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Die fesche Spanierin

Die fesche „Spanierin“

Geschichten auf dem Via de la Plata

Nach einem langen Wandertag kamen wir abends in El Cubo de la Tierra del Vino an. Wir wurden von den Herbergsleuten in der privaten Herberge herzlich begrüßt, bekamen ein kleines Doppelzimmer zugewiesen und fühlten uns direkt wohl. Das Angebot zu einem Abendessen nahmen wir dankbar an. Und wir wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil es war die beste Hausmannskost auf dem ganzen Weg. Eine Terrine mit herrlich duftender Gemüsesuppe, frischer Fisch mit gedünstetem Gemüse, Salat und Kartoffeln und zum Abschluss ein köstliches Törtchen und eine Tasse Kaffee. Nach diesem köstlichen Mahl kamen wir trotz unserer bescheidenen Spanischkenntnisse mit den Wirtleuten ins Gespräch. Marielouise fragte nach einer schönen Stickerei, die an der Wand hing. Die Wirtin erklärte uns stolz, die habe sie selber angefertigt. Dann ging sie kurz weg und kam mit einer herrlich bestickten Bluse zurück, die sie uns stolz präsentierte. Sie gehört zu einer Tracht aus der Gegend, die zu besonderen Anlässen getragen wird. Eine wunderschöne Arbeit! Daraufhin lief unsere Wirtin noch einmal weg und kam mit der ganzen Tracht zurück, die sie selbst genäht und bestickt hatte. Als wir die Tracht gebührlich bewunderten, forderte sie Marielouise auf, diese doch einmal anzuprobieren. Nach erstem Zögern folgte Marielouise der Aufforderung. Und dann verwandelte sich – nach einigen Schwierigkeiten, denn die Tracht ist nicht so einfach anzuziehen – meine holländische Freundin in eine fesche Spanierin! Den Spaß und die Freude, die wir daran hatten, kann man anhand der Bilder gut nachvollziehen. Was für ein schöner Abschluss des Tages!

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Das Monasterio de Santa Maria de Oseira

Das Monasterio de Santa Maria de Oseira

Geschichten auf dem Via de la Plata

Von Cea nach Laxe gibt es zwei Alternativen bis Castro Dozon. Wir wählten den längeren und landschaftlich schöneren Weg, da er über das sehenswerte Kloster von Oseira führt.

Von Cea aus ging es durch dichte Wälder und ausgefahrene Wege, in denen noch die Spurrillen der mittelalterlichen Karren verewigt sind, nach Oseira. Das Kloster selbst erscheint erst kurz vor dem Erreichen vor unseren Augen. Ein bemerkenswertes Gebäude in dieser Einöde. Die Klosteranlage wird auf Grund seiner Größe auch als galizischer Escorial bezeichnet, da es an die Kloster- und Palastanlage Philipps II. erinnert (s. auch das Kapitel Renaissance in Spanien).

Wir hatten uns schon auf eine Führung und Besichtigung der Anlage gefreut, aber da wir um die Mittagszeit kamen, war die Anlage leider mehr oder minder geschlossen. W Nooteboom hat es einmal so schön ausgedrückt: “Ich will hineingehen, aber selbst Gott schläft in Spanien mittags nach dem Essen”. Im ersten Moment waren wir doch recht enttäuscht, hatten wir doch bewußt den Umweg gewählt, um uns diese herrliche Anlage anzuschauen. Der Pater, bei dem wir nachfragten, sah unsere Enttäuschung und ließ sich erweichen. Er wolle uns zumindest das älteste erhaltene Bauwerk – die Kirche – zeigen. Die kreuzförmige siebenjochige Klosterkirche mit ausladendem Querhaus und Umgangschor wurde im frühgotischen Stil um das Jahr 1200 begonnen und im Jahr 1229 geweiht. 

Als wir uns nach der Besichtigung bedankten und gehen wollten, lud er uns noch in den Informationsraum ein, bot uns eine kleine Süßigkeit an und schenkte  jeder von uns noch ein auf Holz gemaltes Christusbild, das er selber gemalt hatte. Es steht nun sowohl bei Marielouise als auch bei mir im Regal und erinnert uns immer wieder an die Begegnung. Wir setzten nach der ersten Enttäuschung glücklich unseren Weg fort, der sich auch allein durch seine landschaftliche Schönheit schon lohnte.

s. auch Kapitel “Das Zisterzienserkloster von Santa Maria de Oseira” 

Eine ausführliche Beschreibung des Klosters findet man auch im Führer:

Cordula Rabe, Via de la Plata, Rother Wanderführer, München 2011

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Andre und die beiden freien Plätze in der Herberge

Andre und die beiden freien Plätze in der Herberge

Geschichten auf dem Via de la Plata

Es war wieder einer der heißen Tage und ein langer anstrengender Weg auf der Strecke zwischen Laza und Xunqueira de Ambia. An einer nicht klaren Wegabbiegung blieben wir stehen und zogen unseren Reiseführer zu Rate. Aber die Beschreibung war leider auch nicht genauer. Da kam Andre, ein französischer Pilger, vorbei und mit Hilfe seines Führers entschieden wir uns dann für einen – auch den richtigen – Weg. So gingen wir eine Weile zusammen und unterhielten uns über den Weg, unsere Eindrücke und Pläne. Aber dann waren wir ihm doch wohl ein wenig zu langsam. Denn nach einer Zeit verabschiedete er sich von uns und marschierte flotten Schrittes davon. Wir schauten seinen „strammen Wadeln“ hinterher und entschieden uns, lieber unser Tempo und unsere kleinen Pausen beizubehalten.

