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Camino del Norte Geographisches Geographisches

Genusswanderung auf alter Eisenbahntrasse bei Pobena

Genusswanderung auf alter Eisenbahntrasse bei Pobena

Camino del Norte

Kurz hinter Bilbao verläuft der Jakobsweg von Pobena nach Castro Uriales teilweise auf einer alten Eisenbahntrasse. Pobena liegt an der Mündung des Flusses Barbadun und am westlichen Ende des berühmten Strandes La Arena. Der Strand ist besonders bei Surfern beliebt.

Vom Strand in Pobena steigt man erst einmal 120 Stufen hinauf zum Panoramaweg, der von Pobena nach Onton führt. Belohnt wird der Besucher durch eine exponierte Route direkt am Hang mit atemberaubenden Blicken auf den Strand La Arena und über den Rand der Steilküste des Atlantiks.

Früher war die Strecke eine Eisenbahntrasse. Die Schwerindustrie und der Bergbau spielten in diesem Gebiet eine wichtige Rolle und so entstanden zahlreiche kürzere und längere Bahntrassen. Auf dieser Strecke wurde Eisenerz aus den Minen der Region zu den Cargaderos, den Laderampen, an der Küste transportiert. Es wurde dort auf Schiffe Richtung Holland und England verladen. Reste einiger Rampen kann man auf der Wanderung noch sehen. Bemerkenswert sind die Überreste der Küstenverladerampe Campomar, die erste in Biskaya, an der Mineralien auf offener See verladen wurden.

Der Weg überquert übrigens am Anfang der Strecke die Grenze zwischen dem Baskenland (Viskaya) und Kantabrien.

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Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Die Problematik der Eukalyptusplantagen

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Als ich über die Bäume Galicien erzählen wollte, hatte ich eigentlich nur positive Bilder und Erinnerungen im Kopf. Doch als ich tiefer in Materie eingestiegen bin, wurde mir klar, dass es auch einige zumindest problematische Entwicklungen gab und gibt. Eine davon auf die ich im Folgenden genauer eingehen möchte, ist die Problematik der Eukalyptusplantagen.

Was ist Eukalyptus?

Eukalypten gehören zu den Myrtengewächsen und zählen über 800 verschiedene Arten. Eukalyptusbäume sind schnellwüchsige immergrüne Laubbäume und können bis zu sechzig Meter hoch werden. 

Das Erscheinungsbild der Rinde von Eukalyptusbäumen ändert sich im Laufe des Alters. Wie andere Bäume auch setzen Eukalyptusarten jährlich eine neue Schicht Borke an und erweitern so ihren Stammesumfang. Bei manchen Arten stirbt die äußerste Schicht ab und löst sich darauf in langen Streifen (wie bei Eucalyptus sheathiana) oder in unterschiedlich großen „Flocken“ (Eucalyptus diversicolorEucalyptus cosmophylla oder Eucalyptus cladocalyx) vom Baum. Bei vielen Arten kann die tote Rinde jedoch einfach am Baum verbleiben. Durch die Witterungseinflüsse bekommt diese Rinde ihr typisches, alterndes Aussehen. Viele andere Arten sind auch als sogenannte half-barks und blackbutts bekannt, was darauf anspielt, dass bei diesen Arten die abgestorbene Borke nur im unteren Bereich des Stammes oder als große, schwarze Ansammlung direkt am Fuß des Baumes behalten wird. Die glatte, obere und jüngere Rinde der half-barks und die Rinde anderer glattrindiger Eukalyptusarten können bemerkenswerte und höchst interessante Farben annehmen (wie beispielsweise bei Eucalyptus deglupta).

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Eukalyptus in Galicien

 Die zu Recht auf ihre grüne Vegetation stolze nordwestspanische Region Galicien verzeichnet allerdings einen hohen Zuwachs an Eukalyptusbäume. Es ist das Ergebnis einer politisch gewollten Aufforstung. Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel, weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben. Der Baumbestand des Eukalyptus in Galicien hat sich seit den 1990er Jahren fast verdoppelt. Leider habe ich keinen aktuellen Zahlen bezüglich der Größe der Anbauflächen gefunden.

Ursprünglich kommt der Eukalyptusbaum aus Australien. Der Missionar Missionar Fray Rosendo Salvado schickte Mitte des 19. Jahrhunderts einige Samen aus Australien an seine Familie. Die lebten ausgerechnet in Galicien, im charmanten Tuy. Von dort breitete sich die Pflanze über viele Regionen der Iberischen Halbinsel aus (z.B. in Asturien und in der Extremadura). 

Eukalyptusbäume auf der iberischen Halbinsel wachsen förmlich in den Himmel. Schon nach kürzester Zeit entwickeln sie mächtige Baumstämme, obwohl sie noch gar nicht so alt sind. Auf den Wanderungen sind sie für uns Pilger besonders schön, da sie nach ätherischen Ölen duften und sich ihre silbrig glänzenden, blaugrünen Blätter schön im Wind bewegen. Bei jedem Schritt knacken die Samenkapseln unter den Füßen und verströmen Eukalyptus-Aroma. Also vermeintlich ein reines Vergnügen!?

https://www.monumentaltrees.com/de/fotos-eucalyptusglobulus/esp/

Pro und Contra des Anbaus von Eukalytusbäumen

Der Nutzen des Eukalyptus ist nicht unumstritten. Wissenschaftlichen Studien zufolge hat der Eukalyptusbaum einen negativen Einfluss auf die Biodiversität der Bodenpflanzen. Außerdem entzieht er anderen Bäumen das Wasser. Bis zu 500 Liter Wasser braucht der Eukalyptus am Tag, seine Wurzeln bohren sich knapp 20 Meter tief in den Boden und graben der Pflanzenwelt in der Umgebung buchstäblich das Wasser ab. Zudem brennt er aufgrund  seiner luftig-faserigen Struktur und der ätherischen Ölen, die wie Brandbeschleuniger wirken, sehr schnell. Dabei entwickeln sich in kürzester Zeit unfassbar hohe Temperaturen. Und das ist ja gerade nicht angebracht ist, da Galicien eine der am meisten von Waldbränden heimgesuchten Regionen Spaniens ist. Und nicht immer scheinen die Brände reine Naturereignisse zu sein!  Das Problem mit den Eukalyptus ist, dass erstens die brennenden Blätter hunderte Meter weit fliegen und immer neue Brände entfachen. Zweitens „explodiert“ ein brennender Eukalyptus-Baum quasi und schleudere seine Samen weithin in Umkreis von sich. Zu dem Überleben das Temperaturinferno nur wenige Samen, vor allem die Eukalyptussamen als wahre Überlebenskünstler, aber leider kaum die Samen der ursprünglichen Vegetation.

Außerdem gibt es noch ein Phänomen, das man zunächst gar nicht negativ bemerkt. Die Eukalyptuswälder sind still. Falls jemand darin tatsächlich einen einzelnen Vogel sieht oder hört, hat der sich verirrt und noch nicht bemerkt, dass es für ihn darin nichts zu futtern gibt, weder Sämereien noch Insekten, die auch für Kleintiere zur Nahrung taugen würden. Das einzige Tier, das sich von Eukalyptus ernährt, ist der Koala! Für andere Tiere ist er z.T. sogar giftig.

Es gab zahlreiche Proteste von Bauern, da zum einen der Grundwasserspiegel im Umfeld der Eukalyptuswälder deutlich sinkt. Ihr Hauptargument aber sind die schweren Bodenerosionen als Folge des Anbaus. Nicht zu Unrecht: Bevor die Setzlinge gepflanzt werden, muss der Boden samt Gräsern und Büschen tief umgepflügt, dann jahrelang der Witterung ausgesetzt werden, bis die Jungpflanzen endlich treiben. Regenfälle schwemmen in dieser Zeit bis zu 25 Tonnen Humus pro Hektar weg – ein kaum zu ersetzender Verlust bei nur 20 Zentimeter Boden. Nach zehn Jahren werden die Bäume mit Traktoren aus dem Boden gerissen – ein beispielloser Kahlschlag. Oft werden Laub und Äste in die Flüsse gespült, so die Gegner, und das Wasser wird durch das Eukalyptusöl verschmutzt.

Auf der anderen Seite bietet der Eukalyptus durch sein schnelles Wachstum und seine Widerstandsfähigkeit gegen Kornkäfer in kürzester Zeit viel Rohstoff für die unzähligen Papier- und vor allem Zellulosefabriken. Denn trotz seines schnellen Wachstums verfügt der Eukalyptus über eine hervorragende Holzqualität. Nach 7 bis 8 Jahren kann der Baum geschlagen werden und wächst dann genauso schnell wieder nach. Und die Nachfrage ist groß, auch wenn durch die Digitalisierung und Recycling an manchen Stellen schon am Naturprodukt gespart wurde. Aber wenn wir jetzt vom Plastik wegwollen und mehr auf Papier und Pappe setzen, dann wird vermutlich der Hunger danach doch steigen! Die Eukalyptusplantagen weiten sich weiter aus. Es ist eine wichtige Industrie geworden. Denn sie bietet den Menschen in der landschaftlich schönen, aber wirtschaftlich schwachen Berg-Region abseits der von Touristen massenhaft bevölkerten Küste ein Einkommen. Außerdem wird argumentiert, dass durch den hohen Wasserbedarf der Bäume die Gefahr von Überschwemmungen in den Bergregionen gebannt wird, was ja in Galicien eine gewisse Bedeutung hat.

Leider ist das ökologische System sehr komplex und einfache Maßnahmen (z.B. mehr Eukalyptusplantagen = Aufforstung brachliegender Flächen = mehr Rohstoff für Zellulose = hoher ökonomischer Ertrag) führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit!  Ökonomie vor Ökologie wie so oft?

Insgesamt ist der Anbau von Eukalyptusbäumen in Spanien ein kontrovers diskutiertes Thema. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Diskussion und die Maßnahmen in Zukunft entwickeln werden.

https://vanjabudde.de/die-gruene-geissel-portugals-eukalyptus-monokulturen-befeuern-die-waldbraende/

Und was hat das mit Deutschland zu tun?

Ich würde das gerne an einem Beispiel aufzeigen. Ich habe einen interessanten Artikel des Umweltbundesamtes gefunden, auf den ich mich im Folgenden beziehe. Es geht in dem Artikel darum, die Vorteile von Recyclingpapier darzustellen, aber er enthält aber auch wichtige Informationen über den Eukalyptusanbau. Das Thema Recyclingpapier ist nur ein Aspekt, an dem kurz dargestellt werden soll, wie auch unser Verhalten Auswirkungen auf die Entwicklung der Waldressourcen hat, aber auch was jeder Einzelne tun kann.

In dem Artikel wird dargestellt, dass Deutschland Europas größter Papierproduzent ist und bedeutendstes Papier-Exportland. Rund 75 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Primärfasern stammen aus Importen. Damit ist der Umwelt belastendste Teil der Papierherstellung ins Ausland verlagert!

