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Die Geschichte des Camino Português

Die Geschichte des Camino Português

Der Camino Português, der Portugiesische Jakobsweg, gehört zu den traditionsreichsten Pilgerwegen Europas. Er verbindet Portugal mit Santiago de Compostela in Galicien und führt durch eine Landschaft, in der sich jahrhundertealte Geschichte, religiöse Tradition, Handel und kultureller Austausch miteinander verbinden.

Die Entdeckung des Apostelgrabes
Der Ursprung der Jakobswallfahrt wird traditionell in das frühe 9. Jahrhundert datiert. Um das Jahr 820–830 sollen die Überreste des Apostels Jakobus in der Nähe des heutigen Santiago de Compostela entdeckt worden sein. Der Überlieferung zufolge machte der Eremit Pelagius die Entdeckung, die anschließend von Bischof Teodomiro aus Iria Flavia bestätigt wurde. König Alfons II. von Asturien erkannte die Bedeutung der Entdeckung und ließ an der Stelle eine Kirche errichten. Aus diesem bescheidenen Anfang entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die heutige Kathedrale von Santiago de Compostela. Santiago wurde zu einem der bedeutendsten christlichen Wallfahrtsorte Europas – neben Jerusalem und Rom. Pilger machten sich aus nahezu allen Teilen Europas auf den Weg nach Galicien.

Von Mário José Martins - Flickr: Ponte de Lima 47, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18807951 Die historische, namengebende Brücke des Ortes

Die ersten Wege durch Portugal
Auch aus Portugal kamen bereits früh Pilger nach Santiago. Der Camino Português entstand dabei nicht als völlig neu angelegter Pilgerweg. Vielmehr nutzten die Pilger bereits vorhandene Straßen und Handelswege, deren Geschichte teilweise bis in die Römerzeit zurückreicht wie die Via XIX, die im 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut wurde und Braga mit Astorga über Ponte de Lima, Tui, Pontevedra, Santiago und Lugo verband und eine der wichtigsten römischen Straßen war. Die Pilger benutzten aber nicht eine einzelne, festgelegte Route. Es gab ein Netz verschiedener Wege, die aus unterschiedlichen Teilen Portugals nach Norden führten.
Auch wenn der Camino Central üblicherweise stärker mit der klassischen historischen Route durch das portugiesische Landesinnere verbunden ist, so gab es doch auch entlang der Küste zahlreiche Pilgerbewegungen, was auch die zahlreichen kulturellen Stätten belegen..
Über all diese Verkehrswege bewegten sich im Mittelalter nicht nur Pilger, sondern auch Händler, Geistliche, Soldaten und Reisende. Der Camino Português war deshalb von Anfang an mehr als ein religiöser Weg. Er war Teil eines weit größeren Netzes von Verkehrs- und Handelsverbindungen auf der Iberischen Halbinsel.

s. auch Kapitel “Der Camino Portugues und seine verschiedenen Varianten”

Von Jose Manuel - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=406922

Die portugiesische Unabhängigkeit und die Blüte des Weges
Ein entscheidender Wendepunkt kam im 12. Jahrhundert mit der Entstehung des unabhängigen Königreichs Portugal. Nach der portugiesischen Unabhängigkeit intensivierten sich die Beziehungen zwischen Portugal und dem benachbarten Galicien. Menschen, Waren und Ideen bewegten sich über die Grenze. Der Weg nach Santiago gewann dadurch zunehmend an wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Bedeutung.
Entlang der Routen entstanden Kirchen, Klöster, Hospitäler und Herbergen, die den Pilgern Unterkunft und Versorgung boten. Städte und Gemeinden entwickelten Strukturen, die den stetig wachsenden Pilgerverkehr unterstützten. Der Camino Português wurde so zu einem festen Bestandteil des europäischen Pilgernetzes. Hinzu kam, dass über die portugiesischen Häfen viele ausländische Pilger den Camino erreichten.

Könige und Königinnen auf dem Weg nach Santiago
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit machten sich auch Mitglieder des portugiesischen Königshauses auf den Weg nach Santiago. Besonders bekannt ist Elisabeth von Portugal, die im 14. Jahrhundert zweimal nach Santiago pilgerte. Ihre Reisen gehören zu den bedeutendsten Zeugnissen der portugiesischen Jakobusverehrung. Sie ging später als „Heilige Königin“ in die Geschichte ein. Auch König Alfons II. von Portugal soll im 13. Jahrhundert nach Santiago gepilgert sein. Ein weiterer berühmter Pilger war König Manuel I., der 1502 von Lissabon nach Santiago reiste. Der Monarch ließ in der Kathedrale von Santiago eine Lampe anbringen, die Tag und Nacht brennen sollte. Solche Pilgerreisen waren weit mehr als persönliche Glaubensakte. Sie machten den Jakobsweg sichtbar und stärkten seine Bedeutung innerhalb der portugiesischen Gesellschaft.

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Der Camino Português als kulturelle Verbindung
Während des Mittelalters und der frühen Neuzeit entwickelte sich der Weg zu einer wichtigen Verbindung zwischen Portugal und Galicien. Pilger waren dabei nur ein Teil der Reisenden. Kaufleute nutzten die gleichen Wege, ebenso Geistliche, Handwerker und Vertreter des Adels. Dadurch entstanden intensive kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen. Weil der Camino seit der galicischen Prähistorie eine Hauptkommunikationsverbindung gewesen ist, hat der Portugiesische Weg mehr urbane Zentren als jeder andere Weg. Er war somit ein Ort der Begegnung. Sprache, Bräuche, religiöse Vorstellungen, kulinarische Traditionen und handwerkliches Wissen wurden über die Grenze hinweg weitergegeben.
Viele der Kirchen, Kapellen, Wegkreuze und Darstellungen des Apostels Jakobus, die man heute im Norden Portugals findet, erinnern noch an die lange Tradition des portugiesischen Jakobsweges. Übriges: Die Schutzpatronin der Provinz Pontevedra und des Portugiesischen Weges ist die Virgen Peregrina, die ihr Heiligtum in einer Kirche mitten im Stadtzentrum hat. Laut lokaler Tradition ist der Grundriss des Gebäudes in Form einer Jakobsmuschel gestaltet, zu Ehren der Jungfrau, die die Pilger leitete.

Der Camino in der frühen Neuzeit
Auch im 16. und 17. Jahrhundert blieb der Weg nach Santiago lebendig. Zahlreiche Geistliche, Adlige und Gelehrte reisten auf den portugiesischen Wegen nach Galicien.
Besonders wertvoll sind die Aufzeichnungen des italienischen Priesters Juan Bautista Confalonieri, der 1594 von Lissabon nach Santiago reiste. Er legte seine Erfahrungen schriftlich fest und hinterließ damit eine wichtige historische Quelle für die Kenntnis des Camino Português. In dieser Zeit wurde der Jakobsweg zunehmend dokumentiert. Reiseberichte, Pilgerführer und persönliche Aufzeichnungen geben heute Einblick in die damaligen Wege, Orte und Reisebedingungen.

Krisen und Niedergang
Die Geschichte des Camino verlief jedoch nicht ununterbrochen aufwärts.
Kriege, politische Konflikte, wirtschaftliche Krisen und Krankheiten erschwerten die Pilgerreisen. Die Reformation und die religiösen Auseinandersetzungen Europas veränderten außerdem die Bedeutung vieler Wallfahrten. Vom späten 18. bis weit ins 19. Jahrhundert ging die Zahl der Pilger deutlich zurück. Der Jakobsweg geriet vielerorts in Vergessenheit und seine Infrastruktur verfiel teilweise. Ein besonders dramatischer Moment für Santiago war das Jahr 1589. Aus Angst vor einem Angriff des englischen Admirals Francis Drake wurden die Reliquien des Apostels Jakobus versteckt. Sie gerieten anschließend für Jahrhunderte in Vergessenheit.

Die Wiederentdeckung des Apostelgrabes
1879 kam es zu einem Ereignis, das für die spätere Wiederbelebung des Jakobswegs von großer Bedeutung war: Die lange verborgenen Reliquien des Apostels Jakobus wurden in Santiago wiederentdeckt. Papst Leo XIII. bestätigte 1884 mit der päpstlichen Bulle Deus Omnipotens die Verehrung der Reliquien. Ein besonderes Heiliges Jahr folgte 1885. Wenn der 25. Juli, der Festtag des Apostels Jakobus, auf einen Sonntag fällt, wird in Santiago ein Heiliges Jahr gefeiert. Die Tradition geht auf das Mittelalter zurück; als frühe mögliche Heilige Jahre werden 1428 oder 1434 genannt. Diese Ereignisse gaben der Wallfahrt nach Santiago neuen Auftrieb. Dennoch dauerte es noch viele Jahrzehnte, bis der Jakobsweg wieder zu einer international bedeutenden Pilgerroute wurde.