So langsam wurden wir müde und sehnten uns nach der Herberge. Endlich stand da ein Schild „noch 2 km bis zur Herberge“. Aber es ist erstaunlich, wie lange einem zwei Kilometer vorkommen können, wenn man müde ist und sich nach einer erfrischenden Dusche sehnt. Als wir endlich bei der Herberge ankamen, schüttelte ein Pilger, der vor der Herberge saß, traurig den Kopf und sagte: „Alle Platz belegt!“. Entsetzt schauten wir uns an. Was nun? Da kam Andre aus der Herberge, winkte uns zu sich, führte uns in die Herberge und zeigte auf zwei Betten. Er hatte seine Handtücher auf die Betten gelegt und somit für uns reserviert. „Oh Andre! Du bist ein Engel!“ Er war wohl davon ausgegangen, dass wir ziemlich erschöpft bei der Herberge ankommen würden. Und wie Recht er hatte! Eine neue Herbergssuche wäre der Horror für uns gewesen. Umso dankbarer waren wir für seine Unterstützung!

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Die Herberge am Stausee

Die Herberge am Stausee

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Wir waren von Caceres gestartet und es war die erste Etappe auf unserem 2. Abschnitt der Via de la Plata. Wir wollten nach Cesar de Caceres. Es wurde eine lange einsame Wanderung durch Getreide- und Weideflächen. Da gerade die Autobahn im Bau war, mussten wir zusätzlich noch einige Umwege in Kauf nehmen. Und das an einem so heißen Tag. Endlich erreichten wir den Tajo-Stausee, an dem die Herberge liegen sollte. Aber der Weg entlang des Stausees zog und zog sich. Wir waren schon so kaputt, dass wir beschlossen, einfach im nächsten Ort eine Unterkunft zu suchen. Aber es kam kein Ort! 

Endlich hatten wir fast das Ende des Stausees erreicht, da sahen wir ein Schild der Herberge und vor uns entdeckten wir auch schon ein größeres Haus. Als wir ankamen, stand daran „en venta“! Das durfte doch nicht wahr sein. Aber vielleicht war die Herberge doch noch ein Stück weiter?! Mit dem Mut der Verzweiflung folgten wir einem groben Schotterweg Richtung See und siehe da, vor uns lag eine schöne, neuerrichtete Herberge mit allem Komfort – Zimmer für uns, herrliche Duschen und schöne Küche und sogar die Möglichkeit, eine Kleinigkeit zum Essen zu bestellen.

Wir stellten unsere Rucksäcke an der Rezeption ab und meldeten uns an. Bevor wir ins Zimmer gingen, gönnten wir erst einmal eine Stärkung mit einem kühlen Bier. Aus dem einen Bier wurden dann zwei, die so langsam unsere Lebensgeister wieder weckten. Als wir dann auf unser Zimmer gehen wollten, mussten wir allerdings erst einmal unsere Rücksäcke suchen. Wir waren anscheinend so erschöpft und durstig gewesen, dass wir sie einfach an der Rezeption vergessen hatten.

Im Zimmer angekommen haben wir uns nur schnell umgezogen und ab ging es mit Hurra zu einem kühlen Bad in den Stausee! Welch ein Genuss!! Was uns überraschte, außer uns war niemand im Wasser. Später erzählte uns eine Pilgerin, sie hätte sich nicht getraut und sich dann geärgert, als sie uns so fröhlich schwimmen sah. Wir hatten einfach an der Rezeption gefragt, ob es möglich sein zu baden. So erfrischt und gestärkt genossen wir auf der Veranda sitzend den Sonnenuntergang und den herrlichen Abendhimmel! Ja, das ist typisch für den Jakobsweg – anstrengende Etappen, die einen fordern und dann als Belohnung herrliche entspannte Abende, die man einfach nur genießen kann!

Apropos, in einem Pilgerbericht habe ich jetzt gelesen, dass auch Kühe in dem See baden. Es hat die Pilgerin allerdings auch nicht davon abgehalten, dort zu baden. Wir waren auf jeden Fall ohne tierische Begleiter im See – und das war auch gut so!

 

 

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Altes Mütterchen

Altes Mütterchen

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Wir hatten gerade erfahren, dass die Herberge in mit Bauarbeitern belegt ist und wir entweder auf ein Taxi warten oder weitere 15 km gehen müssten. Da aber viele Pilger warteten, entschlossen wir uns weiterzugehen. Vorher kehrten wir noch in ein kleines Restaurant ein, um uns für den Weitermarsch zu stärken. In der Ecke saß ein „altes Mütterchen“ gemütlich in einem Sessel und schaute dem Treiben im Lokal zu.

Plötzlich sprach sie uns in sehr gebrochenem Deutsch an und im Gespräch erfuhren wir, dass sie in den 60iger Jahren 5 Jahre in Frankfurt als Gastarbeiterin gelebt hat. Leider habe sie in dieser Zeit kein Deutsch gelernt. Sie habe meist allein im Hinterzimmer eine Wäscherei gearbeitet. Und abends sei sie früh ins Bett gegangen. Dabei lächelte sie fast entschuldigend.