Herkunft des Holzes

„Es wird Holz aus der ganzen Welt importiert. Größte Zellstofflieferländer für die deutsche Papierindustrie sind derzeit Brasilien (1 Mio. t Eukalyptus-Kurzfaser), Finnland (0,5 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Schweden (0,45 Mio. t überwiegend Nadelholz Langfaser), Portugal (2,5 Mio. t überwiegend Eukalyptus-Kurzfaser !!), Spanien( 0,27 Mio.t überwiegend Eukalyptus Kurzfaser) und Uruguay (80,23 Mio t. Eukalyptus Kurzfaser). Finnland, neben Schweden unser Hauptlieferant für Papier, importiert wiederum einen Teil seines Rohholzes aus Russland (4,9 Mio. t), wo für die Holzbeschaffung auch Urwälder eingeschlagen werden. Neben den nordischen, sind von der Zerstörung auch tropische Regionen betroffen.“

„Um der wachsenden Holznachfrage bei schwindenden Primärwäldern nachzukommen, werden zunehmend Plantagen angelegt. Auf diesen werden schnell wachsende Baumarten wie Eukalyptus angepflanzt, die bei kurzer Umtriebszeit hohe Erträge versprechen. Doch die Monokulturen laugen durch ihren einseitigen Nährstoffbedarf die Böden aus, sind empfindlich gegenüber Schädlingsbefall und Sturmschäden, verlangen hohe Pestizid- und Düngereinsätze und verschmutzen die Wasserressourcen und Böden. Auch die aktualisierte Ökobilanz kommt bei der Betrachtung der Holzherkünfte zu dem Schluss, dass, die Verwendung von Eukalyptusholz zu einem potenziell höheren Biodiversitätsverlust als die Verwendung von Laub- und Nadelholz aus Mittel- oder Nordeuropa führt. Insbesondere führt die Gewinnung von europäischem Eukalyptusholz zu einem höheren Biodiversitätsverlustpotential als die Verwendung von Eukalyptusholz aus Südamerika. In Südamerika besteht ein realistisches Risiko, dass der Primärwald für brasilianische Holzplantagen umgewandelt wird.“

Bedeutung des recycelten Papiers

 2020 wurden 79,3 Prozent des Papiers nach Gebrauch wieder eingesammelt und überwiegend stofflich verwertet. An der Papier- und Pappe-Produktion machte Altpapier laut Aussage der Papierindustrie einen Anteil von 79 Prozent aus. Wie sieht nun die Bewertung zwischen Recycling und Frischfaserverwendung aus.

„Betrachtet wird der gesamte Produktionsprozess inklusive Vorketten: die Holzentnahme aus dem Wald, die Zellstoffproduktion und die Frischfaserpapierproduktion inklusive aller Transporte; sowie die Altpapiersammlung und -sortierung, das Altpapierrecycling und die Recyclingpapierproduktion inklusive aller Transporte.

Bei allen untersuchten Indikatoren schneidet Recyclingpapier besser ab als Frischfaserpapier. In der gesamten Produktion spart es durchschnittlich:

  • 78 % Wasser
  • 68 % Energie
  • 15 % CO2-Emissionen

Neben den quantifizierbaren Umweltwirkungen berücksichtigt die Ökobilanz erstmals auch qualitative Aspekte wie ⁠Biodiversität, ⁠Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffspeicherung in Wäldern. Denn der Druck auf die Wälder in Europa und weltweit nimmt zu.“

„Die Praxis zeigt, dass nur selten negative Erfahrungen mit Recyclingpapier gemacht werden. Insbesondere Recyclingpapiere mit Blauem Engel stehen qualitativ auf gleicher Stufe wie hochwertige Primärfaserpapiere. Sie haben aber auf der Preisebene mit Billigangeboten ohne Herkunftsangabe bzw. Primärfaserpapier aus Eukalyptusplantagen zu kämpfen, das mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Fasern aus Regionen mit Landnutzungsänderungen und Urwaldzerstörung enthält.“ 

Und was können wir Konsumenten tun?

Der Rückgriff auf recyceltem Papier wäre hier schon ein wichtiger Schritt, den jeder von uns tun kann. Denn im Segment der in Deutschland verbrauchten Büropapiere und auch der Hygienepapiere sind noch erhebliche Steigerungspotentiale für den Altpapiereinsatz vorhanden. Der Recyclingpapieranteil der in Deutschland verbrauchten Büropapiere liegt bei gerade einmal 18 Prozent! Während in nahezu allen anderen Papierprodukten der Einsatz an Recyclingfasern steigt, sinkt er bei den Hygieneprodukten Jahr für Jahr! 2000 lag er bei ungefähr 75 %, 2022 bei ca. 43 %.Es liegt also auch an jedem einzelnen von uns, hier eine Veränderung zu bewirken. Es sind ja oft nicht die großen, sondern die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind und da ist jeder Einzelne gefragt! Die Zertifizierung mit dem Blauen Engel gibt eine gute Hilfestellung bei der Auswahl der Produkte. Als Orientierung: das Umweltsiegel „Blauer Engel“ (100 % Altpapier bei Hygienepapier) hat bei Privathaushalten in früheren Jahren deutlich geringere Marktanteile (im Diagramm/Trend bis 2020 bei knapp über 10 % Marktanteil). Das zeigt, dass reines Recycling-Toilettenpapier (mit diesem starken Label) nur einen  sehr kleinen Teil des Marktes ausmacht.

Ein Marktcheck von Greenpeace (September 2025) hat für Östererich ergeben: etwa 40 % des Toilettenpapiers in österreichischen Supermärkten & Drogerien stammen aus Recyclingpapier. Greenpeace (Österreich+2OTS.at+2)
Allerdings geben nur rund 8 % der Produkte diese Information tatsächlich auf ihrer Verpackung an! (Greenpeace Österreich+1)
Was sagt uns das? Das bedeutet doch, dass wir Konsumenten anscheinend nicht zu recyceltem Papier greifen – was immer auch die Vorurteile sein mögen, die dahinter stehen, so dass die Firmen aus Marketingaspekten sogar darauf verzichten, ihr doch positives Handeln darzustellen. Was für eine verkehrte Welt!

Auch Holzprodukte aus Eukalyptus wie Parkett, hochwertige Möbel, Sportgeräte könnte man vermeiden, ebenso wie Gartenmöbel, die weder nachhaltig sind noch wetter- und sonnenbeständig.(

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Bäume in Galicien – Espana Verde

Bäume in Galicien – Espana Verde

Camino del Norte, Camino Primitivo, Via de la Plata, Camino Portugues, Camino Frances

Auf den letzten Kilometern des Jakobsweges in Richtung Compostela dominiert in der Landschaft die Farbe Grün. Und das egal, auf welchen Weg man sich dem Wallfahrtsort nähert – Camino frances, Camino Primitivo, Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Portugues.

Galicien ist bekannt für die grünen Farbnuancen seiner Landschaften, die insbesondere auf die herrlichen dichten Wälder zurückzuführen sind. Galiciens Waldfläche umfasst ca. 2 Mio Hektar und beherbergt mehr als 1.620 Milliarden Bäume. Nicht umsonst wird es auch „Espana Verde“ genannt. In der Vegetation Galiciens finden sich typische Arten der gemäßigten Regionen und des Mittelmeerraumes, aber als Wald schlechthin gilt der atlantische Wald, der aus Laubbäumen besteht, wobei Eichen überwiegen. An den Flussufern gibt es reichlich Eschen, Erlen und Weidenbäume. An bestimmten Stellen finden wir Unmengen an Eiben, Birken, Lorbeer, Buchen, Stechpalmen, Korkeichen…

Obwohl Wälder immer noch eine wichtige Rolle spielen, nehmen Kiefern- und Eukalyptusplantagen heute einen großen Teil des Territoriums ein. Die Verbindung zwischen natürlichen Wäldern und menschlichen Pflanzungen war schon immer eng, und es gibt viele Arten, die historisch mit der traditionellen Lebensweise der Dörfer verbunden sind, um ihr Holz zu nutzen, ihre Früchte zu essen (Menschen und Vieh) und ihren Schatten zu genießen. Allerdings weisen die Eukalyptusplantagen einige gravierende Probleme auf, auf die unten noch genauer eingegangen wird.

Eiche und Kastanie sind die beiden Baumarten, die am besten die zentrale Rolle der Bäume in der galicischen Gesellschaft repräsentieren. Außerdem haben sie eine starke symbolische Bedeutung, die auch bei Zypressen, Eiben und anderen zu finden ist.

Von Tschubby - Eigenes Werk, Topographischer Hintergrund: NASA Shuttle Radar Topography Mission (public domain). SRTM3 v.2., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116745684

Eiche (carballo)

Auf Galicisch als carballo bekannt, hat die Stieleiche das Leben der Bewohner Galiciens über Jahrhunderte begleitet. Sie kann mehrere hundert Jahre alt werden und eine Höhe von bis zu 40 Metern erreichen. Sie ist fast im ganzen Gebiet verbreitet, obwohl sie im Südosten durch die Eiche (Quercus pyrenaica, auf Galizisch cerquiño oder rebolo) und im Hochland durch die Traubeneiche (Quercus petraea, auf Galizisch carballo albar) ersetzt wird.

Hunderte von Dörfern in Galicien beziehen sich in ihrem Namen auf den carballo. Als Metapher für Stärke besitzt sie eine wichtige Symbolkraft. Vor allem aber war sie in der ländlichen Wirtschaft von großer Bedeutung. Der Baum lieferte nicht nur Holz, seine Frucht (die Eichel) diente auch als Schweinefutter und unter seinen Ästen fanden Vieh und Bauern einen guten Platz im Schatten.

Die carballeiras standen ursprünglich im Zentrum des dörflichen Lebens und waren Schauplatz von Wallfahrten und Viehmärkten. In Santiago de Compostela gibt es zwei bemerkenswerte Exemplare: Santa Susana und San Lourenzo de Trasouto.

Entlang der Straßen können wir viele andere finden: die Carballeiras von Francos und Caldas de Reis auf dem Portugiesischen Weg, die von Santa Irene auf dem Französischen Weg, die von A Barcia und Trasfontao auf der Via de la Plata oder die von A Casa do Gado auf dem Camino del Norte.

 

Kastanie  (Castiñeiro)

Castiñeiro ist der galicische Name für den Kastanienbaum. Man ging davon aus, dass sie von den Römern in diese Gebiete gebracht wurde, aber die neuesten Forschungen legen nahe, dass sie sich schon vor mehr als 20.000 Jahren im Nordwesten der Iberischen Halbinsel ausbreitete. Auf jeden Fall förderten die Römer den Anbau und sorgten für die Verbreitung im gesamten Gebiet. Es ist bekannt, dass die römischen Legionäre den Befehl hatten, Baumfrüchte wie Kastanien und Eicheln auf den Bergen der eroberten Länder zu verteilen, falls in zukünftigen Feldzügen zusätzliche Nahrung für ihre Armeen benötigt wurden.

Es gibt wilde Exemplare in den Wäldern, aber die großflächigen Kastanienbaumgruppen sind Plantagen, die sich meist am Rande der Dörfer befinden, um die Vorteile ihrer Frucht, der Kastanie, zu nutzen. Seit Jahrhunderten spielt sie eine wichtige Rolle in der Ernährung. Die Kastanie wird deshalb oft auch als „Brotbaum“ bezeichnet. Es überrascht nicht, dass die Kartoffel, als sie aus Amerika nach Europa kam, in Galicien castaña da terra genannt wurde.

Die Kastanie ist immer noch von wirtschaftlicher Bedeutung und wird naturbelassen, getrocknet, als Mehl, Sahne oder kandiert (bekannt als “marron glacé”) vermarktet. Baum und Frucht spielen die Hauptrolle in Sprichwörtern, Legenden und Festen, wie dem magosto, bei dem sich im Herbst die Nachbarn aller Dörfer und Ortsteile versammeln, um geröstete Kastanien zu essen.

Auch für die Qualität seines Holzes, das traditionell im Bauwesen verwendet wird, wird dieser Baum sehr geschätzt. Die Kastanie ist einer der am längsten lebenden Bäume Europas. In Galicien gibt es Exemplare, die über 500 Jahre alt sein können. Der größte ist der Pumbariños, in der Gemeinde Manzaneda, mit über 12 Metern Stammumfang. Ganz in der Nähe der Vía de la Plata finden wir in Baños de Molgas den außergewöhnlichen Kastanienbaum von Santa Eufemia mit einem Stammumfang von 10 Metern.

Die Pilger können mit ihren Händen die raue Haut der prächtigen Exemplare berühren, die auf dem Camino wachsen und denen der Lauf der Zeit das Aussehen ehrwürdiger Ältester verliehen hat. Dies ist der Fall bei den Kastanienbäumen von Soutomerille auf dem Camino Primitivo oder dem Kastanienbaum von Ramil (Triacastela) auf dem Französischen Weg, voller Hohlräume und dicker Äste, die den Baum zu umarmen scheinen. Wenn man an diesen mächtigen Bäumen vorbei wandert, wünscht man sich, er könnte einem etwas aus seinem langen Leben erzählen.