Das Heilige Jahr (Año Santo Jacobeo) ist ein besonderes katholisches Jahr in Santiago de Compostela, das immer dann stattfindet, wenn der 25. Juli (Fest des Apostels Jakobus) auf einen Sonntag fällt. Im Jahr 2027 ist es wieder soweit.
Für Pilger auf dem Jakobsweg hat es eine besondere Bedeutung:
• Pilgerfahrt: Wer nach Santiago pilgert und dort das Grab des Apostels Jakobus besucht, kann unter bestimmten kirchlichen Voraussetzungen einen vollständigen Ablass erhalten.
• Pforte der Vergebung: In einem Heiligen Jahr wird traditionell die Heilige Pforte der Kathedrale von Santiago geöffnet.
• Besonders festliche Atmosphäre: Es gibt zusätzliche Gottesdienste, Prozessionen und religiöse Veranstaltungen.
• Mehr Pilger: Der Jakobsweg ist in Heiligen Jahren meist deutlich voller, sodass Unterkünfte und beliebte Routen stärker ausgelastet sein können.

https://www.pilgrim.es/de/portugiesischer-weg/

Die Wiedergeburt des Jakobswegs im 20. Jahrhundert
Die eigentliche moderne Wiederentdeckung des Camino begann vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den 1950er- und 1960er-Jahren entstanden neue Jakobusgesellschaften, die sich für die Erforschung, Markierung und Wiederbelebung der historischen Wege einsetzten.
Auch die Heiligen Jahre von Santiago trugen dazu bei, das Interesse an der Wallfahrt neu zu wecken.Ein besonderer Meilenstein war das Jahr 1982, als Papst Johannes Paul II. Santiago de Compostela besuchte. Seine Rede in Santiago und sein Appell für ein geeintes Europa machten den Jakobsweg erneut zu einem Symbol europäischer Geschichte und Identität. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die internationale Aufmerksamkeit rapide.

Der Camino Português heute
Seit den 1990er-Jahren erlebt der Camino de Santiago eine außergewöhnliche Renaissance. Immer mehr Menschen aus aller Welt entdecken die verschiedenen Jakobswege – nicht nur aus religiösen Gründen, sondern auch aus kulturellem Interesse, als persönliche Herausforderung oder auf der Suche nach Ruhe und Begegnung.
Auch der Camino Português hat von dieser Entwicklung stark profitiert.
Heute beginnen Pilger ihre Reise unter anderem in Lissabon, Porto oder an verschiedenen Orten im Norden Portugals. Von dort führt der Weg durch historische Städte und Dörfer, über alte Brücken und römische Verkehrswege, durch Weinregionen und entlang der Atlantikküste oder über die traditionelle Inlandroute nach Galicien. Nach dem Grenzübertritt bei Tui führt der Weg weiter durch Galicien über weitere historische Orte, bevor die Pilger Santiago de Compostela erreichen. Inzwischen hat sich der Camino Portugués, was die Zahl der Pilger betrifft, zum zweit meistbesuchten Jakobsweg nach dem Camino Francés entwickelt.

Die Geschichte des Camino Português ist mehr als eine Abfolge von Jahreszahlen und berühmten Pilgern. Über mehr als tausend Jahre hinweg war dieser Weg Pilgerroute, Handelsweg, kulturelle Verbindung und Begegnungsraum. Könige und Königinnen, Geistliche, Händler und einfache Menschen haben ihn genutzt und ihre Spuren hinterlassen.
Die heutigen Pilger folgen denselben historischen Verbindungen und erleben die herrlichen Landschaften und kulturellen Schätze Portugals und Galiciens wie schon Generationen vor ihnen.

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Quellen

(Bücher beispiele:)

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Die Castro-Kultur, ein Relikt aus der Eisenzeit

Die Castro-Kultur, ein Relikt aus der Eisenzeit

Camino del Norte, Via de la Plata, Camino Português

Castro-Kultur (prtugiesisch: Cultura Castreja, galicisch: Cultura Castrexa, spanisch: Cultura Castreña) ist eine zusammenfassende archäologische Bezeichnung für eisenzeitliche Kulturen auf der nordwestlichen Iberischen Halbinsel, die seit dem Ende der Bronzezeit (1.Jahrtausend v.Chr.) bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. bestanden. Sie wurde nach den charakteristischen Castros, den befestigten Siedlungen, benannt, die meist auf Hügeln mit guter Sicht angelegt wurden.

Castro de Viladonga De {{{1}}}, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62343224 Castro

Geschichte

Die Castro-Kultur begann sich am Ende der Bronzezeit aufgrund kultureller Einflüsse der zentraleuropäischen und mediterranen Kulturen zu entwickeln. In der anschließenden Periode, die bis ins 5. Jahrhundert v. Chr. reichte, breiteten sich die Castros vom Süden nach Norden und von der Küste ins Innere der Iberischen Halbinsel aus. Die Expansion setzte sich  fort, bis im 2. Jahrhundert v. Chr. der Einfluss des Römischen Reiches stärker wurde. Mit der Gründung der römischen Provinz Gallaecia war dann das Ende der Castro-Kultur besiegelt. Für die Römer spielten die Vorkommnisse von Gold und anderen Metallen im Norden der iberischen Halbinsel eine wichtige Rolle bei der Eroberung. Diese wurden dann auch in den folgenden Jahrhunderten hier ausgebeutet. So wurden z.B. viele der römischen Münzen mit dem Gold aus Spanien geprägt. Nach einer Übergangsphase war die Castro-Kultur im 4. Jahrhundert n. Chr. verschwunden.

Von Froaringus - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11799792 Schwerpunkt der Castro-Kultur in Galicien

Regionale Verteilung

Die Castro- oder Castrexa-Kultur entwickelte sich im Nordwesten der Iberischen Halbinsel.

Das Gebiet umfasste mit seinem Zentrum im heutigen Galicien zudem den Norden des heutigen Portugals sowie die zentralen und westlichen Gebiete Asturiens und kleine Gebiete weiter südlich bis zum Fluss Duero.

Eine der wichtigsten Gemeinsamkeiten der portugiesischen, galicischen und asturischen Castros ist ihre exponierte Lage. Die meisten von ihnen befinden sich auf Hügeln, Bergkuppen oder Anhöhen und boten so einen optimalen Schutz gegen Angriffe. Diese Dörfer oder Kleinstädte (manchmal mehr als 1000 Einwohner) waren zudem von Mauern oder Wällen geschützt. Im Innern finden sich meist runde oder auch rechteckige Steinhäuser und schmale Gassen.

Castro de Coana Von Markus Braun - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1304407

Einige Beispiele:

  • Das größte bisher ausgegrabene befestigte Castro de Viladonga  liegt in der Region Lugo. Es nimmt eine Fläche von ca. 4 Hektar innerhalb der Mauern ein, davon umfasst  der Croa (der höchste Teil der Festung)  10.000 qm mit einer unregelmäßigen viereckigen Form ein.
  • Castro Borana in der Nähe der Gemeinde Porto do Son in Galicien ist eines der besterhaltenen und besonders spektakulär liegenden Castros. Es befindet sich auf einer nur über eine tief liegende Landenge verbundenen kleinen Halbinsel direkt am Meer.
  • Das Castro de Coana in Asturien liegt nahe der Stadt Navia und somit in der Nähe des Camino del Norte. Sehr gut erhalten sind die fast 100 meist kreisrunde Fundamente der Steinhäuser der auf einer Bergkuppe gelegenen Siedlung.
  • Am Castro Teso de las Catedrales in Salamanca an der Via de la Plata wurden die Ausgrabungen erst in den letzten Jahren intensiviert.
Von L.Miguel Bugallo Sánchez (http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Lmbuga) - self made, http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Castro_de_BaroNa.Galiza.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2761701
Castro de Barona Von AnaisGoepner - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59339819
Lage zweier Castros in Salamanca

Lebensform

Die Castro-Wirtschaft basierte auf der Landwirtschaft mit Getreide wie Weizen, Hirse, Hafer und Gerste, Hülsenfrüchten wie Bohnen und Kichererbsen, Kohl, Rüben usw. und Viehwirtschaft mit Kühen, Pferden, Schafen, Ziegen und Schweinen. Sie jagten aber auch Hirsche und Wildschweine, fischten und sammelten Muscheln.

Der Abbau von Gold, Eisen, Kupfer, Zinn und Blei spielte ebenfalls eine Rolle. Die Erze wurden von den Castro-Metallurgen zu Werkzeugen und Schmuck verarbeitet. Zahlreiche Funde von Silber- und Goldreifen, Ohrringen und Ringen weisen auf Prunk- und Schaustücke für die Elite in der Hierarchie der Stämme hin. Die typischen keltischen Torques (offene Halsringe) machen die keltische Zugehörigkeit der Castro-Bevölkerung wahrscheinlich.

