Denk an die alte Regel: geh nie einkaufen, wenn du Hunger hast!

Geschichten auf dem Via de la Plata

Der erste gemeinsame Jakobsweg von Marie Louise und mir war die Via de la Plata. Am ersten Tag wollten wir von Sevilla nach Guillena wandern. Es war ein heißer Tag, obwohl es schon Mitte Oktober war. Der Weg führte teilweise an Straßen entlang und dann durch endlose Felder ohne Strauch und Baum. Man sah bis zum Horizont nur den Weg und die Felder und hatte das Gefühl, dass der Weg nie enden würde. Leider machten wir auch noch einen der typischen Fehler – wir hatten zu wenig zu trinken mitgenommen. So ging es Marie Louise ein paar Kilometer vor unserem Ziel ziemlich schlecht. Ich überlegte schon, einen Bauern in seinem Auto anzuhalten, damit er uns zum nächsten Ort mitnimmt. Aber dann schafften wir es doch noch mit einigen Pausen bis nach Guillena.

In der Herberge tranken wir als erstes Wasser aus der Leitung, dann war duschen und ein wenig ausruhen angesagt. Doch wir waren beide innerlich unruhig, da wir uns unbedingt für den nächsten Tag ausreichend mit Getränken und Proviant versorgen wollten.

Also machten wir uns bald auf zum nächsten Supermarkt, um einzukaufen:

 

  • 3 Flaschen Wasser und Saft – ach nein doch lieber 4
  • 4 Apfelsinen – Vitamine für unterwegs
  • 2 Äpfel – die halten sich gut
  • 4 große Pflaumen – hm die sehen so lecker aus
  • 3 große Tomaten – erfrischend beim Abendessen
  • 1 ach besser 2 Paprika auch fürs Abendessen
  • 1 nein lieber 2 Stücke Käse, eins für unterwegs, eins für den Abend
  • 1 Brot
  • 1 Baguette
  • 1 Packung kleine süße französische Brötchen für zwischendurch
  • eine Dose Thunfisch
  • ach ja und noch eine Tüte Nüsse zur Stärkung unterwegs

Ja das müsste so passen!

Vergnügt gingen wir zur Kasse im Bewusstsein, dass wir am nächsten Tag mit der Verpflegung keine Probleme mehr haben würden. Dann sahen wir das kleine Restaurant neben dem Supermarkt und genossen dort ein leckeres Abendessen. In der Herberge angekommen verstauten wir unser Essen im Kühlschrank und gingen schlafen.

Die Überraschung kam erst am nächsten Morgen. Als wir unser Essen im Rucksack verstauen wollten, stellten wir – „überraschenderweise“ – fest, dass wir gar nicht alles in den Rucksack bekamen, ohne dass wir das Obst und Gemüse zerdrückten. Aber wir wollten natürlich auch alles mitnehmen! So wurden auch noch die Außentaschen vollgestopft. Zusätzlich hing an meinem Rucksack noch ein Plastikbeutel, in dem wir das Brot verstaut hatten. Daraus sollte sich am nächsten Tag noch eine lustige Geschichte entwickeln.

Unsere Einsicht, dass unsere Augen gestern doch zu groß waren, war ja schon da. Aber als wir dann unsere Rucksäcke schulterten, war uns beiden klar, wir nehmen nie mehr so viel Proviant mit! So schwere Rucksäcke und das noch am 2. Tag unserer Wanderung, an dem wir uns doch noch einlaufen wollten! Der einzige „Vorteil“ war, dass wir die nächsten drei Tage nur einmal unseren Getränkevorrat auffüllen mussten und ansonsten von unseren Vorräten zehren konnten.

Fazit: Geh nie einkaufen, wenn du hungrig bist oder wenn es nicht anders geht, dann mäßige dich!!!

 

Wissenschaftler wissen das natürlich schon lange. Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass Appetit die kognitive Leichtigkeit steigert, mit der mentale Konzepte von Konsum oder Erwerb aktiviert werden.

 

Wenn es interessiert, hier zwei wissenschaftliche Artikel dazu:

Tal, A., Wansink, B., Fattening, Fasting. Hungry Grocery Shoppers Buy More Calories Not More Food AMA Intern Med. 2013;173 (12):1146-1148

Jing Xu ,A., Schwarz, N., Weyer, Jr.RS Hunger promotes acquisition of nonfood objects in:  https://doi.org/10.1073/pnas.1417712112

Translate »