In Baamonde (Gemeinde Begonte) steht ein Kastanienbaum mit einer einzigartigen Geschichte: Vor 50 Jahren schloss sich der örtliche Bildhauer Víctor Corral in seinem Stamm ein, um die Fällung des Baumes zur Verbreiterung einer Straße zu verhindern. Er schuf einen kleinen Schrein für die Virgen del Rosario, woraus er den Namen “Castiñeiro da Capela” ableitete. Der Künstler hat weitere Schnitzereien hinzugefügt, wodurch dieser Baum zu einer Referenz auf dem Camino del Norte wurde.

Von tree-species - Flickr [1], CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6502036

Korkeiche (Sobreira)

Die Korkeiche, auf Galizisch sobreira, ist ebenfalls ein Baum, der aufgrund seines Nutzens in der Gesellschaft verwurzelt ist. Aus seiner Rinde wird der Kork gewonnen, der heutzutage zur Herstellung von Weinflaschenverschlüssen und als Isoliermaterial verwendet wird, und früher auch zum Bau von Bienenstöcken, den sogenannten cortizos. (s. Kapitel Korkeiche)

Obwohl sie in anderen Regionen der Iberischen Halbinsel häufiger vorkommt, kann man in der südlichen Hälfte Galiciens kleine Wälder finden, wie z.B. in O Faro (Oia), in der Nähe des Portugiesischen Weges  entlang der Küste, und solche, die an den Ufern der Flüsse Ulla und Arnego stehen.
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Interessant ist, dass es in Galicien große vereinzelte Exemplare gibt. Mehrere von ihnen befinden sich in der Nähe der Vía de la Plata, in einem Gebiet, in dem es Ende des 19. Jahrhunderts eine Weinkorkenfabrik gab. Möglicherweise haben monumentale Exemplare wie die Korkeiche von Siador jahrelang ihre Rinde zu dieser Industrie beigetragen. Mit einem Baumwipfel von mehr als 23 m Durchmesser wurde der Baum schätzungsweise mehr als 100 Mal entkorkt.

 

 

Buche  (faia)

Dank ihrer robusten Größe, ihrer vertikalen Ausrichtung auf bis zu 40 Meter Höhe und der Schönheit der wechselnden Farben ihrer Blätter im Laufe der Jahreszeiten, ist es leicht, sich in die Buche zu verlieben. Auf Galicisch heißt sie faia, und ist ein seltener Baum, der sich auf die Berge von Os Ancares und O Courel beschränkt.

Auf dem Französischen Weg, zwischen O Cebreiro und Alto do Poio, liegt der Faial de Liñares. Es handelt sich um einen der wenigen galicischen Buchenwälder und den einzigen, der von einem Pilgerweg durchquert wird.

Von Alpsdake - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11832595

Esche  (freixo)

Im Galicischen ist dieser Baum als freixo bekannt, der an den Ufern von Flüssen vorkommt, wo er zusammen mit Weiden (salgueiros), Erlen (amieiros) und anderen Bäumen und Sträuchern einen wesentlichen Bestandteil des Auwaldes ausmacht. Im Norden Galiciens gibt es den gewöhnlichen (Fraxinus excelsior) und im Süden den schmalblättrigen Baum (Fraxinus angustifolia).

In den ländlichen Gegenden Galiciens wurde sein hartes Holz zur Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten sowie von Musikinstrumenten verwendet. In Porta, in Sobrado (Camino del Norte) gibt es vier außergewöhnliche Eschen. Die größte von ihnen ist 31 Meter hoch.

 

https://www.monumentaltrees.com/de/esp-fraxinusexcelsior/

Eibe (teixo))

Der typische Wald Galiciens besteht hauptsächlich aus Laubbäumen, aber es gibt auch einige einheimische immergrüne Arten. Keine ist so legendär wie die Eibe (auf Galicisch teixo). Sie wurde an der Tür von Häusern als Symbol des Lebens und in Kirchen und auf Friedhöfen als Symbol des Todes gepflanzt. (s. Kapitel über Eiben)

Alle Teile der Eibe sind giftig, außer der Samenhülle. Römische Historiker weisen darauf hin, dass im Jahr 22 v. Chr. eine Schlacht zwischen den Bewohnern des Nordwestens der Iberischen Halbinsel und den römischen Legionen auf dem Berg Medulio stattfand, wobei der Ort unpräzise ist. Die letzten galicischen Krieger sollen mit einem aus der Eibe gewonnenen Gift Selbstmord begangen haben.

In den Ausläufern der Pena Trevinca, dem höchsten Punkt Galiciens, versteckt sich das Teixedal de Casaio, einer der herausragendsten Eibenwälder Europas. Und in der Nähe der Jakobswege gibt es hundertjährige Exemplare, wie zum Beispiel das in A Fontaneira (in Baleira, am Camino Primitivo), mit einem geschätzten Alter von 500 Jahren oder die beiden Eiben an der Kirche „Iglesia de San Martin“ in Salas  (camino primitivo) mit einem geschätzten Alter von 300 bzw. 500 Jahren (s. Kapitel Das Kloster San Salvador in Canellana und das hübsche Städtchen Salas).

Von Elfo del bosque - Foto propia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2570165

Stechpalme  (Ilex aquifolium)

Dieser immergrüne Strauch, flach, starr und glänzend, ist im Galicischen als acivro bekannt. In vielen europäischen Kulturen wird er mit verschiedenen Winterriten in Verbindung gebracht, was zu seiner Assoziation mit Weihnachten geführt hat. Sie wachsen inmitten von Wäldern und carballeiras überall in Galicien und sind in den östlichen Bergen häufiger anzutreffen, wo sie kleine Wälder wie Cabana Vella, in Os Ancares, bilden können.

Ihre Blätter haben an den Rändern Dornen, diese verschwinden aber meist an den höheren Stellen, die von den pflanzenfressenden Tieren nicht erreicht werden. Normalerweise erreicht sie eine Höhe von 2 bis 5 Metern, obwohl wir im Pazo von Casanova, in O Pino, in der Nähe des Französischen Weges, auf ein 16 Meter hohes Exemplar treffen.

 

Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9360

Der Eukalyptusbaum

Eigentlich wollte ich hier nur kurz auf den Eukalyptusbaum und seine wachsende Bedeutung  in Galicien eingehen, obwohl der Eukalyptus nicht zu den einheimischen Bäumen zählt. Aber bei meinen Recherchen kamen so viele Informationen und Probleme zusammen, so dass ich entschloss, die Problematik der Eukalyptusplantagen in einem eigenen Kapitel darzustellen

Das Image vom „immergrünen Paradies“

Wenn man sich an den herrlichen Wäldern Galiciens erfreut, denkt man vielleicht, Nordspanien war und ist ein immergrünes Paradies. Aber die Vergangenheit erzählt uns eine andere Geschichte. Man vergisst manchmal, dass seit dem Mittelalter der größte Teil der Bergflächen und Küstenregionen baumlos war. Schon die iberischen Könige des Mittelalters nutzten die Wälder rücksichtslos für die Erbauung ihrer Armada, mit der sie die Welt zu erobern gedachten. Für den Schiffsbau wurde aus dem ganzen Land das beste Holz an die Küste transportiert. Die Küstengebirge sind damals schon bald fast alle kahl. Zwar versuchte man zwischenzeitlich den Raubbau am Wald einzudämmen, aber im 18. Jahrhundert wurde zur Staatsfinanzierung fast der gesamte verbliebene staatliche Waldbesitz an Privatbesitzer verkauft. Das erwies sich als großer Fehler. Denn die Privatbesitzer konnten nun ungehindert abholzen, um am Verkauf des Holzes zu verdienen.

So kam es bis ins 20. Jh. zu massiven Eingriffen in die Natur, den man auch jetzt noch erkennen kann. Heute sind in Galicien viele Berggegenden immer noch nur von einer dürren Macchia aus Erika, Ginster und anderen Heidesträuchern begrünt trotz zahlreicher Maßnahmen zur Wiederanpflanzung von vielen Nadel- und Laubbäumen. Denn im 20. Jahrhundert werden in Spanien Forstämter eingerichtet und Gesetze zum Schutz des Waldes erlassen. Denn man hatte festgestellt, dass etwa die Hälfte der Fläche Spaniens stark von Erosion betroffen ist. Ist der Boden abgespült, sind Erdrutsche, Gerölllawinen und Überschwemmungen die Folge. Einen wirksamen Schutz gegen die Erosionsgefahr kann nur eine dichte Pflanzendecke bieten, am besten durch Wälder. Die teilweise Aufforstung mit schnellwachsenden Bäumen ua. Pappeln, Kiefern und Eukalyptus, die auch ökonomisch besser verwertbar sind, stößt dabei auf ein sehr geteiltes Echo. Die Befürworter argumentieren, dass, hätte man an vielen dieser brachliegenden Landschaften nicht Eukalyptus oder Kiefern angebaut, würden sie noch immer brachliegen mit der Gefahr von Bodenerosion. Einige der Gegenargumente findet ihr im Kapitel „Die Problematik der Eukalyptusplangen“.

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Oviedo/Uviéu – Perle am Camino Primitivo

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Camino Primitivo, Camino del Norte

Oviedo oder asturisch Uviéu ist die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Fürstentum Asturien. Die Bewohner werden Ovetenser genannt. Oviedo ist meist der Ausgangspunkt für den Camino Primitivo. Die Stadt liegt sehr verkehrsgünstig, da sie gut per Flugzeug über den Flughafen Oviedo erreichbar ist. Außerdem verfügt Oviedo über einen Bahnhof der Breitspur der RENFE von Leon nach Gijon. Zudem gibt es zahlreiche Busverbindungen entlang der Küste.

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Geschichte

 Gründung und Entwicklung im Mittelalter

Oviedo wurde 761 unweit der alten Römersiedlung Lucus Asturum von zwei Mönchen auf einem Hügel namens Oveto gegründet, wo sie eine Kirche zu Ehren des hl. Vinzenz erbauten. Im gleichen Jahrhundert war Asturien zum einzigen Hort des Widerstands gegen die maurische Invasion der Iberischen Halbinsel (711) geworden, was nach der Schlacht von Cavadonga (722) zur Gründung des Königreichs Asturien durch Pelayo führte, der von den Asturen zum Anführer gewählt worden war (718) (s. dazu auch das Kapitel „Die Reconquista in Spanien“).

Alfons II.war von 791 bis zu seinem Tod 842 König von Asturien. Wegen seines mönchischen Lebensstils erhielt er den Beinamen „Der Keuche“ (El Casto). Nachdem vorher Cangas de Onís und Pavia davor die Hauptstadt Asturiens waren, machte er Oviedo zu seiner Residenz und somit zur ersten christlichen Hauptstadt auf der Iberischen Halbinsel. Der Ort lag ideal mitten in dem nach Westen gewachsenen Reich.

Alfons befestigte die junge Hauptstadt und leitete eine bemerkenswerte Bautätigkeit zur Vergrößerung und Verschönerung des Hofes ein. Außerdem beauftragte er den Bau einige Infrastruktureinrichtungen u.a. eines Aquädukts, von dem heute noch drei Bögen zu sehen sind. Diese Arbeit wurde später von seinen Nachfahren fortgeführt und schenkte der Stadt mehrere religiöse und zivile Bauten der asturianischen Präromanik (s. das Kapitel Austurische vorromanische Architektur).

