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Die Bäckerei in Miramont-Sensacq

Die Bäckerei in Miramont-Sensacq

Geschichten auf dem Via Podiensis

Es gibt so Tage auf der Wanderung, an denen es einfach nur zäh vorangeht. Und der 11. September 2016 war ein solcher Tag. Wir waren früh aufgestanden und gelangten nach einer guten Stunde an den Flusslauf der Adour, dem wir  kurze Zeit folgten. Aber dann begannen die Qualen, endlose Maisfelder und die glühende Sonne begleiteten uns auf unserem weiteren Weg. Im Zickzack ging es durch Maisfelder und Maisfelder und Maisfelder. Kein Schatten und keine Ortschaft in Sicht! Als uns dann auch noch ein alter Mann auf einem Fahrrad begegnet, der uns zahnlos wie er war auch noch erklärt, dass man um diese Zeit nicht wandern gehe, sondern  jetzt Mittagspause mache wie er gleich, hat das unsere Stimmung nicht gerade gehoben.
Trotzdem ging es weiter, an jeder Wegbiegung wurde unsere Hoffnung, endlich dieses scheinbar endlose Labyrinth verlassen zu dürfen, enttäuscht. Die brennende Mittagssonne tat ihr übriges und unsere Laune sank auf einen Tiefpunkt. So quälten wir uns– innerlich „leise“ fluchend – weiter und weiter und erreichten endlich gegen 12.30 Uhr Miramont-Sensacq. Das 400- Seelen-Dorf wirkte wie ausgestorben – verständlich es war Mittagszeit, sehr heiß und Sonntag!!! Keine ideale Kombination für unseren Wunsch, irgendwo Erfrischungen zu bekommen und im Schatten Pause zu machen. Unsere Idee vielleicht in der Herberge etwas zu trinken zu behalten, war auch nicht von Erfolg gekrönt, denn auf dem Schild stand: erst ab 16 Uhr geöffnet!
Da entdeckten wir durch Zufall eine Bäckerei – und sie hatte auch noch auf! Nichts wie hinein. Drinnen durfte es köstlich. Welch einen herrlicher Duft haben doch frische Backwaren! Geradeaus vor uns waren die Ständer für das Baguette. Rechts davon war die Theke mit herrlichem süßen Gebäck!! Eine nette ältere Dame stand hinter der Theke und begrüßte uns freundlich. Unsere Augen wurden beim Anblick der Köstlichkeiten immer grösser und wir strahlten uns und die nette alte Dame an. Nachdem wir ein Baguette und unsere üblichen süßen Schnecken und Croissants gekauft hatten, entdeckten wir hinter den Baguetteregalen einen Tisch mit Stühlen. Voller Hoffnung fragten wir schüchtern an, ob wir vielleicht auch eine Tasse Kaffee haben könnten. Selbstverständlich! Solange unser Kaffee zubereitet wurde, setzten wir uns an den Tisch, zogen unsere Schuhe aus (wir hatten frisch gewaschene Socken an!) und erfrischten unsere Füße auf dem herrlich kühlen mit Mosaik belegten Steinboden. Welch ein Genuss!
Im Gespräch mit der alten Dame erfuhren wir dann, dass die Bäckerei  ihrem Vater gehört hat, der auch noch selber gebacken habe. Wir durften dann im Nebenraum den alten Backofen und im Flur den herrlich gemusterten Steinboden bewundern. Wir hätten noch Stunden hier bleiben und plaudern können, aber die Dame bekam einen Anruf ihrer Tochter, dass das Mittagessen fertig sei. So wurden wir dann ganz freundlich hinauskomplimentiert. Wir bedankten uns für diese ½ Stunde Ruhe und Erfrischung und setzten dann in Hochstimmung – immer wieder unser Glück lobend – unseren Weg nach Pimbo fort.
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Wanzenalarm Teil 2

Wanzenalarm - Teil 2

Geschichten auf dem Via Podiensis

Am Nachmittag waren wir in Nasbinal angekommen. Nachdem wir unser Gepäck in der Herberge abgelegt hatten, sind wir auf ein Glas Wein in den Ort spaziert. Während Marielouise gerade zur Toilette gegangen war, kam ein elsässischer Pilger aufgeregt an unseren Tisch. In der letzten Herberge, in der wir gemeinsam waren, gab es Wanzen. Er zog den Ärmel seines Hemdes hoch und zeigte mir 4/5 Stiche auf seinem Arm. Seine Herbergswirtin habe gesagt, dass seinen Wanzenstiche. Nach einer kurzen Unterhaltung ging er dann weiter. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass er sich zu uns an den Tisch setzen würde. Dann wäre ich aber aufgestanden und schleunigst weggegangen. Als Marielouise zurückkam, erzählte ich ihr von dem Vorfall. Als  bereits routinierte Pilgerinnen besprachen wir die Lage in aller Ruhe und ließen uns auch unser Glas Wein schmecken. Wir waren uns sicher, dass es in der letzten Herberge keine Wanzen gab. Sie war so sauber und gepflegt, außerdem mussten wir die Rucksäcke in Säcke gesteckt in der Waschküche zurücklassen und sollten nur das Notwendigste mit auf die Zimmer nehmen. Zudem hatte der Elsässer Marielouise erzählt, dass seine erste Herberge sehr schmutzig und ungepflegt gewesen wäre. Wahrscheinlich hat er sich da die Wanzen – falls es Wanzenstiche waren – eingefangen?! Also machten wir uns weiter keine Gedanken mehr. Am nächsten Tag ging es weiter nach St. Chely d´ Aubrac. Da die Herberge schon voll war, hatten wir schon am Vortag ein Zimmer in der angeschlossenen Pension gemietet. Ein Doppelzimmer mit eigenem Bad – wie herrlich!  Oder wie Marielouise zu sagen pflegt: Wir sind Glückskinder! Als ich allerdings aus dem Fenster schaute, rief plötzlich jemand: „Hallo Editha!“ Oje der Elsässer! Ich winkte ihm freundlich zu und verschwand schnell ins Zimmer. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, starteten wir zu einem Spaziergang durch den Ort. Während des ganzen Spaziergangs amüsierte sich Marielouise köstlich über mich. Denn an jeder Straßenecke blieb ich stehen und schaut erst einmal vorsichtig um die Ecke. Ok, die Luft war rein, kein Elsässer! Denn ich wollte ihm, seinen Stichen und seinen Wanzen auf keinem Fall begegnen!!! Marielouise grinste nur – oder lachte sie mich etwa aus????? Trotzdem wurde es eine schöne Besichtigung des Ortes.