Die Skulptur war vor allem in den südlichen Gebieten weit verbreitet. Unter den Waffen stechen die Kurzschwerter und die „Antennen“-Dolche hervor, die allerdings in ihrer Anzahl selten sind.

https://viladonga.xunta.gal/en/museo/coleccions/pezas/torques-or-rigid-collar-open
Von Joseolgon - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19085340
Von Xemenendura - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16347577
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Kritische Betrachtung der komplexen acht Jahrhunderte der islamischen Invasion und der Reconquista

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„Mehr als irgendwo sonst in der islamischen Welt gab es in al-Andalus Ansätze zur Überwindung engstirniger Dogmen, der Unterdrückung der Frau, der Ausgrenzung andere Religionen. ….. Mehr als irgendwo sonst durchdrangen sich islamische, jüdische und christliche Kultur in einer fruchtbaren Symbiose. Über das muslimische Spanien sind unzählige Bücher publiziert worden, wobei der Tenor gemäß dem Blickwinkel von einer Verklärung der arabisch-berberischen Herrschaft bis zur Heroisierung des christlichen Kampfes gegen die Invasoren aus Nordafrika reicht. Aber die Schablone „Islam kontra Christentum“ lässt sich für die meisten der Ereignisse nicht so einfach anwenden, ebenso wenig der Kampf der Kulturen oder die Reconquista als reiner Kreuzzug oder heiliger Krieg, eine Vorstellung, die aus einer viel späteren Epoche stammt und meist aus politischen und propagandistischen Zwecken beschworen wird. Der wichtigste Bezugspunkt für die soziale Identität ist sicher die religiöse Gemeinschaft, aber es gibt auch noch andere Faktoren wie Machtbedürfnis, wirtschaftliche Dominanz, gesellschaftliches Überlegenheitsgefühl u.a., die eine Rolle spielen.

Wie oben schon aufgezeigt, gibt es zwischen 711 und 1492 nicht pausenlos religiöse Kriege, Muslime und Christen leben auf der iberischen Halbinsel sehr viel länger in Friedens- als in Kriegszeiten und sie kämpfen nicht nur gegen den äußeren Feind, sondern auch sehr häufig gegen die eigenen Feinde im Innern. Die christlichen Reiche bekämpfen sich oft erbittert, und immer wieder müssen sich deren Fürsten gegen aufsässige Adelige zur Wehr setzen – eine Strukturschwäche, die schon das Westgotenreich plagte.

Die muslimischen Herrschaften dagegen leiden unter den lang tradierten arabischen Clanrivalitäten, überlagert von der oft an Feindschaft grenzenden Herablassung gegenüber den als minderwertig angesehenen Berberstämmen, ohne deren Kampfkraft jedoch al-Andalus weder erobert noch so lange hätte gehalten werden können. Die Angehörigen der muslimischen Eliten sind auch zu Bündnissen mit christlichen Lokalmächten bereit, selbst dann, wenn sie gegen ihre Glaubensbrüder gerichtet sind. Die Realpolitik triumphiert zumindest am Anfang der Eroberung Spaniens über die religiöse Identität. Politische Auseinandersetzungen finden nicht nur entlang religiöser Grenzlinien, sondern ebenso oft auch innerhalb der muslimischen und der christlichen Gemeinschaften statt. Allerdings führt der Niedergang des Kalifats, das eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte in Spanien hervorgerufen hat, zur Errichtung von Teilreichen, welche sich letztlich durch gegenseitige Reibereien erschöpfen und so selbst den Grundstein zur späteren Rückeroberung durch die christlichen Herrscher legen.

Die sogenannte Reconquista verläuft ebenfalls nicht geradlinig, es gibt vielmehr wechselnde Allianzen sowohl zwischen christlichen als auch muslimischen Herrschern. Ähnlich wie bei den westeuropäischen Staaten kommt es zu stärkeren Machtbildungen, welche dann jeweils durch schwächere Herrscher oder Todesfälle in Frage gestellt werden. Erst als die christlichen Reiche durch Erbfolge mit einander verbunden werden, können sie ihre Machtdominanz vergrößern.

Und was die Bevölkerung betrifft, so ist sie in den von Mauren eroberten Gebieten noch lange christlich, nur die Oberschicht war zunächst muslimisch, wobei viele Westgoten zum Islam übertreten, um ihren Besitz und z.T. auch ihre Macht behalten zu können. Sie müssen aber die Autorität der muslimischen Oberherren anerkennen. So finden die Eroberer schnell willige Verbündete. Außerdem sind die islamischen Herrscher bei der Verwaltung der neuen Territorien auf die Kollaboration der Bevölkerung angewiesen. Sie sind sowohl auf die Zusammenarbeit mit Verwaltungsbeamten und Richtern angewiesen wie auch auf die Kooperation der Kirche und des Klerus, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Da aber der landbesitzende Adel, der für die von ihnen abhängige Bevölkerung Kirchen baut, immer mehr zum Islam übertritt, gibt es immer weniger Seelsorger, Kirchen verfallen und werden aufgegeben. So treten allmählich mehr und mehr christliche Bewohner zum Islam über. Bis 840 ist rund ein Drittel konvertiert. Die Konversion spielt langfristig bei der Islamisierung der iberischen Halbinsel eine wichtige Rolle. Die damit z.T. verbundene Akkulturation ist so tiefgreifend, dass andalusische Christen, die im 11. Jh. nach Nordspanien kommen, Mozaraber genannt wurden. Zudem wird ein Netzwerk von Verbindungen geknüpft, bei denen es zu zahlreichen Eheschließungen zwischen Muslimen und Christen kommt, obwohl dies eigentlich von beiden Religionen untersagt ist. Unter den stark religiös motivierten Herrschern der Almoraviden (1091-1145) und Almohaden (1145-1236) verschwindet die christliche Minderheit dann aber zum großen Teil aus dem verbleibenden islamischen Herrschaftsbereich.

Was die christlichen Herrscher betrifft, so vertreiben sie die Muslime in der Regel nicht aus den Gebieten, die sie erobert haben. Sie versuchen vielmehr, sie zum Bleiben zu bewegen, meist mit Erfolg. Denn ein Großteil der Muslime, deren Ahnen ja schon in Spanien gelebt haben, ziehen ein Leben im „Heimatland“ einer Flucht vor, wenn sie damit auch Untertanen ungläubiger Könige werden. Und die christlichen Herrscher schätzen die wirtschaftlichen und künstlerischen Fähigkeiten der Muslime. Diese Haltung endet aber mit der Eroberung des Nasridenreiches und letztendlich mit der Vertreibung der Juden und Muslime im Jahre 1614.

Georg Bossong bewertet die Situation so:

-Andalus wurde zerrieben zwischen christlichem und islamischem Fundamentalismus…. Es kam zum gnadenlosen Kampf zwischen einem europäischen radikalisierten Christentum und einem afrikanisch radikalisierten Islam, Kreuzzug gegen Djihad.“

Wer an Romanen über die Zeit der Reconquista und die unmittelbaren Folgen danach interessiert ist, dem sind u.a. die folgenden Historienromane zu empfehlen.

 

Frank Baer, Die Brücke von Alcantara, München 2015: Spannender Historien-Roman. Der Leser gewinnt einen guten Einblick in das Leben der Mauren, Christen und Juden im 11. Jh. und in die politischen Zusammenhänge zur Zeit der spanischen Reconquista. Es ist ein Gemälde der Zeit zwischen 1063 und 1086.

Noah Gordon, Der Medicus von Saragossa, München 2000. Die Handlung beginnt mit dem Jahr 1492 in Spanien. Der Roman ist spannend zu lesen und vermittelt einen Eindruck von den damaligen Konflikten zwischen Christen, Mauren und Juden und dem Einfluss der Inquisition auf das Leben in Spanien.

Tariq Ali, Im Schatten des Granatapfelbaums, München 1994. Der Roman von Tariq Ali beschreibt das Leben im maurischen Andalusien um 1490 in Granada. Die Familiengeschichte vor den Hintergrund politischer Umwälzungen ist spannend zu lesen und führt den Leser in eine verschwundene Welt. Viele historische Informationen werden nebenbei vermittelt. Die Reconquista steht kurz vor ihrer Vollendung und unterdrückt und zerstört eine vergleichsweise weltoffene reiche Kultur, die aus der Koexistenz von Islam, Judentum und Christentum entstanden ist.

Lea Korte, Die Maurin, München 2010. Der Roman spielt in der Zeit zwischen 1478-1491 im maurischen Andalusien vor allem in den Städten Granada, Sevilla und Cordoba. Er erzählt die Geschichte einer maurischen Hofdame, die in ein grausames Spiel aus Intrigen und rücksichtslosen Machtkämpfen hineingerät.

Quellen

Catlos, Brian, al Andalus: Geschichte des islamischen Spanien, München 2019

Jaspert, Nikolas, Die Reconquista: Christen und Muslime auf der iberischen Halbinsel, München 2019

 

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Die Reconquista

Die Reconquista

Die Reconquista in Spanien (718 – 1492) – ein kurzer Überblick

Von Chocofrito - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46508562

Auch für die Darstellung der Reconquista gelten dieselben Aussagen wie bei dem Kapitel der Eroberung. Hier kann nur ein kurzer Überblick über die Reconquista zusammengestellt werden. Auch hier verweise ich zusätzlich auf das Extrakapitel „Kritische Betrachtungen“.