Während seiner Regierungszeit wurde 812 in Santiago de Compostela ein Grab entdeckt, das man Jakobus dem Älteren zuschrieb. Der König selbst wanderte als Pilger von Oviedo nach Santiago und begründete somit den Ruhm Santiago de Compostela als Wallfahrtsort. So wurde Oviedo somit der Ausgangsort des ursprünglichen Pilgerweges. Dieser Jakobsweg war zwar später eher ein „Nebenweg“, sorgte aber für eine wirtschaftliche Belebung der Stadt während des gesamten Mittelalters.

Kirche San Isodore del Real Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963050

Zweimal in seiner Geschichte wurde Oviedo schwer zerstört: im Jahr 1521 durch eine Brandkatastrophe sowie 1934 bei Bergarbeiteraufständen und während des Spanischen Bürgerkrieges.

Bergbauernaufstände 1934

Nach den Parlamentswahlen von 1933 hatten die rechten Parteien an Gewicht gewonnen und wurden 1934 in die Regierung mit aufgenommen. Der Führer der Rechtsaußenpartei CEDA bekannte sich offen zu den Ideen Hitlers und Musolinis. Mit dem Argument (bzw. Vorwand), dem aufkommenden Faschismus Einhalt zu gebieten, riefen im Oktober 1934 die an der Einheitsfront (span.: Alianza Obrera) beteiligten sozialistischen Organisationen zu einem landesweiten revolutionären Generalstreik auf. Der Generalstreik scheiterte in fast allen Provinzen in kürzester Zeit. Allein in Asturien war der Streik zunächst erfolgreich. Der Aufstand begann am 4. Oktober. Am 5.Oktober zogen die bewaffneten Bergbauern nach Oviedo. So wurde die Stadt zum Mittelpunkt des Aufstandes. Die sprengten am 11. Oktober die Cámara Santa. Die Cámara Santa (Heilige Kammer) gehört zu einem Gebäudekomplex, der die Kathedrale San Savador umgibt. Monatelange Kämpfe, Belagerungen und Beschießung zeichneten das Bild der Stadt. Der Aufstand wurde von dem damals noch republiktreue Franco mit Härte und Brutalität durchgeführt unterstützt durch die spanische Fremdenlegion aus Marokko. Für ihn war der Aufstand von Agenten Moskaus vorbereitet worden. Hugh Thomas, einem britischen Historiker, zufolge starben etwa 2.000 Menschen während des Aufstands: 230–260 Soldaten, 33 Priester, 1.500 Bergleute fielen im Kampf und 200 starben während der folgenden Repression. Spanienweit wurden etwa 30.000 Menschen inhaftiert. Die Grausamkeiten, die während und nach dem Aufstand stattfanden, warfen einen Schatten der Brutalität voraus, die zwei Jahre später im Spanischen Bürgerkrieg zum Vorschein kam.

Spanischer Bürgerkrieg

Die Belagerung von Oviedo fand vom 19. Juli 1936 bis 16. Oktober 1936 statt. Die Stadtgarnison unter dem Befehl von Oberst Antonia Aranda Mata erhob sich gegen die Zweite Spanische Republik und hielt der Belagerung der Regierungstruppen bis zum Eintreffen der nationalistischen Truppen stand. Durch einen geschickten Schachzug hatte General Aranda die republikanische Regierung davon überzeugt, dass er loyal zur Regierung stünde. Das überzeugte die Regierung, am 17. Juni 1936, 4.000 Minenarbeiter aus Oviedo abzuziehen, um sie im aufkommenden Konflikt in anderen Teilen Asturiens und Spaniens einzusetzen. So konnte Aranda, nachdem sich Truppen der Falange, Guardia Civil und Guardia de Asalto ihm anschlossen, die Kontrolle über die Stadt übernehmen.

Die Belagerer bestanden aus Miliztruppen der Fuente Popular (Volksfront) und verbündeten Anarchisten.

Bis zum 3. September kam es zu wenig Kämpfen. Am 4. September kam die Stadt jedoch unter schweres Artilleriefeuer sowie ein Bombardement von 1.500 Fliegerbomben, so dass die Gas-, Strom- und Telefonversorgung unterbrochen wurden. Vier Tage später versuchten die Angreifer mit Hilfe einer gepanzerten Dampfwalze, einen Außenposten der Verteidiger einzunehmen. Die Verteidiger setzten auf Sandsäcke gehobene Artilleriegeschütze als Fliegerabwehrgeschütze ein und wehrten in einem 12-stündigen Gefecht den Angriff ab. Der schwere Artilleriebeschuss tötete viele Zivilisten und viele starben auf Grund des Wassermangels und der dadurch entstehenden sanitären Missstände. Im Laufe des Septembers brach in der Stadt Typhus aus. Der Beschuss hatte jedoch den gegenteiligen Effekt, so dass sich etliche Einwohner den Verteidigern anschlossen.

Am 4. Oktober begann die Volksfront mit einem Generalangriff auf die Stadt. Aranda blieben noch 500 Männer und er zog sich mit diesen ins Stadtzentrum zurück, um einen letzten Kampf zu liefern. Die Milizen der Volksfront hatten bis dahin ca. 5.000 Männer verloren und auch ihnen ging die Munition aus. Das weitere Vordringen in der Stadt gestaltete sich immer schwieriger, da jedes Haus bis aufs letzte verteidigt wurde. Am 16. Oktober trafen die nationalistischen Truppen aus Galicien ein. Die Milizen der Volksfront sahen sich gezwungen, die Belagerung aufzugeben und sich auf ihre Positionen, die sie zu Beginn der Belagerung hatten, zurückzuziehen. Im Jahr 1937 war dann der krieg im Norden Spaniens mit dem Sieg Francos beendet.

 

Kathedrale San Salvador Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963047
Kreuzgang Von Joergsam - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16963049

Diese beiden Kriege führten natürlich zu einer verheerenden Zerstörung von Oviedo. Die Restaurierung und der Wiederaufbau der erhaltenen Baudenkmäler, darunter einer der großen Stadterweiterungszonen der späten Gründerzeit, des Jugendstils und der Art-Deco-Periode wurden mit neo-historischen Bauten der Franco-Zeit und funktionalistischen wie postmodernen Gebäuden der Zeit nach 1975 zu einem sehenswerten Ganzen vereint.

Sehenswürdigkeiten

Der gesamte Altstadtkern Oviedos ist Fußgängerzone, die wichtige Sehenswürdigkeiten wie die Universität, die Kathedrale San Salvador, den Palast des Markgrafen von San Félix und den Camposagrado-Palast, aber auch zahlreiche Statuen an historischen Standorten oder die unzähligen „sidrerías“ (Apfelweinschenken) einschließt. Die Innenstadt besteht aus einem einzigartigen Guss stilvoller Fassaden, die zwar aus mehreren Jahrhunderten stammen, sich aber immer ins große Ganze einfügen. Die Wohnhäuser strahlen eine bürgerliche Noblesse aus, die ihnen vor allem die verglasten Veranden aus Schmiedeeisen oder gedrechseltem Holz verleihen. 

  • Campo de San Francisco  Er bildet mit seiner mehr als 1qkm großen Fläche die Klammer zwischen Alt- und Neustadt.
  • Teatro Compoamor ein spätgründerzeitlicher Bau
  • Universität mit ihrem Portal im Platereskenstil (1534-1608)
  • Palacios de Campoosagrado (1719-52) und Valdecarzana (17. Jh.) mit manieristischen-barockem Dekor
  • Kathedrale San Salvador spätgotischer Bau aus dem 15./16. Jahrhundert mit einem 80 Meter hohen gotischenTurm, Säulengang am Eingang und großem Rosettenfenster, 
  • Camara Santa(Heilige Kammer) in der Kathedrale (eigentlich Kapelle San Miguel) – beherbergt eine der wichtigsten spanischen Reliquiensammlungen. Gezeigt werden die Heilige Truhe, das Engelskreuz sowie das Siegeskreuz. Diese Reliquien waren früher für viele Pilger Grund für einen langen Umweg auf ihrer Pilgerschaft nach Santiago de Compostela. 
  • Barockkirche San Isodor 16. Jh.
  • Kloster San Pelayo mächtiger Barockbau
  • Museo de Bellas Artes im spätgotischen Palacio de Velarde (1776) untergebracht. Die Sammlung erstreckt sich über drei Gebäude. Die verschiedenen Abteilungen zeigen Tausende klassischer und zeitgenössischer Werke, teilweise sogar von Größen wie Dalí und Picasso.
  • Museum für Archäologie im Kloster San Vicente mit Beispielen für die gesamte asturische Kunstgeschichte ab der Bronzezeit

Daneben ist nochmals auf die präromanischen asturischen Kirchen am Rand von Oviedo hingewiesen (vgl. dazu das Kapitel „Asturische präromanische Architektur“). Die beiden Kirchen Santa María del Naranco und San Miguel de Lillo (s. Bild unten) im grünen Naranco-Tal bei Oviedo sind absolut sehenswert und liegen am Camino Primitivo. Ein weiteres Bauwerk der Zeit ist San Julián de los Prados, das in nur 15 Minuten zu Fuß vom Altstadtzentrum aus erreicht werden kann. Die Vielzahl an Gebäuden und Schätzen der präromanischen Zeit ist dadurch zu erklären, dass Oviedo zu Zeiten des asturischen Königreichs dessen wichtigste Hauptstadt war.

Von Rodelar - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7251498

 

Oviedo – die Hauptstadt des Sidra

Oviedo ist nicht nur für seine Kirchen und historischen Gebäude bekannt – es ist auch Spaniens Apfelwein-Hauptstadt. Hier wird Apfelwein Sidra genannt und wird am besten in einem der Lokale in den Seitenstraßen der Altstadt probiert. Vor allem die Calle Gascona, Calle Carpio und Calle Llaviada haben einige traditionell asturische Siderías in petto. Das Einschenken gleicht einer Show: Kunstvoll wird der Sidra aus einer bestimmten Höhe in das Glas geschüttet, damit die gewünschte Schaumkrone entsteht.

De ECR - Trabajo propio, Dominio público, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=898586
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Weinbauland Spanien

Weinbau in Spanien

Via de la Plata, Camino del Norte, Camino Primitivo, Via Tolosana, Camino de Levante

Auf jedem der verschiedenen Pilgerwegen wandern wir durch eines der zahlreichen Weinbaugebiete Spaniens. Ich kann mich an so manch schöne Stunden auf der Terrasse eines Restaurants erinnern, ein Glas Wein vor sich und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassend. Welch ein Genuss!

Aber dann tauchen auch oft Fragen auf. Kommt der Wein aus dieser Region? Wie wird er bezeichnet? Gibt es hier mehr roten oder weißen Wein? Welche Weinsorten gibt es eigentlich in Spanien?

Also dachte ich, ein kleiner Überblick über das Weinland Spanien, seine Rebsorten, seine Weinerzeugnisse und seine Weinregionen wäre doch ganz interessant, zumal ich feststellen musste, dass für mich, eine „Hobbyweintrinkerin“, vieles dabei war, was ich bislang nicht wusste.

vitalytitov / Depositphotos)

Die Geschichte des spanischen Weinanbaus


Es ist nicht hundertprozentig geklärt, wann der Weinanbau in Spanien begann. Einige Quellen sprechen von Funden von Traubenresten auf der iberischen Halbinsel bereits 4000 Jahre vor Christus.

Als wahrscheinlichste Theorie gilt jedoch, dass die Phönizier vor 3000 Jahren das heutige Cádiz in Andalusien gründeten und dort mit dem Weinanbau und Handel begannen. Später zog es sie außerdem landeinwärts und die Phönizier kultivierten auch im heutigen Jerez Wein, welcher durch das warme Klima Andalusiens seine typische starke und süße Note bekommt. Zudem hatte und hat spanischer Wein den Vorteil, dass er auch lange Reisen ohne schal zu werden überstand, was dem Händlervolk besonders zu Gute kam. Aufgrund dieser Tatsache und durch die gut vernetzten Handelswege der Phönizier wurde spanischer Wein bald zu einem Exportschlager im Mittelmeerraum sowie in Nordafrika.