Auf unserem weiteren Weg machten wir Gedanken darüber, wie einsam doch so ein Leben als „Gastarbeiterin“ gewesen sein muss und wie groß die Not wohl war, um so fünf Jahre im Ausland auszuhalten. Und wir waren froh, dass sie auf uns einen so zufriedenen und gelassenen Eindruck gemacht hatte.

Wenn man allerdings momentan die Wohn- und Lebenssituation von ausländischen Arbeitern in den Fleischfabriken, in den landwirtschaftlichen Betrieben oder im Baugewerbe anschaut,  fragt man sich, wie viel sich in diesen langen Jahren seit damals wohl zum Besseren entwickelt hat bzw. wie viel Armut und „Ausbeutung“ heute noch besteht.

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Die Polizei – Dein Freund und Helfer

Die Polizei – Dein Freund und Helfer

Geschichten auf dem Via de la Plata

Wir hatten einen Abstecher vom Jakobsweg gemacht, um uns Alamendraleja anzuschauen.  Nach einem Stadtbummel stärkten wir uns in einem Café und überlegten, wie wir wieder auf den Jakobsweg treffen könnten. Wir hatten aber keine genaue Orientierung und die Karte in unserem Führer half uns auch nicht weiter. Da betraten gerade zwei Polizisten das Café und wir beschlossen diese zu fragen. Leider war unser Spanisch sehr schlecht und ihr Englisch auch nicht besser. So tranken sie schnell ihren Kaffee aus und signalisierten uns, wir sollten ihnen folgen. Also ging es ab zur Polizeistation, die nur einige Meter entfernt lag. Sie führten uns in ihr Arbeitszimmer und dann begann der eine Polizist uns die beiliegende Karte zu zeichnen. Als er fertig war, erklärte er uns auf Spanisch die einzelnen Punkte und bei jedem wichtigen Wort tippte der andere Polizist am Computer und nannte uns dann das Wort auf Englisch.

Tren – train, campo – field usw. Wie aus der Karte zu erkennen ist, hätten wir einfach nur ca. 6 km auf der Straße geradeaus gehen müssen und wir wären auf die Abzweigung zum Jakobsweg gekommen. Aber sie vertrauen unserer Verständigung wohl nicht und gingen lieber auf Nummer sicher. Ein wenig mussten wir schon lächeln, aber auf der anderen Seite haben wir so auch ohne Probleme und Unsicherheiten zurück zum Jakobsweg gefunden.

Der Innenhof der Polizeistation
Der Innenhof der Polizeistation
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Lauf Esel lauf!!!

Lauf Esel lauf!!!

Geschichten auf dem Via de la Plata

Am nächsten Tag, als wir mit Mühe unseren Proviant auf die Rücksäcke verteilt hatten, trafen wir unterwegs einen Österreicher, der mit seinem Esel unterwegs auf dem Jakobsweg war. Er hatte es sich am Wegesrand gemütlich gemacht. Auf unsere Frage meinte er, er müsse Geduld haben, sein Esel wolle nicht weitergehen und er müsse halt warten, bis sich dieser wieder bequemen würde weiterzulaufen. Nach einem kleinen Plausch über die Freuden und Tücken, mit einem Esel unterwegs zu sein, verabschiedeten wir uns und gingen weiter. Kaum waren wir einige Meter gelaufen, hörten wir die beiden hinter uns herkommen. Überrascht drehten wir uns um. Der Österreicher lächelte und meinte, das Rascheln meines Plastiksackes  außen am Rucksack– da hatten wir ja unser Brot drin verstaut – hätte seinen Esel munter gemacht. Er hoffte wohl auf etwas Leckeres zu fressen! So gingen wir vier also die nächsten 10 km zusammen bzw. besser gesagt hintereinander. Der Esel brav hinter meinem raschelnden Rucksack, der Österreicher froh, dass er weiterkam und wir etwas verunsichert ob unserer „Anziehungskraft“! Dann aber verabschiedeten sich die beiden, da sie zu einer Herberge wollten, zu der Tiere mitgebracht werden konnten. Und wir setzten unseren Weg allein fort – herzlich lachend über unsere Begegnung!

Unsere Geschichte mit dem Esel erinnerte mich an das in der Motivationspsychologie verwendete Beispiel „Der Esel und die Mohrrübe“. Es geht um die Frage, wie gut mit fremdbestimmten Zielen motiviert werden kann. Der „Esel“ steht für eine Person – oder eine Gruppe von Personen –, die von außen motiviert werden soll. Die „Karotte“ stellt das Mittel zur Motivation dar – einen Anreiz, eine potenzielle Belohnung. Manchmal wird das Beispiel dadurch noch erweitert, dass dem Esel einerseits die Karotte vor Augen baumelt und andererseits hinter ihm der Stock hochgehalten wird, mit dem er im Falle von Strafe geschlagen wird. Viele Untersuchungen haben aber gezeigt, dass diese Arten der Motivation aus verschiedenen Gründen häufig nicht erfolgreich oder zumindest langfristig nicht erfolgreich ist.

(siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Karotten-Prinzip)

In unserer Geschichte hat zumindest die Aussicht auf etwas Leckeres den Esel dazu bewegt, mitzulaufen. Die Frage, wie lange er letztendlich mitgemacht hätte, stellte sich allerdings nicht!

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Denk an die alte Regel: geh nie einkaufen, wenn du Hunger hast!

Denk an die alte Regel: geh nie einkaufen, wenn du Hunger hast!

Geschichten auf dem Via de la Plata

Der erste gemeinsame Jakobsweg von Marie Louise und mir war die Via de la Plata. Am ersten Tag wollten wir von Sevilla nach Guillena wandern. Es war ein heißer Tag, obwohl es schon Mitte Oktober war. Der Weg führte teilweise an Straßen entlang und dann durch endlose Felder ohne Strauch und Baum. Man sah bis zum Horizont nur den Weg und die Felder und hatte das Gefühl, dass der Weg nie enden würde. Leider machten wir auch noch einen der typischen Fehler – wir hatten zu wenig zu trinken mitgenommen. So ging es Marie Louise ein paar Kilometer vor unserem Ziel ziemlich schlecht. Ich überlegte schon, einen Bauern in seinem Auto anzuhalten, damit er uns zum nächsten Ort mitnimmt. Aber dann schafften wir es doch noch mit einigen Pausen bis nach Guillena.

In der Herberge tranken wir als erstes Wasser aus der Leitung, dann war duschen und ein wenig ausruhen angesagt. Doch wir waren beide innerlich unruhig, da wir uns unbedingt für den nächsten Tag ausreichend mit Getränken und Proviant versorgen wollten.

Also machten wir uns bald auf zum nächsten Supermarkt, um einzukaufen:

 

  • 3 Flaschen Wasser und Saft – ach nein doch lieber 4
  • 4 Apfelsinen – Vitamine für unterwegs
  • 2 Äpfel – die halten sich gut
  • 4 große Pflaumen – hm die sehen so lecker aus
  • 3 große Tomaten – erfrischend beim Abendessen
  • 1 ach besser 2 Paprika auch fürs Abendessen
  • 1 nein lieber 2 Stücke Käse, eins für unterwegs, eins für den Abend
  • 1 Brot
  • 1 Baguette
  • 1 Packung kleine süße französische Brötchen für zwischendurch
  • eine Dose Thunfisch
  • ach ja und noch eine Tüte Nüsse zur Stärkung unterwegs

Ja das müsste so passen!

Vergnügt gingen wir zur Kasse im Bewusstsein, dass wir am nächsten Tag mit der Verpflegung keine Probleme mehr haben würden. Dann sahen wir das kleine Restaurant neben dem Supermarkt und genossen dort ein leckeres Abendessen. In der Herberge angekommen verstauten wir unser Essen im Kühlschrank und gingen schlafen.

Die Überraschung kam erst am nächsten Morgen. Als wir unser Essen im Rucksack verstauen wollten, stellten wir – „überraschenderweise“ – fest, dass wir gar nicht alles in den Rucksack bekamen, ohne dass wir das Obst und Gemüse zerdrückten. Aber wir wollten natürlich auch alles mitnehmen! So wurden auch noch die Außentaschen vollgestopft. Zusätzlich hing an meinem Rucksack noch ein Plastikbeutel, in dem wir das Brot verstaut hatten. Daraus sollte sich am nächsten Tag noch eine lustige Geschichte entwickeln.

Unsere Einsicht, dass unsere Augen gestern doch zu groß waren, war ja schon da. Aber als wir dann unsere Rucksäcke schulterten, war uns beiden klar, wir nehmen nie mehr so viel Proviant mit! So schwere Rucksäcke und das noch am 2. Tag unserer Wanderung, an dem wir uns doch noch einlaufen wollten! Der einzige „Vorteil“ war, dass wir die nächsten drei Tage nur einmal unseren Getränkevorrat auffüllen mussten und ansonsten von unseren Vorräten zehren konnten.

Fazit: Geh nie einkaufen, wenn du hungrig bist oder wenn es nicht anders geht, dann mäßige dich!!!

 

Wissenschaftler wissen das natürlich schon lange. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Appetit die kognitive Leichtigkeit steigert, mit der mentale Konzepte von Konsum oder Erwerb aktiviert werden.

 

Wenn es interessiert, hier zwei wissenschaftliche Artikel dazu:

Tal, A., Wansink, B., Fattening, Fasting. Hungry Grocery Shoppers Buy More Calories Not More Food AMA Intern Med. 2013;173 (12):1146-1148

Jing Xu ,A., Schwarz, N., Weyer, Jr.RS Hunger promotes acquisition of nonfood objects in:  https://doi.org/10.1073/pnas.1417712112

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Historisches Historisches Via de la Plata