Reconquista ist die spanische und portugiesische Bezeichnung für das Entstehen und die Ausdehnung des Herrschaftsbereiches der christlichen Königreiche auf der iberischen Halbinsel unter Zurückdrängung des muslimischen Machtbereiches im Mittelalter. Der Begriff entstand allerdings erst im 18. Jahrhundert und er ist zum Teil sehr stark ideologisch verwendet worden. Zudem ist der Begriff etwas irrführend, da er den Eindruck vermittelt, dass es sich um einen einheitlichen und gemeinsamen Prozess der christlichen Akteure gehandelt habe. Das ist aber keineswegs der Fall. Es gab Zeiten des Vordringens, Zeiten des Zurückzugs und Zeiten des Stillstands der christlichen Reiche. Somit ist es keine 700-jährige Geschichte von blutigen Kämpfen zwischen Christen und Moslems, sondern es gibt auch vielschichtige Prozesse kulturellen Austauschs sowie ethnisch-religiöser Vielfalt. Auch die Motivlage hat sich wohl im Laufe dieses langen Zeitraums immer wieder verändert. Hier soll nur ein grober Überblick über die vielen wechselhaften Begebenheiten in dieser Zeit gegeben werden.

Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass sich die Geschichtsschreibung keineswegs einig darüber ist, wie der Prozess der Reconquista genau abgelaufen ist und welche Motivationslagen jeweils dahinterstanden. Das liegt u.a. daran, dass im Mittelalter nur wenige Menschen lesen und schreiben konnten, neben den Juden und den gebildeten Arabern vor allem die Mönche. Aber gerade die Letzteren hielten sich nicht immer an die Wahrheit, sondern versuchten die Geschichtsschreibung in ihrem „christlichen“ Sinn zu beeinflussen. Aber auch die neuere Geschichtsschreibung ist nicht frei von speziellen Blickwinkeln und ideologischen Ideen. Meine kurze Darstellung der Reconquista stellt somit einige Aspekte zusammen, die mir persönlich vom Verständnis her am plausibelsten erschienen.

Die Reconquista kann man auch grob in drei Phasen unterteilen.

Erste Phase 718 – 1085

Die Schlacht von Covadonga im Jahre 718 (oder 720?) wird in Spanien traditionell als Beginn der Reconquista betrachtet. Ausgangspunkt des Widerstandes ist das Gebiet der kantabrischen-asturischen Berge, denn dieses schwer zugängliche Gebiet können die Araber wie vor ihnen schon die Römer nie vollständig unterwerfen. Ein christliches Aufgebot unter dem Heerführer Pelayo besiegte damals in Covadonga, in dem heute als Picos de Europa bekannten Teil des Kantabrischen Gebirges im Norden Spaniens eine muslimische Streitkraft. Er kann so seinen Herrschaftsbereich behaupten, aus dem dann offiziell das Königreich Asturien hervorgeht. Ob hier aber schon die Idee der Rückeroberung eine Rolle spielt oder ob als Motiv die Anknüpfung an das Westgotenreich vorherrscht oder einfach das regionale Streben nach Selbständigkeit und gegen Fremdherrschaft ist nicht eindeutig geklärt. In manchen Mönchchroniken in späteren Jahrhunderten wird die Schlacht allerdings stark überhöht und als bahnbrechenden Sieg des Christentums über den Islam hochstilisiert. Aber man kann eigentlich nicht wirklich von der Reconquista sprechen. Für die Araber ist die Region, die zudem schwer zu kontrollieren ist, auf Grund der bergigen Struktur relativ uninteressant, da sie eine arme rückständige Peripherie darstellt. Es gibt keine die Bodenschätze, da die Goldminen in der Römerzeit ausgeschöpft wurden, so dass nur geringe Tributzahlungen zu erwarten sind. Somit stellt der christliche Norden Spaniens für die Mauren zunächst nur eine sehr schwache Bedrohung dar.

Bis 750 können die Könige von Asturien ihr Machtgebiet deutlich ausweiten und Galicien, Asturien und Kantabrien unter ihre Herrschaft bringen. Am Beginn des 10. Jahrhunderts wird León zur neuen Hauptstadt des asturischen Königreiches. Der Duero wird lange Zeit die Grenze zwischen dem christlichen und dem maurischen Spanien. Zur Sicherung werden Städte und vor allem Burgen ausgebaut, so dass das Land wegen der castillos Kastilien genannt wird.

In den Pyrenäen sind in Abhängigkeit von Südfrankreich einige Grafschaften entstanden, von denen sich im 9. Jahrhundert eines zum Königreich Navarra entwickelt. Aragón, das lange von Navarra abhängig ist, wird 1035 zum eigenen Königreich erhoben. Im 10. Jahrhundert kann das Königreich Navarra bis zum Ebro und die Rioja vordringen. Dabei spielen die Klöster bei der Wiederbesiedlung der zum Teil entvölkerten Landstriche entlang der Grenze zum maurischen Reich eine wichtige Rolle.

Im 11. Jahrhundert erlangen weitere ehemalige Grafschaften den Status von selbständigen Königreichen: neben Asturien im Westen Leóns Portugal, im Süden Leóns Kastilien, im Süden Navarras Aragón. Die Königreiche werden mehrfach in Personalunion verbunden und wieder geteilt; ab 1072 sind Kastilien und León, ab 1137 Aragón und die Grafschaft Barcelona (Katalanien) endgültig in Personalunion vereinigt. Fortan sollen die vier Mächte – Portugal, Kastilien-Leon, Navarra und die Krone Aragon mal in Kooperation, mal im Konflikt miteinander das Herrschaftsgefüge im christlichen Norden bestimmen.

In dieser ersten Phase von der Mitte des 7. bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts besetzen die christlichen Herrscher zum großen Teil Gebiete, die für die Araber nur von geringer – wohl auch aus wirtschaftlicher Sicht – Bedeutung sind. Man kann jedoch keineswegs von einer generellen Rückeroberungspolitik sprechen. Zum Teil waren diese Territorien sogar vom Karolingerreich und von muslimischen Mächten abhängig. Diese (vermeintliche) „Phase der Reconquista“ war durch eine weitgehende politische und religiöse Toleranz gekennzeichnet.

Zweite Phase 1086 – 1212

Das ändert sich aber Ende des 11. Jhs.. Nun beginnt die Expansion der christlichen Staaten zu Lasten der Taifas, die 1085 in der Eroberung Toledos durch Kastilien ihren ersten Höhepunkt findet. Damit dringen die Christen in die Kerngebiete des muslimischen Herrschaftsbereiches ein. Dieser spektakuläre Erfolg der Reconquista führt als Reaktion der Muslime zur Invasion der nordafrikanischen Berberstamm der Almorawiden, die von einigen Taifenherrschern um militärische Unterstützung gegen die Christen gebeten werden. Allerdings führt das dazu, dass die Almoraviden nach und nach alle Taifenreiche unter ihre Herrschaft bringen. Durch Siege gegen die Kastilier und Leoneser ist dann die Macht der neuen Berberdynastie auf der Iberischen Halbinsel gesichert.

Allerdings können die christlichen Truppen trotzdem ihre Expansion in drei Bereiche vorantreiben. Im Westen schiebt der portugiesische König sein Herrschaftsgebiet bis nach Lissabon an den Tejo vor, im Süden weitet der kastilische König allerdings nur kurzfristig seine Herrschaft bis an die Mittelmeerküste bei Almeria aus und im Osten sichern die Könige Kastilien/Aragon und die Grafen Barcelonas dauerhaft die Ebrogrenze. Ende des 11.Jh. entsteht durch die Eroberungen entlang des Ebros sowie durch die Eroberung Valencias durch Rodrigo de Vivar – genannt „El Cid“ – der Mythos dieses spanischen Helden (s. Kapitel El Cid). Die christlichen Staaten sind sehr optimistisch über den weiteren Verlauf der Eroberung und teilen in Verträgen sogar schon einmal das zu erobernde Land unter sich auf.

Allerdings stoppen die Muslime das Vorringen, wobei ihnen Streitigkeiten zwischen den miteinander verwandten Herrschern Leons und Kastiliens einerseits sowie die notorischen Spannungen der Königreiche Kastilien und Aragon mit Navarra andererseits zu Pass kommen. Die Almoraviden bringen die Rückeroberung islamischer Gebiete durch die christlichen Staaten zum Stehen und können diese teilweise sogar wieder umkehren. Dabei schliessen sie auch Bündnisse mit christlichen Herrschern.