Im Rahmen der Punischen Kriege übernahmen die Römer in Spanien die Macht, setzen aber die Weinproduktion fort. Durch die neuen Einflüsse und Techniken der Römer, die der Flüssigkeit beispielsweise Harze oder aromatische Essenzen zufügten und diese in Amphoren lagerten, erhielt spanischer Wein um den Beginn der christlichen Zeitrechnung einen ganz eigenen, fruchtigen Geschmack teilweise mit einem rauchigen Aroma.

Nach dem Untergang Roms im fünften Jahrhundert n. Chr. und dem damit verbundenen Einfall der Muslime verlor der Weinanbau in Spanien an Bedeutung, vor allem weil Araber aufgrund ihres muslimischen Glaubens keinen fermentierten Alkohol trinken durften. Der bedeutende Wirtschaftszweig des Weinanbaus fand mit dem Einfall der Mauren ein jähes Ende. Diese rodeten weite Teile der bestehenden Flächen. Die übrig gebliebenen wurden zur Produktion von Rosinen genutzt und als Grundlage für die Destillation, welche die Mauren erfunden hatten. Doch nutzten sie die Destillate ausschließlich zur Erzeugung von Duftstoffen und ätherischen Ölen. Der Weinanbau wurde allerdings nie vollständig eingestellt. Die muslimischen Herrscher erlaubten den spanischen Christen zumeist, ihre Kultur fortzuführen.

Im Verlaufe der Reconquista ab dem 11. Jahrhundert entwickelte sich die Herstellung spanischen Weins dann wieder stetig weiter, was vor allem den Mönchen zu verdanken war, die die Weintradition Spaniens wiederaufleben ließen. Der Neubeginn des Weinanbaus entstand vor allem rund um die große Zahl der Klöster. Wein wurde wieder ein bedeutender Wirtschaftszweig, zumal ab dem 16. Jahrhundert Unmengen an Wein in die eroberten amerikanischen Kolonien verschifft wurden, noch bevor der Weinanbau dort große Ausmaße annahm. Ein wichtiger Abnehmer wurde zudem England, das vor allem die alkoholverstärkten Weine aus Jerez (Sherry) und Málaga importierte.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Weinindustrie in Nordeuropa dann einen Rückschlag, diesmal jedoch nicht durch menschliche Hand. Vielmehr bedrohte die Reblaus zahlreiche Ernten und vor allem französische Winzer sahen keine andere Möglichkeit, als sich südlich der Pyrenäen anzusiedeln.  Die Hochburg der französischen Winzer war Navarra. Die Rioja aber hat große Teile der Bordelaiser Weinbautechniken übernommen und stieg damit zur bekanntesten Weinbauregion Spaniens auf. Die französischen Winzer brachten verschiedene Rebsorten sowie Techniken nach Spanien, wodurch sich spanischer Wein erneut weiterentwickelte. Auch hatten viele spanische Winzer ihr Handwerk in Bordeaux gelernt,

Als die Reblaus dann auch die iberische Halbinsel erreichte, war bereits eine Lösung gefunden, den Schädling zu bekämpfen. Zur Bekämpfung wurden Reblaus resistente „Unterlagsreben“ aus Amerika mit einheimischen Edelreisern gepfropft (veredelt) So blieben viele Weinberge verschont.

Im 20. Jahrhundert sorgten dann der Erste und Zweite Weltkrieg für einen Stillstand der spanischen Weinindustrie. Diese erholte sich erst in den Fünfzigerjahren wieder – jedoch rapide. Zahlreiche Pioniere arbeiteten hart daran, den spanischen Weinanbau zu revolutionieren, Gesetze zu schaffen, um Qualität zu garantieren, sowie die neusten Techniken einzuführen. In Folge des spanischen Bürgerkriegs und der Machtübernahme Francos litt der Weinbau erneut. Rebflächen wurden in großem Umfang verwüstet und viele Kellereien zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte nur schleppend. Erst nach dem Beitritt Spaniens zur Europäischen Union 1986 erfolgte der Neubeginn des Weinbaus in Spanien. Vorhandende Weinbaubetriebe wurden modernisiert, neue  Weingüter gegründet und nach und nach wurde wieder an alte Erfolge angeknüpft. Heute gehört Spanien zu den dynamischsten Weinbauländern der Welt. Dazu tragen auch die rund 600 Rebsorten bei, die in Spanien angebaut werden und von denen viele teils nur lokal vorhandene autochthone Sorten immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen. Sie sorgen auch dafür, dass es ein zunehmendes Bewusstsein für die notwendige genetische Vielfalt in den Weinbergen gibt.

Größe der Weinbaugebiete

Unter den rund 100 Weinbau betreibenden Ländern der Welt nimmt Spanien seit vielen Jahren den ersten Platz ein, wenn es um die Anbaufläche (!) geht. 1,2 Millionen Hektar und damit rund das Zehnfache der Fläche der deutschen Anbaugebiete stehen dort unter Reben. Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur 792.000 Hektar und in Italien 690.000 Hektar. In den vergangenen Jahren konnte nur China aufholen und setzte sich mit 799.000 Hektar Rebanbaufläche damit sogar noch vor Frankreich. Auch mengenmäßig liegt das Land ganz weit vorne und streitet sich Jahr für Jahr mit Frankreich und Italien um die Spitzenplatzierung in dieser Kategorie. Qualität und Quantität der Erzeugnisse sowie Anbaugebiete unterscheiden sich stark, was nicht zuletzt an großen klimatischen Unterschieden liegt. Oft wird davon gesprochen, dass die Weine in Spanien mehr Masse statt Klasse sind, was sicher teilweise zutrifft s. auch die Graphik. Aber es gibt natürlich auch als hervorragend klassifizierte Weine, wobei es hier meist um die Rotweine handelt.

Klima und Bodenverhältnisse

Nach Albanien und der Schweiz ist Spanien das gebirgigste Land Europas. Erhebungen und Täler, oft von Flüssen durchzogen, bestimmen die Landschaft. Die Flüsse wie Duero, Ebro und Tajo sind dabei von großer Bedeutung für den Weinbau. Zum einen wirken sie sich auf das lokale Klima aus, zum anderen liefern sie das Wasser für die Weingärten.
Von Norden nach Süden lässt sich Spanien grob in drei Klimazonen gliedern: Den kühlen, „grünen Norden“ mit recht großen Niederschlagsmengen, heißen Sommern und kalten Wintern. Dazu zählen Aragonien, Galizien, Katalonien, Navarra und La Rioja. Darunter schließt sich das Zentralplateau an, dessen Klima von heißen Sommern und sehr kalten Wintern sowie durchgängiger Trockenheit geprägt ist. Zu diesem Bereich zählen die Weinbauregionen Extremadura und La Mancha. Schließlich folgt im Süden die Küstenregion, in der es ebenfalls wenig Niederschläge gibt, dafür aber kühlende Meeresbrisen, die die Hitze im Sommer mildern. Zu dieser dritten Klimazone gehören die Weinbaugebiete Andalusien, Katalonien und Levante.
Einen Sonderfall stellen die spanischen Inseln dar. Auf den Balearen und den Kanaren herrschen wieder andere klimatische Bedingungen vor, die denen an der Küste zwar ähneln, oft gibt es aber deutlich mehr Wind.

lesniewski stock.adobe.com

Die wichtigsten Weinbaugebiete Spaniens

vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien. Hier findet man eine genaue Beschreibung der Regionen und ihres Weinanbaus!

Anbaugebiet

Rebfläche (ha)

Weinerzeugung (hl)

Anteil rot (%)

Anteil weiß (%)

Andalusien / Andalucía

32.054

774.452

5,6

94,4

Aragonien / Aragón

33.729

1.252.450

87,2

12,8

Asturien / Asturias

104

2.277

89,1

10,9

Baskenland / País Vasco

13.481

651.788

86,2

13,8

Extremadura

78.323

2.707.147

32,4

67,6

Galicien / Galicia

30.120

357.442

14,1

85,9

Kantabrien / Cantabria

106

k.A.

39,3

60,7

Kastilien-La Mancha / Castilla

409.969

23.929.148

47,0

53,0

Kastilien und León / Castilla-y-León

72.364

2.090.555

58,4

41,6

Katalonien / Cataluña

51.908

2.393.278

24,4

75,6

Madrid

11.255

72.813

14,1

85,9

Murcia

22.774

854.905

95,8

4,2

Navarra

17.015

750.712

88,3

11,7

La Rioja

40.081

2.046.015

91,6

8,4

Valencia

57.677

2.343.588

73,6

26,4

Balearische Inseln / Baleares

1.718

26.831

58,0

42,0

Kanarische Inseln / Canarias

10.878

22.435

34,9

65,1

Alle Anbaugebiete

883.558

40.275.836

57,7

42,3

Datenquellen:
Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación DATOS CAMPAÑA 2020/2021 + Entrada de Uva (Asturien + Kantabrien) / K. Anderson, N. R. Aryal: Database of Regional, National and Global Winegrape Bearing Areas by Variety, Wine Economics Research Centre, University of Adelaide, revisierte Auflage 2017

zitiert aus: vino-culinario.de/weinbau-weinkultur/weinregionen/spanien.

ps.wein.de Weinbauland Spanien

Weinsorten und Qualitätsstufen

 Vor allem die einheimischen spanischen Rebsorten werden von den Winzern bevorzugt. So beharren die Spanier seit Jahrhunderten auf ihren eigenen Rebsorten gegen den allgemeinen weltweiten Trend. Das gilt für die Weißweine wie für die Rotweine. Auch Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und Chardonnay werden schon seit vielen Jahren in den spanischen Regionen angebaut. Doch die heimischen Sorten gehören nach wie vor zu den Favoriten.

Die fünf wichtigsten spanischen Rebsorten

Airén:

Ca. 250’000 Hektar. Angepflanzt vor allem für einfache Weine, Brandy und medizinischen Alkohol. Hauptanbaugebiet ist die Meseta im Zentrum Spaniens.

Tempranillo (Cencibel, Tinto del País, Tinto del Toro):

Ca. 200’000 Hektar. Spaniens wichtigste rote Rebsorte, die unter anderem die Weine der Rioja, des Toro und der Ribera del Duero prägt.

Bobal:

rund 70’000 Hektar. Die auch als Grenache noir oder Cannonau bekannte Sorte ist eine der wichtigsten des Südens und zeigt sich vor allem in der Region um Madrid in großer Form.

Garnacha tinta:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Monastrell (Mataró):

rund 60’000 Hektar. In Frankreich auch als Mourvèdre bekannt, gehört die sehr dunkle Sorte ebenfalls zu den wichtigsten südlichen roten Rebsorten. Sie prägt viele Weine aus Valencia, Yecla und Jumilla.

Spanischer Wein kann nicht nur verschiedenen Regionen, sondern auch unterschiedlichen Reifegraden und Qualitätsstufen zugeordnet werden.

Reifegrad spanischer Weine

Joven:

Ein junger Wein, der bereits im Jahr nach der Ernte verkauft wird. Der Wein wird oft im Edelstahl ausgebaut. Wenn er im Holzfass ausgebaut wird, dann höchstens für sechs Monate.

Crianza:

Ein Wein, der mindestens 24 Monate Reife im Weingut hatte, sechs davon im Fass, 18 Monate auf der Flasche.

Reserva:

Dieser Wein muss mindestens 36 Monate gereift sein, davon mindestens zwölf Monate im Fass.

Gran Reserva:

Die Gran Reserva ist mindestens 60 Monate alt und hat davon mindestens 18 Monate im Fass verbracht.

Qualitätsstufen

  • Vino (de Mesa)

Die Einstiegsstufe in Spanien ist der „Vino de Mesa“. Er ist vergleichbar mit Tafelwein und unterliegt kaum Regeln. Auf dem Etikett eines Vino de Mesa finden Genießer keine Angabe zur Herkunft des Weines und ebenfalls keinen Hinweis auf die verwendeten Rebsorten.