Römische Relikte auf der Via de la Plata – Italica/Capalla/Merida

Römische Relikte auf der Via de la Plata

Italica/Capalla/Merida

Die Via de la Plata verläuft in Teilen entlang einer in der Römerzeit  entstandenen Nord-Südverbindung durch die Extremadura (siehe auch Artikel zur Romanisierung). Diese Verbindung spielte damals eine wichtige Rolle, verband diese sogenannte „Silberstraße“ doch die Erzminen Kastiliens und Galiciens mit Andalusien und dem Süden. 800 Kilometer lang war dieser Handelsweg. Deshalb treffen wir auf unserer Wanderung auch immer wieder auf Relikte aus der Römerzeit. Neben vielen Meilensteinen am Wegesrand, Teilstücken des alten gepflasterten Römerweges sowie zahlreichen kleinen und größeren Brücken (z.B. die Römerbrücke bei Aldea del Cano oder die Brücke nach Salamanca) sind es vor allem die Ausgrabungsstätten von Italica und  Capalla  sowie die vielen römischen Bauwerke in der Stadt Merida die unsere besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Italica (heute Santiponce)

Die ehemalige Römerstadt Italica vor den Toren Sevillas (10 km nördlich von Sevilla) ist die erste Station auf der Via de la Plata, die uns verstärkt die Zeit der Römer in Spanien verdeutlicht. Italica war eine berühmte Stadt des römischen Reiches. Sie geht zurück auf die Gründung eines Lazaretts für römische Krieger nach der Schlacht von Ilipa im 2. Punischen Krieg (206 v. Ch.)  und wurde dann zu einem Militärposten ausgebaut als Bollwerk gegen die Angriffe der Karthager. Italica wurde ein wichtiges Verwaltungs-zentrum, von dem auch später eine verstärkte Romanisierung des Landes ausging.

Spätestens unter Caesar erhielt die Stadt den Status zum Municipium. In der Kaiserzeit, beginnend bereits mit Caesar erhielten auch Städte in den Provinzen außerhalb Italiens (allerdings fast nur im Westen des Reiches) das Recht eines Municipiums. Das bedeutete, dass den Bürger die vollen Bürgerrechte zugestanden wurden, also auch das Stimm- und Wahlrecht. Die damalige Bedeutung der Stadt lässt sich auch an ihrem Reichtum ablesen. Belege dafür sind das noch teilweise erhaltene Amphitheater und zahlreiche wunderschöne Fußbodenmosaike. Leider ist von den anderen Gebäuden relativ wenig übriggeblieben, da die Stadt später verlassen und als „Steinbruch“ verwendet wurde.

Ihre besondere Stellung zeigt sich auch darin, dass die römischen Kaiser Trajan und Hadrian dort beheimatet waren.

Für Cineasten vielleicht noch interessant: Der Ort diente auch als Drehort der Drachengrube aus dem Finale der 7. Staffel der Serie „Game of Thrones“.

Die Römerstadt Caparra und der Arco de Caparra

Auf dem Weg von Carcobos und Banos de Montemayor treffen wir auf den Arco de Caparra, ein stattliches Tor der einst monumentalen Römerstadt Caparra. Nachdem Caparra 74 n.Chr. unter Kaiser Vespasian die Stadtrechte (Municipium) erhielt, begann – begünstigt auch durch die Lage an der Verbindungsstraße zwischen Merida und Astorga der wirtschaftliche Aufschwung. Als Station an der stark frequentierten Handelsroute profitierte es von den fahrenden Händlern und Reisenden. Die Stadt hatte bald eine Ausdehnung von ca. 15-16 Hektar. Ihre Blütezeit lag im 2. und 3. Jh. n.Chr. Viele bedeutende Gebäude wie ein Amphitheater, ein riesiges Forum und Thermen wurden errichtet.

Leider sind nur noch die Grundrisse der Gebäude auf dem Ausgrabungsgelände nachvollziehbar. Überlebt hat all die Jahre der Arco de Caparra aus dem 1. Jh. n.Chr. Das in Spanien einzigartige vierbogige Tor ist aber kein Triumphbogen, wie man meinen könnte, sondern ein von Marcus Fidius Maar zu Ehren seiner Eltern gestifteter Gedenkbogen. Damals stand er mitten in der Stadt, heute steht er etwas verloren mitten in der Landschaft.

Merida

Das prachtvolle Kulturerbe Méridas läßt den Besucher in die römische Antike eintauchen. Die Hauptstadt der spanischen Extremadura bietet prachtvolle römische Bauwerke, darunter ein Theater, einen Zirkus, eine Pferderennbahn, zwei Aquädukte, eine intakte Brücke. Das Museo Nacional de Arte Romano besitzt eine Sammlung von unschätzbarem Wert— kurzum alles, was einen Römerfan in Entzückung versetzen kann. 

Merida ist heute die Hauptstadt der Autonomen Region Extremadura. Im Römischen Reich war die Stadt unter dem Namen „Emerita Augusta“ die Hauptstadt der Provinz Lusitania. Der Name „Eremita“ (lat. für verdient/ausgedient) deutet schon auf den Ursprung der Stadt hin. Die Stadt wurde Ende des Jahres 25 v.Chr. im Auftrag des Kaisers Augustus gegründet. Er ließ die Stadt als Kolonie für die Veteranen der römischen Legionen V Alandae und X Gemina errichten. Es entstanden zahlreiche repräsentative Einrichtungen: Bäderlandschaften, ein Theater, ein Amphitheater, ein Circus, Tempel, Brücken und Aquädukte, die zum großen Teil heute noch zu besichtigen sind. Seine Blütezeit erlebte Merida – wie viele römische Stadtgründungen in der Region – in den ersten beiden Jahrhunderten n.Chr.. Im Gegensatz zu den beiden anderen Stätten, die ja mehr oder weniger Ruinenstädte sind, kann man in Merida von dem früheren Glanz noch eine ganze Menge sehen. In Mérida kann man Spanien vergessen und zwei, drei Tage lang vollkommen ins Römische abtauchen; dafür sorgt schon das einmalige Ensemble an Bauwerken. 