Die Auseinandersetzung erhält zwischen den Muslimen und den christlichen Herrschern mit der Herrschaft der Almoraviden und dann der Almohaden eine neue Qualität. Es bedeutet das Ende des friedlichen Zusammenlebens, der convivencia, zwischen Christen und Mauren. Durch den asketischen Fanatismus der Almoraviden und später vor allem der Almohaden endet auf muslimischer Seite die Jahrhunderte lang praktizierte Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Aber auch von christlicher Seite wird die Reconquista nun verstärkt als Kampf für die gesamte Christenheit und als Heiliger Krieg und Kreuzzug wahrgenommen. Diese Anschauung wird stark forciert und geprägt durch die Unterstützung der Päpste in Rom sowie die Einflüsse des Klosters von Cluny.

Der entscheidende Wendepunkt, der den Christen die endgültige Übermacht in Spanien brachte, war die Schlacht bei La Navas de Tolosa im Jahr 1212. Am 16. Juli 1212 prallen in Südspanien zwei gigantische Heere aufeinander mit „Gotteskriegern“ auf beiden Seiten. Es geht um Macht, Einfluss und letztendlich um die Vorherrschaft auf der iberischen Halbinsel. Vermutlich stehen sich 12000 bis 14000 Christen ca. 25000 – 30000 Muslime gegenüber. In dieser Schlacht – wohl einer der größten des Mittelalters – besiegen die Truppen der verbündeten Königreiche die Almohaden vernichtend. Die christliche Seite setzt sich aus den Königreichen von Kastilien, Navarra, Aragon und Leon sowie französischen Kontingente der Erzbischöfe von Narbonne und Bordeaux sowie Männern der christlichen Ritterorden von Calatrava und Santiago, der Templer und Johanniter zusammen. Die Kreuzzugsaufrufe des Papstes, die versprochenen Kreuzzugsablässe sowie die Hoffnung auf Beute tragen dazu bei, dass die doch sehr unterschiedlichen christlichen Herrscher vereint in den Kampf ziehen. Der Sieg der Christen ist überwältigend, seine Bedetung für den Fortgang der Reconquista gar nicht hoch genug einzuschätzen. Die Schlacht von Las Navas de Tolosa markiert den Wendepunkt der muslimischen Herrschaft in Al Andalus.

Dritte Phase 1213 – 1492

In den dreißig Jahren zwischen 1220 und 1250 können drei christliche Königreiche auch durch die Unterstützung der Bischöfe und der Ritterorden ihre jeweiligen Territorien stark erweitern. Nach der Eroberung Cordobas (1236) und Sevilla (1248) fällt auch die fruchtbare Ebene des Guadalquirvir bis zur Mittelmeerküste an Kastilien. So kann Kastilien-Leon sein Territorium in rund vier Jahrzenten um fast 50 Prozent vergrößern.

Valencia (1238) und das gleichnamige Königreich werden durch Aragon annektiert und Portugal kann bis an die Algarveküste (1250) vorstoßen. Nur Navarra kann sich nicht vergrößern, da es von Kastilien und Aragon eingekreist ist.

Allein das Nasriden-Emirat von Granada als kastilischer Vasallenstaat bleibt muslimisch. Dahinter stehen aber vor allem wirtschaftliche Interessen, denn so kann Kastilien über die Nasriden und deren nordafrikanische Freunde an Gold aus Afrika gelangen, das die Nasriden teilweise als Tribut abführen müssen. Das Nasrdenreich von Granada ist dicht bevölkert und durch günstige natürliche Gegebenheiten gekennzeichnet. Hohe Berge im Norden bildeten für die Reihe fruchtbarer Ebenen Schutz vor den christlich beherrschten Gebieten. Außerdem verfügen die Nasriden über einige günstig gelegene Hafenstädte (z.B. Almeria und Malaga). Im Nordwesten sichern eine Vielzahl von Burgen die Grenzregionen. Bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts hat sich das Reich zu einem kulturell hochstehenden, wirtschaftlich prosperierenden und politisch stabilen Gemeinwesen entwickelt. In dieser Zeit entsteht auch der weltberühmte Alhambrapalast in Granada. Das Reich der Nasriden kann sich auch dadurch stabilisieren, dass sich die christlichen Herrscher permanent bekämpften.

Die verschiedenen Stoßrichtungen der christlichen Reiche – Portugal entlang der Atlantikküste, Kastilien-Leon durch das Zentrum und ins heutige Andalusien, die Krone von Aragon  Richtung Italien und den Balearen spiegelt sich noch heute in der Sprachverteilung auf der Iberischen Halbinsel wieder. (Portugiesisch, Kastilisch, Katalanisch und im äußersten Norden Baskisch). In der Mitte des 13. Jahrhunderts hat sich das Kastilische allerdings auf über die Hälfte der Iberischen Halbinsel ausgedehnt und somit auch die Sprachentwicklung in Spanien deutlich dominiert.

Durch die Eheschließung der „katholischen Könige“ Isabella I von Kastilien und Ferdinands II von Aragon werden die beiden Königreiche vereinigt. Sie nahmen die Reconquista wieder auf und vollenden sie mit der Eroberung von Granada im Jahre 1492. Der nasridische König Mohammad XII: Boabdil übergibt die Schlüssel der Alhambra an Ferdinand und Isabella. Im selben Jahr „entdeckte“ übrigens Kolumbus Amerika. Eine fast 800 Jahre alte Geschichte von Eroberungen und Rückeroberungen in Spanien findet somit mit dem Fall Granadas ein Ende. Allerdings bleiben bis 1614 noch Hunderttausende Muslime in Spanien, erleben allerdings Diskriminierung, Zwangsbekehrung und schließlich die Vertreibung.

Mit der Regentschaft der beiden Könige endet die teilweise noch bestehende friedliche Koexistenz zwischen Christen, Juden und Muslimen. Mit der Religionsfreiheit ist es endgültig vorbei. Das gesellschaftliche Klima ändert sich vollständig und führt zur konsequenten Vertreibung der Juden und Mauren aus Spanien. Die Inquisition tut ihr übriges. Aber das ist eine neue für das Christentum nicht sehr rühmliche Geschichte.

Von besonderer Bedeutung ist auch, dass die Reconquista neben der politischen Umstrukturierung große Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Struktur der iberischen Halbinsel hatte. Das eroberte Land fällt der Krone bzw. dem Adel, der Kirche und den Ritterorden als Belohnung für ihre kriegerische Unterstützung zu. So entstehen riesige Latifundien vor allem zwischen Tajo und Guadiana, auf denen eine extensive Landwirtschaft (zum großen Teil Schafhaltung) betrieben wird, während die kleinen Bauern leer ausgehen. Die Auswirkungen sind heute noch zu beobachten zum Beispiel in der Extremadura, wo u.a. die Besitzverhältnisse einen wichtigen Einfluss auf die Veränderung des Gebietes haben (vgl. dazu auch die Ausführungen über die „Dehesas“ auf der „Via de la Plata“)

Quellen:

Bolleé, Annegret/ Neumann-Holzschuh, Ingrid, 2008: Spanische Sprachgeschichte. Barcelona: Klett.

Georg Bossong, Das maurische Spanien, Geschichte und Kultur, München, 4. Aufl. 2020

Brian A. Catlos, „Al Andalus“ Geschichte des islamischen Spanien, München 2020

Klaus Herbers, Jakobsweg, Geschichte und Kultur einer Pilgerfahrt, München 2011

Campi, Jesus Mestre, Sabate, Flocel, Atlas der Reconquista, Barcelona 1998

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Die Arabisierung Spaniens

Die Arabisierung Spaniens

ein kurzer Überblick - und die Einflüsse der maurischen Kultur auf Spanien und Europa

Die folgende Darstellung soll einen kurzen Überblick über die verschiedenen Phasen der Eroberung Spaniens durch die Mauren darstellen. Es kann nur ein kurzer Abriss der Geschehnisse sein, eine ausführliche Beschreibung würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen. Zudem habe ich ein extra Kapitel  „Kritische Betrachtung“ hinzugefügt, in dem ich darauf hinweisen will, dass man sich vor einfachen Pauschalierungen hüten sollte, sondern dass man sich im Klaren ist, die Eroberung und die Reconquista haben viele verschiedene Facetten. Wer sich für die genauen Zusammenhänge interessiert, dem kann ich das Buch von

Catlos, Brian, al Andalus: Geschichte des islamischen Spanien, München 2019 empfehlen. Allerdings sind die Ausführungen in ihrer Ausführlichkeit manchmal anstrengend zu lesen.

Bei der Eroberung und Besetzung Spaniens durch die Araber kann man pauschal drei Perioden unterscheiden.

 

  1. Periode der Arabisierung- die Zeit des Emirats 711 – 756

Vor der Eroberung Spaniens durch die Araber herrschen die Westgoten auf der Iberischen Halbinsel (ehemals Hispanien, heute Spanien und Portugal). Sie kontrollieren das Land vom 5. bis zum 8. Jh. Unter ihrer Herrschaft war Toledo zum ersten Mal die Hauptstadt des Reiches. Allerdings befinden sich Adel und König Anfang des 8. Jahrhunderts in einem bürgerkriegsartigen Zustand. Dies ist eine der Tatsache, die den Arabern die fortschreitende Eroberung Spaniens erleichtern.