  • Vino de la Tierra

Auf den Vino de Mesa folgt der „Vino de la Tierra“. Adäquate Vergleichsweine sind in Deutschland der Landwein und in Frankreich der Vin de Pays.Ein Vino de la Tierra, kurz VdlT, stammt aus einem der rund 42 V.T.-Gebiete innerhalb Spaniens. Hierzu gehören beispielsweise Cádiz in Andalusien, Extremadura und Mallorca.

  • Denominación de origen

Die nächste Qualitätsstufe in Bezug auf die Herkunft spanischer Weine ist die „Denominación de origen“, kurz D.O. genannt. Hier stammt der Wein aus einer der 62 D.O.-Regionen Spaniens.  Zu den berühmten Anbaugebieten mit D.O.-Klassifikation gehören Cariñena, Bierzo, Jumilla, Navarra, Rías Baixas und Toro.

  • Denominación de origen calificada

Eine Stufe über den D.O.-Weinen stehen Tropfen aus einer spanischen „Denominación de origen calificada“. Diese Herkunftsbezeichnung weist darauf hin, dass es sich um eine besonders prestigeträchtige Region handelt. Aktuell gibt es in Spanien nur zwei D.O.Ca.-Regionen: La Rioja und Priorat.

  • Vino de Pago

Zusätzlich zu den bereits genannten Qualitätsstufen und Herkunftsbezeichnungen gibt es in Spanien seit 2003 den „Vino de Pago“. Hierbei handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe, für welche sich nur rund 18 Weingüter qualifizierten. Die Weine stammen aus einzelnen Lagen. 

 

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Castro Urdiales, Laredo und Santoña

Castro Urdiales und Laredo

Camino del Norte

Castro-Urdiales – mittelalterliche Schönheit über dem Meer

 Castro Urdiales besitzt den Reiz eines Fischerdorfs mit berühmter Tradition und touristischem Flair, das durch die Schönheit der Strände Urdiales, El Fraile und Brazomar begünstigt wird. Hier siedelten schon die Römer, die den Ort Flavióbriga nannten. Teile von römischen Ruinen findet man unter der Wallfahrtskirche Santa Ana.

Die Altstadt liegt auf einer Halbinsel neben dem Hafen. Dort befindet sich auch das Castillo de Santa Ana. Auf der einstigen Templerburg erhebt sich nur noch ein kleiner Leuchtturm, der die Hafeneinfahrt bewacht. Der Ortskern mit seinen charakteristischen Häusern mit Holzbalkons ist mittelalterlichen Ursprungs und wurde 1978 zum Historischen Ensemble erklärt. Neben der Festung steht die gotische Kirche Santa María de la Asunción. Sie wurde zwischen dem 13. Und 15. Jh. gebaut und ist der wichtigste gotische Sakralbau Kantabriens. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die Bucht.

Die wichtigsten Bauten aus verschiedenen Stilen und Epochen ( Burg, Kirche, mittelalterliche Brücke, Wallfahrtskirche Santa Ana) in diesem denkmalgeschützten Viertel Pueblo Vieja stehen im Kontrast zur Schlichtheit des Fischerviertels mit seinen engen Gassen und den kleinen Fischrestaurants. 

Laredo

Laredo liegt an einem der schönsten Küstenabschnitte Kantabriens. Costa Esmeralda, Smaragdküste, wird die Küste hier wegen des grün leuchtenden Meeres genannt. Die Stadt besitzt Kantabriens längsten Strand „La Salvé“ gesäumt von einer vier Kilometer langen Promenade. An diesem Strand geht man auch entlang, wenn man zu den Schiffen am El Puntal will, die am Ende der Bucht liegen und die die Pilger nach Santona übersetzen. 

Die spätmittelalterliche Stadt ist klein aber mit schmalen Gassen und roten Ziegeldächern sehenswert. Stadtpaläste aus dem 16.,17. Und 18. Jh. zählen zu ihren Attraktionen ebenso wie die Pfarrkirche Santa Maria de la Asunción mit dem üppig verzierten flämischen Retabel de Belén (Altaraufsatz).

In der großen Bucht zwischen Santona und Laredo – Laredo war ein wichtiger königlicher Kriegshafen – suchten im August 1639 während des Dreißigjährigen Krieges zwei spanische Galeonen neuester Bauart Zuflucht vor der französischen Flotte. Vergeblich, die beiden spanischen Kriegsschiffe wurden von der übermächtigen französischen Flotte – 12 000 auf 189 Schiffen!!! – gestellt. Das Flagschiff „Wappen von Galicien“ wurde von den Franzosen gekapert, das Admiralsschiff „Almiranta Nuestra Senora de la Concepción“ wurde von der eigenen Mannschaft versenkt, wollte man doch nicht, dass die wertvolle Ladung dem Feind in die Hände fiel. Die spanische Schiffbautechnik war zur damaligen Zeit der der Franzosen und Engländern überlegen. Bis zu 600 Mann konnten auf diesen Galeonen befördert werden.

Außerdem gab es eine Plattform mit Dutzenden von Kanonen, die wesentlich leichter waren als die französischen und englischen, da sie nicht aus Bronze sondern aus Gusseisen gefertigt waren. 300 Jahre lag das Wrack der Almiranta auf dem Meeresgrund vor der Küste, bevor Archäologen sie orteten und Teile davon an die Oberfläche holten.

Santoña

Am linken Ufer des Flusses Ansón liegt Santoña, das das Naturschutzgebiet der Sümpfe von Santoña und Noja bildet und eines der ältesten Fischerdörfer ist. Santoña ist in zwei Zonen unterteilt, eine städtische Ebene und ein bergiges Gebiet, mit dem Berg Buciero an seiner östlichen Grenze und Brusco und dem Strand von Berria im Norden. Der Strand von San Martin bildet die südliche Grenze und der Fischerhafen und das Sumpfgebiet die westliche Grenze.In der Stadt finden sich drei Forts, die ein Erbe der Bedeutung Santoñas als strategischer Ort für die militärische Verteidigung der Küste sind: Fort San Martin, am Ende der Strandpromenade; Fort San Carlos, das der Mündung der Bucht am nächsten liegt; und Fort del Mazo oder “Napoleons Fort”, das sich auf dem Berg Buciero befindet und einen Blick über die gesamte Gegend bietet. Die Lage Santonas machte den Ort zu einem idealen militärischen Rückzugsort. Bis ins 19.Jh. galten die Festungen der Stadt als uneinnehmbar. Auch die zwei Leuchttürmen mit ihrem unvergleichlichem Charme sind hier bemerkenswert.

Auf unserer Wanderung kommen wir auch an einem Gefängnis vorbei. Hierzu schreibt Raimond Joos im Reiseführer Jakobsweg: Küstenweg  (s. 121-122) folgende nette Geschichte:

“Felipe wurde im Jahr 1997 wegen Drogenhandels zu 10 Jahren Haft verurteilt und saß genau in dem Gefängnis am Jakobsweg. Wegen guter Führung durfte er nach einigen Jahren an einem scharf bewachten Projekt teilnehmen, bei dem wenige Gefangene eine Wanderung auf dem Jakobsweg machten. Ziel war die 22 km entfernte Pilgerherberge von Güemes, in der man zu Abend aß, um anschließend wieder ins Gefängnis heimzukehren. Das Projekt ist inzwischen eingestellt :). Felipe wurde es während der letzten zwei Jahre seine Haftzeit erlaubt, in dieser Herberge als Hospitalero Dienst zu tun. Das Haus durfte er dabei nicht verlassen.

Felipe hat seine Haftzeit inzwischen abgebüßt und auch seinen Dienst in der Herberge beendet. Er ist Maler und lebt keine halbe Stunde von der Herberge entfernt glücklich mit seiner Lebensgefährtin, einer Pilgerin aus Holland, die er in der Herberge kennengelernt hatte.”

Ja, der Jakobsweg schreibt für jeden von uns seine eigenen Geschichten, die uns glücklich machen und seine Faszination ausmachen (s. auch Persönliche Geschichten).

Strand von Laredo
Überfahrt von Laredo nach Santona

Quellen

Höllhuber, D., Schäfke, W., Der spanische Jakobsweg, 6. aktual. Auflage 2008

Bisping, S., Schwarzenburg, G.,  100 Highlights – Jakobswege in Spanien und Portugal, München 2021

Raimund Joos, Spanien: Jakobsweg Küstenweg, Outdoor Verlag, 2019

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Santillana und San Vicente de la Barquera

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Camino del Norte

Santillana del Mar – ein Blick zurück ins Mittelalter

Santillana del Mar ist eine der bedeutendsten mittelalterlichen Orte Spaniens. Ein Gang auf den mit Kopfsteinen gepflasterten Straßen durch die Altstadt versetzten einen unmittelbar ins Mittelalter. Die aus großen Steinquadern errichteten Häuser sind mit den Wappen bedeutender kastilischer Familien und der örtlichen Aristokratie geschmückt, die während der Reconquista zu Geld und Grundbesitz im neu eroberten Süden gekommen sind: Salazar, Velarde Ceballos, Calderón de la Barca, Peredo, Mendoza, Marqueses de Santillana. Es ist als ob die Zeit stehen geblieben wäre, denn es findet sich im Zentrum kein einziger Neubau. So ist ein geschlossenes intaktes Ensemble entstanden aus mit wappengeschmückten Türen, großen rund- oder spitzbogigen Einfahrten und schönen gotischen Fenstern.

Der Ursprung des Ortes geht auf das 8. Jh. zurück, als sich allmählich ein mittelalterliches Dorf ausbildete, in dessen Zentrum sich die Stiftskirche Santa Juliana befand, die dem heutigen Santillana del Mar (Santa Juliana – Sant´llana  – Santillana) später ihren Namen verleihen sollte. Die Klosterkirche mit Kreuzgang ist der Rest eines der mächtigsten Klöster Nordspaniens. Die Kirche ist die bedeutendste romanische Bau Kantabriens. Von außen wirkt sie sehr massiv mit einem kräftigen romanischen Turm (12. Jh.). Im Zentrum der Kirche steht die Grabtumba der hl. Juliana. Der romanische Kreuzgang mit herrlichen Figurenkapitellen zeigt deutliche Unterschiede zwischen den älteren Kapitellen, die figurenreich sind und oft Fantasietiere abbilden, und den rein vegetabilen Kapitellen, die wohl später entstanden sind. Neben der Kirche sind vor allem die Casa de los Hombrones, ein Stadtpalast mit frühbarockem Wappen und der hombrones, der Stadtpalast des ersten Marqués de Santillana hervorzuheben. Aus dem Mittelalter stammt der Merino-Turm (14. Jh.) und der Don Borja Turm (15. Jh.), die als älteste Profanbauten der Stadt gelten.

(s. auch Die Höhle von Altamira)

Wer in Santillana nächtigen will, kann natürlich im staatlichen Parador Gil Blas unterkommen. Für Jakobspilgerer würde ich allerdings das El Convento empfehlen.

Als der örtliche Bischof das weitläufige Gebäude dieses ehemaligen Nonnenklosters an einen sympathischen jungen kirchlichen Verein übergab, stellte er nur drei Bedingungen: 1. Steuer zahlen, 2. Sozialschwache Menschen in Arbeit bringen und 3. Die Pilger gut versorgen. Die schöne rustikale Herberge bietet derzeit 17 einfache und gepflegte DZ mit je einem Stockbett und eignem Waschbecken. Schöne, helle, geräumige Aufenthaltsräume, großer Garten und Terrasse.

San Vicente de la Barquera –  ein malerischer Küstenort

Es gibt Funde aus der Bronzezeit  und in El Barcenal aus der Zeit der Megalithkulturen . Der römische Hafen Portus Vereasueca wurde des Öfteren mit San Vicente de la Barquera identifiziert.