Wichtige Gebäude aus dieser Zeit, die man besichtigen sollte, sind:

  • die Puente Romano – das weltweit größte erhaltene antike Brückenbauwerk mit 721 Metern und 60 Bögen
  • das Amphitheater – Schauplatz für Gladiatoren- und Tierkämpfe für 15.000 – 20.000 Zuschauer
  • das Teatro Romano – Ort für die Ausführungen von griechischen Tragödien und Komödien mit einem Zuschauerraum für 6.000 Menschen und einem Bühnenkomplex mit Bühnenhaus und der eigentlichen Bühne
  • der Circus – langgestreckte Arena, in der in erster Linie Wagenrennen und seltener Tierkämpfe stattfanden mit einem Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern
  • der Tempel der Diana – zwischen dem 1. Und 2. Jh. gebaut, wurde nicht zur Anbetung der Göttin der Jagd genutzt sondern zur Huldigung des Gott gleichen Kaiser Augustus
  • das Aquädukt Los Milagros – s. die Ausführungen unten

Als Hauptstadt der römischen Provinz Lusitanien entwickelte sich Mérida zu einer der blühendsten Städte des Römischen Reiches. Während der Ausbreitung des Christentums stellte es einbedeutendes religiöses Zentrum dar. Unter westgotischer Herrschaft behielt die Stadt noch eine Zeit lang ihre Rolle als Hauptstadt des Reiches, bis sie diesen Titel an Toledo abgeben mußte. 

Die römische Wasserversorgung

Von besonderer Bedeutung ist auch die römische Wasserversorgung der Stadt. In ihrer Konstruktion und technischen Ausführung ist sie auch heute noch ein wahres Wunderwerk. Dafür errichteten die Römer zwischen 100 und 150 n. Chr. eigens einen Staudamm im etwa 6 km entfernten Prosperina. Seine Dimensionen setzen uns heute noch in Erstaunen.  Die Mauer ist 400 Meter lang und bis zu 21 m hoch und das Reservoir hat ein Fassungsvermögen von 5 Millionen qm. Von hier aus wurde das Wasser über eine etwa 10 km lange Wasserleitung und über insgesamt sieben Aquädukte weitergeleitet, wovon das monumentale “Los-Milagros”-Aquädukt am Rand von Merida das größte ist. Endstation in der Stadt war das “Castellum aquae”, das Wasserreservoir auf dem heutigen ‘Cerro del Calvario’. Wie erstaunlich die Bauleistung ist, lässt sich daraus ermessen, dass das Wasser u.a. einen ins Granitgestein geschlagenen Tunnel durchläuft und zudem ein ganz spezielles Gefälle hat. Die Neigung beträgt durchgehend einen Meter auf zwei Kilometer, die maximale Durchflussmenge beträgt somit 150 Liter pro Sekunde. Welch eine technische Meisterleistung!

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Die Romanisierung Hispaniens

Die Romanisierung Hispaniens

Hintergrundwissen

Kurze Vorgeschichte

Schon vor etwa 12.000 v. Chr. war Spanien bereits besiedelt. Höhlenmalereien belegen dies eindeutig. Die ältesten Hinweise finden sich in der Höhle von Altamira (s. dazu meine Ausführungen auf dem Camino del Norte). Zu den Ureinwohnern Spaniens zählen die Völker der Iberer und der Kelten, die im 5. und 4. Jh. v. Chr. miteinander verschmolzen, sowie die Basken (s. dazu Geschichte der Basken in meinen Ausführungen auf dem Camino del Norte).

Im 11. Jh. v.Chr. siedelten sich die Phönizier an der Südküste an. Später setzen sich die Griechen an der Küste fest. Nach dem 1. Punischen Krieg (237 – 219) eroberten die Karthager den Süden und Osten der iberischen Halbinsel.

Der Prozess der Romanisierung

Die erste Phase - die Zeit des 2. punischen Krieges

Nach dem 2. Punischen Krieg wurden die Karthager von den Römern aus der iberischen Halbinsel vertrieben. So wurde für diese der Weg frei, um ab dieser Zeit Iberien Stück für Stück für das römische Reich einzunehmen. Es dauerte aber mehrere Jahre und mehrere Auseinandersetzungen mit den Karthagern bis diese erste Eroberung erfolgreich war.

Zwischen 210-209 v.Chr. eroberte Publius Cornelius Scipio Africanus zunächst das mediterrane östliche Spanien. Der Hauptgegner im südlichen Spanien war dann Karthago. Diese griff er in der Stadt Cartagena an. Die Stadt war für die Karthager von besonderer strategischer Bedeutung. Von hier aus kam der Nachschub aus Afrika, hier in der Nähe lagerten reiche Silberminen und hier gab es einen Hafen, der auch eine große Flotte aufnehmen konnte. Scipio konnte die Karthager vernichtend schlagen und die Stadt erobern.