Im Jahr 711 wird die Iberische Halbinsel erstmals von den Arabern angegriffen.

Im Frühjahr 711 sendet Musa, Umayyaden-Gouverneur von Nordafrika, seinen Feldherrn, den Berber Tariq, mit etwa 12.000 Mann (7.000 Soldaten und 5.000 Berber) über die Meerenge. Die Landungsstelle wird nach ihm Berg des Tariq ( arabisch gabal Tariq)  – Gibraltar – genannt. Am 9. Juli 711 kommt es am Río Guadelete zur Schlacht gegen die Westgoten. Die zahlenmäßig weit überlegenen Westgoten unter ihrem König Roderich werden vernichtend geschlagen, u.a. durch die Mithilfe einer inneren Oppositionspartei der Westgoten. König Roderich stirbt auf dem Schlachtfeld. Das Heer Roderichs ist durch eine Auseinandersetzung mit den Basken im Norden schon ermüdet, als es im Süden ankommt.

Tariq, der im Dienste der in Damaskus residierenden Kalifen aus dem Geschlecht der Umayyaden steht und als Gouverneur für die nordafrikanischen Gebiete zuständig ist,  nutzt die politischen Wirren in Hispania und zieht gegen die ungeschützte Hauptstadt des Westgotenreichs Toledo, die er mühelos einnimmt. Im folgenden Jahr vereinigt sich das Heer von Tarq und Musa zu einer Größe von 18.000 Mann. Sie ziehen dann weiter gegen Norden, so dass sie im Jahr 719 praktisch ganz Spanien erobert haben. Nur ein paar kleinere Gebirgsregionen im Norden können die Araber nicht besetzen. Christlich bleiben nur Asturien an der nördlichen Küste sowie Navarra, das Grenzgebiet zum Frankenreich (“spanische Mark”). Ein Vorstoß  der Araber in das Frankenreich im Jahr 732 wird durch Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers gestoppt, doch ist die Bedeutung der Schlacht lange Zeit eher überschätzt worden, da es sich wohl eher um einen begrenzten Raubzug  als um einen Eroberungsversuch der Mauren handelt.

Insgesamt kapitulieren das Land und die großen Städte, auch die Hauptstadt Toledo, ohne größeren militärischen Widerstand. Die für die damalige Zeit überraschend schnelle und erfolgreiche Eroberung hat seine wahren Gründe in der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zerrüttung des Westgotenreichs. Außerdem gehen die Eroberer geschickt vor. Sie sichern lediglich vereinzelte städtische Vorposten militärisch und arrangieren sich gezielt mit lokalen Machthabern. Sie lassen deren Herrschaft weitgehend intakt, solange sie die muslimische Oberhoheit anerkennen. Aber die Muslime sind gekommen, um zu bleiben, zumal al-Andalus, wie das eroberte Gebiet genannt wird, geographisch und klimatisch große Ähnlichkeit mit dem Maghreb hat.

Bei der Übernahme der Städte garantieren die Moslems zu Anfang weitgehend die geltende Rechtsordnung und Religionsfreiheit. Nach damaliger Auslegung des islamischen Gesetzes sind die muslimischen Herrscher dazu verpflichtet, die Gegenwart anderer Buchreligionen – also auf der iberischen Halbinsel der Christen und Juden – zu tolerieren. Sie dürfen ihren Glauben behalten und in kleinen Gemeinschaften ausleben. Allerdings unterliegen sie einigen Einschränkungen. Dazu gehört, dass es ihnen nicht gestattet ist, ohne Erlaubnis Gotteshäuser zu bauen, sie müssen sich im öffentlichen Raum unauffällig benehmen, sind zur Abgabe einer Kopfsteuer verpflichtet und müssen Muslimen gegenüber ihre Ehrerbietung zeigen. So treten nach und nach viele Hispanogoten z.T. auch angezogen von der neuen Religion lieber zum Islam über. Sie werden „muladíes“ genannt. Andere behalten ihren christlichen Glauben, aber sie übernehmen sehr wohl die arabische Sprache. Sie werden also arabisiert, nicht jedoch islamisiert und entwickeln kulturelle Eigenheiten, die sie von ihren Glaubensgenossen in christlich beherrschten Gebieten unterscheiden. Sie werden daher auch „mozárabes“ (Arabisierter oder Freund der Araber) genannt. Neben den christlichen gab es auch zahlreiche jüdische Gemeinschaften im Land. Vor allem die Juden sehen hier gute Einkommensmöglichkeiten und Chancen aufzusteigen, die ihnen anderswo in Europa verwehrt werden. So werden die Jahrhunderte jüdischen Lebens auf der iberischen Halbinsel auch oft als „goldenes Zeitalter“ des iberischen Judentums bezeichnet.

Welche religiösen Gruppierungen gibt es also:

      –    Muslime

      –     Christen

  • Muladies: zum Islam konvertierte Christen
  • Moriscos: zum Christentum konvertierte Muslime
  • Mozarabes: unter dem Islam lebende Christen
  • Mudejares: unter dem Christentum lebende Muslime
  • Juden

Die Araber ersetzen die westgotische Zentralregierung, schöpfen die wirtschaftlichen Überschüsse ab und erbeuten die Reichtümer der Kirchen und Klöster. Gleichzeitig sind die ersten Jahrzehnte der Araberherrschaft (716-755) auf der Iberischen Halbinsel durch arabische Stammesfehden und innenpolitisches Chaos gekennzeichnet. Die Berber und Araber sind untereinander zerstritten. Die Gouverneure wechseln häufig. Diese erste Phase der arabischen Herrschaft mit den vielen verschiedenen Gouverneuren, die dem Kalifat in Damaskus unterstellt sind, und den zahlreichen Clankämpfen untereinander wird mit der Gründung des Emirats von Córdoba durch Abd-ar-Rahman beendet.

  1. Periode der Arabisierung – die Zeit des Kalifats 756-1031

756 trifft Abd al-Rahman I., letzter Spross der in Damaskus entthronten Kalifendynastie der Omayaden, nach einer abenteuerlichen Flucht über Nordafrika in Spanien ein. Er nutzt die innenpolitischen Spannungen geschickt aus. Offensichtlich verschafft ihm sein Charisma breite Unterstützung, so dass er es nach kurzer Zeit schafft, die rivalisierenden Stämme zu einigen. Nach einer siegreichen Schlacht bei Cordoba übernimmt er die Herrschaft der Mauren in Spanien. Er nennt sein muslimisches Reich Al Andalus und gründet das Emirat von Cordoba. Er schafft es, dass die lokalen muslimischen Potentaten ihn mehr oder minder freiwillig anerkennen und einen Teil ihrer Macht an ihn abgeben. Allerdings muss er sein Reich mehrmals gegen muslimische Aufständige und mit ihnen verbündeten Einheimische verteidigen. Die weit entfernten Regionen der Pyrenäen, Kantabrien und Galizien kann er allerdings nicht beherrschen, was ihm aber wohl auch nicht so wichtig ist, da diese Regionen nur von geringer ökonomischer Bedeutung sind.

Abd al –Rahman macht Cordoba zum politischen und kulturellen Zentrum des islamischen Gebietes (“Al-Andalus”). Er schafft neue Strukturen der Verwaltung und Jurisdiktion, eine effektive Steuerreform, teilt das Staatsgebiet in Provinzen auf, erneuert die Infrastruktur, läßt Moscheen bauen und richtet militärisch gesicherte Marken zur Grenzkontrolle im Norden ein. Auch lässt er in einer Zeit, da die Christen nach wie vor die Bevölkerungsmehrheit bilden, jene beeindruckende Moschee von Cordoba bauen als Zeichen der Überlegenheit des Islams über das Christentum. Insgesamt betrachtet legt er für die kommenden Jahrhunderte das Fundament einer geeinten islamischen Herrschaft in Spanien, ohne die al-Andalus wohl zerfallen wäre. Er stirbt 788 in Cordoba.

Seine Nachfolger können ein gefestigtes, geordnetes Reich gestalten. Sie können die zahlreichen Aufstände im Land niederschlagen und ihre Macht festigen. Aus Spanien wird mit der Zeit auf Grund der Konversion der Bevölkerung ein islamisches Reich und der Wohlstand im Land steigt deutlich an. Allerdings müssen sich die folgenden Herrscher immer wieder gegen rebellische Gouverneure, fränkische Heere und Überfälle der Wikinger zur Wehr setzen, die immer wieder die Macht der Umayyaden zu zerstören drohen. Im Norden können die christlichen Fürsten weitgehend in Schach gehalten werden. Im dritten Viertel des 9. Jhs. ist in den ausgedehnten Ebenen nördlich des Duero eine ungefähre Grenze zwischen Asturien und dem Emirat errichtet worden.

