Das Fort du Portalet ist eine Festung im Aspe-Tal im Departement Bearn in den französischen Pyrenäen in der Nähe der spanischen Grenze. Es wurde zwischen 1842 und 1870 im Auftrag von Louis Philippe I erbaut. Das Fort liegt auf einem Felsvorsprung oberhalb der Schlucht des Flusses Grave d`Aspe und bewachte somit den Zugang zum Somport-Pass. Es diente als Schutz der Landstraße und zur Verteidigung gegen eine mögliche spanische Invasion.
Auf einem Höhenunterschied von 150 m wurden auf zwei Etagen eine Kaserne für Soldaten und ein Pavillon für Offiziere errichtet. Es gab Platz für insgesamt 400 Mann und wurde von dem 18. Infanterieregiment zwischen 1871 und 1925 als Depot und Kaserne genutzt. Danach geriet es etwas in Vergessenheit. Allerdings erlangte es im zweiten Weltkrieg wieder eine weniger rühmliche Bekanntheit.
Denn hier hielt die deutschlandfreundliche Vichy-Regierung bekannte französische Politiker in Gewahrsam. Darunter Leon Blum, Edouard Daladier, Paul Reynaud, George Mandels und Maurice Gamelin. In den Rion-Prozessen zwischen Februar 1942 und Mai 1943 versuchte man, den Politikern der Vorgänger-Regierungen die Schuld an der militärischen Niederlage in die Schuhe zu schieben und verurteilte sie zum Teil zu lebenslanger Haft. Leon Blum – früherer Ministerpräsident Frankreichs, wurde später nach Deutschland deportiert und zwischen 1943 und 1945 im KZ Buchenwald interniert. Edouard Daladier – ehemaliger Ministerpräsident und Kriegsminister – wurde 1943 nach Schloss Itter nahe Wörgl gebracht. Das Schloss diente damals als Außenstation für Sonder- und Ehrenhäftlinge des KZs Dachau. Paul Reynaud – ebenfalls ehemaliger Ministerpräsident – wurde auch in Itter inhaftiert. George Mandels – Innenminister unter Reynaud – wurde ins KZ Oranienburg und dann ins KZ Buchenwald deportiert. 1944 kam er in Gewahrsam der paramilitärischen Milice francaise und wurde von dieser als Vergeltung für die Ermordung eines Propaganda-Ministers der Vichy-Regierung ermordet. Maurice Gamelin – Oberbefehlshaber der französischen Armee 1940 – wurde 1942 ebenfalls nach Schloss Itter gebracht. Die Inhaftierten von Schloss Itter wurden dann im Mai 1945 mit Hilfe einer Einheit der amerikanischen Armee und einer Wehrmachtseinheit, die sich gegen die SS-Besatzung stellte, befreit. Das war das erste und einzige Mal, dass die Wehrmacht und die Amerikaner im 2.Weltkrieg gemeinsam kämpften.
Pikanterweise wurde nach Ende des 2. Weltkrieges Philippe Petain, der Regierungschef der Vichy-Regierung, drei Monate in der Festung Portalet inhaftiert. Das Fort wurde später von der französischen Regierung aufgegeben. 1999 kauften es die örtlichen Behörden und restaurierten es. Heute plant man eine touristische Wiederbelebung des Fort zusammen mit dem Chemin de la Mature Urdos und dem Bahnhof in Canfranc.