Wanzenalarm - Teil 2

Geschichten auf dem Via Podiensis

Am Nachmittag waren wir in Nasbinal angekommen. Nachdem wir unser Gepäck in der Herberge abgelegt hatten, sind wir auf ein Glas Wein in den Ort spaziert. Während Marielouise gerade zur Toilette gegangen war, kam ein elsässischer Pilger aufgeregt an unseren Tisch. In der letzten Herberge, in der wir gemeinsam waren, gab es Wanzen. Er zog den Ärmel seines Hemdes hoch und zeigte mir 4/5 Stiche auf seinem Arm. Seine Herbergswirtin habe gesagt, dass seinen Wanzenstiche. Nach einer kurzen Unterhaltung ging er dann weiter. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass er sich zu uns an den Tisch setzen würde. Dann wäre ich aber aufgestanden und schleunigst weggegangen. Als Marielouise zurückkam, erzählte ich ihr von dem Vorfall. Als  bereits routinierte Pilgerinnen besprachen wir die Lage in aller Ruhe und ließen uns auch unser Glas Wein schmecken. Wir waren uns sicher, dass es in der letzten Herberge keine Wanzen gab. Sie war so sauber und gepflegt, außerdem mussten wir die Rucksäcke in Säcke gesteckt in der Waschküche zurücklassen und sollten nur das Notwendigste mit auf die Zimmer nehmen. Zudem hatte der Elsässer Marielouise erzählt, dass seine erste Herberge sehr schmutzig und ungepflegt gewesen wäre. Wahrscheinlich hat er sich da die Wanzen – falls es Wanzenstiche waren – eingefangen?! Also machten wir uns weiter keine Gedanken mehr. Am nächsten Tag ging es weiter nach St. Chely d´ Aubrac. Da die Herberge schon voll war, hatten wir schon am Vortag ein Zimmer in der angeschlossenen Pension gemietet. Ein Doppelzimmer mit eigenem Bad – wie herrlich!  Oder wie Marielouise zu sagen pflegt: Wir sind Glückskinder! Als ich allerdings aus dem Fenster schaute, rief plötzlich jemand: „Hallo Editha!“ Oje der Elsässer! Ich winkte ihm freundlich zu und verschwand schnell ins Zimmer. Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, starteten wir zu einem Spaziergang durch den Ort. Während des ganzen Spaziergangs amüsierte sich Marielouise köstlich über mich. Denn an jeder Straßenecke blieb ich stehen und schaut erst einmal vorsichtig um die Ecke. Ok, die Luft war rein, kein Elsässer! Denn ich wollte ihm, seinen Stichen und seinen Wanzen auf keinem Fall begegnen!!! Marielouise grinste nur – oder lachte sie mich etwa aus????? Trotzdem wurde es eine schöne Besichtigung des Ortes.

Und auch diesmal keine Wanzen, keine Stiche! Ich hoffe, falls es noch einmal auf unseren Wanderungen Wanzenalarm gibt, dass es dann wieder ein Fehlalarm ist!
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