912 kommt Abd-ar-Rahman III. (912-961) an die Macht, interessanterweise war er Muslime, aber auch Sohn und Enkel christlicher Frauen. Die Annäherungen der Religionen zeigt sich in diesen religiösen Mischehen, wobei allerdings nach islamischem Recht nur muslimische Männer christliche Frauen heiraten dürfen. Abd-ar-Rahmann III ist der erste Umayyade von al-Andalus, der den Kalifentitel für sich reklamiert. Er setzt sich also als „Nachfolger“ oder „Stellvertreter des Gesandten Gottes“ ein, also als Oberhaupt der gesamten muslimischen Gemeinschaft, und somit in Konkurrenz zu den beiden anderen Kalifaten in Bagdad und Kairo.

Unter ihm und seinem Nachfolger al-Hakam II. (961- 976) entsteht das Kalifat von Córdoba, das zu einem der bedeutendsten Reiche Europas und der islamischen Welt wird, wobei Abd-ar-Rahman mit starker, z.T. grausamer Hand regiert. Allerdings hatte er sich auch gegen zahlreiche Rebellionen in Catmona, Sevilla, Merida, Badajoz, Valencia und Toledo zur Wehr zu setzen ebenso wie gegen Angriffe aus dem christlichen Norden.

Die arabische Kultur wird zu dieser Zeit zur vollen Blüte gebracht. Muslime, Christen und Juden leben in seinem Reich in Eintracht zusammen und machen al-Andalus zu einer kosmopolitischen arabisch-islamistischen Gesellschaft. Diese Zeit des friedlichen Zusammenlegens der Religionen wird auch “convivencia” genannt.

Die Bevölkerung wächst stark an. Córdoba hat 113.000 Häuser, 600 Moscheen und prächtige Paläste, darunter den Alcázar. 785 beginnt man mit dem Bau der berühmten Moschee von Cordoba, der Mezquita, die in den nächsten 200 Jahren mehrmals erweitert wird. Cordoba wird mit einer Bevölkerung von vielleicht 500.000 Einwohnern schließlich die größte und wohlhabendste Stadt in Europa noch vor Konstantinopel. Die Stadt wird zum Anziehungspunkt für Gelehrte und Wissenschaftler und zum Modell einer kosmopolitischen Aufklärung. Das Kalifat existiert zwar nur knapp hundert Jahre, aber das von Abd al-Rahman III. begründete Verwaltungswesen, der Anstieg der landwirtschaftlichen und handwerklichen Produktion sowie seine Investitionen in die Infrastruktur lösten in al-Andalus einen wahren Verstädterungsboom aus. Ein letztes Aufleben des Kalifats findet unter al Mansur Ende des Jahrhunderts statt. Er dringt mehrmals in die christlichen Reiche im Norden ein und kommt sogar bis nach Santiago de Compostela. Er plündert die Stadt, verbietet aber, das Grab des hl. Jacobus zu entweihen. Mit seinen Vorstößen gegen die Christen will er deren Vordringen einen Riegel vorschieben. Dennoch geht das in den 750er Jahren von Abd al-Rahman I. gegründete und unter Abd al Rahman III. zu Pracht und Herrlichkeit aufgestiegene Reich seinem Ende entgegen. Das Reich wird zum Ort der Auseinandersetzung zwischen den erstarkenden Christen und ihrer Reconquista und puritanischen intoleranteren Berbern.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Spaniens#/media/Datei:Al-Andalus-de-910.jpg
Von Alexandre Vigo - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10312430

3. Periode der Arabisierung – die Zeit der Taifas (1041-1091), die Herrschaft der Almoraviden (1091-1145) und Almohaden (1145-1236) und das Emirat von Granada (-1492)

 

In den folgenden Jahrzehnten beginnt der Niedergang des arabischen Einheitsreiches in Spanien. Mit der Absetzung des letzten Kalifen 1031 bricht Al-Andalus politisch zusammen und endet 1031.  Nach zweiundzwanzig Jahren Bürgerkrieg und ethnischer Zwietracht, Gegenputschen und Pogromen war das Kalifat beendet. Der Glanz Cordobas verblasst, aber die Provinzstädte erwachen zum Leben. Es bilden sich zahlreiche islamische Kleinstaaten, die sog. Taifas. Darunter sind u.a. 1009-1076 die Amiriden in Denia1010-1090, die Ziriden in Granada, 1016-1085die Nuniden in Toledo und Cordoba 1023-1091 die Abbadiden in Sevilla.

Im Jahr 1031 sind ungefähr 24 Reiche der Reyes de Taifas, der Kleinkönige, entstanden, welche sich jedoch gegenseitig bekämpfen. Dabei bedienen sie sich auch der Hilfe der christlichen Staaten, die inzwischen in Spanien erstarkt sind. Während unter Abd al-Rahman III. al-Andalus noch die Hegemonie über die christlichen Staaten ausübt und auch in Erbstreitigkeiten eingreifen kann, kehrt sich das Verhältnis allmählich um, so dass mehrere Taifas von den christlichen Staaten tributabhängig werden. Diese Zeit dauert von 1031-1091. Der wirtschaftliche Wohlstand in den Taifas blieb erhalten, aber der politische Niedergang setzte sich unaufhaltsam fort. Die Schwäche erkennen auch die Nachbarn, die christlichen Fürsten im Norden und die Berber in Nordafrika, die schon in der Zeit des Kalifats enge Beziehungen zu den Mauren in Spanien aufgebaut haben.

Die Expansion der christlichen Staaten ging immer stärker zu Lasten der Taifas und findet in der Eroberung Toledos durch Kastilien den ersten Höhepunkt. Es ist die erste größere Stadt in al-Andalus, die einem christlichen Herrscher zufällt. Zwar zielt diese Eroberung nicht auf Vertreibung der Muslime ab, sondern man will die muslimische Bevölkerung als Untertanen der christlichen Reiche behalten. Doch aus Toledo wandert ein Großteil der muslimischen Elite ab. Diesen spektakulären Erfolg der Christen empfinden viele Muslime

als Tragödie und einen großen Verlust. Dies führt dann zur Invasion der nordafrikanischen Almorawiden, die von den Muslimen zur Hilfe gerufen werden. Sie bringen die Rückeroberung islamischer Gebiete durch die christlichen Staaten zum Stehen, kehren sie teilweise sogar wieder um. Die Almoraviden, nordafrikanische Wüstenkrieger und streng orthodoxe Gläubige, übernehmen die Herrschaft in al-Andalus.

Empört über den „dekadenten“ Lebensstil und die „Aufweichung“ der Religion, die sie vorfinden, beginnen sie im Einverständnis mit Rechtsgelehrten, die das Versagen der Kleinkönige beim Schutz des Islams hervorheben, mit der Unterwerfung der Taifa-Reiche. Diese endet 1110 mit dem Sturz der Hudiden von Saragossa. Al-Andalus wurde nun Teil eines Reiches, das seinen Mittelpunkt in Nordwestafrika hat mit der Hauptstadt Marrakesch und der Regionalhauptstadt Sevilla.

Durch den asketischen Fanatismus der Neuankömmlinge endet auf muslimischer Seite die Jahrhunderte lange Tradition der Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Die christlichen Mozaraber werden ausgewiesen, wenige später auch viele Juden. Doch städtisches Leben und Handel florieren und mit der Zeit werden auch die strengen Sitten gelockert. Allerdings werden die Almorawiden seit 1147 von den ebenfalls aus Nordafrika stammenden Almohaden verdrängt, die noch sittenstrenger sind. Beide Stämme können während ihrer Herrschaft die spanisch-maurische Kultur weiter ausbauen. Doch die Unzufriedenheit der Untertanen mit der streng-religösen Herrschaft droht die Herrschaft der Almohaden zu schwächen. Das nutzen die christlichen Herrscher und die Reconquista verdrängt die Araber allmählich trotz einiger Niederlagen bis Ende des 13. Jahrhunderts fast vollständig aus dem Land. (Siehe dazu die Ausführungen zur Reconquista)

Einzig das Nasriden-Reich von Granada, zudem auch größere Städte wie Málaga, Almería und Marbella gehören, besteht noch bis 1492. Dann muss Mohammad XII. den Schlüssel der Stadt Granada an das Ehepaar, die Könige Ferdinand II. von Aragon und Isabella I. von Kastilien übergeben und abziehen.

