Die Herberge am Stausee

Geschichten auf dem Via de la Plata

Wir waren von Caceres gestartet und es war die erste Etappe auf unserem 2. Abschnitt der Via de la Plata. Wir wollten nach Cesar de Caceres. Es wurde eine lange einsame Wanderung durch Getreide- und Weideflächen. Da gerade die Autobahn im Bau war, mussten wir zusätzlich noch einige Umwege in Kauf nehmen. Und das an einem so heißen Tag. Endlich erreichten wir den Tajo-Stausee, an dem die Herberge liegen sollte. Aber der Weg entlang des Stausees zog und zog sich. Wir waren schon so kaputt, dass wir beschlossen, einfach im nächsten Ort eine Unterkunft zu suchen. Aber es kam kein Ort! 

Endlich hatten wir fast das Ende des Stausees erreicht, da sahen wir ein Schild der Herberge und vor uns entdeckten wir auch schon ein größeres Haus. Als wir ankamen, stand daran „en venta“! Das durfte doch nicht wahr sein. Aber vielleicht war die Herberge doch noch ein Stück weiter?! Mit dem Mut der Verzweiflung folgten wir einem groben Schotterweg Richtung See und siehe da, vor uns lag eine schöne, neuerrichtete Herberge mit allem Komfort – Zimmer für uns, herrliche Duschen und schöne Küche und sogar die Möglichkeit, eine Kleinigkeit zum Essen zu bestellen.

Wir stellten unsere Rucksäcke an der Rezeption ab und meldeten uns an. Bevor wir ins Zimmer gingen, gönnten wir erst einmal eine Stärkung mit einem kühlen Bier. Aus dem einen Bier wurden dann zwei, die so langsam unsere Lebensgeister wieder weckten. Als wir dann auf unser Zimmer gehen wollten, mussten wir allerdings erst einmal unsere Rücksäcke suchen. Wir waren anscheinend so erschöpft und durstig gewesen, dass wir sie einfach an der Rezeption vergessen hatten.

Im Zimmer angekommen haben wir uns nur schnell umgezogen und ab ging es mit Hurra zu einem kühlen Bad in den Stausee! Welch ein Genuss!! Was uns überraschte, außer uns war niemand im Wasser. Später erzählte uns eine Pilgerin, sie hätte sich nicht getraut und sich dann geärgert, als sie uns so fröhlich schwimmen sah. Wir hatten einfach an der Rezeption gefragt, ob es möglich sein zu baden. So erfrischt und gestärkt genossen wir auf der Veranda sitzend den Sonnenuntergang und den herrlichen Abendhimmel! Ja, das ist typisch für den Jakobsweg – anstrengende Etappen, die einen fordern und dann als Belohnung herrliche entspannte Abende, die man einfach nur genießen kann!

Apropos, in einem Pilgerbericht habe ich jetzt gelesen, dass auch Kühe in dem See baden. Es hat die Pilgerin allerdings auch nicht davon abgehalten, dort zu baden. Wir waren auf jeden Fall ohne tierische Begleiter im See – und das war auch gut so!

 

 

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