahlreiche schöne kleine Altstadtgassen. Hier ist u.a. die Calle Galiana zu nennen, in der sich unter den vor Sonne und Regen Schutz bietenden Arkaden Bars und Restaurants aneinanderreihen. Hier liegt eines der beliebtesten Ausgehviertel der Altstadt, dekoriert mit einigen schönen Jugendstilhäusern.

Nach dem Vorbild des rund 300 km östlich gelegenen Bilbaos bekam Avilés auch ein neues, spektakuläres Wahrzeichen: für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag wurde 2011 an der Ría de Avilés ein vom brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer entworfenes Kunstzentrum eingeweiht. Auf die Ambitionen und Hoffnungen, die mit dem Projekt verbunden waren, gehe ich unten genauer ein.

Von HombreDHojalata - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20481361 Palacio de Camposagra
Galiana Straße

Niemeyer Zentrum

Eine monumentale Vision für die Zukunft und ein beschwingtes Signal zum Aufbruch hat ein lateinamerikanischer Baukünstler in der erschöpften Industriestadt Avilés hinterlassen. Abgewrackte Lagerhallen und ärmliche Wohnblocks bilden die Kulisse, Hafenkräne stehen arbeitslos herum, am Kai machen rostige Frachter fest – und ausgerechnet in einem solchen Milieu hat Oscar Niemeyer seinen avantgardistischen Entwurf für ein Kulturzentrum verwirklicht. Es war eines der letzten Werke des greisen Architekten und sein größtes Projekt in Europa überhaupt. So genial und mutig wie der brasilianische Altmeister der modernen Baukunst muss man schon sein, um einem derart abweisenden Umfeld Paroli zu bieten. Auf einer Art Insel im Fluss gegenüber der Altstadt hat er seine Gebäude errichtet.

Dabei ist seine Handschrift unverkennbar: Bögen und Kurven, Spiralen, Wellen und kühne Schwünge bestimmen das Ensemble, das vier Gebäude umfasst: eine kuppelförmige Ausstellungshalle, einen gläsernen Turm mit Restaurant, eine langgestreckte Mehrzweckhalle und als Krönung ein Auditorium mit schwungvoll skizzierten Konturen. Fast alle Fassaden hat der Architekt in Weiß gehalten, nur das Auditorium hebt sich mit optimistischen gelben und roten Tupfern ab. (bei so viel Weiß bei Sonnenschein eine Sonnenbrille anziehen!) Zum Glück hat Oscar Niemeyer sein Projekt nicht als isolierte kulturelle Insel installiert, sondern zugleich eine Brücke geschlagen ins Zentrum der Stadt auf der anderen Seite des Flusses – mit einer Fußgängerbrücke, die sein Bauwerk mit der historischen Altstadt von Avilés verbindet.

Mit dem Niemeyers Projekt sollte nach dem erfolgreichen Modell des Guggenheim Museums in Bilbao auch in der sterbenden Industriestadt Avilés ein architektonischer Blickfang und kultureller Magnet geschaffen werden, mit dem man Hunderttausende von Besuchern anlocken wollte. Bei seiner Eröffnung im Frühjahr 2011 erhielt das Centro Niemeyer dann auch überschwängliches Lob von allen Seiten. König Juan Carlos wohnte der Zeremonie bei, Woody Allen spielte mit seiner New Orleans Jazz Band und versprach, sich in Zukunft um das Filmzentrum zu kümmern. Brad Pitt und Kevin Spacey sagten ihre Zusammenarbeit zu, Paulo Coelho und Mario Vargas Llosa kündigten Lesungen an, Kooperationen mit dem Pariser Centre Pompidou, der New Yorker Carnegie Hall und der Oper von Sydney waren im Gespräch.

Doch dann kam alles ganz anders: Streitereien zwischen den Betreibern des Zentrums, der Stadtverwaltung und der Regionalregierung von Asturien führten schon ein halbes Jahr nach der Eröffnung zum Chaos: Die Aktivitäten wurden zunächst teilweise eingestellt, der Komplex dann ganz geschlossen, anschließend vorübergehend unter anderem Namen neu eröffnet. Inzwischen funktioniert er wieder als Centro Niemeyer, allerdings auf Sparflamme. Die Ausstellungen haben kein internationales Niveau, Konzerte und Filme stehen nur unregelmäßig auf dem Programm, die Besichtigung der Innenräume ist beschränkt. Niemand wundert sich deswegen, dass die erwarteten Besuchermassen ausbleiben; vom „Guggenheim-Effekt“ jedenfalls ist nicht viel zu erkennen. Wenn nicht schnell gehandelt wird, könnte Oscar Niemeyers Bauwerk zu einem traurigen Monument kommunalen Größenwahns werden. Und das hat Asturien nun wirklich nicht verdient. (s. das Kapitel „Jakobsweg meets avantgardistische Architektur“)

Von SurfAst - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14935056

Resumee

Alles in allem aber muss man in Avilés im Gegensatz zu den hohen Erwartungen leider von einem Negativ- statt einem Positivbeispiel sprechen. Man hat versucht, einige sicher gute Ideen umzusetzen, diese hatten oder haben aber in der Praxis offensichtlich keine Chance, die gewünschten oder beabsichtigten Wirkungen zu erzielen. Avilés hat, trotz seiner angedeuteten Potenziale, die Industriekrise somit nie richtig verkraftet und muss sich noch immer mühen einen angestrebten Strukturwandel erfolgreich umzusetzen.

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