Die zweite wichtige Schlacht fand dann im Jahr 208 v.Chr. wahrscheinlich bei der Stadt Bäcula (heute Ubeda) statt, wo die Karthager ca. 8000 Mann verloren. Scipio setzte nach den beiden Schlachten jeweils eine geschickte Taktik ein. Er entließ die mit den Karthagern verbündeten Iberer in die Freiheit und schickte nur die Afrikaner in die Sklaverei. So versuchte er unter den Iberern neue Verbündete zu gewinnen. Außerdem überließ er seinen iberischen Mitkämpfern einen Teil der Beute. So konnte er auf der iberischen Halbinsel Unterstützer finden, die die römische Herrschaft festigen sollten.

Im Jahr 206 kam es dann zu der letzten und entscheidenden Schlacht gegen die Karthager und zur endgültigen Einnahme des südlichen Spaniens. Diese entscheidende Schlacht fand bei der Stadt Ilipa (Alcala de Rio) unweit von Cadiz statt, bei der die Karthager endgültig geschlagen und aus Spanien vertrieben wurden.

Die Römer waren nun an Teilen der Küste Spaniens und im Süden präsent. Die nördliche Mittelmeerküste, also die Regionen am und nördlich des Ebro, Aragonien und Katalonien waren als erstes von den Römern erobert worden. Mit dem Sieg über die Karthager fielen ihnen nun auch die Küsten Valencias, Murcias sowie das Binnenland Andalusiens (das Guadalquivirbecken) in die Hände. Man kann hier aber nur von ersten Ansätzen einer Romanisierung sprechen, denn zunächst handelte es sich mehr um eine Ansammlung von Quartieren des römischen Heeres. Es entstanden nur erste kleine Städte. Durch die Heirat von römischen Soldaten und iberischen Frauen kam es in der Folge zu einer ersten Durchmischung der Bevölkerung.

Die zweite Phase - die Zeit des Widerstandes und der Aufstände

Nach dem Sieg gegen die Karthager versuchten die Römer Spanien endgültig unter ihre Herrschaft zu bringen. Der Unabhängigkeitswille und die Konkurrenz zwischen den einzelnen keltiberischen Stämmen führte dazu, daß sie in ständiger Furcht voreinander lebten, weil sie immer wieder übereinander herfielen. Man könnte meinen, dies ließe es den Römern leicht werden, die Stämme nacheinander zu besiegen. Doch es dauerte über 200 Jahre, bis ihnen alle Stämme der Iberischen Halbinsel zu Füßen lagen.

Auf die einzelnen Aufstände und Überfälle gehe ich im Folgenden nicht explizit ein. Zwischen 197-133 v. Chr. kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen der römischen Besatzung und den einheimischen Völkern der Iberer und Lusitanier. Dabei gingen die Römer z.T. mit äußerster Brutalität vor, um die einheimischen Völker einzuschüchtern. Trotzdem konnten sie zunächst nur den Süden und Südwesten der Halbinsel besetzen. Es kam immer wieder zu Überfällen und Kämpfen mit verschiedenen Gruppen der Iberer und es dauerte bis 133 v. Chr. bis mit der Niederlage der Iberer bei Numuntia eine zeitweise Ruhe zwischen den Römern und den Völkern Hispanias herrschte. Allerdings hielt dieser Frieden nicht lang, sondern es kam immer wieder zu neuen Auseinandersetzungen mit Aufständischen, zum Teil auch bedingt durch die Schwächung der Römer auf Grund des in Italien geführten Bürgerkrieges.  Insgesamt konnten in dieser Zeit das Binnenland, das heutige Kastilien-La Mancha und Kastilien-Leon sowie einige kleine Regionen erobert werden. Die Regionen im Norden,  Asturien, Galicien und Kantabrien, konnten sich auf Grund der topografischen Lage noch dem römischen Einfluss entziehen.

Die dritte Phase - die endgültige Eroberung des gesamten Landes

Erst Julius Caesar, der 61 v. Chr. als Proprätor die Provinz Hispanien Ulterior leitete, gelang es, den Widerstand der lusitanischen Stämme zu brechen und so das heutige Nordportugal und Galicien zu erobern. Allerdings konnte auch er den Nordwesten der Halbinsel nicht beherrschen. Erst unter Augustus wurde auch diese Region befriedet. Er teilte das Land nicht wie bisher in Hispania Citerior (näherliegend) im Osten und Hispania Ulterior (weiter entfernt) im Süden und Westen, sondern er gestaltete drei Provinzen Lusitania im Westen, Baetica im Süden und Traconensis im restlichen Bereich. Die Basken im Norden behielten ihre Unabhängigkeit. Nach der endgültigen Eroberung Spaniens kam es zu keinen nennenswerten Aufständen mehr und es folgte eine Zeit des Friedens, der Pax Romana.

Bedeutung der Romanisierung

Hispanien war das erste große Territorium außerhalb Roms, das von den Römern eingenommen wurde. Hier konnten sie sozusagen ihre Kolonialisierung anderer Länder erproben. Trotz der vielen Kämpfe und Auseinandersetzungen mit den einheimischen Völkern wurde die Eroberung dadurch erleichtert, dass es in Spanien kein einheitliches Staatsgebilde gab und die einzelnen Völker Spaniens leicht gegen einander ausgespielt werden konnten. Die Eroberung des ganzen Landes war auch deshalb für die Römer von Interesse, da sie so an Produkten wie Wein und Öl vor allem aber an die reichen Eisenerz- und Goldvorkommen im Norden und an die Silberbergwerke im Süden Spaniens kamen.