Und auch diesmal keine Wanzen, keine Stiche! Ich hoffe, falls es noch einmal auf unseren Wanderungen Wanzenalarm gibt, dass es dann wieder ein Fehlalarm ist!
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Wanzenalarm Teil 1

Wanzenalarm - Teil 1

Geschichten auf dem Via Podiensis

Es gibt nur wenige Dinge, die ich auf unseren Wanderungen fürchte – neben aggressiven Hunden, denen wir allerdings in all den Jahren Gott sei Dank nie begegnet sind,  sind es vor allem Wanzen. Leider breiten sich diese Plagegeister ja momentan wieder – nicht nur auf der Weg – stärker aus.
Und prompt hatten wir auch das Problem vor Augen. Wir hatten in einer vormals sehr schönen, heute etwas vernachlässigten Herberge übernachtet. Am nächsten Tag brachen wir fröhlich auf. Da es mit den Übernachtungsmöglichkeiten manchmal eng wurde, entschlossen wir uns bei der Mittagspause, zwei Betten einer Herberge im nächsten Ort zu reservieren. Der Besitzer war ein ehemaliger deutscher Pilger und so ging die Reservierung schnell und einfach. Alles schien gut, bis wir ungefähr eine Stunde nach unserer Reservierung vom deutschen Herbergsvater angerufen wurden. Er fragte uns, in welcher Herberge wir in der letzten Nacht übernachtet hätten. Als ich ihm den Namen nannte, bekam ich die unheilvolle Antwort: „Dann könnt ihr nicht bei mir übernachten!“ Er habe gerade einen Pilger ins Krankenhaus gefahren, der mehrere Wanzenstiche habe und am Tag zuvor ebenfalls in dieser Herberge übernachtet habe.
Wanzenalarm!!!!!!  Uns fuhr der Schrecken in die Glieder. Sollten wir uns auch diese Mistdinger eingefangen haben? Aber wir hatten doch Bettlaken und Bett wie immer kontrolliert! Stiche hatten wir auch keine aber……….????????
Mit schweren Gedanken setzten wir unsere Wanderung fort. Von der schönen Landschaft bekamen wir nicht viel mit. Unsere Gespräche kreisten um die Fragen: Hatten wir nicht genug nachgeschaut? Hatte sich der kranke Pilger wirklich in der Herberge die Wanzen eingefangen? Waren die Matratzen auf der wilden Mülldeponie, an der wir kurz nach der Herberge vorbei gekommen waren, vielleicht von der Herberge dort entsorgt worden? Wenn wir doch Wanzen im Rucksack haben, was machen wir dann? Alle Kleider und den Rucksack bei 60° Grad waschen und wenn ja, wo? Oder alles wegwerfen? Würden wir überhaupt noch eine Herberge finden, die uns aufnimmt? Im Pilgerpass stand ja die letzte Herberge mit Namen drin. Spüre ich es doch irgendwo jucken? Brrrrrrrr!!!!!
Solche und noch mehr Gedanken diskutierten wir auf dem ganzen Weg! Angekommen beruhigten wir uns erst einmal nach dem Schrecken mit einem frischen Glas Bier. Dann entschlossen wir uns, erst im nächsten Dorf eine Herberge aufzusuchen. Wir fanden auch eine schöne mit einem gemütlichen Doppelzimmer. Und dann begann die Arbeit. Auf einem weißen Laken wurden nach und nach die Rucksäcke geleert. Alle Kleidungsstücke wurden akribisch untersucht und dann am Fenster ausgeschüttelt. Gott sei Dank hat uns keiner beobachtet – die Leute hätten sich schon arg gewundert. Gefunden haben wir nichts und Stiche hatten wir auch keine – auch an den nächsten Tagen nicht. Also falscher Alarm!!!!!! Gleichzeitig waren wir froh, nicht in der Herberge mit dem kranken Pilger übernachtet zu haben. Vielleicht sind ja jetzt die Wanzen dort?! So war der Schreckensanruf letztendlich vielleicht sogar ein Glücksfall für uns!
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