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Geschichten Geschichten Via de la Plata

Das kühle Bad im Fluss

Das kühle Bad im Fluss

Geschichten auf dem Via de la Plata

Es war wieder einer dieser heißen Tage im Oktober auf dem Weg zwischen Ourense und Cena. Wir kamen durch das kleine Dorf Bouzas, kein Mensch auf der Straße, nur eine ältere Frau saß auf ihrem Balkon. Wir grüßten freundlich und wollten schon weiter gehen, da sprach sie uns an. Obwohl es mit unserem Spanisch nicht sehr weit her ist, verstanden wir doch so ungefähr, dass es ein heißer Tag sei und doch sehr anstrengend zu laufen. Wir nickten. Dann gab sie uns einen Tipp, wir würden bald an eine Brücke kommen, unter der befinde sich ein kleiner Fluss und dort könnten wir ohne Bedenken baden. Der Fluss sei ganz sauber. Im Stillen hoffend dass uns unsere „Spanischkenntnisse“ nicht täuschten, marschierten wir weiter. Und wirklich nach kurzer Zeit errichten wir die kleine Brücke.  Am Ufer standen hohe Erlen und unten schlängelte sich der kleine Fluss im Schatten der Bäume entlang. Nach rechts und links schauend überstiegen wir einen kleinen Zaun und eilten zum Fluss. Wir suchten eine etwas versteckte Stelle. Schnell waren die Kleider ausgezogen und wir genossen – wie Gott uns schuf – das kühle Nass. Welch ein Vergnügen!!! Wie wenig man manchmal braucht, um glücklich zu sein. Gestärkt gingen wir den letzten Teil der Wanderung an und dachten dabei mit Dankbarkeit an die Dame, die uns den Tag gerettet hat.

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“Iss, bevor es kalt wird.”

"Iss, bevor es kalt wird."

Geschichten auf dem Via de la Plata

Es war in der Herberge in Almendralejo, die in einem ehemaligen Kloster untergebracht ist. Marie Louise und ich hatten es uns  in einem der Zimmer, die es hier neben dem Schlafsaal gab,  gemütlich gemacht. Ein eigenes Zimmer, ein eigenes Bad – das wollten wir uns schon einmal gönnen. Dann ging es in die Küche, in der wir uns unsere Pepperinos braten wollten. Aber zunächst gönnten wir uns in Ruhe ein Glas Wein. In der Küche trafen wir auf ein deutsches Ehepaar, die den Camino de la Plata von Santiago aus nach Sevilla entlang wanderten. Sie hatten sich Spaghetti gekocht. Er erzählte uns dann lang und breit über den Weg, der vor uns lag, den Umweg, den man machen müsste, da der direkte Weg gesperrt sei, dem Wetter, das uns erwartete und so weiter. Er erzählte und erzählte und erzählte. Nach gefühlten 10 Minuten ergriff seine Frau das erste Mal das Wort, nachdem sie vorher still ihre Nudeln gegessen hatte. Aber sie hatte ihren Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da unterbrach er sie schon barsch: “Iss, bevor es kalt wird!“ Und sie schwieg wieder brav. Marie Louise und ich schauten uns mit großen Augen an. Na, mit diesem Mann wollten wir eigentlich nichts mehr zu tun haben. Nachdem ich ihn dann bei seiner nächsten Erzählung unterbrochen und korrigiert hatte, sagte er nur: “Typisch Lehrerin!“, räumte sein Geschirr zusammen und ging mit seiner Frau nach oben. Wir mussten noch zweimal durchschnaufen, bevor wir uns dann ans Kochen machten und unser Essen dann wirklich genießen konnten. Unsere Gedanken gingen zu unseren Männern zu Hause und mit Dankbarkeit dachten wir an ihre respektvolle liebe Art mit uns zu reden. Fairer Weise muss man sagen, dass war einer der ganz seltenen Momente auf dem Jakobsweg, in dem uns  jemand wirklich unsympathisch war.

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