Eine kurze Zeittafel zur politischen Geschichte

 

710-756          Islamische Eroberung und Anfänge

711                  Invasion der Mauren unter Taliq

711                  Schlacht am Rio Guadelete – Niederlage der Westgoten unter König Roderich

719                  Fast ganz Spanien unter maurischer Herrschaft

721                  Pelago besiegt die Mauren bei Covadonga- angeblicher Beginn der Reconquista

756-1031        Emirat und Kalifat von Cordoba

 

756                  Begründung des Umayyaden Emirats durch Abd al Rahmann I

912-961          Abd ar Rahman, Blüte des Emirats

929                  Abd ar Rahman ernennt sich zum Kalifen

961-976          Al Hakan II , Blüte der arabischen Kultur

1031                Niedergang des Kalifats

1041-1091      Entstehung der Taifas, der regionalen Königreiche

                        u.a.:

1009-1076      Amiriden in Denia

1010-1090      Ziriden in Granada

1016-1085      Nuniden in Toledo und Cordoba

1023-1091      Abbadiden in Sevilla

1085                Alfons VI von Kastilien erobert Toledo im Zentrum der Halbinsel

 

 1091-1248      Almoraviden und Almohaden

1090-1116      die Almoraviden erobern die Taifas Königreiche

1094                El Cid erobert Valencia, das bis 1102 gehalten wird

1118                Aragon erobert Zaragoza

1212                Kastilien besiegt die Almohaden bei Las Navas de Tolosa

1229                Aragon erobert Mallorca

1236                Kastilien erobert Cordoba

1238                Portugal erobert Algave

1238                Aragon erobert Valencia

1248                Kastilien erobert Sevilla  – Ende der großen „Reconquista“

1237-1492      Die Nasriden in Granada

             

Die Einflüsse der maurischen Kultur auf Spanien und Europa

 „Der Reiz Spaniens ist es, der Ort zu sein, wo Orient und Okzident einander begegnet sind“ (Emile Male). Denn neben den militärischen Auseinandersetzungen, den Tributzahlungen und Phasen der Intoleranz und des Fanatismus wird die muslimische Präsenz in Spanien auch mit einem bedeutenden kulturellen und wissenschaftlichen Aufschwung in Verbindung gebracht. Auch der Umgang mit Andersgläubigen – solang sie einer monotheistischen Religion anhängen – muss man – zumindest am Anfang der Herrschaft der Mauren – gerade auch für die damalige Zeit als sehr tolerant und fortschrittlich bezeichnen. Als Vollbürger werden sie aber nicht anerkannt. Sie leisten keinen Militärdienst und zahlen eine Sondersteuer und sie sind dem Staatsvolk der Muslime untergeordnet. Sie haben jedoch ein Recht darauf, ihre eigene Religion auszuüben mit all ihren Bräuchen und Vorschriften.

Die christlichen Untertanen der neuen islamischen Herren scheinen, nachdem ihre ersten Erhebungen und Aufstände niedergeschlagen worden sind, vor allem in der Epoche des Emirats und des Kalifats von Córdoba (756–1013) mindestens teilweise von der damals offenkundigen zivilisatorischen Überlegenheit der islamischen Macht  beeindruckt zu sein. Teile der gebildeten Schichten greifen bereitwillig viele kulturelle und wirtschaftliche Ideen der Mauren auf. Der Name, den sie erhalten, mozarabes (von must’arab, einer, der gern Araber sein möchte, sich als Araber gibt), spricht zumindest dafür.

Will man kurz auf diese positiven Aspekte der Arabisierung der iberischen Halbinsel eingehen, so muss man von einem komplexen Vorgang ausgehen, der in viele Lebensbereiche Einzug hielt. Hier einige Beispiele.

Die islamische Bodenpolitik führt zu einer ausgesprochenen Klein- und Mittelbesitzstruktur und steht somit im Gegensatz zu der Struktur von Latifundien, deren Entwicklung schon unter den Römern begonnen haben. Durch die Reconquista wird diese kleinräumigere Agrarstruktur aber wieder zerstört. Denn hier kommt es wieder zur Bildung von Latifundien als Geschenk an die Unterstützer der spanischen Herrscher. Diese Latifundien sind bis heute ein großes Hemmnis für die Entwicklung der spanischen Landwirtschaft.

In der Folge der Agrarpolitik der Mauren kommt es zu einem Aufschwung der Landwirtschaft vor allem auch durch die Einführung neuer Kulturpflanzen. Die wichtigsten neuen Kulturpflanzen sind die Zitrone, die Pomeranze, die Banane, das Zuckerrohr, der Reis, die Baumwolle und die Wassermelone.

Auch die Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte z.B. im Rahmen der Leder-Textil- und Teppichherstellung sowie Papierherstellung wird deutlich verbessert. So wird z.B. Baumwolle, Hanf und Safran (zum Färben) nach al-Andalus importiert, was die aufstrebende Textilindustrie stark ankurbelt. Auch die Seidenmanifaktur wird durch die große Nachfrage der Eliten ausgebaut.

Entscheidend für die Gestaltung der Agrarlandschaft sind auch die künstlichen Bewässerungssysteme. Zwei wichtige neuartige Systeme der Wassergewinnung sind die Wasserhebevorrichtungen (Norias) und die Qanate. Bei den Norias handelt es sich um ein Wasserschöpfrad, während die Qanate ein ausgeklügeltes System von unterirdischen Wasserleitungen ist, das über viele Kilometer reicht.

Vor allem aber kann man bei den Einflüssen der Mauren auf die Blüte der Wissenschaften verweisen. So bringen die Araber Wissen aus den Bereichen der Natur- und Geisteswissenschaften, der Baukunst, der Medizin, der Astronomie und Mathematik nach Spanien. Allein die Bibliothek des Kalifen Abd al-Rahman in Cordoba umfasst angeblich mehr als 400.000 Bücher. Viele Bücher wurden auch aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt und auch vom Arabischen ins Lateinische. Auch die bei uns heute üblichen (arabischen) Ziffern hat Europa von den Arabern übernommen. Ursprünglich kommt das Ziffernsystem allerdings aus Indien.

Voraussetzung für die Entfaltung der Wissenschaften ist ein gut ausgebautes Bildungssystem. So gibt es ein weit verbreitetes Netz von Elementarschulen, die die Basis für die Universitäten bilden. Im 10 Jh. gibt es bereits 17 Universitäten in al-Andalus. Der muslimische Einfluss schlägt sich auch im Bereich der Schönen Künste – hier vor allem der Dichtkunst und Musik – nieder.

Interessant ist auch, dass die erhaltenen Quellen aufzeigen, dass neben den Männern auch Frauen eine wichtige Rolle spielen und zwar nicht nur als Kopistinnen und Übersetzerinnen sondern auch als Wissenschaftlerinnen und Autorinnen. Frauen der Oberschicht haben Mittel und Möglichkeiten, kulturellen Interessen nachzugehen. Sie schreiben Gedichte, kopieren den Koran, geben juristische Texte heraus und gründen bedeutende Bibliotheken, studieren Wissenschaften und Religion. Eine der bekanntesten war Lubna von Cordoba. Bekannt ist, dass sie in eine Sklavenfamilie geboren wurde, die im Palast von Abd ar-Rahman III. in Medina Azahara arbeitete, und dass sie innerhalb dieser Mauern aufwuchs. Sie war nicht nur Chefsekretärin (katiba al-kubra) des Kalifen, sondern bekleidete auch zahlreiche weitere Ämter: Sie war Kopistin, Schreiberin, Expertin für den Erwerb von Büchern für die königliche Bibliothek, Privatsekretärin und Mathematikerin. Aus diesem Grund wurde sie zur Kuratorin der Großen Bibliothek von Córdoba ernannt und verwaltete dort über 500.000 Bücher.

In der Bibliothek von Córdoba war Lubna für die Reproduktion, das Schreiben und Übersetzen vieler Handschriften zuständig. Gemeinsam mit dem jüdischen Gelehrten Hasday ibn Shaprut war sie maßgeblich an der Entstehung der berühmten Bibliothek von Medina Azahara beteiligt. Sie war nicht nur Schriftstellerin und Übersetzerin, sondern verfasste auch Kommentare zu diesen Büchern. Darüber hinaus unterrichtete sie arme Kinder in al-Andalus in Mathematik. Lubna bereiste den gesamten Nahen Osten auf der Suche nach Büchern für ihre Bibliothek in Kairo, Damaskus und Bagdad. Sie kopierte zahlreiche wichtige Texte und versah sie mit handschriftlichen Anmerkungen, die die Herkunft des Autors und eine kurze Zusammenfassung des Werkes enthielten; sie verfasste sogar eigene Gedichte über das Leben im Palast.

Die großen Städte – wie Cordoba, Toledo und Granada – sind auf Grund der –zumindest zeitweise herrschenden – intellektuellen Freiheit und religiösen Toleranz dem übrigen, doch z.T. recht rückständigen Europa klar überlegen. Da sich von diesen Zentren kontinuierlich das Wissen auf andere geistige Zentren in Europa ausbreitet, kann das Zusammentreffen von muslimischer und abendländischer Kultur im Laufe der Zeit auch im übrige Europa Einfluss ausüben und zur kulturellen Entwicklung des Abendlandes vor der Renaissance beitragen. Dabei spielen die arabisierten Christen eine wichtige Rolle, da sie sowohl die christlichen Reiche Nordspaniens als auch Italien und die fränkischen Herrschaftsgebiete bereisen.

(s. auch das Kapitel: Wechselbeziehung zwischen islamischer,christlicher und jüdischer Baukunst in Spanien und der Madéjar-Stil – Via de la Plata)

Quellen

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