In der Mitte des 8. Jahrhunderts wurde die Stadt im Rahmen der Reconquista durch König Alfons I.  aus den Händen der Muslime zurückerobert. Er errichtete eine Burg, die man als Keimzelle der heutigen Stadt betrachten kann. Später führte der an der Küste verlaufende Jakobsweg durch den Ort. Nach einer Periode wirtschaftlichen Wachstums konnte sich die Stadt unter König Alfons VII.  im Jahr 1210 rechtlich selbständig machen. Als Alfons VIII der Stadt die Gerichtsbarkeit übertrug, wurde wahrscheinlich auch mit dem Bau der heutigen Festung zu Beginn des 13. Jahrhunderts begonnen. Der älteste Teil der Stadt liegt auf dem höchsten Punkt.

Das Vorhandensein von Burgen in Küstennähe ist nicht üblich, und wenn wir vor einer stehen (wie es auch in Castro Urdiales der Fall ist), ist der ästhetische Effekt beeindruckend. Das Schloss des Königs von San Vicente de la Barquera bietet auf jeden Fall ein imposantes Aussehen. Es liegt auf dem Landarm, der die beiden Flussmündungen der Stadt trennt und wird in seinem höchsten Teil von der Kirche Santa María de los Ángeles gekrönt.

Die breiten Wände dieses Gebäudes bestehen aus großen Quadern mit Quaderverstärkungen an den Rändern. Es diente im Wesentlichen  Verteidigungszwecken, obwohl es auch einen Wohnraum mit gotischen Öffnungen bewahrt. Sein Grundriss ist mehr oder weniger rechteckig mit einem hohen fünfeckigen Turm an der Nordspitze. Von dieser Burg aus beginnt die Mauer, die die alte Zitadelle umgab. Einige Teile davon sind erhalten, ebenso die Tore, die die Pilger auf dem Camino de la Costa in Richtung Santiago durchqueren mussten.

Nahe dem Kastell thront die dreischiffige gotische Kirche Santa María de los Ángeles über der Mündung des Flusses Escudo. Zwei der drei Portale zeigen noch eine romanische Ornamentik. Im Chorberich finden sich drei imposante Schnitzaltäre.

Besonders beeindruckend ist die Puenta de Maza über dem Meeresarm. Die ca. 500 m lange Maza-Brücke mit ihren 28 Bögen wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf Befehl der Katholischen Könige Isabel und Ferdinand erbaut.

Das Mündungsgebiet und die Strände sind Teil des Naturparks Parque Naturale de Oyambre, den man auf dem Jakobsweg über 10 km zur Rechten sehen kann.

Hinter San Vicente de la Barquera hat man einen herrlichen Blick auf das Bergpanorama der Picos de Europa. Der Naranjo de Bulnes fällt durch seine verwegene Gestalt besonders auf.

Will man einen Abstecher in die Picos und zum Kloster Santo Toribio de Liébana machen, so kann man von San Vicente aus entweder zu Fuß einen sehr anstrengenden Weg hinauf in die Picos wählen oder mit dem Bus nach Potes fahren und von dort aus zum Kloster wandern

(s. auch das Kapitel über die Picos und das Kloster Santo Toribio).

Quellen

Höllhuber, D., Schäfke, W., Der spanische Jakobsweg, Ostfildern 6. überarb. Aufl. 2008

Raimund Joos, Spanien: Jakobsweg Küstenweg, 17.überarb. Auflage 2019

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“Leeres Land” – Die Geisterdörfer Spaniens

"Leeres Land" - Die Geisterdörfer Spaniens

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Die Landflucht in Spanien

Die Disparitäten in der Bevölkerungsdichte zwischen den einzelnen Autonomen Gemeinschaften bilden ein traditionelles Schlüsselproblem Spaniens. Hohe Konzentration der Bevölkerung in bestimmten Ballungsgebieten und dünne Besiedlung und weite Entfernungen zu Agglomerationsräumen, bei ungünstigen naturräumlichen Standortfaktoren und einer monostrukturellen Landwirtschaft bestimmen diesen Gegensatz.

Die Bevölkerung Spaniens ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Davon kann man sich bei einem Besuch der Großstädte und Ballungsräume vorwiegend an den Küsten leicht überzeugen. Die ländlichen Gegenden waren nie dicht besiedelt. Doch zwischen 1950 und 1970 vollzog sich ein regelrechter Exodus. Das ist nicht zuletzt der rücksichtlosen Industrialisierung unter Franco zu verdanken. Während sich die Einwohnerzahl vieler Städte verdoppelte und verdreifachte, entleerten sich die ländlichen Regionen fast vollständig. Rund 75% der Menschen leben heute im Großraum Madrid und in den urbanen Zentren entlang der Küsten. So hat Spanien eine Bevölkerungsdichte, die in Europa nur von Lappland und Teilen Finnlands unterschritten wird. Auch wenn die regionalen Disparitäten nicht allein ein Thema von Spanien sind, sondern in vielen europäischen Länder Realität sind, so ist der Unterschied in Spanien jedoch besonders eklatant.

Schon Cees Nooteboom erzählt in den 1970er Jahren in seinem Buch “Umwege nach Santiago” von dieser Landflucht und den vielen ländlichen Dörfer, in denen er wenn überhaupt nur noch wenige alte Menschen trifft. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Ambivalenz, die in solchen Entwicklungen steckt. Denn er ist auch fasziniert von dieser Weite und Leere des Landes, die für ihn seinen besonderen Charakter ausmacht. Er spricht davon, dass die Einöde des Landes seine eigene Majestät besitztn

Bevölkerungsdichte 2018 E/qkm hell gelb unter 10 tief violett 10.000 Von dieghernan - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83349211

Vor allem seit Beginn der 1960er Jahre begann ein Massenexodus von arbeitssuchenden jungen Menschen. Diese gingen entweder als Emigranten in andere europäische Länder oder aber sie zogen in Form der internen Migration in die Industriezentren (v.a. Bilbao, Barcelona, Madrid, Valencia). Bei der Abwanderung aus dem ländlichen Raum handelte es sich de facto um eine Landflucht. Sie begann häufig als temporäre Wanderung einzelner Familienmitglieder, die in den städtischen Zentren des Landes bessere Verdienstmöglichkeiten suchten. Aus der temporären Abwanderung wurde in aller Regel recht bald eine definitive Familienwanderung. Die Binnenwanderungsbewegung begann in der Regel als Etappenwanderung, d.h. die abwanderungswillige Bevölkerung wanderte zunächst in die eigene Provinzhauptstadt und von dort aus dann in entfernter gelegene industrielle Ballungszentren. Häufig zogen dann diesen ersten Migranten weitere Abwanderungswillige aus dem gleichen Herkunftsgebiet nach sich, so dass sich in den Großstädten ganze Stadtviertel gleicher Herkunftsgebiete bildeten, wie wir es ja in Deutschland aus vielen Großstädten mit der Konzentration ausländischer Zuwanderer kennen.

Die Selektivität der Migration

Die Selektivität der Migrationsprozesse d.h. die Abwanderung vor allem jüngerer Menschen mit oft besserem Ausbildungsniveau hat für die Abwanderungsräume neben dem Verlust an Menschen weitere gravierenden Strukturprobleme zur Folge wie Überalterung, Verfall der Landwirtschaft in Kombination mit wachsender Bodenerosion und Desertifikation und einem allgemeinen ökonomischen Niedergang der Gemeinden.

Am stärksten trifft der Bevölkerungsschwund die weitläufigen ländlichen Regionen in Kastilien-León, Kastilien-La Mancha, Extremadura oder Aragonien, aber auch Teile von Andalusien, Kantabrien, Galicien und Asturien. Sie machen 62 Prozent der Fläche Spaniens aus, dort wohnt mit 11,5 Millionen Personen aber nur ein Viertel der Gesamtbevölkerung. So sind hier zum Teil ganze Dörfer nur noch partiell bewohnt, kleinere Weiler sind vollständig aufgegeben worden (sogenannte Ortswüsten).

Die Entwicklung wirft eine Reihe von gravierenden Fragen aus:

Wie sollen unter solchen Rahmenbedingungen die schulische Bildung und berufliche Ausbildung garantiert werden?

Wie könnte eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung in den betroffenen Gebieten initiiert werden?

Wer trägt die Kosten für eine zeitgemäße infrastrukturelle Ausstattung mit Straßen, Elektrizitäts- und Kommunikationsnetzen, Ver- und Entsorgungsdiensten usw. in nur punktuell besiedelten Räumen?

Wer garantiert die Kontrolle von Umweltschutzbestimmungen?

Wer sorgt für die Einhaltung eines mitunter sehr fragilen ökologischen Gleichgewichts in kaum besiedelten, aber von der Freizeitgesellschaft und dem Tourismus genutzten (Gebirgs-)Räumen.

Es ist ein Teufelskreis. Viele Menschen verließen und verlassen ihre Heimatdörfer. Andere zeihen gar nicht erst dorthin – wegen der mangelnden Grundversorgung an öffentlichem Nahverkehr, Internetverbindungen, Schulen, Gesundheitszentren etc. Doch je weniger Menschen in den dünn besiedelten Gebieten leben, desto geringer ist der Anreiz für die Politik und die Privatwirtschaft dort zu investieren.

https://www.spotblue.com/de/news/spains-abandoned-villages/

Das Schlagwort „Leeres Land“

Der Begriff „leeres Spanien“ ist u.a. durch das Buch des Journalisten Sergio del Molino zu einem politischen Schlagwort geworden und hat zu zahlreichen Diskussionen und Initiativen in Spanien geführt. Del Molinos Buch hat in Spanien eine kaum vorstellbare Wirkung entfaltet, Parlamentsdebatten, Gegenbücher, sogar die Gründung einer Partei angeregt. 

Das Thema Landflucht lässt sich mittlerweile keine spanische Partei mehr entgehen, die drohende Entvölkerung ganzer Regionen zählt heute zu den bedeutenden Herausforderungen der Regierung. Es wurden inzwischen zahlreiche Programme aufgelegt, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber wie erfolgreich diese wirklich sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Die Verantwortung liegt aber nicht nur bei der spanischen Regierung, auch die Autonomen Gemeinschaften und lokalen Gebietskörperschaften müssen Vorschläge und Maßnahmen ergreifen, um dem Trend der Entvölkerung, der lange Zeit als unumkehrbar galt, entgegenzutreten.

España Vaciada ist eine politische Plattform und soziale Bewegung, die sich aus einer großen Anzahl von Bürgergruppen und Vereinigungen zusammensetzt. Diese existieren zum Teil schon seit zwei Jahrzehnten, sie treten in vielen Provinzen unter unterschiedlichen Namen an. Die Bewegung versucht, die Interessen des leerer werdenden ländlichen Spaniens zu vertreten.

In ihrem Programm betont die Plattform, das fehlerhafte, unfaire und asymmetrische territoriale Entwicklungsmodell korrigieren zu wollen. Ihr Ziel ist es, die Abwanderung aus ländlichen Regionen, den Rückbau von Infrastruktur und die daraus folgende Gefahr von Verödung auf die politische Agenda zu setzen. Der Vormarsch des „leeren Spaniens“ in die spanische Politik gestaltet sich bislang regional sehr unterschiedlich und hängt stark von lokalen Gegebenheiten ab. Die Hoffnung bei den Nationalwahlen ein größeres politisches Gewicht im Parlament bilden zu können, hat sich leider nicht erfüllt. Bei den Nationalwahlen im Juli 2023 hat sie keinen Sitz erringen können und nur knapp über 3000 Stimmen erhalten.