Nach der Eroberung bekam das ganze Land nun zur militärischen Sicherung zahlreiche Kastelle. Ein System von neuen Handelswegen wurde aufgebaut, um den Abbau und Transport der Bodenschätze und den Export landwirtschaftlicher Produkte wie Wein, Öl und Getreide nach Rom zu erleichtern. Der Ausbau des Straßennetzes trug gleichzeitig zur schnelleren Romanisierung der Bevölkerung bei. Die modernen Verkehrswege zwischen den spanischen Großstädten folgen noch heute teilweise dem Verlauf der römischen Verbindungswege.

Durch die Verschmelzung der einheimischen Oberschicht mit den römischen Machthabern wurde die Halbinsel allmählich ein wichtiges Zentrum römischer Kultur.

Wer in die neuen spanischen Provinzen Roms versetzt wurde, suchte die kulturellen Errungenschaften und Gepflogenheiten römischen Lebens so gut wie möglich beizubehalten.  So entstanden in den Städten u.a. Theater, Amphitheater und zahlreiche Tempel.  Zudem errichteten wohlhabende Bürger repräsentative Wohnhäuser nach römischem und griechischem Vorbild.

Die römische Provinz stellte sogar römische Kaiser wie Trajan (53-117 n.Chr.) und Hadrian (76-138 n.Chr.). Auch so angesehene Schriftsteller wie Seneca, Lucan und Martial kamen von hier. Die römische Religion wurde im Land etabliert aber neben der offiziellen Religion bestanden die alten Götter – allerdings unter neuem Namen – weiter.

Der hohe kulturelle und technologische Entwicklungsstand der Römer veränderte tiefgreifend die soziokulturellen Grundlagen der angestammten Bevölkerung im Zuge einer sukzessiven Anpassung. Die Annahme römischer Lebensweisen und Wirtschaftsformen führte zu einer Zurückdrängung traditioneller iberischer und keltischer Kulturformen wie die Gütergemeinschaft, des endogamischen Heiratsverhaltens (soziale Norm  in der eigenen sozialen Gruppe oder Sippe zu heiraten) oder der starken Bindung an den eigenen Stamm oder die Sippe. Allerdings entzogen sich die in den unzugänglichen Gebirgsgegenden lebenden Stämme – so auch die Basken – weitgehend der Romanisierung. In den von den Römern eroberten Gebieten, in denen sich die römische Kultur durchsetzt, kam es zur Urbanisierung, Intensivierung des Ackerbaus und Bürokratisierung. Die nachhaltigste Hinterlassenschaft aus der Römerzeit ist jedoch zweifellos die Sprache. Die auf der Iberischen Halbinsel und im gallischen Raum angestammten Sprachen wurden sukzessive und nahezu flächendeckend durch das Lateinische verdrängt, aus dem sich wiederum in den folgenden Jahrhunderten die verschiedenen romanischen Sprachen entwickelten

Anfang des 5.Jhs. n.Chr. zerfiel das römische Reich und die Westgoten ergriffen aus Norden kommend die Herrschaft in Spanien.

Kritische Betrachtung der Geschichtsschreibung der damaligen Zeit

Kurz möchte ich noch auf die Probleme der Geschichtsschreibung eingehen. Denn da es fast keine karthagischen und iberischen Quellen gibt, stammen die meisten Informationen über die Eroberung Hispaniens aus römischen Quellen. Hierbei handelt es sich somit um eine Siegergeschichtsschreibung. Eine solche Geschichtsschreibung beinhaltet in der Regel eine Fülle subjektiver Darstellungen und Bewertungen – wir kennen dies ja bis in unsere heutigen Tage. So ist es die schwierige Aufgabe der Historiker, Belege für richtige und falsche Aussagen zu finden. Bei jeder nur einseitigen Darstellung von Geschehnissen ist die Gefahr von – wir würden heute sagen – Fake News gegeben und wohl auch sehr wahrscheinlich.

Hier noch eine aktuelle Ergänzung:

Eine interaktive Karte zeigt das römische Straßennetz so umfassend wie nie zuvor und enthüllt die wahre Länge dieser antiken Routen. Die Römerstraßen erstreckten sich demnach über mehr als 299.170 Kilometer Länge, fast doppelt so viel wie bislang angenommen.

Die Römerstraßen waren in der Antike wichtige Verkehrsadern, über die WarenMenschen und Ideen von einem Ende des riesigen Römischen Reichs zum anderen gelangten. Typisch für diese Straßen war ein Fundament aus Steinbrocken, Kies und Sand oder Lehm, auf dem das in der Mitte gewölbte Straßenpflaster gelegt wurde. Ähnlich wie heute waren die Fernstraßen breiter, von Meilensteinen gesäumt und besser ausgebaut. Regionale und lokale Straßen unterstanden den Provinzen uns waren meist einfacher konstruiert. (s. weitere Erläuterungen unter Itiner-e Altas Media/MINERVA und de Soto et al. Scientific Data CC-by4.0. Die Karte von 2025 ist im Internet frei zugänglich)

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