Wanzenalarm - Teil 1

Geschichten auf dem Via Podiensis

Es gibt nur wenige Dinge, die ich auf unseren Wanderungen fürchte – neben aggressiven Hunden, denen wir allerdings in all den Jahren Gott sei Dank nie begegnet sind,  sind es vor allem Wanzen. Leider breiten sich diese Plagegeister ja momentan wieder – nicht nur auf der Weg – stärker aus.
Und prompt hatten wir auch das Problem vor Augen. Wir hatten in einer vormals sehr schönen, heute etwas vernachlässigten Herberge übernachtet. Am nächsten Tag brachen wir fröhlich auf. Da es mit den Übernachtungsmöglichkeiten manchmal eng wurde, entschlossen wir uns bei der Mittagspause, zwei Betten einer Herberge im nächsten Ort zu reservieren. Der Besitzer war ein ehemaliger deutscher Pilger und so ging die Reservierung schnell und einfach. Alles schien gut, bis wir ungefähr eine Stunde nach unserer Reservierung vom deutschen Herbergsvater angerufen wurden. Er fragte uns, in welcher Herberge wir in der letzten Nacht übernachtet hätten. Als ich ihm den Namen nannte, bekam ich die unheilvolle Antwort: „Dann könnt ihr nicht bei mir übernachten!“ Er habe gerade einen Pilger ins Krankenhaus gefahren, der mehrere Wanzenstiche habe und am Tag zuvor ebenfalls in dieser Herberge übernachtet habe.
Wanzenalarm!!!!!!  Uns fuhr der Schrecken in die Glieder. Sollten wir uns auch diese Mistdinger eingefangen haben? Aber wir hatten doch Bettlaken und Bett wie immer kontrolliert! Stiche hatten wir auch keine aber……….????????
Mit schweren Gedanken setzten wir unsere Wanderung fort. Von der schönen Landschaft bekamen wir nicht viel mit. Unsere Gespräche kreisten um die Fragen: Hatten wir nicht genug nachgeschaut? Hatte sich der kranke Pilger wirklich in der Herberge die Wanzen eingefangen? Waren die Matratzen auf der wilden Mülldeponie, an der wir kurz nach der Herberge vorbei gekommen waren, vielleicht von der Herberge dort entsorgt worden? Wenn wir doch Wanzen im Rucksack haben, was machen wir dann? Alle Kleider und den Rucksack bei 60° Grad waschen und wenn ja, wo? Oder alles wegwerfen? Würden wir überhaupt noch eine Herberge finden, die uns aufnimmt? Im Pilgerpass stand ja die letzte Herberge mit Namen drin. Spüre ich es doch irgendwo jucken? Brrrrrrrr!!!!!
Solche und noch mehr Gedanken diskutierten wir auf dem ganzen Weg! Angekommen beruhigten wir uns erst einmal nach dem Schrecken mit einem frischen Glas Bier. Dann entschlossen wir uns, erst im nächsten Dorf eine Herberge aufzusuchen. Wir fanden auch eine schöne mit einem gemütlichen Doppelzimmer. Und dann begann die Arbeit. Auf einem weißen Laken wurden nach und nach die Rucksäcke geleert. Alle Kleidungsstücke wurden akribisch untersucht und dann am Fenster ausgeschüttelt. Gott sei Dank hat uns keiner beobachtet – die Leute hätten sich schon arg gewundert. Gefunden haben wir nichts und Stiche hatten wir auch keine – auch an den nächsten Tagen nicht. Also falscher Alarm!!!!!! Gleichzeitig waren wir froh, nicht in der Herberge mit dem kranken Pilger übernachtet zu haben. Vielleicht sind ja jetzt die Wanzen dort?! So war der Schreckensanruf letztendlich vielleicht sogar ein Glücksfall für uns!
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