Die verlassenen Dörfer u.a. in Galicien und Asturien

Die wirtschaftliche Armut in bestimmten ländlichen Regionen, die Überalterung der Bevölkerung und die massive Landflucht der jungen Menschen hatte zur Folge, dass vielen Dörfern das Aussterben droht. Heute sind sogar schon ganze Dörfer verlassen und dem Verfall überlassen worden. Cees Nooteboom hat in seinem Buch “Umwege nach Santiago” sehr treffend beschrieben, dass die Dörfer früher durch ihre exponierte Lage in den Bergen geschützt waren, aber genau dadurch sind sie heute von der Entwicklung abgeschnitten. Und er beschreibt sehr eindringlich, wie es ist ein solches leeres Dorf aufzusuchen (S. 380). Der Fluch oder Segen Spaniens besteht darin, dass es endlose Küsten besitzt, die von Industrie und Tourismus gleichermaßen hoch geschätzt werden. 

Was für uns gerade die Schönheit und Attraktivität der Jakobswege ausmacht – die ländliche Idylle, die weiträumige Landschaft, die Leere, die Ruhe, die Stille und Einsamkeit -, ist auf der anderen Seite auch eine Konsequenz der Landflucht und des wirtschaftlichen Niedergangs dieser Regionen. 

Vor allem auf dem camino primitivo kann man die Abwanderung aus den abgelegenen Dörfern Asturiens und Galiciens unmittelbar beobachten, geht man doch an verlassenen verfallenen Häuser und Dörfern vorbei. Allein im Osten Galiciens finden sich angeblich ca. 400 aufgegebene Dörfer. Nun versucht man, diesen Geisterdörfer wieder Leben einzuhauchen, indem man überlegt, sie im Ganzen zu verkaufen. Heute sind es vor allem Ausländer, die Interesse zeigen, ganze Weiler zu kaufen. Vielleicht tragen ja die Digitalisierung und der überhitzte Wohnungsmarkt in den Verdichtungsräumen dazu bei, dass ein oder andere Dorf vor dem Verfall gerettet wird. Dazu ist es allerdings notwendig, gerade die Infrastruktur zu erhalten bzw. auszubauen, um den Anforderungen eines heutigen digitalen Lebens gerecht zu werden.

Neben diesen Beispielen gibt es einige – von den regionalen Regierungen allerdings nur teilweise tolerierte – Versuche der Wiederbesiedlung verlassener Dörfer durch junge Besetzer*innen. Neben der rechtlichen Grauzone, in der diese neuen Bewohner agieren, wird oft auf die Vorteile solcher Aktivitäten hingewiesen. Durch ökologische Landwirtschaft wird Biodiversität geschaffen. Die Agroforstwirtschaft reduziert das Brandrisiko und den ökologischen Fußabdruck. Wirtschaftlich wird das lokale Gefüge durch die Präsenz neuer Bewohner gestärkt; sie produzieren, konsumieren und schaffen oft Aktivitäten, die es bisher noch nicht gab. Kulturell geht es um die Schaffung von experimentellen Freiräumen, in denen sich Menschen von verschiedenen Horizonten treffen und in unterschiedlichsten Bereichen einbringen können.

All diese Beispiele und Versuche werden aber nicht ausreichen, um dem Problem der Landflucht zumindest teilweise entgegenzuwirken. Hierzu sind sicher intensivere Bemühungen und Aktivitäten der staatlichen und regionalen Behörden notwendig. Aber die gesamte Entwicklung lässt sich wohl nicht zurückdrehen, dazu fehlen sowohl die ökonomische Basis als auch die ökologische Voraussetzungen, gerade wenn auch man an den Klimawandel denkt.

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Dürre in Spanien – ein großes Problem heute und in Zukunft!

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Jakobswege in Spanien

Die Situation 2023

Der staatliche meteorologische Dienst hat gerade die Daten für Spanien für den vergangenen Monat veröffentlicht: Der April 2023 war der heißeste April, seitdem seit 1961 in Spanien darüber Buch geführt wird. Der Spitzenwert wurde am 27. April in Córdoba gemessen: 38,8 Grad. Das sind August-Temperaturen. Und die Niederschlagsmenge lag bei weniger als einem Viertel eines gewöhnlichen Aprils. Seit Februar regnete es in ganz Spanien kaum noch, mit einigen wenigen Ausnahmen wie Galicien und den östlichen Kanarischen Inseln. Die Klimakrise ist ganz akut zu spüren.

Akkumulierte Niederschläge in Spanien vom 1. Januar bis 8. Mai 2023 in Prozent zum Mittel der vergangenen 20 Jahre. © Aemethttps://www.costanachrichten.com/spanien/politik-wirtschaft/duerre-spanien-wassermangel-investitionen-hilfen-landwirtschaft-bauern-hitze-sommer-2023-92270351.html

Wenn es nur ein trockenes Frühjahr gewesen wäre! Das Problem ist, dass die Trockenheit schon auf ein Jahr mit sehr wenig Regen und hohen Temperaturen folgt.

Andalusien ist nicht die einzige von der Dürre geplagte Region in Spanien: Katalonien, Teile Aragóns, Murcia, die Extremadura, fast die gesamte Mancha sowie Teile beider Kastiliens, ländliche Bereiche der Hauptstadtregion Madrid, sogar der Süden von Asturien und Kantabrien sowie der Süden und das Hinterland der Region Valencia gehören auch dazu, über die Hälfte des Territorium des Landes. Das gleiche gilt übrigens auch für den Nachbarn Portugal, wo gerade für 40 Prozent des Landes der Dürre-Notstand ausgerufen wurde.

Die Wasserspeicher in Spanien, Stauseen und für Trinkwasser geeignete Flüsse sind nur zu 48 Prozent gefüllt, nochmals mehrere Punkte unter dem Stand des Vorjahres und der nasse Norden dabei bereits eingeschlossen. Der größte Stausee Spaniens, La Serena im Süden der westspanischen Extremadura, ist zu 17 Prozent gefüllt, der zweitgrößte, Alcántara im Norden derselben Region, noch zu 77 Prozent.

Die Abwärtstendenz bei den Regenmengen, zunehmende Verdunstung durch erhöhte Temperaturen, gleichbleibende Verschwendung und mehr Bedarf für Landwirtschaft und Tourismus – die zusammen rund 80 Prozent des Wassers verbrauchen – bringen Spaniens Trinkwasser-Kreislauf an den Rand eines Infarkts. Kompetenzwirrwarr und Investitionsstau verschlimmern die Lage. Das ist u.a. dem Umstand geschuldet, dass z.B. die Andalusier über die Jahre hunderte Millionen Euro Investitionsabgaben über ihre Wasserrechnungen angespart haben, die aber nicht zweckbestimmt eingesetzt wurden. Den Problemen der Klimakrise muss schnellst möglich entgegengetreten werden.

 

Durchschnittliche Sonnenstunden in Spanien, April der letzten 40 Jahre. © Aemet/Eumetsathttps://www.costanachrichten.com/spanien/politik-wirtschaft/duerre-spanien-wassermangel-investitionen-hilfen-landwirtschaft-bauern-hitze-sommer-2023-92270351.html
Situation im Jahr 2023 An vielen Orten in Spanien sind Stauseen fast oder ganz ausgetrocknet, in manchen Regionen müssen Dörfer aus Tanklastern mit Trinkwasser versorgt werden. © JORGE GUERRERO / AFP

Die Situation im Sommer 2025

Spanien stöhnt nach der Hitzewelle im Juni unter der zweiten Hitzewelle des Sommers. Die Temperaturen klettern zum Teil deutlich über 40 Grad.

Die neue Hitzewelle trifft Spanien mit voller Wucht: Bereits am Montag wurden in vielen Teilen des Zentrums, Südens und Westens des Landes Temperaturen über 40 Grad erreicht. In 12 der insgesamt 17 sogenannten Autonomen Gemeinschaften rief AEMET Warnstufen aus. In Andalusien, Madrid, Kastilien-La Mancha, Extremadura und Galicien galt die zweithöchste Alarmstufe Orange.

Eine offizielle Hitzewelle des staatlichen, spanischen Wetterdienstes wird dann verhängt, wenn die Temperaturen mehr als drei Tage deutlich über dem langjährigen Mittel liegen, gesundheitsgefährdende Spitzenwerte erreicht werden und mehr als nur eine Region betroffen ist. Gewarnt wird nicht, um „Panik zu verbreiten“ oder einer „Klimaagenda“ zu folgen, sondern um Kinder, ältere und kranke Menschen vor Hitzeschlägen und anderen Gesundheitsrisiken zu schützen, aber auch, um Veranstaltungen, Exkursionen etc. sicher planen zu können. Nicht zuletzt werden bei Hitzewellen auch gewisse Protokolle in Gang gesetzt, wie „Kühlinseln“ in Städten eröffnet oder die Waldbrandwarnstufe erhöht.

August 2025 Situation noch nicht ganz unter Kontrolle

Der Einfluss des Klimawandels auf die Dürrevorhersage
Der Klimawandel dominiert weiterhin die Agenda bei Dürreprognosen.Der globale Trend deutet auf eine Zunahme extremer Ereignisse hin, darunter intensivere und länger anhaltende Dürren sowie Hitzewellen, die jedes Jahr neue Temperaturrekorde brechen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich die Häufigkeit sogenannter „planetarer Wellen“ – atmosphärischer Muster, die Regenfälle wochenlang blockieren können – seit den 50er Jahren verdreifacht hat. Dies trägt dazu bei, dass in manchen Regionen Sommer mit anhaltend geringen Niederschlägen auftreten, während andere in kurzen Zeiträumen intensive Niederschläge verzeichnen, was das Überschwemmungsrisiko erhöht. Die Flutkatastrophe in Valencia, Andalusien und Murcia im Oktober 2024 sind uns noch gut in Erinnerung!

Die Schwierigkeit, diese Phänomene vorherzusagen, bleibt eine Herausforderung für Meteorologen, da Faktoren wie atmosphärische Instabilität oder der Einfluss globaler Phänomene wie El Niño können die erwarteten Muster völlig verändern.Eine kontinuierliche Überwachung und laufende Modellaktualisierungen sind unerlässlich, um unerwünschte Ereignisse vorherzusehen und sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Lösungsansätze

Weitere 1,6 Milliarden Euro will Sánchez bis 2026 an die Autonomen Gemeinschaften (Länder) überweisen, für den Ausbau und die Verfeinerung der Aufbereitung von Trinkwasser, das Auffangen von Regenwasser, Projekte der Effizienz, Digitalisierung, Reparatur von Leitungsnetzen sowie den Bau sogenannter „Wasserautobahnen“ von einem Stausee zum anderen, um Defizite untereinander ausgleichen zu können. Außerdem sind Maßnahmen wie die Meerwasserentsalzung und die vermehrte Nutzung von geklärtem Brauchwasser geplant. Zusätzliche 2,15 Milliarden Euro verspricht Sánchez für die Modernisierung der Bewässerungssysteme und Bewässerungsmethoden in der Landwirtschaft, wobei hier auch Know How aus Kalifornien, Israel und von der Arabischen Halbinsel eingesetzt werden soll, die schon lange gute Anbauergebnisse unter widrigen klimatischen Bedingungen erzielen, – allerdings auch mit den richtigen Pflanzen.

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Die Jakobswege und Regionen in Spaniens

Die Jakobswege und Regionen in Spanien

Hier sind die Jakobswege in Spanien mit ihrer Länge eingezeichnet. Man kann die langen Weg natürlich auch in Etappen gehen. Wir haben zum Beispiel die Via de la Plata aus Zeitgründen in drei Etappen eingeteilt: Sevilla bis Caceres, Caceres bis Zamora, Zamora bis Santiago de Compostela. Da das Eisenbahn- und Busnetz in Spanien sehr gut ausgebaut ist, kommt man auch  leicht wieder zum jeweiligen Ausgangspunkt

https://jakobsweg-lebensweg.de/jakobsweg-laenge/
https://jakobsweg-kuestenweg.com/laenge/spanien/

Als autonome Gemeinschaften werden 17 Gebietskörperschaften bezeichnet, die die Regionen Spaniens verkörpern

https://de.wikipedia.org/wiki/Spanien#/media/Datei:Gemeinden_Spanien_2023.png
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